101-Jähriger der Beihilfe zum Mord schuldig - Früherer Wachmann im KZ Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt

Di 28.06.22 | 11:23 Uhr
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Archivbild: Udo Lechtermann (l), Vorsitzender Richter, und Jörn Kattenstroh, beisitzender Richter, kommen in den Gerichtssaal. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)
Video: rbb24 Abendschau | 28.06.2022 | C. Baradoy / Studiogast: Rechtsanwalt T. Walter | Bild: dpa/Fabian Sommer

Ein Brandenburger Gericht hat einen 101-Jährigen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Nach Ansicht der Richter war der Mann Wachmann im KZ Sachsenhausen und leistete Beihilfe zum Mord an Tausenden Menschen.

Ein 101-jähriger Mann ist am Dienstag in Brandenburg wegen Beihilfe zum Mord an Tausenden Häftlingen im Konzentrationslager Sachsenhausen zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Der Mann hatte in dem Prozess vor dem Landgericht Neuruppin bis zuletzt bestritten, in dem KZ Wachmann gewesen zu sein.

Auch die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Gefängnis für den Mann gefordert. Nebenklage-Vertreter Thomas Walther plädierte auf eine mehrjährige Haftstrafe, die ein Maß von fünf Jahren nicht unterschreiten solle. Zwei weitere Nebenklage-Vertreter forderten einen Schuldspruch, ohne ein konkretes Strafmaß zu nennen. Die Verteidigung hatte einen Freispruch gefordert.

Angeklagter bestreitet, KZ-Wachmann gewesen zu sein

Der inzwischen 101 Jahre alte Josef S. war vor dem Landgericht Neuruppin angeklagt, als damaliger Wachmann in dem KZ von 1942 bis 1945 Beihilfe zum Mord an mehr als 3.500 Häftlingen geleistet zu haben.

S. hatte in dem seit Oktober vergangenen Jahres laufenden Prozess bestritten, dass er in dem KZ tätig war und angegeben, er habe in der fraglichen Zeit als Landarbeiter bei Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) gearbeitet. Die Staatsanwaltschaft stützte sich bei ihrer Anklage aber auf Dokumente zu einem SS-Wachmann mit dem Namen, Geburtsdatum und Geburtsort von Josef S. sowie auf weitere Dokumente. Das Gutachten eines Historikers, der sich intensiv mit den Nachweisen für S.' Lebensgeschichte befasst hatte, belastete den Angeklagten schwer.

Verteidiger hat Revision im Fall einer Haftstrafe angekündigt

In dem Konzentrationslager, das im Sommer 1936 von Häftlingen aus den Emsland-Lagern errichtet worden war, waren in der Zeit von seiner Errichtung bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 mehr als 200.000 Menschen inhaftiert - unter ihnen politische Gegner des NS-Regimes sowie Angehörige von den Nationalsozialisten verfolgten Gruppen wie Juden, Sinti und Roma. Zehntausende Häftlinge kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit, medizinische Versuche und Misshandlungen ums Leben oder wurden Opfer von systematischen Vernichtungsaktionen der SS.

Josef S. ist der bisher älteste NS-Täter, der sich je vor einem deutschen Strafgericht verteidigen musste. Geboren wurde er im November 1920.

Sein Verteidiger hat angekündigt, bei einer drohenden Haftstrafe in Revision zu gehen. Der Bundesgerichtshof müsste sich dann noch einmal mit seinem Fall beschäftigen und vermutlich erst in acht bis zwölf Monaten entschieden.

Der Angeklagte kommt am 28.06.2022 zur Urteilsverkündung ins Landgericht Neuruppin. (Quelle: dpa/Fabian Sommer)Der Angeklagte Josef S. kommt am 28. Juni 2022 zur Urteilsverkündung ins Landgericht Neuruppin.

Sendung: Inforadio, 28.06.2022, 8:30 Uhr

72 Kommentare

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  1. 72.

    Wer mehr über die mutige Frau und die Widerstandsgruppe „Onkel Emil“ wissen möchte, dem empfehle ich "Der Schattenmann. Tagebuchaufzeichnungen 1938–1948."

    Oder den Roman "Jeder stirbt für sich allein" von Hans Fallada nach einer wahren Geschichte. https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Hermann_Hampel

    Wurde auch mehrmals verfilmt. Widerstand war möglich.

  2. 71.

    Es gab nicht nur jede Menge Menschen, die sich der NS Ideologie verweigert haben, es gab auch Menschen die aktiv und passiv Widerstand geleistet haben. Nur wurden die nach 1945 als "Nestbeschmutzer" totgeschwiegen.

    https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2021/09/ruth-andreas-friedrich-onkel-emil-widerstand-drittes-reich-berlin.html

  3. 70.

    Die Quellenlage hierzu ist sehr eindeutig. Sie beginnt bei den Protokollen und Dokumenten der Nürnberger Prozesse und den Folgeprozessen. Dann ergibt sich dieses u.a. aus den vielfältigen Veröffentlichungen zum "Dritten Reich" und den Forschungsarbeiten zum, wie Eugen Kogon es nannte SS-Staat, also dem Netz aus KZ und Vernichtungslagern, sowie angeschlossen "Wirtschaftsbetrieben" und auch zum Teil aus den Forschungen zu den sogenannten Einsatzgruppen.

  4. 69.

    Der Wächter-Job in den KZ war freiwillig, und der Betritt zur SS erst recht.

  5. 68.

    Das ist mir völlig neu, dass man solch Drecksarbeit ohne negative Konsequenzen ablehnen konnte. Woher haben Sie denn dieses Wissen?

  6. 67.

    Ja, der Hitler hat alle in eine 12jährige Trance versetzt und danach war keiner dran beteiligt. Ich mache mir schon lange keine Illusionen mehr, wie die geistige Verfasstheit der Menschen ist, die man auf der Strasse sieht bzw. hier lesen kann.

  7. 66.

    Ein Verwandter der im Widerstand gegen das NS-Regime und dafür im KZ war, sagte in den langen Gesprächen die ich mit als junger Mann hatte einmal zu mir , dass er jeden als Lügner bezeichnen würde, der heute (Anfang d 80ziger) behaupten würde, er würde Widerstand leisten. Er bezog dieses auch darauf, dass sich die Leute nicht vorstellen können welcher Gehirnwäsche Menschen damals ausgesetzt waren. Ich habe keine Infos, warum der Verurteilte diesen Weg gegangen ist, Sie? Können sie es beurteilen?

  8. 65.

    Man kann es nicht mit Worten beschreiben, was damals passiert ist aber die kleinen werden gejagt und verurteilt...... die großen die dafür verantwortlich waren lässt man laufen.

  9. 64.

    Sicher sollte sich jeder überlegen, wie er gehandelt hätte.

    Aber man konnte diese "Arbeit" als KZ-Wächter ablehnen ohne negative Konsequenzen. Niemand wurde dazu gezwungen.

  10. 63.

    Bernd:
    "Ein ausgewogenes Urteil. Natürlich geht der Anwalt in Revision. Das gehört zu seiner Pflicht und finanziell lohnend ist es für ihn auch. Nur Schaumschlägerei."

    Nicht der Anwalt geht in Revision, sondern der Verurteilte! Der Anwalt ist lediglich der Verteidiger des Verurteilten. Allein der Verurteilte entscheidet, ob der Anwalt für ihn Revision einlegen soll! Eine gute Revisionsbegründung macht viel Arbeit, die bezahlt werden will.

    Bernd:
    "Der BGH entscheidet fast ausschließlich nach Aktenlage."

    Der BGH entscheidet immer nur "nach Aktenlage", da die Revision im Gegensatz zur Berufung keine Tatsacheninstanz ist!

  11. 61.

    Der Putin sucht die Nazis in der Ukraine. Er sollte hier mal die Kommentare lesen, da kann er sie finden!

  12. 60.

    @ Panke, auch ich (überzeugter Nazi-Gegner und AfD-Gegner) stelle mir oft die Frage, welche Rolle ich damals eingenommen hätte. Gleichzeitig habe ich immer die "Blindheit" der Justiz der DDR und erst recht der BRD im Umgang mit den Tätern kritisiert. Aber das heute mit angepassten Gesetzen auch Wachpersonal zur Verantwortung gezogen wird ist wichtig und richtig auch und gerade der Opfer und deren Nachkommen wegen. Verdammt nochmal!

  13. 59.

    "Alle, die jetzt laut aufschreien, sollte überlegen, ob sie damals selbst heldenhaft die Arbeit als Wachmann verweigert hätten."

    Er hatte sich freiwillig als SS Mann verpflichtet.

  14. 57.

    Es ist verdammt einfach, heute über die damalige Zeit zu richten.Alle, die jetzt laut aufschreien, sollte überlegen, ob sie damals selbst heldenhaft die Arbeit als Wachmann verweigert hätten.Ich verurteile alles, was in diesem furchtbaren System den menschen angetan wurde, bin mir aber nicht sicher, wie ich selbst in der damaligen Zeit gehandelt hätte. Deshalb halte ich mich mit einer Verurteilung zurück, obwohl ich dieses System abscheulich und menschenverachtend fand. Soolen alle, die aufschreien überlegen, ob sie das Zeug zum Helden damals gehabt haben.

  15. 56.

    Mein Kommentar war eine Antwort auf den Beitrag von #Steffen.
    Übrigens,das die Beihilfe zum Mord während der NS -Zeit spät geahndet wurde, das liegt an der Gesetzgebung die leider
    mit entsprechender Anpassung auf sich warten ließ. Die Frage ist warum.

    Gewöhnen sie sich ab, den Kommentierenden sofort eine rechtsradikale Gesinnung etc.anzudichten.

    Mein Großvater, ein Tscheche, wurde 1939 von den Nazis nach Sachsenhausen verschleppt und 1942 umgebracht.
    Ergo, warum sollte ich als ............... Es ist verletzend, so etwas unterstellt zu bekommen


  16. 55.

    Moralisch sind alle deutschen Staatsbürger schuld, die damals nicht aktiven Widerstand geleistet haben. Wir sollten den Franzosen dankbar sein, die auf Denkmäler schreiben: hier ermordeten Nazis, es waren Deutsche. Dieses Urteil ist eine Bankrotterklärung der Justiz, da es 70 Jahre zu spät kommt. Auch Kriegsgewinnler sind leider nicht enteignet worden.

  17. 54.

    Da die Strafkammer den Angeklagten verurteilt hat, ist auch seine Täterschaft bewiesen. Täter kann man durch handeln, unterlassen oder auch dulden werden.

  18. 53.

    Die Beihilfe zum Mord kann genauso bestraft werden wir der Mord. Die Anstiftung zum Mord wird regelmäßig auch mit lebenslangem Freiheitsentzug bestraft.

    Kein Richter ist an die Rechtsprechung gebunden. Wir legen das Gesetz selbst aus. Das ist auch wichtig.

    Beihilfe zum Mord wird genauso bestraft wie der Mord auch.

    Die Rechtsprechung des BGH ist ein Hinweis, aber weder Vorschrift noch Entscheidungspflicht.

  19. 52.

    Mord und auch Beihilfe dazu sind mit lebenslangem Freiheitsentzug zu bestrafen. Eine Minderung des Strafmaßes ist möglich

    Die Rechtsordnung gebietet es, dass alle entsprechenden Taten angeklagt und auch verhandelt werden.

  20. 51.

    Ein ausgewogenes Urteil. Natürlich geht der Anwalt in Revision. Das gehört zu seiner Pflicht und finanziell lohnend ist es für ihn auch. Nur Schaumschlägerei.

    Allerdings liegt die Erfolgsquote einer Revision in Strafsachen weit unter 1%.

    Der BGH entscheidet fast ausschließlich nach Aktenlage. Und mit einer guten revisionsfesten Urteilsbegründung kann der VorRi einer erfolgreichen Revision vorbeugen.

    Der Kollege ist sehr erfahren und für seine Urteilsbegründungen bekannt

  21. 50.

    „davon kommen die Toten auch nicht wieder“

    Stimmt, dann sollten Haftstrafen wegen Mordes (oder Beihilfe) am besten nur noch in solchen Fällen verhängt werden, in denen das die Toten dann auch tatsächlich wieder lebendig macht!

  22. 49.

    Von "Reinwaschung" sprechen hier ausgerechnet die Demokratiefeinde, die damit die Entscheidung der Justiz und somit letztendlich unsere Demokratie verächtlich machen wollen.

    Gesetze ändern sich, schon mal davon gehört? § 175; § 219a.... Hier ist Recht gesprochen worden, wenn auch spät. Was sie und ihresgleichen hier versuchen ist sonnenklar. Spätestens dann wenn sie die Diktatur DDR mit der BRD vergleichen.

  23. 48.

    Ob es nun feige ist, oder sogar eines gewissen Mutes bedarf, sich selbst das Leben zu nehmen, sei noch mal dahingestellt. Auf jeden Fall scheinen sich die von Ihnen erwähnten Verbrecher sich ihrer Verbrechen sehr wohl bewusst gewesen zu sein. In anderen Fällen wurde – und wird teilweise auch immer noch – die Todesstrafe verhängt; sie haben das eben selbst übernommen. Besonders bedauernswert finde ich persönlich das nicht.

  24. 47.

    Eine späte "Reinwaschung" sowohl für die DDR, wo der heute Verurteite jahrzehtelang lebte, als auch für die BRD, ergo hier sitzen beide im gleichem Boot..

  25. 45.

    @M.Schilling: tja, vielleicht sollte man als besonders harte Strafe "geschlossenes Pflegeheim" einführen.

    "Symbolurteil". Anders kann man es ja nicht nennen. Ich finde den nicht-kommentierbaren rbb-Kommentar ja nicht schlecht.
    Für mich bleibt bei alledem ein nicht guter Beigeschmack, hatte das aber bereits schon mal ausgeführt. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Richter es auch nicht leicht gemacht haben.

  26. 44.

    Aber das gilt für die meisten Nazis: Feige damals, feige heute, feige bis zum Schluss. Wie auch Josef S. Die Wahrheit nicht zugeben, sich der Vergangen nicht stellen. Viele Nazis haben sich lieber selbst umgebracht: Hitler, Göbbels, Göring etc...

  27. 43.

    Was mag da wohl in den Köpfen der Richter vorgehen...

  28. 42.

    Das ist eigentlich genau das, was mich an der Sache stört. Niemand der Verantwortlichen jenseits der ersten Reihe ist jemals wirklich zur Verantwortung gezogen worden Auch Richter, die mit Fehlurteilen oder im Wissen um das Unrecht von Gesetzen Menschen in Haft und damit all zu oft in den Tod geschickt und sich nicht daran gestört haben, haben sich bis zu ihrem Tod erfolgreich auf die damals geltende Rechtslage berufen und fette Pensionen kassiert. Nachdem die alle weg waren, entdeckte die Bundesrepublik dann plötzlich den "Mut", die Arbeit im KZ auch ohne konkreten Mordnachweis als Beihilfe zum Mord zu werten. Das hätte viel früher passieren müssen. Aber dann wären eben auch viele andere Vergehen ins Fadenkreuz geraten, das wollte man nicht. Aber am letzten kleinen Wachmann beweist Deutschland jetzt, dass es die NS-Verbrechen gnadenlos verfolgt. Als Nachfahre eines NS-Opfers fühle ich mich da verar..t!

  29. 41.

    Herzlichen Glückwunsch, dass die deutsche Justiz das heute hinbekommt. Anscheinend haben in unserem Justizsystem endlich die schnell entnazifizierten Täter vom damals nicht mehr das Sagen. Ich wünsche unserem gesamten Rechtssystem, dass die Blindheit auf dem rechten Auge endet. Besonders bei ausländerfeindlichen, rassistischen, homophoben und selbst bei frauenfeindlichen Taten sind Judikative und Exekutive m.E. gerne nachsichtig. Frau Innenministerin Faeser wünsche ich viel Glück und Durchstehvermögen!

  30. 40.

    Was daß da passiert ist nicht gut zu heißen aber einen 101 jährigen zu 5Jahre Haftstrafe zu verurteilen finde ich ja irgendwie witzig davon kommen die Toten auch nicht wieder.

  31. 39.

    Natürlich muss er wirklich im Gefängnis sterben. Unfassbar, dass das zur Debatte steht.
    Der durfte 77 Jahre ungestraft sein Leben leben, wieso sollte dies strafmildernd sein?

  32. 38.

    In diesem Fall nicht, da genügt es in einem KZ gedient zu haben. So weit ich weiß, ist auch eine Sekretärin verurteilt worden. Ich lasse mich da auch gerne korrigieren. Das einzige, was mich interessiert, ist, wie kommt man auf die Zahl von 3500 Getöteten.

  33. 37.

    Bei einem 21jähigen von Feigheit an die Front zu müssen oder lieber im ruhigen Hinterland Dienst zu tun ....
    ist doch etwas ...!
    Wie hätten Sie für sich entschieden? Ohne das Wissen, was wir heute haben und in dieser Zeit aufgewachsen wären.

    Noch kleiner Zusatz:
    Es gibt für mich nichts zu beschönigen.
    Der Mann gehört bestraft!
    Obwohl ich nicht verstehe, warum jetzt erst.

  34. 36.

    Jetzt plustern Sie sich mal nicht so auf. Wenn Sie schon so herablassend belehren müssen, dann wenigstens richtig. Hier ging es nämlich nicht um Mord sondern um Beihilfe zum Mord aufgrund der Wachtätigkeit im KZ, eine in der Rechtsprechung erst seit wenigen Jahren gefestigte Auffassung, die es in dieser Form auch international sehr selten gibt. Nicht mal die Israelis vertreten diese Rechtsauffassung. Man kann daher sehr wohl darüber diskutieren, ohne dass dies gleich eine Verharmlosung der damaligen Verbrechen ist. Ob diese Verurteilung wirklich zu Rechtsfrieden führt, ist doch sehr strittig. Hier wäscht sich doch eher eine Justiz rein, die die eigenen Beteiligungen und Versäumnisse jahrzehntelang unter dem Teppich gehalten und eine Strafverfolgung von NS-Richtern bis zu deren Ableben sehr erfolgreich unterdrückt hat.

  35. 35.

    Lesen Sie hierzu doch dieses Interview mit einem Vertreter der Nebenklage:
    https://www.rbb24.de/studiocottbus/panorama/2022/06/thomas-walther-anwalt-nebenklage-kz-wachmann-prozess-brandenburg.html
    Es fast sehr viel zusammen.

  36. 34.

    Zwar richtig, allerdings zeigt das Verfahren, wie die BRD nach 1949 versagt hat. Konrad Adenauer (selbst NatiVerfolgter) meinte, "man kann kein dreckiges Wasser ausschütten, solange es kein neues gibt". Mord und schon garnicht Völkermord verjährt, allerdings hat dieses Urteil nur noch Symbolcharakter. Für den Täter ist das sowieso egal, der kommt halt in eine JVA-SeniorenPflegeEinrichtung. Für den ändert sich also garnix. WEHRET DEN ANFÄNGEN ist wichtiger denn je!

  37. 33.

    Ich ärgere mich sehr, dass nach dem Krieg ranghohe NS-Verbrecher auch in der BRD hohe Ämter bekleidet haben. Da wurde bewusst viel zu lasch vorgegangen, ja oftmals sogar gedeckt. Nur jetzt bei einem 101-jährigen "kleinen" Wachmann ein Exempel statuieren zu wollen, macht all das nicht besser. Schuldspruch ja (schon allein für all die Opfer und deren Angehörige), aber bitte Verwahrung in einem Pflegeheim und nicht in einem Gefängnis. Man muss die körperliche Verfassung dieses Mannes berücksichtigen. Schließlich sind wir ein Rechtsstaat.

  38. 32.

    Zur SS kam man auch, indem ganze Divisionen der Wehrmacht zur SS übergeleitet wurden. Also nicht freiwillig. Aber der Dienst in den Wacheinheiten war explizit freiwillig, da gesondert überprüft und vergütet wurde. Er hätte also auch zur Waffen-SS an die Front gehen können. Aber da er scheinbar zu feige für einen freiwilligen Dienst an der Front war und lieber im ruhigen Hinterland Dienst tun wollte, kann man hier in keinem Fall von Zwang und Pflicht reden.

  39. 31.

    Schuldig im Sinne der Anklage - bei der Beweislast ist es das einzig mögliche Urteil. Eine höhere Instanz könnte lediglich am Strafmaß etwas ändern, nicht am Schuldspruch und der öffentlich-rechtlichen Anerkennung an sich. Das dürfen sich auch alle Relativierenden, Geschichtsrevisionist*innen und Volksverhetzenden zu Herzen nehmen, die diesen Fall vielfach für die Verbreitung von verharmlosenden Darstellungen der Taten sowie des NS-Staats missbraucht haben, wannimmer hier und andernorts darüber berichtet wurde.

  40. 30.

    Achso - sie sehen in ihm 1 Opfer. Ich nicht. Übrigens Russland ist auch kein Debattierclub - nur mal so als Ausreiseziel.

  41. 29.

    Achso Sie finden es schlimm dass Gesetze angewendet und geahnt werden - großes Pech: Mord verjährt nicht

  42. 28.

    Wollen Sie das Rechtssystem aushebeln? Mord verjährt nicht - Punkt.
    Haben Sie Mitleid mit dem der in der Quälmaschine Nazilager mitwirkte oder mit den Opfern?

  43. 27.

    Da geht's im besser als in jedem Pflegeheim. Warum wird der erst mit 101 gefunden und verurteilt????

  44. 26.

    "Bei jedem heutigen Strafprozess muss jedem Täter die direkte Tat nachgewiesen werden nur hier nicht! "

    Das stimmt nicht, siehe die sog. "RAF" oder die sog. "Bewegung 2. Juni", Stichwort Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

  45. 25.

    "Der Mann kann wahrscheinlich noch nicht mal was dafür, was er getan hat, weil er damals einfach nur dazu gezwungen wurde (und ansonsten auch hingerichtet worden wäre). "

    Die Mär hält sich in einigen Kreisen hartnäckig, obwohl längst widerlegt. Es gibt keinen einzigen Fall wo z.B. ein Soldat einen offensichtlich völkerrechtswidrigen Befhl verweigert hat, der dann hingerichtet worden ist. Nicht einzigen.

  46. 24.

    Ich bin bestens über diese Zeit informiert. Ein Verwandter war im Widerstand gegen NS-Regime und KZ. Während des Studiums habe ich weitere Widerstandskämpfer kennengelernt. Als väterliche Freunde habe ich mit Ihnen über diese Zeit gesprochen und viel von Ihnen als Zeitzeugen erfahren. Auch Quellenstudium (Prozessprotokolle) habe ich als Jurist während des Studiums betreiben können. Daneben zB Kogon Der SS-Staat gelesen oder den Bericht des Gerichtspsychologen beim Nürnberger Prozess! Das

  47. 23.

    Mord verjährt nie! Das ist alles richtig. Ich möchte die Taten auch nicht verwaschen oder schön reden jeden sollte man und soll man vor Gericht stellen ob 20 oder eben 101 Jahre alt! Nur eine Frage wirft sich mir auf. Hier wird ein Mensch verurteilt dem eigentlich kein Mord nachgewiesen wurde sondern die Mitgliedschaft in der SS nachgewiesen wurde! Bei jedem heutigen Strafprozess muss jedem Täter die direkte Tat nachgewiesen werden nur hier nicht! Sorry das ist für mich auch nicht richtig!

  48. 22.

    Im Gegensatz zu Ihnen habe ich keinerlei Mitleid mit einem Nationalsozialisten. Ich denke an seine vielen Opfer, die leider den Tag seiner Verurteilung nicht erleben durften.

  49. 21.

    Das von Ihnen erwähnte Verhalten betraf Frontsoldaten und Soldaten die in den sogenannten Bewährungsbatallionen kämpften. Wachverbände der SS-Totenkopfverbände hatten durchaus beim Einsatz in einem KZ die Möglichkeit sich von dort Versetzen zu lassen. Es wäre gut wenn Sie zB Eugen Kogon der SS-Staat sich durchlesen würden oder die Protokolle des Nürnberger Prozesses bzw die der Nachfolgeprozesse. Dort finden Sie die entsprechenden Stellen.

  50. 20.

    Ja, es ist tatsächlich eine Glanzleistungder dt. Justiz, diesen Massenmörder nach 77 Jahren zu überführen und zu verurteilen.
    Alles Ausreden - was Sie hier betreiben, ist wieder mal Täter-Opfer-Umkehr! Niemand war gezwungen, Mörder oder Handlanger von Mördern zu werden. Das waren alles Gesinnungstäter.
    Und die Hinterbliebenen der Opfer haben ein Recht darauf, dass die Täter ermittelt und bestraft werden - egal, wie lange es dauert, zumal die Strafe für diesen Verbrecher bei Weitem nicht so qualvoll ausfallen wird, wie für seine Opfer.

  51. 19.

    Zur SS hat man sich freiwillig gemeldet, zu SS-Wachmannschaften im KZ hat man sich freiwillig gemeldet. Sich jetzt in Ihren Augen auf den Befehlsnotstand zu berufen, ist einfach nur feige.

  52. 18.

    An die Front versetzt zu werden, ist kein Nachteil???
    Was ist denn das für eine Auffassung???
    Die Front ist quasi ein Todesurteil.
    Das beweisen Millionen gefallene Soldaten.
    Das ist keine Entschuldigung, wenn der Angeklagte schuldig geworden ist.
    Die Schuld eines Staates, der die Strafverfolgung seit 1945 trotz besseren Wissens unterlassen hat, ist aber nicht geringer.

  53. 17.

    Ja, es ist tatsächlich eine Glanzleistungder dt. Justiz, diesen Massenmörder nach 77 Jahren zu überführen und zu verurteilen.
    Alles Ausreden - was Sie hier betreiben, ist wieder mal Täter-Opfer-Umkehr! Niemand war gezwungen, Mörder oder Handlanger von Mördern zu werden. Das waren alles Gesinnungstäter.
    Und die Hinterbliebenen der Opfer haben ein Recht darauf, dass die Täter ermittelt und bestraft werden - egal, wie lange es dauert, zumal die Strafe für diesen Verbrecher bei Weitem nicht so qualvoll ausfallen wird, wie für seine Opfer.

  54. 16.

    ist mir egal ob er dazu gezwungen wurde. Wurden denn alle dazu gezwungen? Was ist das für eine Auffassung. Mord verjährt zum Glück nicht. Deswegen ist es richtig das auch dieser alte Mann verurteilt wurde. So einfach ist das

  55. 15.

    Wie alt wäre heute seine Opfer? Kreaturen wie der Angeklagte, haben Ganze Familien ausgelöscht, es ist gut so das solche Personen verurteilt werden, egal wie alt sie sind.
    Zum Gedenken an die Opfer, zur Mahnung und Warnung für alle.

  56. 14.

    Und ob es viele gab, die bei „Ungehorsam“ bzw Widerstand, standrechtlich erschossen wurden. Darüber hinaus wurden auch Familienangehörige entsprechend „sanktioniert“ bis hin zur Tötung freigegeben!
    Bitte richtig über das perfide Vorgehen der Nazis im 3. Reich informieren!
    Er war offenkundig Soldat. Soldaten haben Befehle zu befolgen. Anderenfalls werden sie „sanktioniert“ oder getötet!
    Das war damals nicht so ein Debattier-Club, wie in der heutigen Zeit.

  57. 13.

    Was wird von Menschen aus Berlin bezahlt? Berlin ist gewiss kein Nettobezahler, daher verbitte ich mir den Ton, dass Leute aus Berlin mir ihrer "wertvollen" Tätigkeit diesen Prozess bezahlen würden.

  58. 11.

    Hingerichtet? Es gibt genügend Beispiele, wo Personen sich der Teilnahme am Genozid verweigerten. Sie wurden einfach im Krieg an die Front versetzt und hatten keine Nachteile zu fürchten.

  59. 10.

    Ich möchte keine Lanze für den Verurteilten brechen, aber aus welchen Gründen bezeichnen Sie als Rechten?
    Ein Verwandter von mir der im Widerstand gegen das NS-Regime und dafür im KZ war hatte einmal zu mir gesagt, dass wir aufpassen müssen, wenn wir Personen gewissen Kreisen zuordnen. Für mich stellen sich zum Beispiel bei jedem NS-Täter die Fragen des Werdegangs, wie wurde er durch das Trauma des WKI geprägt, die Wirtschaftskrise etc. Hier fehlen mir die entsprechenden Infos um zu urteilen!

  60. 9.

    „Wer bezahlt das nochmal?“

    Ach so, Sie meinen also, wir sollten aus Kostengründen grundsätzlich lieber auf Verfahren gegen potenzielle Mörder oder Menschen, die Beihilfe zum Mord geleistet haben, verzichten, ja? Interessante These …

  61. 8.

    Mord verjährt nun mal nicht. Das ein Mörder zur Rechenschaft gezogen wird, ist folglich richtig und wichtig. Unabhängig vom Alter! Die einzige Frage die ich mir stelle ist allerdings die, warum es so lange dauerte um ihn habhaft zu werden.

  62. 7.

    Diese "Verurteilung" eines 101-jaehrigen ist meiner Auffassung nach ein Schildbürgerstreich der bundesdeutschen Justiz par excellence !
    Dieser Mann könnte - unbeachtet seiner Funktionen und mutmaßlichen Straftaten im KZ - jederzeit versterben; vor, während und nach einem möglichen Berufungsverfahren.
    Aber so ist die deutsche Justiz nun mal:
    Wen sie "verknacken" will der/die wird es auch!

  63. 6.

    Der Angeklagte bezahlt seine Schuld, indem er seine Strafe verbüßt - aber das sollte doch klar sein...

  64. 5.

    Ich bezahl es gerne! Gott sei dank hab ich in der Schule aufgepasst und kann es mir als Steuerzahler leisten.

  65. 4.

    Wieder einmal eine Glanzleistung unserer deutschen Justiz! Muss man denn einem 101-jährigen sowas noch antun? Muss dieser Mann denn nun (vermutlich) wirklich im Gefängnis sterben? Klar, was damals war und passiert ist, ist schrecklich und nicht zu entschuldigen. Aber nach 70 Jahren noch so einen Fall zu diskutieren, ist einfach typisch Deutschland. Der Mann kann wahrscheinlich noch nicht mal was dafür, was er getan hat, weil er damals einfach nur dazu gezwungen wurde (und ansonsten auch hingerichtet worden wäre).

  66. 3.

    Spät genug. Er lebte herrlich und in Freuden. Das hatten seine Opfer auch vor.

  67. 2.

    Wer bezahlt das nochmal?

  68. 1.

    Wie alle Rechten. Feige bis zum Ende... .
    Es hätte dem Angeklagten gut angestanden einmal im Leben zu dem zu stehen, was er mit angerichtet hat.

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