Großer Teil im Berliner Speckgürtel - Studie sieht 16 mögliche schnelle Fahrradrouten in Brandenburg

Do 16.06.22 | 15:28 Uhr
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Eine Fahrradfahrerin fährt auf einem Weg durch ein Feld. (Quelle: dpa/Eibner-Pressefoto)
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Video: rbb24 Brandenburg Aktuell | 16.06.2022 | Uwe Heim | Bild: dpa/Eibner-Pressefoto

Brandenburg möchte den Radverkehrsanteil bis 2030 von elf auf 20 Prozent anheben. Dafür sollen auch Radschnellwege gebaut werden. Eine neue Studie nennt 16 mögliche Verbindungen - größtenteils im Berliner Speckgürtel.

Die Brandenburger Landesregierung will den Radverkehr auf belebten Routen voranbringen. Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) stellte am Donnerstag eine Studie im Auftrag des
Ministeriums vor, die 16 mögliche Verbindungen nennt. Der größte Teil liege im Speckgürtel rund um Berlin. Zuerst hatte die "Märkische Oderzeitung" [Bezahlinhalt] berichtet.

Darunter seien sechs sogenannte Radschnellverbindungen (RSV) mit einer erwarteten Nutzung von durchschnittlich mehr als 2.000 Radfahrern täglich. Diese sollen möglichst kreuzungsfrei Ziele des Alltagsverkehrs verbinden. Dazu zählen laut der Studie etwa eine Route von Berlin-Steglitz-Zehlendorf nach Teltow, von Berlin-Spandau nach Falkensee oder von Berlin-Neukölln nach Schönefeld.

Radverkehrsanteil soll bis 2030 auf 20% angehoben werden

Die Studie nennt zudem Potenziale für zehn sogenannte Radvorrangrouten (RVR), auf denen durchschnittlich mehr als 1.000 Radfahrer pro Tag erwartet werden. Dies gilt etwa für eine Verbindung von Potsdam nach Werder/Havel, von Berlin-Steglitz/Zehlendorf nach Potsdam oder von Großräschen nach Senftenberg.

Der Allgemeine Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) gehe von einem noch größeren Potenzial für den Radverkehr aus, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende Christian Wessel. "Ziel der Landesregierung ist es, bis 2030 den Radverkehrsanteil im gesamten Land von jetzt elf Prozent auf 20 Prozent anzuheben", sagte er. "Wir halten dies grundsätzlich für erreichbar, denn immer mehr Menschen entdecken den Gewinn an Lebensqualität, wenn sie mit dem Rad oder dem E-Bike zur Arbeit pendeln." Für die notwendige Verkehrswende müsse die Landesregierung allerdings die entsprechenden finanziellen Mittel bereitstellen, die im Haushaltentwurf für 2023/24 noch fehlten, kritisierte er.

Im weiteren Verlauf sind jetzt Machbarkeitsstudien zu den Korridoren geplant, die konkrete Aussagen zu Trassenverläufen, Zeiträumen und Kosten erlauben sollen.

Alle Strecken im Überblick:

  • Steglitz-Zehlendorf – Teltow (RSV)
  • Spandau – Falkensee (RSV)
  • Marzahn-Hellersdorf – Hoppegarten (RSV)
  • Marzahn-Hellersdorf – Neuenhagen bei Berlin (RSV)
  • Neukölln – Schönefeld (RSV)
  • Treptow-Köpenick – Schönefeld (RSV)
  • Lauchhammer – Schwarzheide (RVR)
  • Tempelhof/Schöneberg – Teltow (RVR)
  • Potsdam – Werder (Havel) (RVR)
  • Großräschen – Senftenberg (RVR)
  • Hennigsdorf – Velten (RVR)
  • Teltow – Großbeeren (RVR)
  • Treptow-Köpenick – Hoppegarten (RVR)
  • Steglitz-Zehlendorf – Potsdam (RVR)
  • Erkner – Grünheide (Mark) (RVR)
  • Reinickendorf – Henningsdorf (RVR)

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 16.06.22, 19:30 Uhr

21 Kommentare

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  1. 21.

    Ich finde meist sind nunmal die Straßen der direkte Weg und daneben Radweg zubauen passt. Aber das Rad als allround alternative zusetzen ist doch nicht durch dacht. Das Fahrrad ist ein schön Wetterfahrzeug. Bei Regen, Schnee, starkem Wind, großer Hitze kann man es nicht benutzten (bis auf Hardcorefans). Eine Frage hätte ich noch warum werden bestehende Wege nicht benutzt? Und nein sie sind kaputt, sondern vollkommen Ok. Ich fahre mit den Kinder dort auch lang. Meistens sind es Sportradfahrer.

  2. 20.

    Toll. Blöd nur, dass es noch Orte gibt, wo es gar keinen Radweg gibt, nicht mal für Langsamfahrende. Hier in Königs Wusterhausen sind wir größtenteils auf die Gnade der Fußgänger angewiesen: Fußweg, für Radfahrer frei.

  3. 19.

    Ja wunderbare Idee für die nächsten Jahrzehnte !!! Berlin/Brandenburg haben so viele Kanäle und Flüsse ohne Radwege.

  4. 18.

    Ich habe wenig Hoffnung, dass das noch was zu meinen Lebzeiten was wird. Ich könnte faktisch immer am Teltow-Kanal entlang bis zur Arbeit fahren, so lockere 20-30 km. Aber: es gibt keinen Treidelpfad als Radweg! Es könnte so einfach sein - ist es aber nicht.

  5. 17.

    'Die Radfahrenden' gibt es noch weniger als 'Die Autofahrenden', es handelt sich um eine große und sehr diverse Gruppe, Vom Kind, das gerade Radfahren lernt zu trainierenden Sportlern, Menschen, die zügig ins Büro wollen, Menschen, die ihre Alltagswege mit Kindern und Einkauf im Lastenrad wuppen, Ausflüglern und Radtouristen.
    Mit einer Sorte Angebot wird man dieser Gruppe nicht gerecht, es braucht sowohl Schnellwege als auch landschaftlich reizvoll gelegene Routen und gut ausgebaute kleinteilige Angebote. Man diskutiert bei den Autostrassen ja auch nicht, ob es Strassen in Wohngebieten oder Autobahnen braucht - beides ist die Antwort.

  6. 16.

    Ich vermisse Überlegungen zur Anbindung der nördlichen Regionen (Oranienburg, Bernau). Bei entsprechenden Angeboten , welche zu Knotenpunkten des ÖPNV führen, würden sicherlich viele Pendler diese annehmen.

  7. 15.

    Es gab einmal eine Zeit, da wurde das Rad nicht nur als eine verkehrliche Alternative verstanden, sondern auch im Zuge einer anderen Mentalität benutzt. Dieses und vieles Andere hat seinerzeit auch einen Kulturwandel bewirkt. Das betrifft auch das Vermeiden von Abgehetztheit.

    Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein, gerade bei Menschen unterhalb von 40. Es zählt jeder eingesparte Meter, fast schon jede eingesparte Sekunde. Dies bei gleicher engster Zeitplanung wie bei Autofahrenden und das scheint mir auch die Grundlage für Radwege entlang von Autotrassen zu sein.

    Ist der Kulturwandel zu Ende? Findet er nur auf P R -Ebene statt? Gilt es, sowieso schon anschaulich (zu) Schnelles noch schneller zu machen, wo es doch darum gehen könnte, dass Radwege unbehelligt bleiben?

  8. 14.

    Radfahrer in der Stadt fahren auch neben dem Verkehr. Touristische Radwege sind gut um den Tourismus zu fördern, nicht wirklich um den Radverkehrsanteil zu steigern. Radwege für den Alltag und die Arbeit laufen fast zwangsläufig parallel zu einer Straße.

  9. 13.

    Und aus dem Barnim nach Pankow? Die ganzen Pendler von dort und OHV nerven hier am nordöstlichen Rand Berlins Berlins und parken hier alles voll und das OA schaut weg.....

  10. 12.

    Google Maps bei "Ebenen" umschalten auf Radwege. Google wurde hier einem Praxistest unterzogen https://gpsradler.de/praxistest/google-maps-fahrrad-navigation-test/
    Openstreetmap (bei Route auf OSRM umschalten) geht auch, ist aber nicht so komfortabel.
    Beide Angebote sind kostenfrei.

  11. 11.

    An vielen Radwegen fehlen auch Bäume - im Sommer viel zu heiß zum langfahren. Auch Radwege direkt an Bundes-oder Landesstrassen - sind durch Abgase und Lärm unzumutbar-Radfahren neben tausenden Autos ist auch nicht so gesund. Viele sinnvolle bzw. touristische Radwege fehlen im gesamten Land Brandenburg. Und im Havelland kann man noch nicht einmal, an der Havel oder am Havelkanal entlang radeln.

  12. 10.

    Es wäre schön an der B1/B5 von Vogelsdorf bis Berlin-Mahlsdorf einen Radweg zu bauen um aus MOL ohne über die Dörfer, einen direkten Weg in die Stadt zu haben. Ich habe lange in Spandau gewohnt und HVL sind fast an jeder Landstraße Radwege gebaut worden. Aber Richtung Ost fehlt der Ausbau komplett. Einfach mal Straßenkarten mit Radwegen ins Netz stellen.

  13. 9.

    Der Artikel in der MOZ gibt etwas mehr her als das was der rbb daraus gemacht hat.
    Das Ergebnis der Studie enthält 127km wovon aber über die Hälfte eigentlich in Berlin liegen. Ein neuer Straßentyp im Rang einer Landesstraße soll erfunden werden.
    So richtig klar ist die Idee damit nicht so richtig, auch die Abstimmung mit Berlin ist noch offen. Also momentan eher heiße Luft auch aus Potsdam. Man lässt etwas studieren und redet drüber.
    Danach bildet man eine gemeinsame Kommission die wieder etwas studieren lässt und redet und irgendwann hat man dann wenn es gut läuft ein gemeinsames Konzept. Dann macht der Bund den Topf zu und eigenes Geld haben beide Länder nicht.

  14. 8.

    Das ist auch meine Meinung : die ,,kleinen,, Probleme der Bevölkerung werden vernachlässigt. Im ganzen Land fehlen Radwege oder müssten Lücken an bestehenden Radwegen geschlossen werden.

  15. 7.

    Lieber rbb, wie kommt es, das ich jetzt (seit 18:33), am heutigen 16. Juni 2022 live dem LandtagsStream des "Ausschuss für Infrastruktur und Landesplanung" und den Ausführungen von Herrn Beermann und Herrn Uhlig folge, und diese Studie erst jetzt vorgestellt wird und bereits seit Stunden hier bereits in der Vergangenheit gesprochen wurde?
    Zitat: "Verkehrsminister Guido Beermann (CDU) stellte am Donnerstag eine Studie im Auftrag des
    Ministeriums vor, die 16 mögliche Verbindungen nennt."

  16. 6.

    Der Rad/Fußweg von Berlin über Großziethen nach Mahlow endet in Kleinziethen Richtung B96a .
    Danach weder Fuß- noch Radweg!
    Also müßte man auf der Glasower Allee laufen/radeln!
    Die Politik sollte sich erst einmal um die kleinen Probleme der Bürger kümmern bevor von neuen Schnellradrouten geträumt wird. Aber das "Alltägliche" ist natürlich keine Schlagzeile wert!

  17. 5.

    Ja - der ländliche Raum wird wieder mal - beim Radverkehr genau wie beim ÖPNV, vernachlässigt. Bei uns im Havelland gibt es sehr viele Kanäle, Seen und die Havel - aber Radwege an oder auf den Deichen- Fehlanzeige. Radwege nur ein paar Kilometer hinter der Berliner Stadtgrenze, sind kein großer Wurf für das 21. Jahrhundert.

  18. 4.

    Ich fahre gern und viel Rad - wenn es die Witterungsverhältnisse zu lassen. Die Gemeinde Neuenhagen hat sich gegen die Wiederaufnahme der ehemaligen Kleinbahnstrecke in den ÖPNV und für einen Radschnellweg von Hoppegarten nach Altlandsberg entschieden.
    Ich weiß nicht wie viele Gemeindevertreter täglich ganzjährig Rad fahren. Mir erscheint der Nutzen des ÖPNV höher zumal es hier bereits einen Radweg gibt.
    Ich vermute, dass es bei vielen Radschnellwegen ähnlich Ideologische Gründe sind.

  19. 3.

    Und wie soll es and er Stadtgrenze von Berlin weitergehen? Die SenUMVK hat sich zwar einen neuen Namen geben, macht aber dort weiter, wo die SenUVK aufgehört. Es drohen wegen des Nichtstuns Millionen an Bundesmittel zu Förderung des Ausbaus der Radinfra zu verfallen. Der übernimmt nämlich in einem bald auslaufenden Programm bis zu 90% der Kosten.

  20. 2.

    Auch im ländlichen Raum wäre viel mehr Radverkehr möglich, wenn es denn sichere Wege gäbe. Das Haus meiner Großeltern ist zum Beispiel in einem Nest wo es nichtmal einen Bäcker gibt. Zur nächsten größeren Stadt sind es 8km. Eigentlich kein Problem. Ich pendele täglich 10km mit dem Rad in Berlin. Leider ist auf dem Land die einzige Verbindung zur Stadt eine Landstraße mit Tempo 100, ohne Radweg, ohne Fußweg. Anders als im Auto kann man den Ort nicht verlassen ohne sein Leben zu riskieren. Menschen, die zu alt zum Autofahren geworden sind, sind im Ort gefangen. Eine Busanbindung gibt es nicht.

  21. 1.

    Das ist doch wieder nur Murks.
    Schon 2020 beschlossene Sache, 2021 Machbarkeitsstudie, die Verbindung BER - Königs Wusterhausen als RSV auszubauen.
    http://sd.dahme-spreewald.de/show_anlagen.php?_typ_432=vorl&_sid=2021-KT2019-17&_topst=1&_vorl_nr=20211905100062&_doc_n1=20210520171935-0.pdf

    Das Ding erscheint jetzt nicht mal mehr in der Übersicht.

    Ein Trauerspiel.

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