Aktionen in Berlin und Brandenburg - Pflegekräfte verweisen mit Protesttag auf ihre prekäre Lage

Do 12.05.22 | 21:51 Uhr
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300 Aufstellplakate mit Botschaften von pflegenden Angehörigen hat der Sozialverband VdK auf der Wiese zwischen dem Paul-Löbe-Haus und dem Bundeskanzleramt aufgestellt. (Quelle: dpa/Bernd von Jutrczenka)
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Video: rbb|24 | 12.05.2022 | Material: rbb24 Abendschau | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Zum "Internationalen Tag der Pflegenden" hat es am Donnerstag Proteste in Brandenburg und Berlin gegeben. Am Klinikum in Frankfurt (Oder) hatte die Gewerkschaft Verdi Beschäftigte zu einer "aktiven Mittagspause" aufgerufen, um damit auf den Personalmangel aufmerksam zu machen.

Auch in Berlin protestierten Angehörige der Pflegeberufe gegen Arbeitsverdichtung oder auch Auslagerung von Küche und Technik aus Kliniken. Mit einem sogenannten "Walk of care" wurde unter anderem auf das Gewinnstreben zum Vorteil von Aktionären durch Pflegekonzerne hingewiesen.

"Walk of Care" und aktive Mittagspause

Der Protestmarsch startete im Invalidenpark im Bezirk Mitte. Zuvor hatten sich Pflegende aus der Uniklinik Charité und vom landeseigenen Krankenhauskonzern Vivantes zu einer Fotoaktion getroffen, um politische Forderungen sichtbar zu machen.

Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) würdigte zum Aktionstag das Engagement von pflegenden Angehörigen. Ihren Angaben zufolge werden in Brandenburg über 83 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause versorgt. Sie kündigte an, Beratung und Unterstützung für Angehörige auszubauen.

Volkssolidarität fordert zügig mehr Geld für die Pflegekräfte

Die Vorstandsvorsitzende der Volkssolidarität Berlin, Susanne Buss, hat zügige Verhandlungen um mehr Geld für die Pflegekräfte gefordert.

Buss sagte am Donnerstagabend in der rbb24 Abendschau, der Gesetzgeber habe entsprechende Vorgaben für Tarifsteigerungen in diesem Jahr gemacht. Bei den Absprachen mit den Kostenträgern dürfe es jetzt keine Verzögerungen geben. Das würde den Pflegenden helfen, sagte Buss. Um den Pflegeberuf insgesamt attraktiver zu machen, fehlten zur Zeit noch die Lösungen. Zum Beispiel bei der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder der optimierten Gestaltung der Schichtdienste. Auch qualitative Zusatzausbildungen müssten gerade für Einsteiger interessanter gemacht werden.

Anlässlich des internationalen Tags der Pflegenden lobte Buss die unkomplizierte Unterstützung des Berliner Senats bei der Behandlung und Unterbringung von pflegebedürftigen Menschen aus der Ukraine. Buss wünschte sich in dem Zusammenhang generell mehr pragmatische Lösungen im Pflegealltag.

Sendung: rbb24 Abendschau, 12.05.2022, 19:30 Uhr

8 Kommentare

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  1. 8.

    Herr Lauterbach, jetzt ist die Zeit, unser offensichtlich schwer marodes Gesundheitssystem zu reparieren. Ihren großen Auftritt erwarte ich jetzt. Auf Intensiv liegen budesweit nur noch weniger als 1.000 Menschen mit oder wegen Corona. Jetzt, wenn also keine Not herrscht, muss man anfangen, die Pflegeberufe wieder attraktiv zu machen. Menschen in der Pflege brauchen zum einen eine bessere Bezahlung, aber das ist nur ein Punkt. Der wichtigere Punkt ist m.E. dass die Arbeitsbelastung für die Pflegenden sinkt, damit sie Zeit haben, sich um die Kranken zu kümmern. In diesen Berufen arbeiten viele Menschen, weil sie anderen gerne helfen wollen. Das erzeugt ein Gefühll der Freude bei Patienten und Pflegenden. Wenn letztere aber merken, dass ihre Hilfsbereitschaft und ihr Altruismus schamlos ausgenutzt werden, dann wenden sie sich in Scharen ab. Herr Lauterbach, ich zähle auf Sie. Jetzt.

  2. 7.

    wurde unter anderem auf das Gewinnstreben zum Vorteil von Aktionären durch Pflegekonzerne hingewiesen."
    Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
    So lange, wie ein Großteil des Krankenversorgungssystems privatisiert ist und der Profit oberste Meßlatte unternehmerischer Entscheidungen, so lange werden wir uns mit solchen Problemen herumschlagen.
    Der Bereich gehört in öffentliche Hand. Die privaten haben hinlänglich gezeigt, das sie keine bessere Versorgung zu günstigen Kosten liefern können.

  3. 6.

    Hallo Herr Lauterbach sind Sie jetzt nach Corona abgetaucht? Es ist traurig, dass dieses Thema seit langem bekannt ist, jedoch fast nichts unternommen wird; von unserem noch derzeitigen Gesundheitsminister hört man nichts mehr außer das eine Killervariante im Herbst kommt… Schade des es für ihn wirklich kein anderes Thema gibt außer Corona obwohl für viele Themen Lösungen gefunden werden müssen, unter anderem der Pfegenotstand.

  4. 5.

    und zusätzlich @ Blümel,

    weshalb das in diesem Land nicht klappt - so jedenfalls mein Eindruck - ist eben dasjenige, jeglichen Vorwurf von irgendjemanden von vornherein auszuräumen, den Eventualfall des Eventualfalles des Eventualfalles auszuschließen.

    Wenn Oma ihren 90. Geburtstag im Heim verbringt und die rundum dokumentierten Werte anzeigen, dass Sahne ihre Werte durch die Decke schießen lassen, wird Oma der Verzehr der mitgebrachten Sahnetorte schlichtweg untersagt. Aus hygienischen Gründen ggf. auch schon, denn es war ja schließlich niemand dabei, als sie privat hergestellt wurde. Isst sie sie nicht, gibt es Protest wegen einer an den Tag gelegten Unmenschlichkeit, isst sie sie dennoch - bei Eintragen des Sachverhalts - und führt es ggf. zu gesundheitlichen Problemen, ist natürlich das Pflegepersonal dran.

    Woanders würden Menschen ggf. "locker" mit so etwas umgehen. Nicht so in Deutschland: Geht etwas schief, gilt es v. a., den einzigen Schuldigen auszumachen.

  5. 4.

    Seit 40 Jahren wird die Problematik des Pflegenotstandes und der Altersarmut wortreich in der Politik diskutiert. Bis heute immer die gleiche Antwort. Beiträge rauf, Leistung runter. Und natürlich die Lösung, die Lücken über Versicherungen oder Aktien zu minimieren. Sprich,Konzerne zu pushen. Systemumstellung-Fehlanzeige. Dies lässt nur den Schluss zu, die Entscheidungsträger in der Politik verdienen mit. Und das es anders geht, zeigen viele unserer Nachbarn in Westeuropa und Skandinavien.

  6. 3.

    Eine kleine Korrektur: Im dritten Satz soll selbstverständlich nicht "Abwendung", sondern "Abweichung" stehen. Darauf stützt sich dann der vierte, der folgende Satz.

    Ganz grundsätzlich geht es mithin darum, dass die Lebensweise von Gepflegten und ein starrer Plan, der von außen kommt, nur sehr bedingt zueinander passt.

  7. 2.

    "Ist Grund-)Vertrauen illusionär?"
    Nein, das ist es nicht. Wer endlos kontrolliert, hat entweder zu viel Zeit oder aber der Kontrollierte hat nicht die richtigen Zielvorgaben. Egal was gilt, entweder ist der Eine oder der Andere "zu viel"... und die Bürokratie erst recht.

    P.S. Die Löhne gehören an dieser Stelle erkämpft statt von der Politik zu fordern... Das hat Frau Merkel in der Wahlarena gemeint, als sie sagte: Sie werde jede Interessenvertretung der Pflegenden unterstützen. Es hatte damals nur nicht jeder verstanden...

  8. 1.

    Das ganze System der Pflege leidet unter der versuchten, akribischen Abwendung von Abrechnungsmissbrauch. Daraus ist ein System von Kontrolle entstanden, das minutiös und nahezu jeglichen Handgriff dokumentationspflichtig macht - zumindest tendenziell. Wer in Fünf- bis Siebenminuten-Rastern zu denken gewohnt ist, erlebt jegliche Abwendung davon als Störung des technischen Ablaufs. Und von diesen so bezeichneten Abweichungen gibt es alltäglich eine ganze Menge. Weil Menschen eben Menschen sind und keine zu handhabenden "Gerätschaften".

    Eine bedingte Entkoppelung von praktischer Handhabung und Zeit- und Geldkategorien würde zu mehr Menschlichkeit führen, setzt allerdings ein hohes Maß an Vertrauen voraus. Einige Häuser sind rein praktisch nah dran - da, wo das starre System nun wirklich nicht bis ins Letzte greifen kann - andere mit recht homogenen Heimbewohnern setzen das starre System 1 : 1 um.

    Ist Grund-)Vertrauen illusionär?

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