Klimabelastung durch Militär - Treibhausgas-Emissionen der Bundeswehr steigen erheblich

Do 19.05.22 | 06:14 Uhr | Von Torsten Mandalka
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Archivbild: Berlin: Ein Airbus A400M fliegt während einer Präsention der Bundeswehr am Tower des Flughafens Tegel vorbei. (Quelle: dpa/ Ralf Hirschberger)
Audio: rbb24 Inforadio | 19.05.2022 | Torsten Mandalka | Bild: Quelle: dpa/ Ralf Hirschberger

Die klimaschädlichen CO2-Emissionen der Bundeswehr sind in den vergangenen drei Jahren um fast 18 Prozent gestiegen. Das soll vor allem an dem Heizverhalten in den Kasernen liegen. Von Torsten Mandalka

Wenn ein Airbus der Bundeswehr-Flugbereitschaft in Berlin abhebt, um zu seinem Stationierungsort nach Köln/Bonn zurückzufliegen, stößt er für diesen Flug schätzungsweise bis zu 15 Tonnen klimaschädliches CO2 aus. Und das ist nur einer von rund 400 Verbindungsflügen der Flugbereitschaft zwischen ihren verschiedenen Stationierungsorten pro Jahr. Rund drei Viertel davon sind Leerflüge – auch wenn die Luftwaffe das in Abrede stellt und von der Notwendigkeit von Übungs- und Schulungsflügen spricht.

Ein solcher Airbus-Flug gehört zum Bereich der "militärspezifischen Mobilität". Der Anstieg der CO2-Emissionen in diesem Bereich betrug nach Angaben der Bundesregierung von 2019 bis 2021 25 Prozent. Ursächlich dafür sei vor allem der Anstieg des Kraftstoffverbrauchs der Luftwaffe. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen hervor.

Mehr Flugzeuge und mehr Heizungen

Zur Erklärung ergänzte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums gegenüber rbb24 Recherche, bei der Erfassung von Flugkraftstoffverbräuchen habe es in den letzten Jahren einen Systemwechsel gegeben, so dass jetzt auch Drittanbieter (z.B. Betankung im Ausland) erfasst würden. Zudem habe sich die "materielle Einsatzlage" verbessert – es steht also nicht mehr so viel Gerät im Wartungsstau und wird deshalb wieder bewegt. Sie spricht außerdem von einem "Zulauf weiterer Flugzeuge" – auch so sei der erhöhte Ausstoß von klimaschädlichen Gasen zu erklären.

Insgesamt hat die Bundeswehr im Jahr 2021 1,71 Millionen Tonnen CO2-Equivalent ausgestoßen gegenüber 1,45 Millionen Tonnen im Jahr 2019. Das entspricht einer Steigerung von 17,9 Prozent. Zur Begründung gibt der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Hitschler (SPD) den Mehrverbrauch von Brennstoffen im Infrastrukturbereich an, vor allem also zur Heizung von Liegenschaften. Die Wintertemperaturen 2021 hätten deutlich unter jenen des Jahres 2020 gelegen, ergänzte die Ministeriums-Sprecherin. Außerdem habe es auch hier eine durch die Bundesregierung vorgegebene Veränderung der Berechnungsgrundlage gegeben. Auf der anderen Seite habe wahrscheinlich die Pandemie und die dadurch gestiegene Home-Office Quote auch zu Einsparungen geführt. Sonst wären die Emissionssteigerungen wohl noch höher.

Linken-Abgeordnete: Bundeswehr ist ein Klima-Killer

Im Vergleich zur Gesamt-Klimabilanz der Bundesrepublik schneidet die Bundeswehr jedenfalls besonders schlecht ab. Schon 2018 – noch vor Corona – sanken die CO2-Emissionen der Republik um 4,5 Prozent. In den Corona-Jahren 2019 und 2020 verzeichnete das Umweltbundesamt Rückgänge um 6,3 bzw. 8,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, bevor sie 2021 wieder um 4,5 Prozent anstiegen.

Die Energie- und Emissionsbilanz des bundesdeutschen Militärs ist den aktuell veröffentlichten Zahlen zum Trotz aber nach wie vor unvollständig dokumentiert: die Auslandseinsätze deutscher Soldaten sind bisher nicht eingerechnet. Entsprechende Daten lägen allenfalls in den Einsatzländern oder bei den einsatztragenden internationalen Organisationen vor, heißt es. Auch zivile Flüge von Bundeswehrangehörigen finden in der Aufstellung keine Berücksichtigung, ebenso wenig wie die Klimabilanz der Rüstungsproduktion. Auch nach den für die Zukunft geplanten 100-Milliarden-Sonderinvestitionen ins Militär und deren Klimaauswirkungen fragten die Linken. "Potenzielle Auswirkungen von Erhöhungen des Verteidigungsetats auf die Treibhausgas-Emissionen sind rein hypothetisch und können daher nicht beziffert werden", heißt es dazu von Seiten des Verteidigungsministeriums.

Die Fragestellerin Sevim Dagdelen (Linke) zieht aus all dem folgende Schlussfolgerung: "Der massive Anstieg der CO2-Emissionen zeigt: die Bundeswehr ist ein Klimakiller." Eine weitere Aufrüstung werde den ökologischen Fußabdruck der Bundeswehr zulasten von Mensch und Umwelt dramatisch weiter vergrößern. Statt in Militär sollte in Energiesicherheit und Klimaschutz investiert werden.

Militär als blinder Fleck in der Klimaforschung

Zur Klimabelastung durch Kriege und Militäreinsätze gibt es in der Klimaforschung kaum Erkenntnisse. Etwas detaillierter – und deswegen mit den Daten der Bundeswehr kaum vergleichbar - sind Studien, die zur Klimabilanz des US-Militärs vorliegen. Schon 2019 hat Neta Crawford, eine Wissenschaftlerin der Universität Boston, festgestellt, dass das amerikanische Verteidigungsministerium der größte Einzelverbraucher von Energie in den USA und der größte institutionelle Verbraucher von Erdöl weltweit ist.

2017 emittierte das US-Militär demnach rund 59 Millionen Tonnen CO2 Equivalent, mehr als z.B. Schweden, Finnland oder Dänemark insgesamt ausstoßen. Vergleichbare Erkenntnisse und entsprechendes Zahlenmaterial liegen für ebenfalls hoch gerüstete Länder wie Russland oder China allerdings nicht vor. Aus den bisherigen UN-Protokollen zum Klimaschutz von Kyoto über Paris bis Glasgow blieb das Militär immer ausgespart.

Sendung: Abendschau, 19.05.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Torsten Mandalka

39 Kommentare

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  1. 39.

    Wäre mir neu, dass es "umweltfeundliche Kriegsführung" gibt. Nur weil Kriegswaffen rentabel für Produzenten sind und es Abnehmer dafür gibt muss sich die friedliche Welt damit plagen. Von den "Militärischen Altlasten" ganz zu schweigen.

  2. 38.

    Das Problem bei der Sache ist das ein Kraftwerk Energie erzeugt damit wir nicht im Dunkeln sitzen.
    Bei einem Militärverband ist es umgekehrt.
    Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied.

  3. 37.

    Sie haben ein Adjektiv überlesen. ;-) Die Statistik hinkt zudem auch deshalb, dass Putin die solidarischen Grüße von Dagdelen nicht mit Zahlen zu seinem Militär beantwortet hatte. Dass die USA auch auf Grund der Bündnisverpflichtungen viel über den Atlantik und den Pazifik fliegen, ist dabei unstrittig. Addieren Sie zudem mal allein die CO2-Emissionen der LEAG Braunkohlekraftwerke zusammen und Sie erleben eine Überraschung, wenn Sie die mit der hier kolportierten Zahl zum US Militär vergleichen.

    Abrüstung hat es dabei sehr wohl gegeben, auch wenn die Bundewehr seit der Wende mehr geworden ist als ein reines Territorialheer, dass ein paar Tralls auf Hilfsflüge nach Afrika schickt. In den 80ern dienten knapp 700.000 Deutsche beim Militär. Heute sind es etwas unter 200.000. Nur ist diese Friedensdividende längst aufgebraucht.

  4. 36.

    Sie haben ein Adjektiv überlesen. ;-) Die Statistik hinkt zudem auch deshalb, dass Putin die solidarischen Grüße von Dagdelen nicht mit Zahlen zu seinem Militär beantwortet hatte. Dass die USA auch auf Grund der Bündnisverpflichtungen viel über den Atlantik und den Pazifik fliegen, ist dabei unstrittig. Addieren Sie zudem mal allein die CO2-Emissionen der LEAG Braunkohlekraftwerke zusammen und Sie erleben eine Überraschung, wenn Sie die mit der hier kolportierten Zahl zum US Militär vergleichen.

    Abrüstung hat es dabei sehr wohl gegeben, auch wenn die Bundewehr seit der Wende mehr geworden ist als ein reines Territorialheer, dass ein paar Tralls auf Hilfsflüge nach Afrika schickt. In den 80ern dienten knapp 700.000 Deutsche beim Militär. Heute sind es etwas unter 200.000. Nur ist diese Friedensdividende längst aufgebraucht.

  5. 35.

    Sicher, im Krieg muss sehr viel kinetische und zerstörerische Arbeit verrichtet werden.
    Aber wie in #14 bereits angedeutet, ist der CO2-Ausstoß im Krieg ja wohl das geringste Problem.

  6. 34.

    " Das soll vor allem an dem Heizverhalten in den Kasernen liegen. " ?????

    da kreisen täglich über viele Stunden etliche Flugzeuge von Noto Staaten in Polen und Rumänien in grenznahen Bereichen zur Ukraine , und hier wird über das Heizverhalten in den Kasernen diskutiert ? was ist denn im Heizverhalten großer Wohnblocks anders ? und Treibhausgas-Emissionen , verursacht durch den Krieg in der Ukraine ?

  7. 33.

    Bei den Flugzeugträgern mögen Sie recht haben, der Rest der Gruppe, bis auf die U-Boote, erzeugt im laufenden Betrieb reichlich CO2.

  8. 32.

    Wo und wann gab es jemals einen sozialistischen Staat Bebelscher Prägung.
    Ich kann mich nur an stalinistische Diktaturen erinnern, die diese Begriffe zweckentfremdet haben.

  9. 31.

    Die amerikanischen Flugzeugträger besitzen einen Nuklearantrieb. Das Problem sind die „getragenen“ Flugzeuge und das Kerosin.

  10. 30.

    Die letzten beiden Absätze.
    Wenn man sich dann noch vorstellt wieviel Stützpunkte die US-Streitkräfte weltweit unterhalten müssen und auch ein Flugzeugträger samt dazugehöriger Flotte streift nicht emissionslos über die Meere. Da wird schon etwas verbraucht.
    Wir sollten nur nicht so tun dass wir das nicht auch machen.
    Über dem Atlantik ist alles ein paar Nummern größer.

  11. 29.

    Volltreffer, genau so! Wir wollen ALLES, aber bitte nicht in der eigenen Komfortzone! Autofreie Innenstadt für bessere Luft, ja gerne, aber wie komme ich dann zu Omma am anderen Ende der Stadt?? Es fehlt die Einsicht, dass es nur funktioniert, wenn Alle ihren Beitrag leisten.

  12. 28.

    Wo steht das? Im Text steht allerdings auch, dass viele Militärs die Zahlen nicht veröffentlichen.

  13. 27.

    Es bedarf noch ein paar menschengemachter Kriege und menschengemachter Katastrophen, bis das blöde Tier Mensch begreift. Also hört auf zu Lamentieren und macht weiter wie bisher, dann dauerts nicht soo lange, bis endlich alle Menschenviecher weg sind. Solange jeder nur auf den anderen zeigt, muss das Mensch eben noch lernen. Der Natur ists egal, die holt sich ihren Lebensraum zurück, wenn das Menschenraubtier endlich weg ist.

  14. 26.

    Die Bundeswehr könnte den CO2 Ausstoß kempensieren indem sie ein Recht auf Homeoffice einräumt. Aber nein, es geht wieder zurück zur vollen Präsend

  15. 24.

    Sie haben den Text komplett gelesen?
    Auch ohne Krieg ist das US-Militär der größte Erdölverbraucher weltweit!

  16. 23.

    Natürlich sind wir verteidigungsfähig. Die Wehrbeauftragte erzählt so etwas nur um noch mehr abzufassen.
    Das ist jammern auf hohem Niveau. So wird es in jeder Armee auf der Welt zugehen. 100 Milliarden müssen auch irgendwie ausgegeben werden.

  17. 22.

    Hatten wir hier irgendwo schon mal Kommunismus?
    Es gibt hier und da zur Zeit noch sozialistische Staaten. Auch Russland ist ein kapitalistischer Staat.
    Ich habe nicht erlebt dass in den letzten dreißig Jahren der CO2-Ausstoß abgenommen hat. Am Sozialismus kann es nicht gelegen haben.
    Abrüstung erfolgte ebenfalls nicht. Sogar unsere Marine schickt Schiffe um die halbe Welt. Von anderen Staaten muss man gar nicht reden.
    Vielleicht könnten ja alle Staaten der NATO beitreten, dann hätten sich alle Probleme erledigt!

  18. 21.

    Niemand will das Klima retten. Die Menschheit ist zu egoistisch, zu unfertig, zu unreif, wir wollen das nicht umsetzen. Es würde auch nie funktionieren, weil man sich erst um die Umwelt kümmern kann, wenn man selbst sicher und friedlich agieren kann. Maslowsche Bedürfnispyramide. Wenn deutsche Unternehmer in Rumänien einen der letzten Urwälder abholzen, sich aber über die bösen Brasilianer aufregen, dann ist das dem Klima unnützlich, aber der Schein wird gewahrt, im Namen des Klimas. Der Mensch hat sich in den letzten 100 Jahren verachtfacht, führt immer noch bestialische und sinnlose Kriege und hat nichts gelernt. Man wird den Planeten ausbeuten, bis der Mensch endlich verschwunden ist und der Planet aufatmen kann.

  19. 20.

    "...um fast 18 Prozent gestiegen. Das soll vor allem an dem Heizverhalten in den Kasernen liegen."
    Ach Danke für die Info lieber rbb. Wer hätte das gedacht, dass trotz weniger fahrenden Panzern und weniger fliegender Geräte die Bundeswehr ein Klimakiller ist. Zeiten gibts...
    Nur leider sind in die vielen Milliaren für unser Wehr sicher kein Cent für neue Heizungskonzepte und Anlagen vorgesehn.

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