Baby-Vornamen in Berlin - Wo Moncherie auf Noah und Emilia trifft

Do 05.05.22 | 06:15 Uhr | Von Wanda Bleckmann und Sophia Mersmann
Grafik: Ein neugebohrenes Baby liegt auf einem Bett; im Vordergrund ein Säulendiagramm. (Quelle: rbb/dpa/zoonar)
Bild: rbb/dpa/zoonar

Wenn es um die Auswahl von Babynamen geht, sind Berliner Eltern ziemlich beständig - das zeigt die rbb|24-Auswertung. Allerdings gab es 2021 auch phantasievolle Ausreißer. Wir zeigen Trends und Besonderheiten in unserem interaktiven Tool.

Moncherie, Libeskind, Philipp-Brain und Zerubbabel können ziemlich sicher sein, dass sie gemeint sind, wenn in ein paar Jahren ihr Name auf dem Spielplatz gerufen wird. Denn diese Namen wurden 2021 in Berlin nur ein einziges Mal an Neugeborene vergeben, auch in den Jahren zuvor wurden sie nicht verwendet. Diese Exklusivität genießen außer den Genannten noch rund 4.000 weitere Babys ihres Jahrgangs, wie die Datenauswertung von rbb|24 zeigt.

Auch Fanta, Winter und Gold werden wohl später in der Kita eher selten auf Namensvettern und -cousinen stoßen. In ihrem Jahrgang sind sie in Berlin die einzigen Kinder, die diesen Namen tragen. In den Jahren zuvor tauchten ihre Namen allerdings sehr vereinzelt schon mal auf.

Die ersten Plätze sind nicht ganz neu

Erheblich größere Verwechslungsgefahr besteht auf Berliner Spielplätzen später bei Noah oder Emilia. Diese Namen wurden 2021 am häufigsten als Erstnamen vergeben: Noah führt mit 265, Emilia folgt mit 255 Mal. Bei mehr als 38.000 Babys, die den vorläufigen Zahlen zufolge letztes Jahr in Berlin zur Welt gekommen sind, relativiert sich das allerdings auch wieder etwas.

Emilia befand sich bereits 2020 unter den beliebtesten Erstnamen für Mädchen und musste nur zwei Plätze nach vorne rücken, um die Liste anzuführen. Mit ein paar weiteren Wechseln in der Rangfolge sind die häufigsten Namen fast dieselben wie im Vorjahr: nur Hannah rutscht ganze zehn Plätze nach unten und ist somit nicht mehr Teil der Top 10.

Bei den Jungs standen Noah, Leon und Emil in dieser Reihenfolge bereits 2020 an der Spitze und 2021 konnte kein anderer Name ihnen diese Stellung streitig machen. Auch Oskar und Leo kommen oben an, dafür mussten Maximilian und Felix weichen.

Den heimlichen Gewinner des Jahres entdeckt man jedoch, wenn man sich nicht nur auf die Erstnamen konzentriert, sondern auch die Zweit-, Dritt- und Viertnamen dazuzählt: Levi wurde 2021 fast 70 mal öfter eingetragen als im Vorjahr und ergattert damit zum ersten Mal einen Platz in den Top Ten.

Folgenamen sind gar nicht so unüblich

Fast die Hälfte der in Berlin Geborenen bekamen 2021 auch einen Zweitnamen eingetragen. Wenige sogar Dritt- oder Viertnamen. Fünf Kinder haben letztes Jahr sogar sechs Vornamen bekommen. Die Reihenfolge der Namen sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, welcher der Rufname des Kindes sein wird. Trotzdem sind je nach Position teilweise andere Namen erfolgreich.

Sophie oder Marie haben zum Beispiel ihre meisten Nennungen an zweiter Stelle und auch (heutzutage) eher seltene Vornamen, wie Maria und Elisabeth werden als Zweit- oder Drittname noch gerne vergeben. Trendnamen von heute, wie Noah, Emma oder Mila, spielen als Folgenamen oftmals eine kleinere Rolle.

Die Trendnamen sind eher kurz

Alexander, Josephine, Sebastian, Maximilian - diese Namen sind nicht nur alle ziemlich lang, sie haben auch etwas anderes gemein: Sie werden immer seltener vergeben. Frisch gebackene Eltern scheinen eher zu kurzen, teilweise sehr kurzen, Namen zu tendieren, wie Leo und Lou oder Levi und Mia. Dabei sind die aktuellen Trendnamen nicht nur kurz, sie sind auch öfter weich-klingend.

"Rund"-klingende Namen sind im Kommen

Ein Wort kann nach seinem Klang intuitiv einer spitzeren oder runderen Form zugeordnet werden. Diese Assoziation nennt man den Maluma-Takete- oder auf Namen bezogen den Bob-Kirk-Effekt. Laute, wie l, m und n oder b, d und g scheinen öfter als rund wahrgenommen zu werden, wohingegen p, t, k und x eher mit spitzen Formen in Verbindung gebracht werden [Current Directions in Psychological Science].

Deshalb wirken die Namen Emma und Romy rund, Berit und Moritz eher spitz. Tendenziell scheint die Beliebtheit von rund-klingenden Namen im Vergleich zu 2012 eher zuzunehmen, die von spitz-klingenden eher ab. So haben die Vorreiter 2021 viele m, l und d, so wie Adam oder Mila. Greta, Martha, Max und andere Namen mit spitzen Lauten werden hingegen immer weniger vergeben.

Ist Ihr Name Trend oder einzigartig?

Welche Namen in den letzten zehn Jahren wie oft vergeben wurden, können sie in der nachfolgenden Grafik herausfinden. Geben Sie einfach die Namen ein, die Sie miteinander vergleichen wollen und beobachten Sie deren Aufstieg und Fall im zeitlichen Verlauf.

Wenn Sie die Grafiken nicht sehen können, bitte hier entlang.

Ehemalige Trendnamen sind heute nicht mehr angesagt

Namen, die sich vor hundert Jahren noch auf den ersten Plätzen befunden haben, lassen sich heute eher selten und meistens unter den Folgenamen finden. Zwar reicht die amtliche Vornamensstatistik Berlins nicht so weit in die Vergangenheit, aber der Hobby-Namensforscher Knud Bielefeld hat anhand von Veröffentlichungen aus Geburtshäusern, -kliniken und Standesämtern aus gesamt Deutschland Ranglisten für die Jahre seit 1890 erstellt [beliebte-vornamen.de]. Unter den Top-10-Vornamen von 1921 wird für Mädchen Elisabeth noch am häufigsten vergeben, wobei nicht einmal ein Drittel der Nennungen an erster Stelle standen. Bei den Jungs ist Karl der noch beliebteste Name.

Elfriede war im vergangenen Jahr mit 14 Nennungen ein wenig beliebter als in den Jahren zuvor, obwohl er bei keinem Kind an erster Stelle stand. Gertrud, die 1921 die Hitliste anführte, kommt heute kaum noch vor. Genauso Irmgard und Ingeborg.

Die männlichen Vornamen scheinen etwas konstanter vergeben zu werden. So sind Hans, Werner, Gerhard und Kurt mit einigen Schwankungen zumindest immer im zweistelligen Bereich, wenn auch überwiegend auf den Folgeplätzen zu finden. Günther dagegen gab es in der vergangenen Dekade nie mehr als acht in einem Jahr und Hans wurde alle zwei Jahre mal mehr und mal weniger vergeben, jedoch nie mehr als 19 mal. Eltern, die ihrem Kind lieber einen seltenen Namen geben wollen, könnten sich also auch an den Lieblingen vergangener Generationen orientieren.

Minnie und Mogli treffen Choice und Wisdom

Manche Namen, die zwar nicht einmalig, aber selten vergeben wurden, scheinen von Thematiken inspiriert. So teilen sich unter anderem Berlin, Brooklyn, Elba, Orlando, Paris, Rio und Sydney ihre Vornamen mit Orten rund um die Welt.

Während Arielle, Dornrose, Engel und Rosenrot an Märchenfiguren erinnern. Auch Yoda (Star Wars), Minnie (Mickey Mouse), Mogli (Das Dschungelbuch), Atréju (Die unendliche Geschichte) oder Leeloo (Das fünfte Element) könnten von Charakteren aus Büchern und Filmen inspiriert sein.

Wohingegen Kaiser und Prinz oder das englisch Prince, Princess und Royalty königlich klingen. Insgesamt gab es einige englische Worte, die auch als Vornamen Verwendung fanden. Unter den Neugeborenen 2021 waren unter anderem Angel (Engel), Blessing (Segen), Bonfire (Lagerfeuer), Choice (Wahl), Heaven (Himmel), Success (Erfolg), Treasure (Schatz) oder Wisdom (Weisheit) vertreten. Nur Namen, die an Corona erinnern, haben wir trotz aller Kreativität werdender Eltern nicht in den Daten finden können.

"Lassen Sie sich mit einem Klick auf die Würfel zufällige Namen aus dem diesjährigen Datensatz anzeigen, um weitere Seltenheiten und Trend-Namen zu entdecken:"

Beitrag von Wanda Bleckmann und Sophia Mersmann

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