Überrascht von Regenschauern im Sommer - Warum der Blick in die Wetter-App nicht reicht

Do 30.06.22 | 18:36 Uhr | Von Sebastian Schöbel
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Eine Frau fährt Fahrrad in Brandenburg. Im Hintergrund sind dunkle Wolken zu sehen. (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Bild: dpa/Soeren Stache

Die Wetterapp zeigt Sonnenschein an, doch in der Realität regnet es plötzlich - oder die Sonne prasselt, wo die Prognose ein paar kühle Tropfen versprochen hat: Nicht ungewöhnlich für den Sommer. Liegen die Meteorologen im Sommer öfter daneben?

Wer seine heißen Sommertage mit dem regelmäßigen Blick auf die Wetter-App seines Handys plant, könnte eine sehr feuchte oder sehr trockene Überraschung erleben: Mal bleiben angekündigte Regenfälle aus, oder sie brechen plötzlich über einen herein, obwohl die App Sonnenschein vorhergesagt hatte. Am Ende drängt sich schon mal der Eindruck auf, die Meteorologen würden pünktlich zum Sommerbeginn klammheimlich in einen langen Urlaub verschwinden.

Experte rät zu Regenradar

Dem ist natürlich nicht so, beteuert Thomas Endrulat vom Deutschen Wetterdienst. Die Debatte über unzutreffende Prognosen vor allem zu Niederschlägen führe man fast jeden Sommer, sagt der Experte im Gespräch mit rbb|24. Gerade in der heißen Jahreszeit aber reiche der schnelle Blick auf die Wetter-App und ihre übersichtlichen Symbole nicht aus.

Die Daten würden sich nämlich stets nur auf einzelne Messpunkte und einen relativ kleinen Radius drumherum beziehen, die Prognose ist also eher allgemein. Viel genauer sei der Blick auf ein aktuelles Regenradar, das die Bewegung von Gewitterwolken darstellt. "Mit einer Regenkarte, in der ich auch mein Umfeld sehe, kann ich besser einschätzen, was in meiner Gegend abgeht, als mit einem Piktogramm", sagt Endrulat.

Tatsächlich gebe es aufgrund der Hitze im Sommer öfter Schauer, die zum Teil sogar sehr heftig ausfallen können. Nur seien das dann häufig nur schmale Gewitterstreifen - Gewitter, so Endrulat, die schnell über Gebiete hinwegziehen, zu denen die Wetter-Apps nur ein sehr allgemeines Wetter-Symbol bieten. Während in einer Gegend etliche Liter Wasser pro Quadratmeter runterregnen, bleibt es nur wenige Kilometer weiter absolut trocken. "Das ist wie mit Schrot schießen, nicht jeder bekommt was ab", sagt Endrulat. "Oder wie Pudding kochen, wo man nicht weiß, wo die Blase hochkommt."

Keine langfristige Regenprognose

Die Vorhersagen zu verbessern, indem man mehr Wetterstationen aufbaut, würde kaum helfen, so der DWD-Experte: Die Prognosemodelle würden schon heute bereits mit einer Auflösung von bis zu einem Kilometer arbeiten. "Sie kriegen trotzdem nicht jeden Schauer mit."

Auch eine Vorhersage, wie viel Regen in diesem Sommer noch fallen wird, sei kaum möglich. Zwar seien die Prognosen schon besser geworden, aber bei Niederschlägen arbeite man im "statistischen Rauschen". So könne man zwar annehmen, dass durch den trockenen Ostwind auch weiter kaum Regen in Berlin und Brandenburg fällt, doch schon ein paar Gewitter, die über dem Bayerischen Wald oder dem Erzgebirge entstehen, könnten das Bild ändern.

Allerdings nur auf dem Papier, sagt Endrulat: Dann seien nämlich wieder lokale Schauer mit hohen Niederschlagswerten kurzzeitig möglich. "Aber in der Praxis kann niemand etwas damit anfangen. Die anderen Tage im Monat leidet man unter furchtbarer Trockenheit, nur statistisch ist die Regenmenge erfüllt."

Sendung: Inforadio, 30.06.2022, 13:00 Uhr

Beitrag von Sebastian Schöbel

14 Kommentare

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  1. 14.

    Also ich schwöre ja auf wetter.de. Die Prognosen stimmen immer zu 90%. Wenn es dort sagt, dass es zwischen 15-18 Uhr regnet, tut es das meist auch. Kann ich nur empfehlen.

  2. 13.

    Seien wir mal ehrlich, die Technik die Meteorologen heute zur Verfügung steht, davon hätten andere noch geträumt. Die Rechenleistung immer größer, die Wettermodelle immer komplizierter und trotzdem wurde hier in den letzten drei Tagen oder vier, Regen vorhergesagt und nicht ein Tropfen fiel, das sagt eigentlich genug über die Genauigkeit aus.

  3. 12.

    Gefühlt sind die Prognosen immer unzutreffender.
    Man nehme Berlin als Beispiel.
    Wie sagte eine Moderatorin am heutigen Morgen, drei Tage Unwetter, mit Starkregen pp. angedroht, tatsächlich nicht ein Tropfen hier gefallen.
    Bei der heutigen, aufwendigen Technik, die zur Verfügung steht, sollte es möglich sein, weiter weg von den Alpen eine Prognose zu machen.

  4. 11.

    Ich finde Ihren Ansatz sehr gut! Jedoch werden sich dann wieder viele aufregen, wegen Datensammlung -sicherheit, Installations-u. Betriebskosten evt. Vergütung u. v. a. m.. Ironie EIN: Da wird vom Deutschen Bundestag wohl "Das Gesetz zur genauen Wettervorhersage" erst beschlossen werden müssen. Hinzu kommen 5 Anträge u. 1 Beschluss... Ironie AUS. Auch werden da bei den Mengen der anfallenden Daten neue Server u. Großrechner fällig. Daher wird Ihr löblicher Ansatz nicht verwirklicht werden. :-((

  5. 10.

    Jede Vorhersage hat Grenzen. Oft habe ich es z. B. schon vor 20 Jahren bis heute erlebt, in Potsdam und Berlin Gewittersturm, volle Keller und bei mir in SRB außer Wetterleuchten - nichts! Trotz Wetterapp (Vollversion) vom DWD (Regenradar Usermeldungen, Gewittermonitor) gibt es auch Schauer aus dem Nichts. Auch so etwas wie sogen. Wetterscheiden (Gewässer Strom- u. Bahnlinien Großstädte), wo verschiedenes Wetter ist, sind beachtenswert. Meine beste grobe Vorhersage ist, - meine Wetterfühligkeit!

  6. 9.

    Jo, schon. Aber was nützt das schönste theoretische Wissen, wenn die Praxis einfach nicht das macht was sie eigentlich machen sollte. Der Wetterbericht ist oft nur ein Orientierungsmodell.
    Beim lokalen Wettergeschehen reicht es aber schon den Blick vom Tatschscreen zu nehmen und sich das "Wetter" mal anzusehen. Genauer und lokaler gehts echt nicht.
    Aber heutzutage brauchen manche Leute sogar 'ne Kompass-App (nicht sie persönlich gemeint).

  7. 8.

    Hallo RBB, kurze Frage. Meteorologen haben studiert, oder?

  8. 7.

    Liesse sich nicht aus den Daten der ganzen EEG Anlagen ein ziemlich gutes Modell extrahieren?
    Solare Strahlungsleistung bekommt man von den größeren PV-Anlagen, Windstärke und Richtung liegt auch bei den Netzbetreibern vor.
    Vor Ort noch einen Feuchtesensor hinzufügen, ist auch kein Hexenwerk.
    Daraus liessen sich doch mit hinzufügen lokaler empirischer Faktoren und ein wenig Stochastik recht gute Echtzeitmodelle für die Binnenverdunstung errechnen. Wo und wie heftig das Wasser dann wieder runterkommt ist sicher was für die klassische Meteorologie in den höheren Luftschichten.

  9. 6.

    Ist ja gut, bleiben Sie ruhig Friedrichshainer …
    Bei manchen Nicknamen kann man sich nur an den Kopf fassen und auch gleich auf den Kommentar schließen.
    Was alles zugelassen wird, soll das Meinungsfreiheit sein??? Armes Deutschland, kann ich da nur sagen.
    Achso - zum Wetter - wenn man nichts mehr zu sagen habt, redet man übers Wetter!

  10. 5.

    Klar ist Wetter schwer berechenbar, besonders in instabilen Wetterlagen und bei Gewitterneigung. Das sollte aber eben auch öfter eingestanden werden. Hier nehmen sich die Meteorologen einfach zu oft zu wichtig und lagen gerade in letzter Zeit in Brandenburg sehr oft daneben. Ein Blick aus dem Fenster hat deren Vorhersagen schon oft widerlegt. Ist aber unmodern, weil nicht digital. Lieber unmodern und richtig, als digital und falsch. Aus der App kommt (noch) kein Regen.

  11. 4.

    Der Regen ist auf dem Weg zum Messbecher verdunstet. ;-)

  12. 3.

    Am besten halten wir uns an eine alte Bauernregel:
    "Kräht der Hahn auf dem Mist, ändert sich das Wetter oder bleibt, wie es ist." ;-))

  13. 2.

    ...also ich wäre ja auch ganz froh, wenn es jetzt langsam mal wieder aufhören würde, zu regnen. Aber nein! wetteronline.de sagt für morgen schon wieder 90 % Regen vorher. Meinen die die bei den Waldbränden eingesetzten Löschhubschrauber?

  14. 1.

    Am Montag wurden für Berlin für Mittwoch und Donnerstag je 20-50 mm Regen angekündigt, bisherige Regenmenge an diesen zwei Tagen: 0
    Dann soll man doch sagen, dass man es nicht kann oder vorsichtiger mit den Mengenangaben umgehen und nicht für unsere Region vollkommen unrealistische Mengen angeben. Vielleicht auch einfach mal das Medium zur Vorhersage wechseln, von Würfeln auf Kartenlegen oder Astrologie oder so.
    Ehrlich mal...

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