Feuer in Potsdam-Mittelmark - Waldbrandlage bei Treuenbrietzen stabil - Brandgeruch reicht bis Dresden

Mo 20.06.22 | 07:52 Uhr
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Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr werden betankt, während dichter Rauch die Sonne verdeckt. (Quelle: dpa/J.Carstensen)
Video: rbb|24 | 19.06.2022 | Material: TeleNewsNetwork | Bild: dpa

Feuerwehrkräfte kämpfen nach wie vor gegen Flammen bei Treuenbrietzen. Die Ortsteile Tiefenbrunnen, Frohnsdorf und Klausdorf wurden evakuiert. Über Nacht hat sich die Lage vor Ort stabilisiert. Jetzt beruht die Hoffnung auf Regen.

Dieser Beitrag berücksichtigt den Stand Montag, 20. Juni, 6:30 Uhr. Aktuelle Entwicklungen zum Waldbrandgeschehen vor Ort gibt es hier.

Die Lage beim Waldbrand nahe Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark), das etwa 80 Kilometer südwestlich von Berlin und 40 Kilometer von Potsdam entfernt liegt, hat sich nach Einschätzung des Landkreises vom späten Sonntagabend stabilisiert. In der Nacht zu Montag seien 435 Einsatzkräfte vor Ort. "Am Morgen hoffen wir dann auf den versprochenen Regen", sagte Sprecherin Andrea Metzler am späten Sonntagabend der Deutschen Presse-Agentur. "Die Lage ist angespannt, aber aktuell stabil", sagte auch Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape.

Zuvor hatte Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) im Gespräch mit dem rbb betont, dass die Situation nahe des Treuenbrietzener Ortsteils Frohnsdorf deutlich dramatischer als 2018 sei. Die Bäume stünden im Vollbrand, sagte Woidke am Sonntagabend. Das heiße, dass die Bäume von oben bis unten brennen.

Es seien unter anderem von den Freiwilligen Feuerwehren, der Bundeswehr, des Technischen Hilfswerkes und anderer Rettungsorganisation vor Ort. Auch Kräfte aus Nachbarbundesländern seien im Einsatz, etwa aus Sachsen-Anhalt und Berlin, weitere Unterstützung sei angekündigt. Auch die Polizei Brandenburg unterstützt die Löscharbeiten. Auf Twitter teilte sie mit, dass bereits am Samstag Wasserwerfer abgestellt wurden, um das Feuer bei Treuenbrietzen zu bekämpfen.

Brand bei Frohnsdorf eingegrenzt

Brandenburgs Waldbrandschutzbeauftagte Raimund Engel sagte dem rbb, dass der Brand bei Frohnsdorf mittlerweise eingegrenzt sei. Das Feuer bei Beelitz sei dagegen weiterhin außer Kontrolle. Die weiteren Brände, die am Sonntag ausgebrochen waren, konnten von den Einsatzkräften schnell gelöscht werden.

Zuvor hatte Landkreis-Sprecherin Metzler erklärt, dass umherfliegende Funken ein Feld in der Nähe von Klausdorf entzündet hatte. Der Ortsteil wurde evakuiert, so wie zuvor bereits Tiefenbrunnen und Frohnsdorf. Insgesamt seien etwa 620 Menschen aus ihren Häusern evakuiert worden, sagte sie auf Anfrage von rbb|24. Für die Evakuierten sei eine Notunterkunft in der Stadthalle Treuenbrietzen eingerichtet worden, hieß es. Die Lage sei auch noch am Sonntagabend äußerst angespannt, sagte Metzler. Man warte so dringend auf den angekündigten Regen.

Stübgen hofft auf baldige Rückkehr der Evakuierten

Brandenburgs Innenminister Michael Stübgen (CDU) sagte im rbb, derzeit flaue der Wind etwas ab und drehe in eine günstigere Richtung. Die große Hoffnung ruhe nun auf die angekündigten Gewitter. Laut der ARD-Wetterredaktion wird in der Region am Montagmorgen mit stärkerem Regen gerechnet.

Stübgen hoffe, dass die evakuierten Menschen bereits am Montag in ihre Häuser zurückkehren können. Wegen der schwierigen Lage rund um Beelitz wurden aus dem Raum Treuenbrietzen zwei der insgesamt drei Hubschrauber abgezogen und in die andere Waldbrandregion bei Beelitz verlegt.

An einigen Stellen konnten die Flammen bei Treuenbrietzen bereits die Bundesstraße 102 überspringen. Die Feuerwehr hatte die Straße seit Freitagmittag als Grenze gegen die Flammen verteidigt. Die Feuerwehren vor Ort werden nun auch von Zügen aus der Lausitz unterstützt, sagte Metzler. Dennoch konnten die Einsatzkräfte das weitere Ausbreiten der Flammen aufgrund des starken Windes nicht verhindern. Mittlerweile hat sich der Brand bei Treuenbrietzen auf 200 Hektar ausgebreitet. Am Samstag waren es noch 100 Hektar.

Waldbrände in Brandenburg bei Beelitz und bei Treuenbrietzen (Quelle: rbb24)

Munitionsbelasteter Truppenübungsplatz

Problematisch ist die Lage für die Einsatzkräfte auch deshalb, weil das Gelände bei Treuenbrietzen ein ehemaliger Spreng- und Übungsplatz sei. Im Boden liegen Munition und Kampfmittel. Daher kommen die Feuerwehrleute nicht direkt an den Brand heran.

Geht das Feuer durch die Fläche, kann im Boden versteckte Munition hochgehen. Zudem sind Selbstentzündungen möglich. Feuerwehrleute können deshalb nicht in das Waldgebiet hineinfahren ohne ihr Leben in Gefahr zu bringen. Eine vollständige Räumung des Geländes von Kampfmitteln würde immense Kosten verursachen.

Einsatzleitung musste Lagezentrum räumen

Die Einsatzleitung musste ihr Lagezentrum bereits räumen und nach Treuenbrietzen umziehen. Der Bereich, wo sich der Krisenstab bisher befand, ist auch von den Flammen bedroht. Die Stadt Treuenbrietzen hat wegen der Gefahrenlage ein Notfall-Telefon eingerichtet. Unter der Nummer 033748/ 747-50 können sich Betroffene ab sofort informieren.

Sonntagmittag war die Evakuierung der Ortschaften Frohnsdorf und Tiefenbrunnen bereits angelaufen.

Brandgeruch soll noch in Dresden wahrnehmbar sein

Der Brandgeruch von Treuenbrietzen ist nach Einschätzung der Feuerwehr noch im sächsischen Dresden wahrzunehmen. "Es ist davon auszugehen, dass, begünstigt durch die vorherrschende Wetterlage, Rauchniederschlag von diesem Ereignis der Grund für die Geruchsbelästigung ist", teilte die Feuerwehr Dresden am Sonntagabend auf Twitter mit. "Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung der Landeshauptstadt Dresden!"

Zuvor hatten sich mehrere Bürger bei der Feuerwehr gemeldet, die starken Brandgeruch im Stadtgebiet von Dresden wahrgenommen hatten.

Hubschrauber holen Löschwasser aus Baggersee

Hubschrauber der Bundeswehr des Typs CH53 flogen am Samstag bis 2.20 Uhr in der Nacht über dem Brandgebiet, wie die Luftwaffe auf Twitter mitteilte. Bei mehr als 23 Löschflügen seien 115.000 Liter Wasser abgelassen worden. Das Löschwasser sei aus einem nahen Baggersee entnommen worden. Die Helikopter stammten vom Hubschraubergeschwader aus Holzdorf (Elbe Elster). Daneben halfen mehrere für Löscheinsätze ausgerüstete Hubschrauber der Bundespolizei. Eine eigentlich für das G7-Gipfeltreffen im bayerischen Elmau vorgesehene Maschine wurde zurück nach Brandenburg beordert.

Notunterkunft in Stadthalle von Treuenbrietzen eingerichtet

Bereits am Samstag hatte die örtlichen Behörden wegen einer Ausweitung des Brandgebiets mit den Vorbereitungen für eine vorübergehende Evakuierung des Ortsteils Tiefenbrunnen begonnen. Sie hatten dabei auf die "zunehmende Rauchentwicklung" verwiesen. Für die betroffenen Bürgerinnen und Bürger wurde eine Notunterkunft in der Stadthalle Treuenbrietzen vorbereitet.

Der Brand war am Freitagmittag ausgebrochen und hatte sich zwischenzeitlich auf eine Fläche von rund 60 Hektar ausgebreitet. Am Samstag konnten die Flammen zwischenzeitlich zurückgedrängt werden, bevor sie am Abend wieder angefacht wurden und sich der Brand weiter ausbreitete.

Der Landkreis hatte am Samstag bereits einen Amtshilfeantrag zur Unterstützung bei der Bekämpfung des Waldbrandes gestellt, hieß es weiter. Die Telekom wolle mit einem mobilen Sendemast die Kommunikation zwischen den Einsatzkräften verbessern, hieß es.

Waldstück brannte bereits 2018 tagelang

In allen Landkreisen in Brandenburg galt am Samstag die höchste Waldbrand-Gefahrenstufe 5. In Potsdam-Mittelmark und Teltow-Fläming mussten die Feuerwehren zu mehreren Großbränden in Wäldern ausrücken, in Jühnsdorf brannte außerdem eine Kompostieranlage ab. Vielerorts wurden auch kleinere Feuer registriert.

2018 wurden bei einem Waldbrand in Treuenbrietzen rund 400 Hektar Wald zerstört. Mehrere Tage lang wüteten Flammen in dem Waldstück südwestlich von Berlin. Aufgrund des Großbrandes mussten mehr als 500 Menschen die Dörfer Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen verlassen.

Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 19.06.2022, 19.30 Uhr

144 Kommentare

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  1. 144.

    Sie haben gar nichts verstanden, sonst würden sie nicht so einen Mist schreiben.
    Wir waren damals mit zwei Löschzügen draußen und wir haben über den Mut der Offiziere und Soldaten gestaunt und deren Ergebnisse.
    Und wir (unsere Wehr) werden nicht zulassen, dass deren Leisungen hier und heute in den Dreck getreten werden.
    19:50/21:30/23:14

  2. 143.

    Beim Brand ist eine Räumung unmöglich. Was ich meinte, warum kann man das Gebiet nicht anschließend räumen?
    Oder meinten sie, die Munition ist sowieso so instabil, dass eine Beräumung grundsätzlich zu gefährlich wäre?

  3. 142.

    Naja, nicht die Lage ist das Problem sondern, dass die Munition oder was davon übrig ist u.U. nicht sicher ist und explodieren kann, zumindest besteht die Möglichkeit und damit ist das Risiko für die Löschkräfte aktuell zu hoch.

  4. 141.

    Bewässerung macht in Zeiten des Klimawandels nur über Drainagen Sinn. Alles andere führt zu sehr starker Verdunstung.
    Was mich interessieren würde ist eher folgendes. Ein Feuwerwerker schrieb in einem anderen Blog:
    "Alles nicht richtig ! Im Bereich befand sich bis 1946 eine Munitionsfabrik der Polte Werke Magdeburg, Werkstteil Treuenbrietzen Sebaldushof. Es handelt sich beim heutigen Stadtwald und Waldbrandgebiet um ein ehemaliges Munitionsvernichtungsgebiet. Weder war es ein Übungsplatz, noch ein Kampfgebiet des 2.WK."

    Aber dann wissen die doch wo das Zeug liegt und könnten das Gebiet doch räumen, oder wo liegt der Denkfehler?

  5. 140.

    Wieder einmal hat die Brandenburger Regierung auf ganzer Linie versagt!

  6. 139.

    Kann man denn die munitionsbelasteten Orte im Sommer nicht irgendwie feucht machen ? ... 100 riesen Rasensprenger oder so … Weil man wegen der Munition dort nicht ordentlich löschen kann … Das dazu nötige Wasser versickert dort doch sofort wieder, oder ?

  7. 137.

    Ich fasse es nicht, es stimmt tatsächlich. Die hättens sich das von der EU zu 90% finanzieren lassen können, alle Voraussetzungen für den Einsatz der CL-415 (7000 Liter) sind gegeben, einschließ benachbartem Tanksee und die EU hätte es abgenickt. Mit dem Einsatzradius von min. 400 km würden die wichtigen Waldbrandgebiete abgedeckt.
    Was war der Ablehnungsgrund, Hubschrauber??! Hier kann irgendeiner nicht richtig rechnen, wieviel Kubikmeter Wasser man zeitlich mit einer CL-415 abwerfen kann und wieviel ein Hubschrauber schafft, mal davon abgesehen, dass mit einem Flugzeug mehr Abwurfkonfigurationen möglich sind.
    Die Hubschrauber kann man zur Not auch noch heranziehen, aber keinesfalls die CL-415 ersetzen, wenn man sie einsetzen kann.

  8. 136.

    Vielleicht solltest dich mal informieren richtig Flugzeuge machen Sinn da sie schneller aufgetankt werden 30s im Wasser voll 2km Wasser Fläche und schon geht's weiter können mehr Wasser abwerfen sind schneller beim See und zurück als ein Hubschrauber und wir haben viele Seen seediner schwielowplessower templiner sacrower fahrländer kampnitzer Jungfer Wannsee wo überall Flugzeug landen und starten können. Sind auch wesentlich schneller als ein Hubschrauber mit Wasser Tank der auch aufpassen muss das die termik nicht anreist und er runter fällt beim Brand. Fliegt bei ca 200hkm Flugzeug mit 250-300hkm und müssen nicht so aufpassen da sie Flügel haben was der Helikopter nicht hat auch Aufwind Stellen Problem für helis da.

  9. 135.

    Kapieren sie das nicht?
    Wenn man keine Agrarflieger einsetzt ist das so.

  10. 134.

    "Der Innenminister Stübgen sollte sofort seinen Platz räumen. Er ist derjenige der mit großen Tönen die Löschflugzeugstaffel in Welzow abgeschmettert hat. Er war derjenige, der die Meinung vertritt, daß solche Feuer wie im Jahr 2018 nicht wieder passieren werden."

    Wenn das stimmt sollte er tatsächlich seinen Stuhl räumen. Im Gegenteil, wer ein bischen Ahnung von Physik hat, dem sollte eigentlich klar sein, dass das nur der Vorgeschmack auf die kommenden Jahre des Klimawandels ist. Und die Klimaforscher sitzen zudem im Bundesland Brandenburg in Potsdam. Die sollte er vielleicht auch mal zu dem einen oder anderen Thema befragen.

  11. 133.

    Der Innenminister Stübgen sollte sofort seinen Platz räumen. Er ist derjenige der mit großen Tönen die Löschflugzeugstaffel in Welzow abgeschmettert hat. Er war derjenige, der die Meinung vertritt, daß solche Feuer wie im Jahr 2018 nicht wieder passieren werden.
    Da sich das Jahr 2018 wiederholt hat, die Feuerwehren wieder am Limit stehen, sollte man vielleicht sogar über eine Strafanzeige gegen Herrn Stübgen wegen Unterlassung oder ähnlichem nachdenken...

  12. 132.

    Wir haben verstanden, dass Sie gerne Geschichten von früher erzählen, die man besser nicht allzu ernst nimmt. Nehmen Sie doch Ihre tolle Raupe von der NVA und fahren mit 100 PS durch den Wald:
    https://plus.tagesspiegel.de/images/waldbrand-bei-beelitz3/alternates/BASE_21_9_W1000/waldbrand-bei-beelitz.jpeg

  13. 131.

    Es ist nicht lustig zu begrüßen wenn mann über den Brannt redet!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  14. 130.

    Es war sehr stickige luft am Samstag Man konnte die Fenster nicht öffnen es war schokierent und blöd ich hoffe es ist unter kontrolle gesichert

  15. 129.

    Nein, weil ich nicht ihnen geantwortet habe, sondern nur inhaltlich auf Antwortkommentare eingegangen bin und nur einige Fakten richtiggestellt habe, wie touch-and-go-Fähigkeit, Löschwassermenge und zu erwartende "Kollateralschäden".

  16. 128.

    Wenn man selber nichts aufzuweisen hat kann man schon neidisch werden, stimmts? Sie sind die Sorte Berliner, die man hier ablehnt und deretwillen der erste Fusionsversuch scheiterte,
    20:10/21:15/22;30/23:15/08:30/09:45

  17. 127.

    Haben sie und andere "Fachleute" nicht geschnallt, was ich in 120 (2) geschrieben hatte?

    Wenn man es so entschieden hat dann ist es so, ob das Einzelnen gefällt oder nicht.

  18. 126.

    Sie haben vieles nicht verstanden, nichtmals sich selber. Sie haben die Waldbrände für Ihre Kreuzzug gegen E-Autos und persönliche Angriffe missbraucht.

  19. 125.

    Das touch and go Manöver dauert 12 s bei einer Geschwindigkeit von ca. 150 km/h, macht also 500 m. Sowas kann man gut in breiten Flüssen durchführen.
    Die Österreicher haben so eine Betankung auf der Neuen Donau mit einer CL-415 durchgeführt. Also das Argument mit den Kollateralschäden ist nun wirklich Humbug, zumal die Betankung hydrodynamisch erfolgt.

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