Sommer- und Badesaison - In Berliner Bädern fehlen noch immer Rettungsschwimmer

Fr 03.06.22 | 17:34 Uhr | Von Hendrik Schröder
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Badegäste vergnügen sich im Sommerbad Humboldthain (Bild: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Zwei Berliner Sommerbäder schließen derzeit schon um 18 Uhr. Der Grund: Personalmangel. Die Bäderbetriebe suchen noch immer dringend Rettungsschwimmer. In Brandenburg ist die Lage etwas entspannter. Von Hendrik Schröder

Gut 40 Rettungsschwimmer in Vollzeit suchen die Berliner Bäder Betriebe (BBB) aktuell noch für die Sommersaison. Bereits im April hatten die Bäderbetriebe einen Aufruf für damals noch 50 offene Stellen gestartet. Derzeit käme man mit dem Personal noch hin, aber nicht mehr lange, betont die Sprecherin der Berliner Bäderbetriebe Martina van der Wehr: "Die Sommersaison läuft erst seit einem Monat. Aber wenn es richtig los geht, dann brauchen wir auf jeden Fall noch Kräfte."

Bewerben kann sich jeder, der volljährig ist, schwimmen kann und Deutsch spricht. Bei Eignung werden die neuen Mitarbeiter eine Woche lang von der Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) geschult und können sofort anfangen. Um die 2.500 Euro brutto im Monat verdient ein Rettungsschwimmer in Berlin, und bei gegenseitiger Zufriedenheit winkt sogar eine Festanstellung.

Bisherige Saisonkräfte haben andere Jobs

Der Kräftemangel sei vor allem mit Corona zu erklären, meint Martina van der Wehr. Viele der bisherigen Saisonkräfte hätten sich nach den langen coronabedingten Schließungen anders orientiert. Außerdem habe es wegen zeitweise geschlossener Bäder auch weniger Rettungsschwimmerkurse gegeben.

Bei den Sommerbädern Pankow und Humboldthain führt der Personalmangel laut Bäderbetriebe derzeit zu Einschränkungen, sie schließen bereits um 18 Uhr. Es würden aber fast täglich Bewerbungen eintrudeln, so Sprecherin van der Wehr. Man sei zuversichtlich, dass es nicht zu weiteren Einschränkungen kommen wird.

Immer weniger ehrenamtliche Rettungsschwimmer

Deutlich weniger zuversichtlich ist man bei der DLRG in Berlin. Der Verein überwacht mit Rettungsschwimmern zahlreiche Badestellen an Berliner Gewässern – und zwar mit Ehrenamtlichen. "Wir haben nach zwei Jahren Corona einen großen Mitgliederschwund und wirklich Probleme unsere Posten zu besetzen", sagt DLRG-Berlin Sprecher Felix Schönebeck. Dabei sei die Arbeit der DLRG wichtiger denn je. Denn weil die Schwimmbäder so lange geschlossen waren, würden die Kinder immer schlechter schwimmen und öfter Hilfe benötigen.

Um die 150 Mitglieder habe allein der DLRG Verband in Reinickendorf während der Pandemie verloren, sagt Felix Schönebeck. Er fürchte nun, dass die Arbeit auf immer weniger Schultern verteilt werden müsse und die verbliebenen Rettungsschwimmer dadurch die Lust am Ehrenamt verlieren würden.

Entspannter in Brandenburg

Beim DLRG in Brandenburg und den unzähligen vom Verein überwachten Gewässern ist die Lage derzeit noch in Ordnung, sagt Sprecher Daniel Keip: "Eine so dramatische Situation wie sie aus Berlin beschrieben wird, haben wir im Moment noch nicht in Brandenburg." Es gebe auch noch keine Anzeichen dafür, dass Bäder oder Badestellen schließen müssen. "Das sehen wir im Moment noch nicht", so Keip. Aber auch bei der DLRG Brandenburg sei man weiterhin froh über jeden, der sich ehrenamtlich als Rettungsschwimmer engagieren möchte. Denn allzu riesig sei die Anzahl der Ehrenamtlichen nun auch nicht.

Sendung: Inforadio, 03.06.2022, 18:30 Uhr

Beitrag von Hendrik Schröder

14 Kommentare

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  1. 14.

    der Schlachtensee in Berlin Zehlendorf : da standen damals große Warntafeln wieviele Menschen in diesem See ertrunken sind. ( heute auch noch ? ) Abgehalten dort zu schwimmen oder zu baden hat das niemand

  2. 12.

    wozu werden Rettungsschwimmer In Berliner Bädern überhaupt benötigt ? am Meer, offener See ist das noch verständlich, aber in Freibädern ?? , keine Wellen, kein Sog , keine Untiefen , die Begleitperonen von Nichtschwimmern müssen eben auf ihre Schützlinge aufpassen

  3. 11.

    bin vor langer Zeit als Kind und Jugendlicher oft im Strandbad Wannsee gewesen, ich kann mich nicht erinnern, ob es damals Rettungsschwimmer gab

  4. 10.

    Also bei uns in Randberlin, haben ein paar Eltern einen Pool hingezimmert, Loch gegraben, paar LKW Planen, Pfeiler, ein altes Förderband als Beckenrand, kein Bademeister, kein Chlor und gut is. Da baden unsere Kinder und ich selbst seit fast 30 Jahren, mitten im "Gestrüpp" Also kommt mal wieder runter.. wo hat sich diese Gesellschaft nur hinentwickelt.

  5. 9.

    So ein Freibad rechnet sich aber ebenso wie die BVG nicht ohne erhebliche Zuschüsse und Subventionen aus Steuergeldern. Genauso wie eine Vielzahl der "günstigen" Mieten der städtischen Wohnungsgesellschaften. Denn vergünstigte oder geschenkte Grundstücke, um mal eines zu nennen, machen in der Kalkulation schon etwas aus.

  6. 8.

    Der Senat macht es sich selber einfach und stellt Schilder auf. 30 kmh bei Straßenschäden statt die Straße zu reparieren, betreten bei Eis und Schnee auf eigene Gefahr statt Winterdienst zu machen.. warum stellt man da nicht auch einfach ein Schild auf.. "Eltern haften für ihre Kinder" bzw "Benutzung auf eigene Gefahr" Am See gibts ja auch keine Rettungsschwimmer.
    ODER bisschen weniger Gamedesigner und Mediengestalter an den Unis. Die machen uns nicht satt und erwirtschaften keinen Mehrwert, von dem die Gesellschaft im Endeffekt lebt. Wir brauchen Handwerker, Bauarbeiter etc.

  7. 7.

    Schon wieder staatliche Bevormundung?

    Dann geht man eben an den See und die Schwimmbäder bekommen keinen Eintritt…

  8. 6.

    Dann sollte man Menschen ohne Nachweis (Freischwimmer) den Zugang zu den Schwimmbädern aktuell versagen. Und vermehrt verpflichtende Schwimmkurse anbieten.

  9. 5.

    Vielleicht sollte man die Berliner Freibäder privatisieren.

    Die Bezirksämter sind ja überfordert

  10. 4.

    Da ich selbst(Rettungsschwimmerin/ Schwimmleistungssport) mich dort beworben habe, muss ich sagen das auch nach zuhören von schon Mitarbeitern es absolut am Arbeitgeber liegt. Dann lieber Ehrenamt als dort!
    P.s. auch vor Corona gab es dort einen Mangel an Mitarbeiter/innen und das nicht ohne Grund.

  11. 3.

    Der Mangel an Vollzeitkräften könnte aber auch an den Arbeitsbedingungen / Leistungen hier liegen. Vergleicht man diese mit anderen Angeboten, z.B. im näheren Umland oder privaten Arbeitgebern
    https://www.stepstone.de/gehalt/Rettungsschwimmer-in/city/Berlin.html
    sieht es für Berlin nicht so dolle aus. Gesucht werden doch eher "Mädchen für alles", "Herrchen", sorry, natürlich auch. Da sollten die Verantwortlichen mal in sich gehen.

  12. 2.

    In Hamburg genauso. Unser Freibad in HH - Niendorf öffnet erst ab 12.00 Uhr. Zum Glück ist das dazugehörige Hallenbad ab 06 .00 Uhr geöffnet.
    Viel Personal ist in den letzten 2 Jahren abgewandert, obwohl die Bezahlung bei Bäderland sich sehen lassen kann.

  13. 1.

    Bekommt man in dieser Stadt überhaupt noch was auf die Reihe.

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