Pastafaris in Templin - Spaghettimonster zieht vor Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte

Fr 24.06.22 | 18:16 Uhr
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Rüdiger Weida von der «Kirche der fliegenden Spaghettimonster» steht neben seinem Schild "Nudelmesse" in Templin (Bild: dpa/Patrick Pleul)
Bild: dpa/Patrick Pleul

Kampf um die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters: Im brandenburgischen Templin tobt seit Jahren ein Streit um die Kopfbedeckung auf einem Personalausweis. Nun landet der Fall vorm Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Der Ehrenvorsitzende der Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, Rüdiger Weida, darf seine weltanschauliche Kopfbedeckung nicht auf seinem Personalausweisfoto tragen. Eine Beschwerde Weidas dagegen hat das Bundesverfassungsgericht Ende Mai abgelehnt, wie erst jetzt bekannt wurde.

Der zehnjährige Streit um das Foto soll deshalb nun vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) verhandelt werden. "Ich habe meinen Anwalt darauf angesetzt", sagt Weida rbb|24 am Freitag.

Gestartet sind die Anhänger der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters" ursprünglich in den USA als Satirebewegung. Inzwischen machen die Mitglieder dieser Spaß-Religion aber weltweit immer wieder mit ernstzunehmenden juristischen und politischen Auseinandersetzungen von sich reden.

Vier Monate Zeit für Beschwerde beim EGMR

Für den jüngsten Rechtsstreit vor dem EGMR hat Weida nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vier Monate Zeit. "Zum einen geht es um die Gleichstellung der Religionsgemeinschaften, die es in der Bundesrepublik zwar gibt, die aber in der Praxis nur in Anfängen vorhanden ist", sagt Weida zu seinen Beweggründen. "Zum anderen würde ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs auch Wirkung in anderen Ländern der EU haben."

In Straßburg werde sich das Gericht zum zweiten Mal mit einem Antrag eines Pastafari zur religiösen Kopfbedeckung auf Ausweisen beschäftigen müssen. Eine Niederländische Anhängerin des Pastafaritum hatte dort argumentiert, dass das Spaghettimonster keine Parodie sondern eine Religion sei. Der EGMR sah das anders.

Weidas Argumente sehen etwas anders aus. "Unsere Weltanschauung ist nicht der Pastafarianismus, sondern der evolutionäre Humanismus." Tatsächlich haben die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters der Stadt Templin 2020 einen Evolutionsweg gestiftet. Auf einem Kilometer Länge und über 20 Schautafeln kann man die Erdgeschichte erwandern.

Für Rüdiger Weida wäre das nicht der einzige Erfolg. Offiziell darf Weida den Namen "Bruder Spaghettus" führen. Die Stadt Templin hatte ihm 2019 einen neuen ausgestellt, auf dem der Name unter der Rubrik "Ordens- oder Künstlername" eingetragen ist.

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4 Kommentare

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  1. 4.

    Dann haben Sie entweder religiös schlechte Erfahrungen gemacht oder haben keinen Humor. Das tut mir leiden die Sie. Ich drücke die Daumen, diese Gemeinschaft tut keinem weh, will nichts böses und huldigt keinen Krieg. Also gilt: viel Erfolg.

  2. 3.

    Schön die Sache mit dem Erdgeschichte-Weg.
    Aber wenn sie keine Satire machen und evolutionärer Humanismus die Ausrichtung ist wozu vor den EGMR ziehen?
    Die Evolutionstheorie kann man als "weltlichen" wissenschaftlichen Fakt gegeben sehen.
    Und Humanismus ist wohl die Grundlage jeder mit den Menschenrechten konformen Rechtsordnung.
    Ist das Glauben? Für mich ist das Alles wissenschaftlicher Fakt und Logik.

  3. 2.

    Religion ist immer Satire und vor allem frei erfunden.

    Den Atheisten tut mann/frau/div keinen Gefallen wenn er/sie/es die gleichen Rechte einklagt oder Nonsens Verkleidungen legitimiert

    Das nützt nur dem religiösen Fundamentalist*innen.


  4. 1.

    Ich drücke die Daumen, dass Weida mit der Klage Erfolg hat. Die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters hält allen Religionsgemeinschaften den Spiegel vor... und das ist bitternötig.

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