G7-Gipfel in Elmau - Demonstranten blockieren Finanzministerium in Berlin

Mo 27.06.22 | 12:22 Uhr
  43
Aktivisten sitzen am 27.06.2022 vor dem Finanzministerium in Berlin und demonstrieren u.a. für einen globalen Schuldenerlass und Klimagerechtigkeit. (Quelle: dpa/Christophe Gateau)
Audio: rbb 88,8 | 27.06.22 | Anke Michel | Bild: dpa/Christophe Gateau

Zwar findet der G7-Gipfel knapp 600 Kilometer entfernt statt - doch Proteste gibt es auch in Berlin. Demonstranten blockierten am Montag das Bundesfinanzministerium. Das Lösen angeklebter Hände durch die Polizei kostet viel Zeit.

Aus Protest gegen den G7-Gipfel im bayerischen Elmau [tagesschau.de] haben etwa 80 Klimaschützer Eingänge und Zufahrten des Bundesfinanzministeriums in Berlin blockiert. Viele Demonstranten der Gruppe "Extinction Rebellion" klebten sich am Montagmorgen an der Straße oder an Toren zum Innenhof des Gebäudes fest. Die Polizei löste sie von der Straße und trug sie zur Seite, wie eine Sprecherin sagte. Es gab vorläufige Festnahmen.

Rund 40 Demonstranten saßen vor einem Vordereingang des großen Ministeriums. Auch vor der Einfahrt zum Innenhof des Gebäudekomplexes hatten sich fünf bis zehn Menschen zu einer Sitzblockade zusammengefunden, die Niederkirchnerstraße am Ministerium wurde von weiteren 35 Menschen blockiert. Die Polizei sperrte die Straße ab.

Zeitaufwändiges Lösen angeklebter Hände

Die Blockaden hatten gegen 7.00 Uhr begonnen und waren wegen des aufwändigen Ablösens der angeklebten Hände bis 11.00 Uhr noch nicht beendet. Wegen möglicher Proteste und weiterer Aktionen gegen den G7-Gipfel waren zusätzlich 230 Polizisten in ganz Berlin im Einsatz. Die Gruppe hatte die Blockade angekündigt, ohne aber den genauen Ort zu nennen.

Die Demonstranten hielten Schilder in die Höhe auf denen etwa stand "Global Debt = Global Crime" und "G7 You Owe, You Pay: Cancel the Debt" (auf Deutsch: "Globale Schulden = Globales Verbrechen" und "G7 Ihr schuldet, ihr zahlt: Erlasst die Schulden"). Zudem beschmierten sie die Wilhelmstraße vor dem Ministerium mit Farbe.

Deutschland habe "Klimaschuld gegenüber dem Rest der Welt"

Die Aktivistinnen und Aktivisten hielten Schilder in die Luft auf denen etwa stand "Global Debt = Global Crime" und "G7 You Owe, You Pay: Cancel the Debt" (auf Deutsch: "Globale Schulden = Globales Verbrechen" und "G7 Ihr schuldet, ihr zahlt: Erlasst die Schulden"). Zudem beschmierten sie die Wilhelmstraße vor dem Ministerium mit Farbe.

Deutschland habe einerseits wie viele andere Länder des globalen Nordens eine historische Verantwortung an der Klimakrise und in gewisser Weise eine Klimaschuld gegenüber dem Rest der Welt. Andererseits habe die Bundesrepublik "als einer der G7-Staaten auch einen enormen Einfluss auf die allgemeine Weltpolitik", sagte eine Aktivistin.

Demonstranten fordern Schuldenerlass

Die Aktion ist Teil einer Reihe von Demonstrationen, die unter dem Titel "Debt for Climate" anlässlich des G7-Gipfels stattfinden. Die Aktivisten fordern der Mitteilung zufolge einen Schuldenerlass für Länder des Globalen Südens. Die Länder sollten dadurch "aus der Schuldenfalle befreit werden", so dass sie nicht fossile Rohstoffe fördern müssten.

In der vergangenen Woche hatte eine andere Klimaschutz-Initiative, die sich "Letzte Generation" nennt, erneut zahlreiche Autobahn-Ausfahrten blockiert. Diese Gruppe kündigte zuletzt eine Protestpause an, um die Aufmerksamkeit nicht vom G7-Gipfel abzulenken.

 

Sendung: rbb24 Inforadio, 27.06.22, 9:40 Uhr

43 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 42.

    Es gibt demokratische Staaten in der EU, die gehen mit Kleber-Aktionen etwas anders um, siehe Frankreich.
    Im Artikel des BZ:
    "28.06.2022, 08:27 Uhr
    Festgeklebte Hände von der Straße gerissen
    Pariser Polizei löst Klima-Protest in 20 Minuten auf.
    .....

    Auch in Frankreich belagern und blockieren Klima-Aktivisten die Straßen – und die französische Polizei reagiert knallhart.
    .....
    Doch anders als in Deutschland machte die französische Polizei schnell klar Schiff – mit Entschlossenheit. Binnen 20 Minuten konnte der Verkehr wieder rollen."

    Verletzungen gab es laut anschließenden Untersuchungen dadurch keine.

    Wohl dem Staat Frankreich, der sich traut sein Gewaltmonopol mit durchaus angemessenen Mitteln durchzusetzen!

    Bei Gefährdung und 100facher Nötigung wird bei uns dagegen (politisch verordnet) noch immer mit Streichel-Pädagogik gegen Täter vorgegangen, anstatt energisch zu handeln.
    D und seine Polizei ist aus politischen Gründen leider zu einem Witz geworden.

  2. 41.

    Ich verstehe nicht,das man bei allen versucht diese vom Boden zu lösen.
    Einen Durchgang schaffen und den Rest kleben lassen.
    Es besteht ja keine Lebensgefahr.

  3. 40.

    Sie bezeichnen unser Sozialsystem als gut?

    Glauben Sie, dass das vergleichen von Äpfeln mit Birnen hilfreich ist?

    Man kann nämlich nur Länder mit gleicher Struktur und Aufbau vergleichen

  4. 38.

    Sheela, Ahnung haben Sie ja überhaupt nicht. Ein Schuldenerlass ist indiskutabel und ein völlig falsches Zeichen.

    Vergessen Sie nicht, dass die Zeiten der großzügigen Geschenke an arme Länder auch mal vorbei sein muss.

    Ein Großteil der armen Bevölkerung hungert nicht wegen den Schulden, sondern wegen Korruption und Misswirtschaft im eigenen Land. Erstmal diese Zustände beseitigen und dann Schulden zurückzahlen.

    Falls Sie es nicht wissen, Geld ist eine endliche Sache.

  5. 37.

    Die Pariser Polizei löst so nen Problem in 20 Minuten !
    Baut nen Bauzaun rum und lasst SIE demonstrieren !
    DIE nerven langsam !

  6. 36.

    Die Sozialschwächsten haben in DEU die beste Versorgung zum Überleben. Vergleichen Sie diese Leistungen mal mit anderen Ländern.....da geht es wirklich um die Existenz und es Bedarf die Unterstützung der Familie.

  7. 35.

    Das weltpolitist mittlerweile so komplex um das ich mir nicht Anlässe zu sagen was richtig oder falsch ist. Im Gegensatz zu den Aktivisten welche nur in schwarz oder weiß denken und das noch ohne Bildungshintergrund

  8. 34.

    Die Demonstranten fordern einen Schuldenerlass. Wahrscheinlich haben die meisten von denen noch nie Steuern gezahlt und leben auf Staatskosten. Da kann man gut etwas fordern, was einem nicht wehtut!

  9. 33.

    Erschreckend, wieviele die Augen verschließen vor dem Elend im Rest der Welt. Meine volle Unterstützung den demonstrierenden...

  10. 32.

    Man hätte auch alle dort kleben lassen können.
    Sie haben doch nicht gestört. Es gibt dort bestimmt noch einen Hintereingang.

  11. 31.

    Schön, wie sich hier der ganze reaktionäre, konservative, rückwertsgewandte, unbelehrbare, ungebildeter, fauler Mob sich hier aus dem Elfenbeinturm raus auskotzen kann!

  12. 30.

    Ich habe neulich einen alten Krimi gesehen, da waren deutsche Polizisten im Austausch in Frankreich. Wie wäre es damit? Unsere Beamten bei dieser Spezialeinheit. Man lernt ja nie aus.

  13. 29.

    Überall im ÖD wird Nachwuchs gesucht. Das erinnert mich an die 60er Jahre.Damals wurde ich als Beamter verlacht:" Für die paar Mark würde ich nicht aufstehen! Was du im Monat hast, kriege ich in der Woche "Heute sagen die selben Leute:
    "Du hast es gut, du bist Beamter ". Ich sage nur:" Hättet ihr doch auch gekonnt. "
    Lasst die Leute doch lästern! Darüber lächle ich nur.

  14. 28.

    Natürlich steht es jedem Demonstranten frei, sein überschüssiges Einkommen (sofern vorhanden) dem Süden zu spenden.
    z.B den Arbeitslohn des heutigen Tages.

  15. 27.

    Frankreich ist ja auch kein Gummiparagraphenland. Da hätte es noch eine Schelle für eine blöde Antwort extra gegeben.

  16. 26.

    Und jetzt einmal bitte bei Hr. Habeck zu besuch . Halte diese ** Aktionen*+ immer noch für idiotisch aber wenigstens stören die nicht den öffentlichen Verkehr

  17. 25.

    So sehe ich das auch ! Die haben halt nichts besseres zu tun , oder wissen nichts mit sich anzufangen .

  18. 24.

    "Von Angestellten hatte ich nix geschrieben" ich auch nicht!

Nächster Artikel