Berliner Freibäder - "Von Burkini bis oben ohne ist bei uns alles erlaubt!"

Do 02.06.22 | 06:11 Uhr | Von Helena Daehler
Archiv - Zahlreiche Besucher vergnügen sich bei großer Sommerhitze im Strandbad Plötzensee (Bild: dpa/Soeren Stache)
Video: rbb|24 | 02.06.2022 | Material: rbb24 Abendschau | Bild: dpa/Soeren Stache

In Göttinger Freibädern dürfen Frauen am Wochenende oben ohne schwimmen. In Berlin gibt es da keine klare Linie: Während die Bäderbetriebe keine barbusigen Frauen ins Becken lassen, sind andernorts die Regeln deutlich gelockert. Von Helena Daehler

Badehose und Badeanzug, Bikini und Burkini – das ist die Standardausstattung für Berliner Badegäste im Sommer. In der Hausordnung vom Strandbad Jungfernheide wird aber neben der üblichen Badebekleidung auch "oben ohne" aufgeführt – für Männer und Frauen. Diese explizite Nennung ist eine Besonderheit in der Berliner Badelandschaft – und auch im Rest von Deutschland: Denn zuletzt wurde am Beispiel der Göttinger Freibäder deutlich, dass das Thema Oben-Ohne-Schwimmen bis heute für heftige Diskussionen sorgen kann. Dort nämlich dürfen seit 1. Mai Frauen am Wochenende mit nackten Brüsten ins Wasser steigen.

Pächter Axel Gleimann (Quelle: rbb/Helena Daehler)
Axel Gleimann, Pächter Strandbad Jungfernheide | Bild: rbb: Helena Daehler

Burkini sind auch erlaubt

Im Strandbad Jungfernheide ist das schon seit drei Jahren Alltag. Und dass die Badeordnung keinen Unterschied mehr zwischen weiblicher und männlicher Brust macht, hat der Pächter Axel Gleimann selbst entschieden: “Ich hatte dann irgendwann die Auflage, den Burkini auch hier im Strandbad zu erlauben und ich dachte, wenn ich Burkini erlaube, dann kann ich auch oben ohne erlauben." Den Gästen scheint es nichts auszumachen: Bis heute gab es keine einzige Beschwerde.

In Plötzensee setzen sie auf gegenseitigen Respekt

In vielen anderen Strandbädern wird das zwar nicht so explizit in der Hausordnung erwähnt, aber grundsätzlich toleriert. Das Prinzip dahinter lautet: Erlaubt ist, was niemanden stört.

Auf mehr Eigenverantwortung und weniger Regeln setzt zum Beispiel das Strandbad Plötzensee im Wedding. Auf dem langen Sandstrand – auch außerhalb des FKK-Bereichs – werde kein Unterschied gemacht zwischen männlicher und weiblicher entblößter Brust. Pächter Michel Verhoeven steht in Gummistiefeln auf einem Steg im seichten Wasser, zeigt auf die unterschiedlichen Strandbereiche und erklärt, dass sich in seinem Bad alles wie von selbst sortiert: "Da liegen dann viel arabische Familien und viele kleinere Kinder, da ist niemand nackt. Aber mehr in der Mitte des Strandes, wo auch die Musik und die Bar sind, ist oben ohne kein Problem - weder für Männer noch für Frauen." Und für die, die komplett blankziehen wollen, gibt es einen sichtgeschützten FKK-Bereich.

Man wolle versuchen, die unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen - und meist gelingt das auch. Nur einmal gab es vor drei Jahren im Strandbad Plötzensee einen Konflikt: Eine Frau mit nacktem Busen habe damals gezielt Menschen provoziert und wurde des Bades verwiesen. Das sei aber ein Einzelfall gewesen, auch die letzten zwei Sommer seien sehr friedlich gewesen.

Das scheint in anderen Strandbädern ähnlich zu sein: Auch im Strandbad Wendenschloss in Treptow-Köpenick toleriert man Oben-ohne-Schwimmen bei Frauen, es komme aber selten vor. Beschwert habe sich noch niemand, so die Betreiber im Gespräch mit rbb24. Im Strandbad Grünau ist das Thema überhaupt keins: Es gebe keine Regelung, bisher habe aber auch niemand der Gäste darauf bestanden, teilt das Bad mit.

Ver- und Gebote beim Badespaß

Bäderbetriebe tolerieren "oben ohne" nur beim Sonnenbad

Bei den Berliner Bäderbetrieben, die die meisten Bäder in der Hauptstadt betreiben, ist Oben-ohne-Schwimmen für Frauen nicht erlaubt. Einzige Ausnahme ist der FKK-Bereich im Strandbad Wannsee.

Beim Sonnenbaden werden die Regeln aber etwas aufgeweicht: Es sei zwar grundsätzlich nicht gestattet, man würde es aber tolerieren, teilen die Bäderbetriebe auf Anfrage von rbb|24 mit. Wie häufig es wegen dieser Thematik zu Konflikten unter Badegästen kommt, darüber können Bäder-Betriebe eigenen Angaben zufolge keine fundierte Auskunft erteilen: "Falls sie vorkommen, so gehen wir davon aus, dass die Gäste das untereinander regeln – oder gegebenenfalls auf andere Teile des Bades ausweichen."

Die Kolleg:innen seien angehalten, sensibel mit den verschiedenen Bedürfnissen umzugehen, so die Bäder-Betriebe. "Wir bewegen uns hier in einem Spannungsfeld von diametral entgegengesetzten Bedürfnissen. Hier können wir nur an den gesunden Menschenverstand und an Toleranz appellieren."

Keine Beschwerden im Strandbad Jungfernheide

Für Axel Gleimann vom Strandbad Jungfernheide sind mit seiner Hausordnung, die sowohl Burkinis als auch nackte Brüste erlaubt, die Regeln klar gesetzt. Wem das nicht passe, der müsse nicht kommen.

Einen Mittelweg zu gehen wie die Bäder-Betriebe, die das Oben-Ohne-Sonnenbad für Frauen zwar nicht gestatten, aber tolerieren, findet er nicht sinnvoll: "Ich würde es besser finden, wenn auch die Bäder-Betriebe eine klare Position dazu beziehen würden."

Sendung: Abendschau, 02.06.2022, 19:30 Uhr

Beitrag von Helena Daehler

Nächster Artikel