Steinmeier würdigt KZ-Überlebende - Margot Friedländer mit Walther-Rathenau-Preis ausgezeichnet

Mo 04.07.22 | 14:26 Uhr
Die Preisträgerin und Holocaust-Überlebende Margot Friedländer freut sich bei der Verleihung des Walther-Rathenau-Preises 2022 über die Auszeichung. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Audio: rbb24 Inforadio | 04.07.2022 | Josefine Grützmacher | Bild: dpa/Britta Pedersen

Die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer ist am Montag für ihr Lebenswerk mit dem Walther-Rathenau-Preis 2022 ausgezeichnet worden.

Steinmeier dankt für "Geschenk der Versöhnung"

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte in seiner Laudatio der 100-Jährigen für das "Geschenk der Versöhnung". Die Demokratie brauche Menschen wie sie, so der Bundespräsident. Friedländer wisse, was geschehen könne, wenn sich zu wenige Bürgerinnen und Bürger zur Demokratie bekennen und sie wisse, was Menschen einander antun können. Als Zeitzeugin gebe Friedländer dieses Wissen weiter.

Unerträglich sei es auch, wenn sich Gegner der Corona-Politik als Verfolgte mit gelbem Stern inszenierten. "Das ist eine Verhöhnung der Opfer der Shoah und eine Verharmlosung des Antisemitismus", sagte Steinmeier.

Friedländers Familie war von den Nazis nach Auschwitz deportiert und ermordet worden. Sie selbst überlebte das Konzentrationslager Theresienstadt. 1946 ging sie mit ihrem Mann Adolf Friedländer in die USA. Nach dessen Tod kehrte sie in ihre Heimatstadt Berlin zurück, wo sie seit 2010 lebt. An Schulen und Einrichtungen berichtet sie regelmäßig über ihre Erlebnisse im Nationalsozialismus. "Was war, können wir nicht mehr ändern. Aber es darf nie wieder geschehen", betonte Friedländer am Montag bei der Preisverleihung.

Preis für herausragendes politisches Lebenswerk

Mit dem Walther-Rathenau-Preis zeichnet das gleichnamige Institut Menschen für ein herausragendes außenpolitisches Lebenswerk aus. Zuletzt hatte im vergangenen Jahr die damalige Kanzlerin Angela Merkel (CDU) den Preis erhalten.

Rathenau war Außenminister der jungen Weimarer Republik gewesen. Der liberale jüdische Politiker wurde am 24. Juni 1922 von Rechtsextremen im Berliner Grunewald auf dem Weg ins Auswärtige Amt erschossen.

Sendung: Inforadio, 04.07.2022, 15:00 Uhr

Nächster Artikel