Abschied von "Titanen der Rennbahn" - "Am Titanen-Sonntag werden mächtig viele Tränen fließen"

Fr 24.06.22 | 09:02 Uhr
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Kaltblut-Rennen der Titanen der Rennbahn (Quelle: dpa/Bernd Settnik)
Audio: Antenne Brandenburg | 19.06.2022 | Ivo Ziemann | Bild: dpa-Zentralbild/Bernd Settnik

Am Wochenende bebt in Brück wieder die Erde. Dort messen sich bei den "Titanen der Rennbahn" die Kaltblüter im Wagenrennen oder zeigen Show-Tricks. Doch es ist eine Abschiedsveranstaltung. Koordinatorin Maja Catrin Schulze erklärt warum.

rbb|24: Frau Schulze, wie viel Gewicht muss man denn bei Ihnen als Pferd auf die Waage kriegen, damit man bei den "Titanen der Rennbahn" mitmachen darf?

Maja Catrin Schulze: Wir haben tatsächlich ein Mindestgewicht festgelegt, was so ein Kaltblut auf die Waage bringen muss. Das sind 650 Kilogramm.

Zur Person

Maja Catrin Schulze. (Quelle:privat)
privat

Titanen der Rennbahn - Maja Catrin Schulze

Maja Catrin Schulze ist seit 20 Jahren bei den Titanen der Rennbahn dabei - ganz genau genommen aber "erst" seit der zweiten Auflage. Zusammen mit ihrem Team koordiniert sie inzwischen das Programm und die Schaubilder.

Das klingt gar nicht so immens schwer.

Es ist ja auch nur das Mindestgewicht. Und es gibt ja auch kleinere oder leichtere Kaltblüter, wie zum Beispiel die Freiberger -, die nicht so groß und stämmig sind wie die anderen. Aber wir haben natürlich auch Kaltblüter dabei, die bis zu einer Tonne (1.000 Kilogramm) wiegen. Nach oben ist die Grenze offen.

Haben diese Pferde andere Bedürfnisse als die Vollblüter?

Ich denke, Kaltblüter sind nicht ganz so anspruchsvoll und etwas genügsamer als andere Sportpferde. Sie kennen das, im Alltag auf der Wiese zu leben. Also reicht ihnen auch für eine solche Veranstaltung ein Paddock mit einem Dach drüber oder eine große Box.

Kann man sich die "Titanen der Rennbahn"-Veranstaltung ähnlich vorstellen wie einen Renntag in Hoppegarten – nur, dass die Pferde schwerer sind? Oder ist das eher im Ritterfest-Style, bei dem es Met in großen Gläsern gibt?

Es ist eine Kombination aus genau diesen beiden Veranstaltungen. Wir verbinden Sport mit Show. Es ist also nicht nur wie in Hoppegarten, wo es vor allem um Sport geht, oder wie anderswo, wo es nur um Show geht. Wir machen beides. Im Sportbereich gibt es beispielsweise Hindernisfahren oder Wagenrennen. Da geht es um Schnelligkeit und Fehlerlosigkeit.

Man darf auch nicht vergessen, dass Kaltblüter nicht mehr so sind, wie man sich sie früher vor dem Ackerwagen vorgestellt hat. Die meisten sind ziemlich sportlich. Dadurch sind sie sehr schnell und sehr wendig. Man muss beim Rennreiten ohne Sattel dann auch als Reiter ziemlich mutig sein. Ein Kaltblüter rennt in 30 Sekunden 400 Meter.

Mithilfe des Show-Bereichs bieten wir dann sehr viel Abwechslung für die Zuschauer. Da gibt es jetzt, für das letzte "Titanen der Rennbahn", ein paar wirklich extravagante Schaubilder.

Man muss beim Rennreiten ohne Sattel als Reiter ziemlich mutig sein. Ein Kaltblüter rennt in 30 Sekunden 400 Meter.

Maja Catrin Schulze, Titanen der Rennbahn

In Hoppegarten gibt es an den Renntagen immer ein Hauptrennen – was wäre das bei den "Titanen"?

Während das Hauptrennen in Hoppegarten das Highlight ist, folgt bei uns ein Highlight auf das nächste. Dadurch, dass wir die Veranstaltung ja schon 20 Jahre lang machen, haben wir dieses Jahr ein "Best of Titanen" dabei. Da präsentieren sich viele der Schaubilder und Themen der vergangenen Jahre: Hochzeitskutschen, Feuerwehren, ein Bestattungswagen, Omnibusse – da ist alles mögliche dabei und dreht Runden.

Aber wir haben auch spektakuläre Schaubilder dabei. Wie die Europameister im Trickreiten, die "Havelkosaken". Sie kommen aus unserem Nachbarort Linthe ursprünglich. Sie zeigen ihre Tricks auf höchstem Niveau. Das sind wirklich Übungen auf dem Pferd, die man nicht jeden Tag sieht und die nicht jeder kann.

Und wir haben eine kleine Pferdefußball-EM. Da spielen die Reiter auf ihren Pferden Fußball. Die Pferde treten dabei den Fußball, der einen Durchmesser von etwa 1,30 Meter hat.

Was gibt es sonst noch Außergewöhnliches?

Wir haben in diesem Jahr ein wirklich einmaliges Schaubild, dass auch wir noch nie selbst gesehen haben. Es kommt mit "Alpenpower" ein Team aus Bayern eine ungarische Post-Quadrille. Sie kommen mit 24 Pferden und zeigen auf den die "ungarische Post" – allerdings zwölf Mal zweispännig. Das heißt, je zwei Pferde laufen nebeneinander und ein Reiter steht obendrauf. Die ungarische Post reitet man sonst mit zwei, drei oder vier Pferden. So wurden ja wirklich früher Briefe auf dem schnellen Wege transportiert. Die Reiter standen obenauf und im Galopp ging es zum Adressat.

Nun reiten zwölf Reiter 24 Pferde im Galopp durch die Titanen-Arena. Und zwar eben als Quadrille. Also wie beim Synchronschwimmen. Zum Glück ist unser Platz riesengroß.

Die Tierschutzorganisation Peta hat ihnen in der Vergangenheit vorgeworfen, das Tierwohl nicht ausreichend zu berücksichtigen. Können Sie das nachvollziehen?

Wir hatten schon öfter mit der Peta zu tun und die Vorwürfe sind uns bekannt. Aber man muss sich vorstellen, dass wir durch und durch Pferdefreunde sind. Wir wollen selbst nicht, dass es unseren Pferden schlecht geht. Wir haben in den vorangegangenen Jahren, wenn es sehr warm war, die Parcours eingekürzt, haben die Wettkämpfe zeitlich und von der Länge her eingekürzt. Zudem haben wir Duschen für die Pferde aufgestellt. Auch welche, durch die man mit der Kutsche durchfahren kann, sodass die Pferde immer eine Abkühlung haben und es ihnen gut geht. Es sind auch Tierärzte vor Ort, die das kontrollieren. Die Pferde stehen bei hohen Temperaturen immer unter einem Dach. Alle, die mitmachen, wollen nur das Beste für ihre Pferde.

Doch diese Pferde sind keine Pferde, die nur auf der Koppel herumstehen – das sind Arbeitstiere, Sportpferde. Sie sind für diese Einsätze bestens vorbereitet, weil alle dafür schon monatelang trainieren.

Das soll ja das letzte Rennen der "Titanen" werden. Hat das auch mit den Peta-Vorwürfen zu tun?

Ja, zum Teil schon. Wir haben immer mehr Auflagen bekommen, die wir erfüllen müssen. Leider ist es nicht immer so, dass uns von allen Seiten geholfen wird. Sondern es werden uns auch Steine in den Weg gelegt. Daher haben wir uns entschlossen, noch eine Veranstaltung zu machen, denn dann waren es 20 Jahre "Titanen". Und man soll ja auch aufhören, wenn es am schönsten ist.

Das heißt, Sie sind schon traurig, dass es aufhört?

Das kann ich Ihnen sagen! Wir gehen an die Veranstaltung mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich bin mir sicher, am Titanen-Sonntag, was mein Geheimtipp wäre für Zuschauer, werden mächtig viele Tränen fließen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Sabine Priess, rbb|24

Sendung: SCHÖN + GUT, 23.06.2022, 18:15 Uhr

6 Kommentare

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  1. 6.

    Klar, das Hinterfragen von Tieren als (absolut unnötige, nur zur Bespaßung dienenden) "Arbeitstiere" oder "Sporttiere" ist gleich Neid & Missgunst.
    Ich bin sehr froh, dass solche Veranstaltungen nach & nach weniger werden. Auf was genau soll ich nun neidisch sein?
    Ich bin mit Pferden aufgewachsen, war in mehreren Reitvereinen & könnte mir jederzeit mehrere Pferde leisten. Das ist eine bewusste Entscheidung dagegen. Wenn man als Kind damit aufwächst, hinterfragen die wenigsten, wie mit den Tieren umgegangen wird. Es ist einfach "normal", "gehört dazu". Die meisten lieben ihre Tiere & denken, sie tun doch nichts Falsches. Das macht es nicht weniger falsch.
    Mal erlebt, wie ein Pferd eingeritten wird? Die suchen sich das nicht aus, auch wenn sie eine sehr starke Bindung zu Menschen haben können. Stellen Sie sich doch mal mit Trense vor. Tierquälerei fängt nicht erst beim Blistern an...
    Pferde sind anmutige, kluge & wunderschöne Wesen.Deshalb gehören sie nicht auf diese Veranstaltung.

  2. 5.

    Ehrkicherweise entschuldige ich für meinen Kommentar. Ich war sehr vorschnell und sehe natürlich, dass alle Beteiligten auf das Wohl aller besorgt sind.

  3. 4.

    Das ist soooo traurig geworden. Mißgunst, Egoismus, und Neid regieren die Welt.

  4. 3.

    Bericht gelesen? Schon mal da gewesen? Mal auf einem Kaltblüter geritten oder mit ihm gearbeitet?

  5. 2.

    Für manche ist auch die aufwendigste Lebensfreude anderer "ein Dorn im Auge"...
    Ob Pools, Gärten, Spargel, hochwertige Autos usw. Alles was mit Belohnung für harte aufwendige Anstrengungen zu tun hat, also auch Besitz, wird missgünstig bekämpft und moralisch verunglimpft. Das muss man sich nicht gefallen lassen.

  6. 1.

    Und das bei den Temperaturen? Ich hoffe, alle Beteiligten überschreiten keine, auch tierschutzrelevanten, Grenzen.

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