Katastrophenschutz - Jeder zweite Berliner Katastrophen-Infostelle hat keinen Notstrom

Mi 15.06.22 | 19:14 Uhr
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Symbolbild: Ein Notstromaggregat in einem Rechenzentrum, am 14.08.2018. (Quelle: dpa/Uli Deck)
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Video: rbb24 | 15.06.2022 | Nachrichten | Bild: dpa/Uli Deck

Im Katastrophenfall soll die Berliner Bevölkerung auch dann informiert werden, wenn es zu einem großflächigen Stromausfall kommen sollte. Dafür werden Anlaufstellen mit Technik eingerichtet. Deren Notstromversorgung ist aber noch lückenhaft.

Der Katastrophenschutz in Berlin weist Mängel bei der Stromversorgung von Anlaufpunkten auf. 36 lokale sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme soll es im Ernstfall zur Information der Bevölkerung geben - aber nur die Hälfte davon wird über eine zumindest für den Anfang gesicherte Notstromversorgung verfügen.

Für einige andere sollen mobile Notstromaggregate Energie liefern, manche erhalten gar keinen Notstrom. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine FDP-Anfrage hervor. Die "Berliner Morgenpost" (€) hatte zuerst berichtet.

Einrichtung wegen Pandemie und Krieg nicht abgeschlossen

Die Anlaufstellen sollen vor allem dazu dienen, die Bevölkerung zu informieren, falls bei einem längeren Stromausfall weder Internet noch Fernsehen oder Radio funktionieren. Dafür sollen sie mit moderner IT-Technik, Notebooks und Bildschirmen ausgestattet und besonders mit Strom versorgt werden. Auch die interne Behörden-Kommunikation muss gesichert werden.

Bisher sei die Einrichtung dieser Katastrophenschutz-Leuchttürme (Kat-L) durch die Bezirke wegen Verzögerungen, der Corona-Pandemie und des Kriegs in der Ukraine noch nicht abgeschlossen. Die Bezirke sind daher sehr unterschiedlich vorbereitet. In Pankow fehlen an vier von fünf Stellen feste Notstromaggregate, die mobilen Stromerzeuger laufen nur zwölf Stunden. Ähnlich schlecht sieht es demnach in Neukölln und Marzahn-Hellersdorf aus.

Kraftstoff-Generatoren mit kurzer Laufzeit

In Mitte ist unklar, wie die Versorgung aussieht, weil Senat und Bezirk verschiedene Angaben machten. Der Senat schrieb mit Verweis auf den Bezirk als Quelle, für die drei vorgesehenen Kat-Leuchttürme gebe es weder feste noch mobile Notstromaggregate. Das Bezirksamt widersprach und teilte mit, zumindest mobile Generatoren seien vorhanden.

In anderen Bezirken sind die vorgesehenen Katastrophen-Anlaufpunkte mit festen Notstrom-Generatoren ausgestattet - allerdings mit sehr unterschiedlichen Laufzeiten. In Charlottenburg soll der Notstrom, der meist mit Diesel- oder Benzin-Generatoren erzeugt wird, 14 Tage bereitstehen. In Zehlendorf 168 Stunden, an anderen Standorten nur 72 Stunden, also drei Tage.

Wie eine weitere Betankung laufen soll, sei unklar. "Eine Versorgung für beliebige Zeiträume kann (...) nicht garantiert werden", schreibt der Senat. Ohne Strom gebe es dann "mündliche Auskünfte" und "Aushänge".

23 Bunker in Berlin sind keine "Zivilschutzanlagen"

Seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wird auch in Berlin wieder verstärkt über Katastrophenschutz diskutiert. Im April hatte der Senat angekündigt, in Berlin bis zu 400 Sirenen zur Warnung vor Katastrophen wieder aufzustellen. Die Grünen schlugen zudem vor, grundsätzlich geeignete Bauten wie U-Bahnhöfe, Tiefgaragen oder Keller in öffentlichen Gebäuden in Schutzkonzepte einzubeziehen. Der Verein "Berliner Unterwelten" betonte daraufhin, für eine längere Unterbringung von Menschen fehlten in U-Bahnhöfen allerdings notwendige Strom- und Wasseranschlüsse.

In Berlin gibt es 23 Bunker, die aber seit 2007 offiziell keine "Zivilschutzanlagen" mehr sind. Einige davon befinden sich nicht einmal mehr in bezirklicher, sondern privater Hand.

Sendung: rbb24, 15.06.2022, 16 Uhr

9 Kommentare

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  1. 8.

    Das einzig sinnvolle Kommunikationsmittel bei länger anhaltendem Stromausfall ist das Radio! Tragbare Geräte mit Batterien oder sogar Kurbel kosten wenige Euro und die Straßen stehen voller Autos, die ne Batterie und ein Autoradio haben. Der rbb verfügt über große Notstromaggregate und kann senden.

    Statt dezentral irgendwelchen Blödsinn aufzubauen, der wegen föderaler Zuständigkeit eh nicht funktioniert (Kraftstoffmangel), wäre es doch wohl sinnvoller, den vorhandenen Rundfunk zu nutzen.

  2. 7.

    Sie haben mir aus dem Herzen gesprochen mit ihrem Kommentar. Wieso soll in Berlin was funktionieren was im ganzen Bundesgebiet nicht funktioniert. Ich kann nur sagen armes Deutschland hier sorgt man sich um seine Bevölkerung.

  3. 6.

    "Da werden dann ein paar Fahrräder aufgestellt..." - Bloß nicht sowas raushauen, in diesem Land läuft sowas unter Gute Idee und die machen das wirklich...

  4. 5.

    Hat doch system. Dieser Zustand ist stellvertretend für alles zu sehen, was mit Abwehr von zivilen oder militärischen Gefahren zu tun hat. Wie lange hat es im Ahrtal gedauert, bis endlich Pioniere mit schwerem Gerät zum Einsatz kamen? Feuerwehren aus der ganzen Republik mussten Hilfe leisten, weil vor Ort der Katastrophenschutz nicht existierte. Die Bundeswehr bestückt mit überteuertem Material, dass mehr in der Wartung steht, als im Einsatz. Aber für Lobbyisten und Hersteller war es lohnend.

  5. 4.

    Auf der Seite der Berliner FW gibt es einen Werbefilm zu den KAT-L. Dortige Szenario ist ein flächendeckender Stromausfall über mehrere Tage. Wenn ich dann so einen Artikel hier lesen muss, kann ich einfach nicht mehr von Unfähigkeit allein ausgehen. Da spielt doch viel mehr der Unwille mit. Schade, das viel Geld in ein System gesteckt wird, welches wohl nur zum kleinen Teil funktionieren wird, obwohl der Grundgedanke ja positiv zu bewerten ist. Wirklich traurig und ärgerlich ist die Tatsache, das die Leute, die das Ding in den Sand setzen auch noch gut von uns dafür bezahlt werden.

  6. 2.

    Wozu braucht man heutzutage noch Notdiesel? Da werden dann ein paar Fahrräder aufgestellt und Voila schon ist Strom erzeugt.

  7. 1.

    Oh, mein Gott. Corona und die Ukraine muß mal wieder für das Versagen herhalten. Gibt es den Katastrophenschutz erst seit 2019, oder ist der nicht schon seit Jahrzehnten etabliert und leider auch kaputtgespart?

    Nicht das man sich "damals" als Alternative zur Bundesswehr beim Katastrophenschutz verpflichten konnte...

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