Höchster Wert seit Erfassung der Daten - Erzbistum Berlin meldet mehr als 10.000 Kirchenaustritte

Di 28.06.22 | 10:48 Uhr
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Chortreffen mit 21 Chören aus dem Erzbistum Berlin. (Quelle: dpa/Matthias Rietschel)
Audio: rbb24 Inforadio | 27.06.2022 | Anne-Katrin Hochstrat | Bild: dpa/Matthias Rietschel

Im Erzbistum Berlin sind im vergangenen Jahr so viele Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten wie nie zuvor. Insgesamt 10.748 Katholiken kehrten ihrer Kirche den Rücken, wie aus der am Montag veröffentlichten Statistik hervorgeht. "Das ist die höchste Zahl, seit wir die Daten erfassen", sagte der Sprecher des Erzbistums, Stefan Förner.

Insgesamt verzeichnete das Erzbistum zum Stichtag 31. Dezember 2021 noch 384.324 Kirchenmitglieder. Das sind 10.871 weniger als im Vorjahr. Das Erzbistum umfasst neben Berlin auch Teile Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und einige wenige Gemeinden in Sachsen-Anhalt. 2020 hatte die Statistik 7.287 Kirchenaustritte ausgewiesen. 2019 waren es 10.068 Austritte und 2018 genau 8.165.

"Befinden uns in einer tiefgreifenden Krise"

Förner verwies darauf, dass die Zahlen für 2021 im Zusammenhang mit dem ersten Jahr der Corona-Pandemie stünden. Nach einem Jahr des gefühlten Stillstandes seien 2021 sehr wahrscheinlich viele Kirchenaustritte nachgeholt worden. Eine ähnliche Entwicklung sei auch bei Trauungen und Taufen beobachtet worden.

Bundesweit kehrten im Vorjahr 359.338 Katholiken ihrer Kirche den Rücken, wie die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) am Montag mitteilte. Auch das ist ein Negativrekord. Der DBK-Vorsitzende Georg Bätzing zeigte sich "zutiefst erschüttert über die extrem hohe Zahl von Kirchenaustritten". Sie sei Zeugnis einer "tiefgreifenden Krise, in der wir uns als katholische Kirche in Deutschland befinden", sagte er. "Es ist nichts schönzureden."

Der Münsteraner Bischof Felix Genn sieht vor allem "gravierende Fehler kirchlicher Verantwortungsträger im Umgang mit sexuellem Missbrauch" als Grund für die Austrittswelle.

Sendung: rbb24 Inforadio, 27.06.2022, 15:50 Uhr

17 Kommentare

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  1. 17.

    Es ist ein Lob auf Gott & Jesus & den Heiligen Geist. Es zeigt auf, wie Menschen sich verhalten... Wir leben nicht in "heiligen Tagen", wohl eher in den "letzten Tagen". Schauen Sie sich in der Welt um. Gewalt, Kriege , Umweltkatastrophen, Hungersnöte - von Menschen gemacht. Menschen wenden sich vom Gott- Jesus- Glauben ab , Liebe erkaltet... Lesen Sie mal in der Bibel ... Offenbarung...

  2. 16.

    10.000 sind noch zu wenig - wann hört dieses System der Staatskirche endlich auf......

    Dann mögen sich diese Einrichtungen bitte einmal selbst um "Mitglieder" bemühen...

  3. 15.

    Auf Ihre Frage gibt es nur eine sinnvolle Antwort: Nein!

  4. 14.

    Soll das jetzt ein "Loblied" auf die "Heiligen der Letzten Tage" sein?

  5. 13.

    Eine Organisation deren Vertreter mittelalterliches Gedankengut verkörpern, Gleichberechtigung von Frauen verleugnen anders denkende diskriminieren und Kindesmissbrauch pflegen,
    hat so eine Organisation mit ihrem Pomp und ihrer scheinheiligen Maskerade überhaupt noch eine Existenzberechtigung?

  6. 12.

    Die Kirchen waren immer am stärksten, wenn die Menschen am ärmsten waren. Am Geld wird es nicht liegen. Wenn aber die Gläubigen nicht mehr wissen, wofür ihre eigene Kirche eigentlich steht und das Gefühl haben, ihrer eigenen Kirche jenseits der Kirchensteuerzahlungen im Grunde völlig egal zu sein, dann wenden diese Gläubigen sich ab. Die diversen Skandale sind nicht der Grund für die Austritte, sie sind lediglich der Anstoß, die Trennung dann auch gänzlich zu vollziehen. Eine Kirche, die sich selbst aus politischen Gründen verleugnet, bei der Hilfe und Unterstützung nur für Fremde existieren und die mit der Politik kuschelt, hat heute keine Zukunft mehr. Wenn das Gemeinschaftsgefühl verloren geht, zerfällt die Kirchengemeinschaft, denn dies ist der einzige Grund, heute noch kirchlich zu sein. Kirche und Glauben kann man heute auch getrennt praktizieren. Sage ich als Atheist.

  7. 11.

    Ich glaube weniger, dass es um die Missbrauchsfälle geht. Es geht einfach um den schnöden Mammon in Zeiten der steigenden Preise. Nach dem Kirchenaustritt kann man doch weiter in die Kirche gehen. Nur bei der Beerdigung hat man keinen Pfarrer/Priester. Ich glaube, das kann man verkraften.

  8. 10.

    Die kath. Kirche (auch d. Evang.) hat sich zu einer "Menschen-Kirche" entwickelt. Mit all dem, was Menschen tun... Mit Strukturen, Hierarchien, weltliche Verhaltensweisen bis hin - leider !- zu Missbrauch. Da kann man austreten. Wirklich Gott-Jesus-Gläubigen, geht es um die Kirche Jesu. Das ist nicht dasselbe !!! Wir haben Ehr-Furcht vor Gott u. richten uns nach seinem Willen u. Gottes Wort (Bibel). Wir haben d. Heiligen Geist als Ratgeber (nicht den Zeitgeist). Für uns zählt Gott-Jesus.

  9. 9.

    Das Besondere ist, dass man die Zahl der christlich Gläubigen genau kennt.
    Keiner weiß, wie viel Mitglieder andere Religion haben.
    Keiner weiß , wie viel jetzt die Religion gewechselt haben.
    Sie werden ja nicht den Glauben an Gott verloren haben, sondern nur an die kath. Kirche.
    Hat die evangelische Kirche jetzt mehr Kircheneintritte?

  10. 8.

    Leider gibt es in der katholischen Kirche viel zu viele Wölkis. Die Einen bauen sich Paläste, die Nächsten genießen den Missbrauch von Kindern und der Rest leidet an Gedächtnisschwund. Diese kleine Gilde hat leider das Sagen, weil Rom Ihnen das vorlebt mit Schacherei, Vertuschung und Postengeschiebe. Die Wenigen, ehrlichen Leute werden verheizt.

  11. 7.

    Sehr gut und richtig kommentiert. Jeder Austritt aus dieser Kirche ist wichtig.

  12. 6.

    Recht so. Dieser Verein ist so verkommen und verkrustet, da lässt sich meiner Meinung nach auch nichts mehr retten.
    Bedenken nur, was aus dem "Vakuum" erwachsen könnte. Denn leider benötigen offensichtlich (zu) viele Menschen die Flucht in irgendwelche Irrealitäten und archaisch-hierarchischen Systeme.
    Bleibt zu hoffen, dass die, die ausgetreten sind, davon jetzt auch geheilt sind.

    Btw. nehme ich nicht an, dass es um andere Institutionen dieser Art wesentlich anders bestellt ist. Da funktioniert das mit der Aufdeckung von Machtmissbräuchen vielleicht nur noch nicht so gut.

  13. 5.

    Die katholische Kirche wundert sich ernsthaft über die vielen Austritte? Soll das ein Witz sein? Ungestrafte Verbrecher (weil Taten zwar nachgewiesen aber verjährt sind), Vertuschungen allerorten und ein völlig rückständiges System. Wo ist die Gleichberechtigung? Von Mann und Frau? Von Queeren Mitmenschen? Ihr seid im Mittelalter stehen geblieben! Wer bleibt da noch gern?

  14. 4.

    Ich denke, "gravierende Fehler kirchlicher Verantwortungsträger im Umgang mit sexuellen Mißbrauch" sind nur Teil des (zurecht) untergehenden Systems "Kirche". Oder kurz gesagt: Wird auch höchste Zeit...

  15. 3.

    "Rom" kann und wird sich nicht ändern!
    Macht es Martin Luther nach: Als er "seine" Kirche nicht reformieren konnte, bildete sich eine neue...

    Übrigens: die evangelischen Kirchen nehmen auch Ex-Katholiken auf...

  16. 2.

    Ach, Corona hat Schuld an den Austritten...??? Sorry, einfach nur lächerlich... Da fallen mir zuerst die Missbrauchsfälle ein, aber als überzeugte Atheistin kann ich mich natürlich auch irren....

  17. 1.

    Politische Äußerungen durch Kirchenvertreter könnten KEIN Grund sein?
    Schuster, bleib bei deinen Leisten.
    Soll die Kirche Gutes tun (wie Armenspeisungen), weniger Gutes (wie Verbrechern die Beichte abzunehmen, durch sie ihr schlechtes Gewissen soweit erleichtern können, dass ein weltliches Geständnis nicht mehr unbedingt erforderlich ist).
    Aber Kirchenvertretern, die sich in die Politik einmischen wollen, traue ich nicht über den Weg.
    Es gibt schon genug Leute, die Vernunft für zweitrangig halten, da die Welt lieber so sein sollte, wie sie sie gern hätten.

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