Deutlicher Anstieg über Pfingsten - Mittlerweile 72 Fälle von Affenpocken in Berlin bestätigt

Di 07.06.22 | 21:44 Uhr
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Eine Krankenschwester führt einen PCR-Test zur Erkennung von Affenpockenviren durch (Quelle: Europa Press/Carols Luján)
Audio: Inforadio | 08.06.2022 | Martin Adam | Bild: Europa Press/Carols Luján

Die Zahl erkannter Fälle von Affenpocken liegt in Berliner weiterhin im zweistelligen Bereich, allerdings hat es innerhalb weniger Tage einen spürbaren Zuwachs gegeben. Das RKI geht davon aus, dass der Ausbruch begrenzt bleiben wird.

In Berlin wurden bislang 72 Fälle der sogenannten Affenpocken gemeldet. Das teilte die Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung am Dienstagnachmittag mit [berlin.de]. 13 Personen werden demnach wegen der Krankheit im Krankenhaus behandelt.

Damit ist die Zahl der entdeckten Fälle innerhalb weniger Tage deutlich angestiegen. Am vergangenen Freitag, als zuletzt aktuelle Statistiken zu der Virusinfektion veröffentlicht wurden, waren 48 Personen gesichert erkrankt. In Brandenburg wurden bisher zwei Fälle nachgewiesen.

Das vom Institute of Tropical Medicine Antwerp zur Verfügung gestellte Foto zeigt Hautsymptome von Affenpocken-Patienten (Quelle: Institute of Tropical Medicine, Antwerp)
Bild: Institute of Tropical Medicine, Antwerp

Bundesweit wies das Robert Koch-Institut (RKI) am Dienstag 80 Nachweise von Affenpocken aus - allerdings bevor die gemeldeten Zahlen für Berlin bekannt wurden, wo es besonders viele Fälle gibt. Insgesamt neun Bundesländer meldeten demnach Fälle der eigentlich seltenen Virus-Erkrankung: Neben Berlin und Brandenburg auch Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt.

RKI rechnet mit begrenztem Ausbruch

Am 20. Mai war erstmals in Deutschland ein Fall von Affenpocken registriert worden, der nicht in Zusammenhang mit Reisenden aus West- oder Zentralafrika steht - Gebieten, in denen das Virus als endemisch gilt. Seit Mai wurden in mehreren europäischen und nordamerikanischen Ländern Infektionen entdeckt.

Das RKI geht bislang davon aus, dass der Ausbruch begrenzt bleiben wird, da für eine Übertragung der Viren enger Körperkontakt erforderlich ist. Die Viren können auch beim Sex übertragen werden. Dieser Übertragungsweg scheint beim aktuellen Ausbruch eine zentrale Rolle zu spielen.

Zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit vergehen bis zu 21 Tage. Nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) sollten Kontaktpersonen sich deshalb drei Wochen in Isolation begeben, um eine mögliche Weitergabe des Virus zu verhindern.

Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten

Das Affenpockenvirus ist eine Zoonose - eine Krankheit, die von Tieren auf Menschen übergesprungen ist. Entgegen seines Namens bilden jedoch nicht Primaten das natürliche Reservoir, sondern hauptsächlich Nagetiere.

Laut dem RKI verlaufen die Affenpocken deutlich milder als die seit 1980 ausgerottete humane Variante der Pocken. Die meisten Menschen erholen sich nach wenigen Wochen vollständig. Tödliche Verläufe sind selten.

Typische Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen sowie geschwollene Lymphknoten. Klingt das Fieber ab, bilden sich die typischen Pocken auf der Haut, kleine mit Flüssigkeit gefüllte Knoten. Diese schwellen an, brechen auf und verkrusten schließlich.

[Ausführliche Hintergründe zum Affenpocken-Virus finden Sie hier.]

Sendung: Inforadio, 08.06.2022, 06:10 Uhr

17 Kommentare

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  1. 14.

    Spieleabend - eine blendende Idee. Schlage "Mensch ärger Dich nicht"vor, mit gebührenden Abstand

  2. 13.

    Wieso ohne Rücksicht und ohne soziales Verantwortungsgefühl?
    Der Herr scheint ja in Therapie zu sein, womit er andere nicht infizieren kann. Vielleicht wissen Sie auch, dass es mittlerweile die sogenannte PREP gibt, mit der man sich vor einer HIV-Infektion schützen kann. Neuinfektionen geschehen vübrigens auch gerne in - räusper auch heterosexuellen - Beziehungen und nicht nur in Sexclubs.
    Es ist wahrscheinlich ein Segen, dass durch die Routinebesuche in Schwerrpunktpraxen mit kompetenten Infektologen und die geringe Hemmschwelle, einen Venerologen aufzusuchen, welche die bisherigen Patienten wohl haben, diese Affenpocken-Fälle schnell identifiziert werden konnten.
    Diese "Finde-ich-nicht-gut"-Mentalität ist hingegen tantig und ehrlich gesagt menschlich übergriffig: Muss der Herr Ihrer Ansicht nun nach abstinent leben und sich seiner Infektion schämen oder sich in glücklicher Paarkonstellation auf Spieleabende nach sozial erwünschter Art und Weise treffen?

  3. 12.

    Einige Kommentare sind nur schwer erträglich. Ich selbst bin weder homosexuell noch habe ich HIV. Auch finde ich es richtig, dass man je nach Übertragungsart, die Zielgruppe anspricht, die bisher besonders betroffen ist. Aber der benannte Mann aus dem Interview hatte seinen Kontakt BEVOR bekannt wurde, dass die Affenpocken in Deutschland ein Problem unter Homosexuellen sein dürfte und nur weil er HIV hat muss er auch nicht auf Sex mit Fremden verzichten. Denn nirgends stand geschrieben, dass er dieses OHNE Kondom hatte. Also man sollte scho etwas vorsichtig mit seinen Aussagen sein. Davon abgesehen bin ich auch kein Freund dieser ausschweifenden Lebensweise, aber es passiert ja freiwillig und daher "jeder wie er mag". Bedenklicher stimmt mich, dass sich die Zahlen in Berlin alle paar Tage verdoppeln. Das wird dann nämlich immer mehr zum Problem, was auch nicht mehr im Milleu bleiben wird. Nur gerade anfangs werden sich nun wenig Hetereosexuelle "trauen" damit zum Arzt zu gehen.......

  4. 11.

    Staatliche Informationen des RKIs ist echt wichtiger als Panik, weil sich alle vorm Krankenhaus prügeln. Die Nichtdenker haben sich auch wieder ihre abstrusen Theorien und werden sich weigern, die Ansteckungsgefahr zu verringern.
    Oh Mann, ist das alles so schwierig?
    Nach 2 Jahren Corona wissen einige immer noch nicht dass der Mund-Nasen-Schutz nicht für Mund oder Kinn und Hals gedacht sind. Da sind Hopfen und Malz verloren.

  5. 10.

    So halte ich das auch schon einige Jahre - ich muss nicht "Unbekannte" angrabbeln... ;-) also beim Shake hands. Beim Rest ist es wie immer oder alt bekannt: ein Virus braucht eine Eintrittspforte. Aber das ist uns ja schon etwas länger bekannt :-)
    Was ich aber unsäglich finde ist die Eingrenzung eines "engen Kontaktes" auf Menschengruppen, die nicht den Peer-Groups des jetzigen Gesundheitsministers und des RKI-Chefs entsprechen... *seufz* und der daraus folgenden Stigmatisierung. Ganz wie anfangs Mitte der 80er.

    BTW: wir leben noch, also haben wir es nicht ganz falsch gemacht in all den Jahren :-)

  6. 9.

    Wenn wir für jeden der Berliner Fälle eine Stecknadel auf einen Stadtplan pinnen, darf ich vermutlich davon ausgehen, dass sich eine starke Häufung rund um den Nollendorfplatz ergibt, oder?

  7. 8.

    Also ich wundere mich nicht und kann ehrlicherweise mit den rücksichtslosen Leuten kein Mitleid empfinden. Wer wider besseren Wissens weitermacht, wie bisher und ohne nachzudenken, gefährdet vor allem andere, außer nur sich selbst; und das nenne ich egoistisch und dumm.

  8. 7.

    Wie hieß es in dem Betroffenenbericht in einer großen Zeitung am Wochenende:

    … habe mich in einem sexclub angesteckt … und ( viel beunruhigender und gleichzeitig bezeichnend … mein Facharzt den ich wegen meiner hiv Infektion besuche hat die ( affenpocken ) Infektion schnell festgestellt… ( was war jetzt nochmal das „wirklich“ schlimme daran, wer weiß es? )

    Hedonismus at it’s finest, Vollgas ohne Rücksicht auf Verluste oder sozialen Verantwortungsgefühl.

    Wundert sich noch irgendjemand?!

  9. 6.

    @Rael, richtig. Und all dies finden wir schon in Kommentar 1. Aber hauptsächlich das geistlose.

  10. 5.

    Ich weiß, wo unsubstantiierte Panik hinführt: in die Verschwörungstheorie, gespickt mit Geistlosem und Faschogeschwalle.
    Mal ehrlich: gute Information hilft gegen sowas und lässt einen auch die Dinge objektiv zu betrachten.

  11. 4.

    Zwischen Ansteckung durch Körperkontakt und Ansteckung durch engen Körperkontakt gibt es einen riesen Unterschied. Finde den Kommentar zynisch.

  12. 3.

    Deine Sorge um diese Ansteckung halte ich für ziemlich übertrieben. Selbst hier im Artikel steht es zu lesen wie sich das Virus auf andere überträgt. Alles andere was Du hier anführst, läßt sich weiterhin vermeiden durch sorgfältige Hygiene. Shake Hands kommen bei mir nicht mehr in Frage.

  13. 2.

    Ich dachte da eher an eine Kombination aus Speiseöl, Mehl und Benzin :-). Ja, der bei einigen lang erwartete Grund neue Panik zu schieben, ist endlich da.

  14. 1.

    knapp 20 % der Erkrankten sind in der Klinik gelandet. Man erholt sich nach wenigen WOCHEN. Die Quarantäne ist DREI Wochen. Übertragung durch Körperkontakt (shake hands, Türgriffe, Toi-Brillen, Einkaufswagengriffe, Kita, Schule), wie bei Windpocken (Ausschluss aus der Schule, versteckte Impfpflicht). Der Karl ist auch schon aktiv. Wir wissen, wo das hinführt. Habt Ihr genug WC Papier im Haus???

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