Die ILA unter dem Eindruck der Klimakrise - Weniger Show, viel Innovation

Mi 22.06.22 | 18:57 Uhr | Von Stefanie Brockhausen
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Der Airbus Beluga auf dem Gelände der ILA. (Quelle: imago/imagebroker)
Video: rbb24 Abendschau | 22.06.2022 | Ludger Smolka | Bild: imago/imagebroker

Unter dem Motto "Pioneering Aerospace" startet am Mittwoch die Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung ILA. Im Vergleich zu früher hat die Messe deutlich an Größe eingebüßt - dafür stehen durch Klimakrise und Krieg ganz andere Aspekte im Fokus als sonst. Von Stefanie Brockhausen

Die ILA ist deutlich kleiner geworden: Etwa 550 Aussteller präsentieren sich bis Sonntag auf dem Messegelände in Selchow, 2018 waren es noch doppelt so viele. Die Besuchertickets sind für das Wochenende auf jeweils 10.000 pro Tag begrenzt und müssen vorher online gekauft werden. Auch die beliebten Flugvorführungen finden nur vereinzelt statt, da wegen des Flugbetriebs am BER die zweite Start- und Landebahn nicht mehr für die ILA genutzt werden kann.

60 Fluggeräte werden gezeigt

"Die Sicherheit des Flugbetriebs am BER hat natürlich oberste Priorität", sagt ILA-Sprecherin Britta Wolters. An den Fachbesuchertagen werden dreimal täglich Fluggeräte in der Luft sein, am Wochenende fünfmal täglich. Die allermeisten Fluggeräte - knapp 60 - werden aber vor allem am Boden zu sehen sein. Darunter sind alte Bekannte: Das Passagierflugzeug A380, der Airbus A400M, das Transportflugzeug Beluga und die Kampfflugzeuge Eurofighter, Tornado und F-35.

ILA Berlin

Wann: 22.-26.6.22 (22.-24.6. Fachbesuchertage, 25.-26.6. Besuchertage)

Wo: Berlin ExpoCenter Airport, Messestr. 1, 12529 Schönefeld

Tickets: nur noch für Sonntag hier erhältlich

An Größe und Show hat die ILA also einiges eingebüßt. "Aber wichtig ist uns vor allen Dingen auch die Qualität", sagt ILA-Sprecherin Wolters. "Wir haben spannende Aussteller, ein hochkarätiges Programm auf den Bühnen und die Aufmerksamkeit unserer politischen Gäste ist auch sehr hoch." Das war in der Vergangenheit zwar nicht anders, aber die diesjährige ILA steht auch unter dem Eindruck von Klimakrise und Krieg. Und so dürften einige Aspekte der Messe dieses Mal mehr im Fokus stehen als sonst, etwa weil der Transporthubschrauber CH-47F Chinook und das Kampfflugzeug F-35 inzwischen auf der Einkaufsliste der Bundeswehr stehen.

Fliegen soll klimaneutral werden

Hinzu kommt, dass über der diesjährigen ILA ein ambitioniertes Ziel schwebt: das klimaneutrale Fliegen. Bis 2050 will die Luftfahrt dieses Ziel erreichen, darauf hat der internationale Airline-Verband IATA sich im vergangenen Jahr verständigt. "Wir sind auf dem Weg dahin", sagt Volker Thun, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie. Moderne Antriebe, synthetische Kraftstoffe - all das stehe momentan im Fokus der Branche.

Alternative Kraftstoffe sind noch nicht ausreichend verfügbar

Vieles davon wird auch in den Messehallen in Selchow gezeigt: Das Strausberger Unternehmen Apus zeigt ein Modell seines emissionsfreien Wasserstoffflugzeugs i-2. Das Unternehmen Volocopter stellt ein 1-zu-1-Modell eines senkrecht startenden Flugtaxis aus. Rolls Royce präsentiert ein Modell seines Elektroflugzeugs "Spirit of Innovation", das aktuell schnellste elektrische Flugzeug der Welt. Elektrische Antriebe seien jedoch vor allem für kurze Strecken geeignet, sagt Andreas Schütz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

Für lange Flugstrecken ist dagegen der Einsatz synthetischer Kraftstoffe ein Thema: "Manche Airlines fliegen schon seit Jahren mit Beimischungen von bis zu 50 Prozent", so Schütz. Das Problem sei nur, dass die alternativen Kraftstoffe bislang noch nicht in ausreichenden Mengen verfügbar seien: "Wenn man sich vorstellt, dass in Deutschland im Jahr Millionen Tonnen Kerosin verflogen werden, dann müssen die Millionen Tonnen an alternativen Treibstoffen auch erstmal produziert werden", sagt Schütz. Der Weg zum klimaneutralen Fliegen ist also noch lang - aber das Ziel steht.

ILA 2022 zieht tausende Aussteller und Besucher an

Sendung: rbb24 Abendschau, 22.06.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Stefanie Brockhausen

14 Kommentare

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  1. 14.

    Welche großen Hersteller stellen denn nun aus und welche sind fern geblieben?

  2. 13.

    Als Anwohnerin eines Ortes, welcher erheblich durch den Lärm der Flugshows genötigt wird, ist es eine Freude, dass von Jahr zu Jahr dieser Teil der ILA immer kleiner wird. Allein schon aus Respekt Kriegsflüchtlingen gegenüber hätten Flugshows endgültig verboten werden sollen. Noch dazu wird der Schutz der Umwelt welcher ja im Mittelpunkt der Messe stehen sollte durch diese Shows ins lächerliche gezogen. Alle denken immer nur einen Schritt, aber dann hören sie auf. Wo fängt man denn an das Klima zu schützen? Richtig, sicher nicht mit unnötigen Flugshows. Keiner der dafür verantwortlichen Menschen hat Verantwortung in Sachen Klimaschutz übernommen.

  3. 12.

    Die ILA war schon immer sehr militärlastig, da z.B. Boeing ansonsten nicht zivil ausstellt. Bei den Flugshows sind mir eher die DC-3 samt Li-2-Nachbau und die Ju 52 bei den Flugvorführung in Erinnerung geblieben - allein wg. Sound. Allerdings ist vor allem ja die "Berlin Air Show" am Wochenende Geschichte wie ja ansonsten auch das Flugprogramm maximal reduziert worden ist. Schönefeld ist halt nicht mehr der kleine Provinzflughafen mit ein planmäßigen Flugbewegungen.

    Bescheiden sehen unsere Flieger auch gegenüber den Blue Angels oder der Patrouille Swiss aus - ganz banal, weil die BW solche Showprogramme nicht einübt. Wenn man die Amis und Schweizer mal außerhalb von D. gesehen hat, ist das hierzulande zulässige nur noch kalter Kaffee.

    Die NATO hat Russland immer wieder die Hand gereicht, nur ist Putin z.B. 2008 lieber in Georgien einmarschiert.

  4. 11.

    Wie passen solche Events zu Klimaschutz und Energiesparen? Jegliche Energie ist nahezu unbezahlbar, Verbrenner-Autos sollen möglichst verschwinden, aber Autorennen und Flugshows dürfen, auch gern in Stadtnähe, stattfinden? Wer ein Rückgrat hat, muss solche Veranstaltungen meiden, wenn es kein Geld einbringt, wird es uninteressant...

  5. 10.

    Ich weiß nicht wie heute die Prioritätenliste gesetzt sind. In den 90ern überwog noch der militärische Teil.
    Mir sind noch zwei Highlights in Erinnerung:
    - Abseilen vom BW-Heli durch unsere damalige Ref.IV-Leiterin
    - russ. Militärflugstaffel mit den neusten Mig und Su, teilweise im direkten Vergleich mit Phantom und F-Modellen in der Luft. Die Vorführungen der russ. Staffel erntete frenetisch Applaus, auch von der BW, die Vorführungen unserer Flieger sahen sehr bescheiden aus. Damals hofften viele, dass es gut wäre die Russen in der NATO zu haben. Aber die Amis haben das geblockt und jetzt kriegen wir die Quittung.

  6. 9.

    Tests von alternativen Kraftstoffen sind aber nicht wirklich neu in der Luftfahrt. Die USA haben schon mal mit einem B52 einen 1:1 Mix aus normalm Jet-Bezin und "Fischer-Tropsch"-Benzin getestet vor längerer Zeit. Und die Sowjetunion hatte auch schon mal ein Testflugzeug mit Wasserstoff (eine TU-155 vor ca. 34 jahren). Appropos: Flugzeuge und Hersteller aus welchen Ländern nehmen denn an der ILA dieses Jahr teil, welche bekannten Hersteller nicht? Das wird gar nicht im Artikel erwähnt.

  7. 8.

    Richtig. Wir waren mit unserer ehemaligen UL Flugschule Anfang der 2000' er auch ein paar Male dort vertreten. Da durften wir noch ohne Landegebühren an- und abfliegen. Das war klasse. Aber heute..... Neee neee.... Slot unmöglich und wenn ja, dank Handlingpflicht unerschwinglich; über 1000€. Die Landung selbst kostet inkl. Anflug- und DFS-Gebühren um die 10p Euro in der kleinsten Klasse. Das verpflichtende Handling zockt dann ab. So wird die allgemeine Luftfahrt abgewimmelt.

  8. 7.

    Ich habe doch auch von Flugschau geschrieben. Vielleicht sollten Sie einfach die ganzen Kommentare lesen.

  9. 4.

    Ich schrieb von Flugschauen, nicht vom Fliegen selbst. Nur um diesen kleinen Unterschied noch mal extra für sie darzustellen.

  10. 3.

    Na klar sind die Flugschauen noch zeitgemäß. Flugzeuge werden auch in 500 Jahren fliegen und bis dahin wird die neueste Technik auf Messen gezeigt und geflogen.

    Oder gab es Beschlüsse vom EU Parlament oder dem deutschen Klimaschutzministerium, aus dem Fliegen auszusteigen?

  11. 2.

    Ich frage mich, ob solche Flugschauen noch irgendwie zeitgemäß sind. Mit ein wenig guten Willen könnte zumindest das militärische Geraffel am Boden bleiben. Upps - lt. Flying Display wären das ja alle. Auch gut.

  12. 1.

    Bei den Preisen und der beschnittenen Flugshow leider keinen Besuch mehr wert.

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