Bis 2027 - Bundeswehr investiert 660 Millionen Euro in Brandenburger Kasernen

Do 09.06.22 | 14:38 Uhr | Von Wolf Siebert
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Bundeswehrstützpunkt in Beelitz - noch parken einige Militärfahrzeuge unter freiem Himmel. (Quelle: rbb/W. Siebert)
Video: rbb24 Brandenburg aktuell | 09.06.2022 | Michel Nowak | Bild: rbb/W. Siebert

Schon vor der "Zeitenwende" hat die Bundesregierung beschlossen, in Bundeswehr-Standorte zu investieren - auch in Brandenburg. Manche Kasernen sind Sanierungsfälle. In Beelitz sind Arbeiten und Planungen bereits in vollem Gange. Von Wolf Siebert

Der Rundgang durch die Hans-Joachim-von-Zieten-Kaserne in Beelitz (Potsdam-Mittelmark) wirkt wie eine Zeitmaschine: Als der Standort ab 1976 gebaut wurde, hieß der Staat noch DDR, in den Hallen und Gebäude schoben Soldaten der Nationalen Volksarmee ihren Dienst. Heute werden die Bauten immer noch genutzt, auch die in die Jahre gekommenen Häuser, in denen Grundwehrdienstleistende in Vier-Bett-Zimmern wohnen.

Doch es tut sich etwas: Auf dem Gelände steht eine moderne, Garagen-artige Halle, deren Fassade mit hellem brandenburgischen Kiefernholz verkleidet ist. "Im Grunde machen wir hier den Neubau einer Kaserne bei laufendem Betrieb", erklärt Oberstleutnant Peter Pöpper. Er arbeitet beim Bundeswehr-Kompetenzzentrum Baumanagement in Strausberg. Die Bereiche für den Führungsstab und für die Technik, die Unterkünfte der Soldatinnen und Soldaten und die Büros – alles wird saniert, modernisiert oder neu gebaut. 75 Millionen Euro sind dafür in Beelitz angesetzt, bis 2027.

Insgesamt werden in Brandenburger Kasernen in den nächsten fünf Jahren 660 Millionen Euro investiert, so die Angaben des Bundesamtes für Infrastruktur. Soweit die konkreten Pläne. Auf politischer Ebene ist sogar geplant, langfristig weitere 740 Millionen Euro - also insgesamt 1,4 Milliarden Euro - in die Infrastruktur mit Kasernen und Truppenübungsplätzen zu stecken.

Bis 2025: Auch die Unterbringung wird modernisiert. Nach der Grundausbildung bekommen viele ein 1-Bett-Zimmer. (Quelle: rbb/Wolf Siebert)
Auch die Unterbringung wird modernisiert: Nach der Grundausbildung bekommen viele ein Ein-Bett-Zimmer | Bild: rbb/Wolf Siebert

"Nur 80 Prozent unserer Fahrzeuge sind einsatzbereit"

Zu den Neubauten gehört auch eine zentrale Waffenkammer, ihr Grundriss ist von den Vermessern im Rasen schon mit gelben Pflöcken abgesteckt worden. Bislang werden in Beelitz Waffen in den Gebäuden verwahrt, in denen auch die Mannschaften wohnen. Das Gebäude für den "Geländebetreuungsdienst" - sozusagen das Facility-Management - ist schon fertig, nur die Außenanlagen müssen noch gemacht werden. In dem Neubau wird es auch eine Ausbildungs- und Lehrwerkstatt geben.

Mit rund 960 Soldatinnen und Soldaten ist das Logistikbataillon 172 in Beelitz eines der kleineren in Deutschland. Zu seinen Aufgaben gehört es, Fahrzeuge und Geräte zu reparieren oder instandzusetzen. Die Logistiker besorgen Material und Zubehör: von der Schraube bis zum Panzermotor – für Bundeswehreinheiten im In- und im Ausland. Zum Bataillon gehören auch Kompanien, die für den Transport zuständig sind, von Material und Kraftstoff zum Beispiel.

Aber auch die Logistiker in Beelitz haben aktuell dieselben Schwierigkeiten wie ganz normale Firmen: Sind die globalen Lieferketten gestört, ist es nicht so einfach, Ersatzteile und Nachschub zu bekommen. Major Tim Kühnel, der eine der beiden Beelitzer Nachschubkompanien führt, sagt: "Nur 80 Prozent unserer Fahrzeuge sind einsatzbereit." Im Westen Deutschlands hat die Bundeswehr deshalb zwei Depots reaktiviert, um Lagerbestände für Krisenfälle aufzubauen.

Neue Halle für Reparaturarbeiten

Auf dem Kasernengelände befindet sich auch eine nagelneue hellgraue Halle mit sechs Rolltoren. Anja Buresch-Hamann ist davon begeistert: "Das ist unsere Werkhalle 1. Hier können 100 Soldatinnen und Soldaten zeitgleich großes Gerät reparieren und Ersatzteile lagern. Das ist ein echter Quantensprung in unserer Leistungsfähigkeit." Oberstleutnant Buresch-Hamann ist die Chefin des Logistikbataillons. "Es müssen nur noch die Ersatzteile in Regale geräumt werden, ab August können wir hier dann auch reparieren." Die Halle sei technisch auf dem neuesten Stand, ergänzt Major Kühnel: Computer, Automatisierung und Laptop-Prüfstände gehören dazu. Und auch eine moderne Heizung und Lüftung.

Wir waren in der Vergangenheit wie die Feuerwehr oder wie das Hilfswerk: immer da, wenn man uns brauchte. Und nun muss das auch materiell hinterlegt werden.

Oberstleutnant Anja Buresch-Hamann

Vernünftige Unterkünfte sollen Standort attraktiver machen

Modernisierung, Sanierung und Neubau brauchen viel Zeit. Bataillonskommandeurin Buresch-Hamann räumt ein, dass man eigentlich weiter sein wollte. Laut Plan sollten viele Arbeiten schon 2020 erledigt sein. Doch es gab eine Änderung der Plan-Kennzahlen, die allgemeinen Probleme im Bereich Bauen, ausgelastete Firmen, die Sanierung bei laufendem Betrieb – es zieht sich.

Oberstleutnant Pöpper hat auch die Baubehörde im Blick. Denn das Bundeswehr- Kompetenzzentrum Baumanagement vertritt die Bundeswehr gegenüber der jeweils zuständigen Bauverwaltung. "Dort wurde in den vergangenen Jahren viel Personal abgebaut. Das lässt sich gar nicht so schnell wieder auffüllen. Da konkurriert die Bauverwaltung mit der freien Wirtschaft um gute Architekten und Ingenieure. Deshalb ist ein Nadelöhr entstanden."

Auch die Bundeswehr sucht Personal, um daraus fähige Soldatinnen und Soldatinnen zu machen. Vernünftige Unterkünfte sollen den Standort Beelitz attraktiver machen. Bis Sommer 2025, verspricht Pöpper, sollen drei neue Gebäude entstehen - mit Zimmern, die "Hotelstandard" haben, "Einzel-Nasszelle" inklusive.

Bundeswehrstützpunkt in Beelitz - noch parken einige Militärfahrzeuge unter freiem Himmel. (Quelle: rbb/W. Siebert)Militärfahrzeug vor einer neu erichteten Halle in Beelitz

Auch Beelitz will von "Zeitenwende"-Investition profitieren

Die Bataillonskommandeurin ist eindeutig: Von den 100 Milliarden, die der Bundestag als "Zeitenwende"-Investition in die Bundeswehr beschlossen hat, soll auch Beelitz etwas abbekommen. "Wir brauchen Großgeräte wie Lastwagen, Nachtsichtgeräte und Kleinwaffen."

Ob das Zeitenwende-Gefühl auch nach dem Ukraine-Krieg anhält in Politik und Gesellschaft? Oberstleutnant Buresch-Hamann hofft es: "Die Bundeswehr hat es verdient. Wir waren in der Vergangenheit wie die Feuerwehr oder wie das Hilfswerk: immer da, wenn man uns brauchte. Und nun muss das auch materiell hinterlegt werden, wenn es um Landes- und Bündnisverteidigung geht."

Brandenburg Geplante Investitionen in Bundeswehr-Standorte

Diese Angaben beschränken sich auf wesentliche Bauvorhaben bis einschließlich 2027. Daneben finden viele weitere, kleinere Investitionen statt bzw. sind geplant.

Standort Potsdam: In der Henning-von-Tresckow-Kaserne wird in die Erneuerung und Ergänzung der Infrastruktur des Einsatzführungskommandos und in der Havelland-Kaserne in den Neubau von Unterkünften und einer Hallenschießanlage investiert.

StO Beelitz: Dort werden in der Hans-Joachim-von-Zieten-Kaserne die Unterkunfts- und Stabsbereiche ausgebaut sowie der technische Bereich einschließlich einer Nachschub-Halle neugebaut.

Am StO Strausberg wird die Rechenzentrum-Infrastruktur neugebaut, Unterkunfts- und Stabsbereiche ergänzt und betriebstechnische Anlagen erneuert.

Am StO Holzdorf/Schönewalde sind Ergänzungen des Unterkunftsbereiches, ein Neubau einer Luftfahrzeuginstandsetzungshalle sowie die Erweiterung der betriebstechnischen Anlagen geplant.

In Storkow werden ebenfalls Unterkunfts- und Stabsbereiche ausgebaut, der technische Bereich neugebaut und eine Hallenschießanlage errichtet.

In Prenzlau werden Unterkünfte und der technische Bereich ausgebaut.

Auf dem Truppenübungsplatz (TrÜbPl) Lehnin bei Brück sind Neubauten im Unterkunftsbereich der Übungstruppe und der Feuerwache der Bundeswehr-Feuerwehr geplant, ferner wird allgemein in die Verbesserung der Infrastruktur investiert.

(Aufschlüsselung: Quelle: Bundeswehr)

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 09.06.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Wolf Siebert

11 Kommentare

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  1. 11.

    Dann zählen Sie mal auf, wo die heldenhafte USA im gleichen Zeitraum "die westliche Demokratie" verteidigt hat. Sollten Ihre Wissenslücken zu groß sein, ich helfe Ihnen gerne weiter.

  2. 10.

    Ach, es war sicher so schön im ehem. Ostblock, gell?

    Putin hat bereits in folgenden Staaten einen regime change herbeigeführt: Bjelorussland, Kasachstan, Georgien, Tschetschenien und wohl auch in Süd-Ossetien. In Afghanistan war die Sowjetunion auch bereits „tätig“. Von unzähligen Kriegen in Afrika mal ganz abgesehen.
    Wurde damit irgendeine Verbesserung oder Befriedung erreicht?

  3. 9.

    Das die Menschheit ohne Krieg auskommt ist eine Illusion und weltfremd. Es braucht eine Streitkräfte zur Verteidung.

  4. 8.

    Ja das stimmt.

    Damals 2005 die Panzergrenies in Brandenburg Stadt und Oranienburg Ortsteil Lehnitz das PzArtBtl 425. und Viele weitere in Namen der Geldeinsparung.

  5. 7.

    Welche „Zeitenwende“ eigentlich?

    Nur weil mal nicht der Ami sondern jemand anders einen Krieg anfängt?

    Ich würde bei konsequenter Deeskalation bleiben: Ich hab noch niemanden getroffen, der irgendwelche Kriege braucht, kann mich aber noch gut an die Erzählungen meiner Eltern und Großeltern erinnern. Das braucht niemand - und unsere NATO-Anhänger mögen doch gern voran gehen, wenn’s denn so toll ist.
    Selbstverständlich bin ich weder Geostratege, noch „Völkerrechtlerin”.

  6. 6.

    Besser wäre das Geld für soziale Zwecke, Aufbau von Schulen und Kindergärten einzusetzen als für die überdimensionale konventionelle rund atomare Aufrüstung in Deutschland !!!

  7. 5.

    Dringend benötigte Investitionen.

  8. 3.

    Endlich wird wieder Geld in die Bundeswehr investiert. Jetzt sollte noch die Wehrpflicht wieder eingeführt werden.

  9. 2.

    Am Zustand der Armee und der Schulen kann man sehen wie eine Gesellschaft "tickt"...

    P.S. "Nicht jede weggelassene Windel ist gut für das Klima" - Soll die Wertigkeit von Aussagen übertrieben verdeutlichen.

  10. 1.

    Oh, oh, da sollten alle Alarmglocken klingeln. Viele BW-Objekte, die für viel Geld saniert wurden, wurden anschließend dicht gemacht.

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