Energiespartipps für mobile Geräte - Wie das Smartphone und Streaming zum Klimawandel beiträgt

Fr 24.06.22 | 14:49 Uhr | Von Jenny Barke und Frank Preiss
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Eine Frau liegt auf der Couch und schaut ein Video auf ihrem Laptop an (Bild: imago images/Thomas Trutschel)
Audio: rbb24 Inforadio | 24.06.2022 | Jenny Barke | Bild: imago images/Thomas Trutschel

In Zeiten schwindender Gasvorräte wird verstärkt über Energiesparen diskutiert. Ungeahnte Chancen liegen dabei in der Nutzung von Smartphone & Co. Eine Nachhaltigkeitsforscherin nennt überraschende Zahlen - und zeigt Alternativen auf. Von Jenny Barke und Frank Preiss

Es scheint, als würden Smartphones, Tablet-PCs und Laptops nicht viel Energie verbrauchen: Durchschnittlich weniger als fünf Kilowattstunden im Jahr - das entspricht nicht einmal einem halben Prozent des mittleren Pro-Kopf-Jahresverbrauchs. Doch in der Berechnung fehlt die sogenannte "graue Energie" für Rohstoffgewinnung, Herstellung, Transport und Entsorgung des Smartphones.

Rechenzentren haben hohen Energieverbrauch

Den größten Posten des Energieverbrauchs macht in diesem Zusammenhang die Infrastruktur für unsere Daten aus, erklärt die Nachhaltigkeitsforscherin an der BTU Cottbus-Senftenberg, Melanie Jaeger-Erben: "Die ganzen Rechenzentren, die Datenzentren, das W-LAN, das Mobilfunknetz, da kommt schon eine ordentliche Summe zusammen. Manche sagen, wenn das Internet ein Land wäre, stünde es im weltweiten Vergleich an dritter Stelle hinter China und den USA."

Wie hoch der Energieverbrauch von Rechenzentren allein in Deutschland ist, belegen Zahlen des "Berliner Borderstep Instituts für Nachhaltigkeit und Innovation", erklärt die Wissenschaftlerin: Im Jahr 2020 fiel demnach hier ein Verbrauch von 16 Milliarden Kilowattstunden an. "Davon könnten 4,8. Millionen Drei-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Energie versorgt werden", rechnet Jaeger-Erben vor.

Streaming ist ein großer Energiefresser

Energiesparen lässt sich vor allem bei der Art und Intensität der Nutzung von Smartphones, Laptops, Tablet-PCs und Smart-TVs. Auf den Markt strömen immer mehr internetfähige Geräte, die täglich immer länger genutzt werden. Dadurch steigt der Energieverbrauch.

Besonders Cloud- und Streamingdienste verursachen hohe Datenmengen und benötigen viel Speicherkapazitäten. Dabei sticht insbesondere Videostreaming hervor: Ein britisches Stromvergleichsportal errechnete: 64 Millionen Zuschauer der Serie "Stranger Things" verbrauchen so viel Co2 wie über 55.000 deutsche Autofahrer pro Jahr.

Die Nachhaltigkeitsforscherin Jaeger-Erben kann weitere brisante Zahlen nennen: "Wenn man nicht eine Stunde Netflix guckt, könnte man sechs Stunden lang eine 30 Watt-Lampe anlassen oder etwa einen Kilometer Autofahren." Das analoge Fernsehschauen sei da wesentlich energieeffizienter, rechnet Jaeger-Erben weiter vor: "Wenn zehn Millionen Leute abends eine Sendung direkt im linearen Programm schauen, muss die nur einmal übertragen werden. Wenn aber zehn Millionen Leute die Sendung in der Mediathek schauen, dann muss sie eben zehn Millionen mal wieder neu übertragen werden. Und das ist halt ein immenser Mehrverbrauch."

Textnachricht schlägt Audionachricht

Und auch Audionachrichten, die bei Messengern wie Whatsapp hoch im Kurs stehen, sind wahre Energiefresser, betont sie: "Audionachrichten haben einen sehr viel höheren Datenverbrauch als Textnachrichten. Das sind alles Daten, die irgendwo gespeichert und übermittelt werden müssen. Jedes Gigabyte, was da eingespart werden kann, bringt im Endeffekt was, weil diese Rechenzentren eben immer mehr Energie verbrauchen. Und bei steigenden Temperaturen durch den Klimawandel müssen diese Rechenzentren ja auch stark gekühlt werden, das potenziert sich also."

Menschen wechseln immer schneller Smartphones aus

Neben der Vielzahl von immer größeren Nutzungsmöglichkeiten internetfähiger Geräte steigt auch deren Anzahl an sich kontinuierlich an: Gab es 2019 noch etwa zwölf Milliarden vernetzte Geräte weltweit, könnte sich deren Zahl bis 2025 auf knapp 30 Milliarden verdreifachen, erwartet Tilman Santarius, Professor für Sozial-ökologische Transformation an der TU Berlin. Fakt ist: Technische Effizienzsteigerung führt zu mehr Konsum und Produktion. Und obwohl beispielsweise Smartphones eine Lebensdauer von mittlerweile bis zu acht Jahren haben, werden sie immer schneller gewechselt - viele Nutzerinnen und Nutzer entscheiden sich nach durchschnittlich drei Jahren für ein neues Modell.

"Wir leben in einer materiellen Kultur, die auf hohen Verbrauch und hohen Verschleiß ausgelegt ist. Das nutzen natürlich Unternehmen, indem sie immer wieder was Neues herausbringen", erklärt die BTU-Wissenschaftlerin. Sie fordert als Antwort darauf, die Gewährleistung auf die Produkte auszubauen, die Reparierbarkeit zu erhöhen und sehr viel stärker in zirkulären Systemen zu denken: "Wie kann man Reparatur, Wartung und Rücknahme oder auch Verleih und Tausch verbessern, damit man einen stärkeren Kreislauf von Produkten hat? Die Politik muss da die Unternehmen puschen", meint sie.

Konsumforscher: “Wer verzichtet, der erhält etwas“

Wichtig ist der Forscherin gleichwohl, nicht zu moralisieren, sondern zu sensibilisieren. Ein Weg, den auch der Konsumforscher Ingo Balderjahn von der Uni Potsdam empfiehlt. Es liege nicht in der Natur des Menschen, freiwillig Opfer zu bringen - daran hinderten sie die Gewohnheiten und der Eigennutz.

Deshalb rät er dazu, auf Appelle zum Konsumverzicht zu verzichten und dafür die Vorteile aufzuzeigen: "Leute, die auf verschwenderischen Konsum und das Zuviel verzichten und weniger konsumieren, denen geht es besser. Sie sind glücklicher und zufriedener, erleben mehr Lebensqualität, mehr Zeit für die Familie. Sie fühlen sich selbstbestimmter. Sie erbringen also keine Opfer, sondern sie erhalten etwas."

Nur so würde auch der von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) ausgerufene Appell zum Energiesparen funktionieren. Es sollte sich nicht nach Opfer, sondern Gewinn anfühlen, empfiehlt Balderjahn. Der Gewinn beim weniger Streamen könnte zum Beispiel der Schutz für die Umwelt sein. Das gebe den Menschen ein gutes Gefühl statt ein schlechtes Gewissen beim Konsum.

Sendung: rbb24 Inforadio, 24. Juni 2022, 13:11 Uhr

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Beitrag von Jenny Barke und Frank Preiss

18 Kommentare

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  1. 18.

    Netflix habe ich bisher noch nie genutzt, genauso wenig wie Ferienfliegerei, Computer und Handy halten sich auch in Grenzen,aber ich gestehen mein Auto werde ich nie abschaffen und habe trotzdem kein schlechtes Gewissen.Auch wenn mir das so mancher das einreden möchte.

  2. 17.

    12km Autofahren statt 1 Std Netflix ist zu ungenau. Ein Liter reicht für 12 km, ein Liter hat aber 9 kWh Energie. Das wäre so viel wie 9 Std Staubsaugen.
    Im Artikel steht gar nicht drin wie viel Energie Netflix pro Person verbraucht

  3. 16.

    Wenn Sie sich so über die Nachrichten hier aufregen, dann lesen Sie einfach auf anderen Plattformen. Es sollte hier viel mehr solcher Themen geben.
    Übrigens die Ukraine Nachrichten sind auch überregional.

  4. 14.

    Keine Ahnung, wozu man "Nachhaltigkeitsforscher" braucht.
    Aber ich denke ja gar nicht daran, irgendetwas an meinem Verhalten zu ändern, weil Grüne keine vernünftige Energiepolitik hinkriegen oder meinen, Deutschlands Ruin würde das Weltklima retten.
    Und ich entschuldige mich im Namen der Menschheit für deren Existenz.
    Sie ruiniert sicher Umwelt und Klima, ist verantwortlich für diverse Kriege und erfüllt insgesamt gesehen keine Genderquoten.

  5. 13.

    Irgendwie hast du Recht.Jahrelang wurde konsumiert und konsumiert.Von überall her kamen die Angebote und es wurde uns die ach so freie Welt schmackhaft gemacht.Die Politik hat das Geld nur so über uns ausgeschüttet,über dem ach so reichen und überheblichen Deutschland.Nun stehen wir da,durch eine einäugige Politik sich abhängig gemacht,durch einen Unberechenbaren.Wie könnte das passieren und wie wird man uns das erklären.Armes Europa

  6. 12.

    @redaktion: es wird zunehmend schlimmer in dieser App. Was hat diese Nachricht mit Berlin oder Brandenburg zu tun? Klar, letztlich hat alles etwas damit zu tun. Ich erwarte hier jedoch ausschließlich regionale Themen. Auch der Artikel mit der Vergütung für Covid Test. Keine regionale Nachricht. Wenn ich überregionale Nachrichten lesen will, nehme ich andere Plattformen als diese.

  7. 11.

    Was man nicht meint: Fernsehen verbraucht praktisch genau so viel Energie wie Netflix. Da stehen auch Rechenzentren und es gibt eine Infrastruktur, die betrieben werden muss. Die Herstellung und der Transport von DVDs und Blurays ist übrigens auch nicht umsonst.

  8. 10.

    Bei einem sparsamen Auto kosten 12 Kilometer aktuell trotzdem mindestens einen Euro. So viel soll eine Stunde Netflix streamen kosten?

    "Das analoge Fernsehschauen sei da wesentlich energieeffizienter, rechnet Jaeger-Erben weiter vor:"
    Bei solchen Sätzen kann man halt schon mal skeptisch werden..

  9. 9.

    Olaf Scholz am Rande des EU Gipfels :Deutschland ist vorbereitet auf Gasstopp!!!! Na dann ist ja alles bestens, wozu die vielen superklugen Spartipps in allen Medien

  10. 8.

    6 Stunden eine 30W Glühlampe kann man also eingeschaltet lassen. :180W. Das Auto, was damit 12 km kommt, möchte ich haben. Mit einem Elektroauto kommt man bei einem Kleinwagen 1.5km. Mit einem Benziner 500Meter.

    Energie sparen hilft sicherlich, aber bitte den richtigen Zahlen.

  11. 7.

    Würden die Menschen ordentliche Geräte (US) benutzen bräuchten sie nicht dauernd neu kaufen und hätten lange Jahre Freude.

  12. 6.

    Menschen wechseln NICHT immer schneller Smartphones aus. iPhones 13+, Blackberrys KEYS Series, Motorola RAZR FLIP oder das kommenden TESLA Pi-Phone werden ewig benutzt.

    Die südostasiatischen Stullenbretter haben nur einen Markt in Deutschland und haben nur hier einen "Kenn ich aus der Werbung-Wert".
    Die halten nicht lange, wie alles aus der Gegend und deshalb, kaufen die Fanboys ständig neu, anstatt ordentliche Geräte zu kaufen und glücklich zu sein. Nicht umsonst schmeißen die Provider überbewerteten den Dreck hinterher.

  13. 5.

    Sehr interessante Zahlen und erstaunliche Werte! Ich werde wieder mehr auf Festplatte aufnehmen und die linearen Sendungen dann später schauen und nicht mehr aus der Mediathek.
    Wichtig ist auch, die Energiefresser, XBOX und Grafikkarten dauerhaft abzuschalten, die jeweils 200-300W fressen. Gaming reduzieren spart Energie.

  14. 4.

    In unserem kapitalistischen System ist doch wohl der Konsum unsere einzige Daseinsberechtigung... und jetzt dürfen wir nicht mehr????

  15. 3.

    Da wird hier ja viel durcheinandergeworfen. Die 30W Glühbirne verbraucht in 6 Stunden 180Wh. Damit kommt man bestenfalls mit einem Elektro-Auto 12km weit, und auch nur dann, wenn das exklusive graue Energie rechnet (Herstellung und Stromtransport, etc). Das ganze wird dann verglichen mit dem Verbraucht von Streaming, aber diesmal inklusive graue Energie. Und wie viel CO2 dabei produziert (nicht verbraucht!!) wird, hängt nochmal von anderen Faktoren ab.

  16. 2.

    Für solche "Weisheiten" bedarf es einer Nachhaltigkeitsforscherin. Das Beste, solche "Wissenschaftler" sollten eingespart werden. In einer kapitalistischen Marktwirtschaft, in der die Produktion und Konsumtion von Nachfrage geprägt ist, sind die Sprüche dieser Frau reine Utopien und "leeres Gerede". Wichtigtuerei!

  17. 1.

    "Leute, die auf verschwenderischen Konsum und das Zuviel verzichten und weniger konsumieren, denen geht es besser. Sie sind glücklicher und zufriedener, erleben mehr Lebensqualität, mehr Zeit für die Familie. Sie fühlen sich selbstbestimmter. Sie erbringen also keine Opfer, sondern sie erhalten etwas." ????
    Das entscheidet ein Konsumforscher?? Na wenn er meint.
    Sicherlich wird zum Teil sehr viel durch Streaming Dienste konsumiert, aber die Frage stellt sich warum?? Schaue ich mir das Programm konventioneller Sender an schaue ich lieber Amazon Prime oder Netflix wenn ein Fernsehabend ansteht. Egoistisch zu verzichten, obwohl man das Geld hat, wie Forscher, m.E. wirtschaftsschädigend.

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