Urteil des Berliner Kammergerichts - SEZ an der Landsberger Allee geht zurück ans Land Berlin

Fr 08.07.22 | 15:45 Uhr
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SEZ, Ruine des Sport- und Erholungszentrums an der Ecke Danziger Strasse / Landsberger Allee mit Bauzaun davor. (Quelle: dpa/C.Behring)
Audio: rbb24 Inforadio | 08. Juli 2022 | Sabrina Wendling | Bild: dpa/C.Behring

Eigentlich sollte der sächsische Unternehmer Löhnitz den Betrieb am SEZ in Berlin-Friedrichshain wiederherstellen. Doch der tat das nur teilweise - und muss es nun dem Land Berlin zurückgeben. Für einen symbolischen Betrag.

Der Käufer des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) an der Landsberger Allee in Berlin-Friedrichshain muss das Gelände an das Land Berlin zurückgeben. Das hat das Kammergericht am Freitag entschieden und damit eine Entscheidung des Landgerichts korrigiert.

Der sächsische Unternehmer Rainer Löhnitz hatte das SEZ im Jahr 2003 für einen symbolischen Euro gekauft. Der Kauf war allerdings mit einer Bedingung verknüpft. Er sollte den Betrieb des maroden Erholungszentrums inklusive des Spaßbades wieder herstellen. Ansonsten sollte das SEZ wieder an das Land zurückfallen. Löhnitz kam den Auflagen aber nur zum Teil nach und wollte stattdessen dort Wohnungen bauen.

Das Land pochte deshalb auf die Rückabwicklung des Kaufs. Der Streit landete vor Gericht. Das Kammergericht entschied nun, dass Berlin das Grundstück gegen Zahlung eines Euros zurückbekommt. Es korrigierte damit eine Entscheidung des Berliner Landgerichts.

Das Urteil zur Rückabwicklung des Kaufs ist noch nicht rechtskräftig. Eine Revision hat das Kammergericht zwar nicht zugelassen, dagegen kann Löhnitz aber Beschwerde einlegen.

Nach der Wende zu teuer für Berliner Senat

Zu DDR-Zeiten war das SEZ Magnet für Besucher aus dem ganzen Land. 50 Pfennig kostete der Eintritt damals. Das ging nur mit Hilfe großer Zuschüsse aus der DDR-Staatskasse. Nach der Wende war das SEZ für den Berliner Senat als neuen Eigentümer viel zu teuer. Nach und nach schlossen die Sportstätten. Aber selbst ohne Betrieb verursachte der riesige Bau Erhaltungskosten von 400.000 Euro jährlich.

Sendung: Inforadio, 08.07.2022, 16:00 Uhr

33 Kommentare

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  1. 33.

    Es wäre schön, wir würden alle mehr Steuern zahlen oder die Steuern würden statt in sinnlose Subventionen für Straßen oder Denkmäler lieber in solche Freizeitanlagen fließen. Zu ddr Zeiten wurde das Bad hochsubventioniert, anders lässt sich das nicht machen. Dann ging die ddr pleite und mit ihr die ganze Anlage. Vielleicht könnte man eine Abgabe aller Berliner*innen organisieren zur Refinanzierung. Oder den Flughafen verkaufen. Oder eine Berlinmaut einführen dafür.

  2. 32.

    "entsiegeln und (damit) den Volkspark Friedrichshain erweitern". Eine gute Idee. Den Volkspark Fhain 49 Hektar mit dem benachbarten SEZ 4 Hektar zu vereinen. Aber ich fürchte, dafür ist der Zug angefahren. Berlin ist klamm und will dort höherpreisigen Wohnraum schaffen.

  3. 30.

    Da kann ich auch nur sagen: Was soll dieser bescheuerte Kommentar? Das SEZ inkl der Außenanlagen war perfekt für Familien. Sowas findet sich heute nirgendwo mehr in Berlin. Echt schade!

  4. 29.

    Wer sich für die Geschichte dieses Baus interessiert kann´s hier sehr gut nachlesen.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Sport-_und_Erholungszentrum

    Ich kann den Inhalt als korrekt bestätigen, weil ich Ende der 1950er Jahre im Bezirk geboren wurde und noch immer in "meinem" Kiez lebe. Habe also alles selbst erlebt. Von wegen DDR-Dreck...Heute bekommt der Berliner Senat so etwas nicht mehr auf die Reihe!

  5. 28.

    Ich bin ganz Ihrer Meinung. Alle Freizeiteinrichtungen im Ostteil der Stadt wurden entweder aus rein ideologischen Gründen kaputtgespart oder für´n Appel und´n Ei an Investoren verscherbelt, die sie dann entweder vergammeln ließen oder daraus Luxusimmobilien zu Spakulationszwecken zu errichten. Wie die Stadt nun aussieht, sieht man ja.

  6. 27.

    Entweder sind Sie kein waschechter Berliner, zugezogen, aus den westlichen Bezirken oder einfach zu jung, um sich an die schönen Zeiten zu erinnern, die man als Familie, als Kind dort verbracht hat!

  7. 26.

    Ich sehe auch schwarz für die "Neuerrichtung" des SEZ.
    Das Flussbad in Mitte ist sicherlich lukrativer für unsere Besucher, obwohl ja nur im Hochsommer interessant.

    Luxuswohnungen an dieser verkehrsreichen Ecke und Berliner Nächten im Friedrichshain?
    Wer's mag ;-)

  8. 25.

    Und deshalb musste es zu einem "Spassbad mit Hotel für die Prominenz." umgebaut werden?
    Ach ja, kein Geld ...

  9. 24.

    Haben das SEZ nicht etwa die Schweden gebaut? Und die Leitung von Erhardt Gißke bzw. seine Lebensleistung als Architekt ist doch wohl unbestritten? Wenige schaffen soetwas.

  10. 23.

    Das Stadtbad Oderberger Straße wurde aber Ende 1986 geschlossen, weil der Schornstein-Anbau aus Beton überdimensioniert war und die Statik änderte. Dies führte zu Rissen im Beckenboden und in den Deckengewölben. Das Bad wurde also zu DDR-Zeiten zerstört.

  11. 22.

    32 Jahre BRD haben das Prachtstück in die Knie gezwungen. So ging es mehreren Freizeiteinrichtungen in der Hauptstadt der DDR, wenn sie sich nicht zur Umwandlung in ein Luxuseinrichtung wie in der Oderberger Straße eigneten. In den 60ern habe ich meine Kinder dorthin zum von der SVK bezahlten orthopädischen Schwimmen begleitet, was ist da jetzt, ein Spassbad mit Hotel für die Prominenz. Im SEZ wird man sicher nochmal 30 Jahre brauchen, um Geld und Hammer und Zirkel für die Sanierung zu finden.

  12. 21.

    Dieser „DDR Schmutz“ hat vielen Familien mit Kindern die Möglichkeit gegeben, etwas sinnvolles mit den Kids zu unternehmen. Wenn Sie sich mal umschauen in Berlin, was wird denn den Kindern, den Familien, die an der Armutsgrenze leben müssen, geboten? Ich denke, mit dieser Äußerung haben Sie sich gerade ins Aus geschossen . Wer keine Ahnung hat, einfach mal ……

  13. 20.

    Am besten wäre wohl entsiegeln und den Volkspark Friedrichshain zu erweitern. Angesichts der zunehmenden Verdichtung und Mangel an Grünflächen (Übernutzung ;)im Stadtzentrum.
    Lesenswert zur Geschichte des Orts:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sport-_und_Erholungszentrum

  14. 18.

    Endlich können wir diesen DDR Schmutz einstampfen.

  15. 17.

    erstmal brauchen wir eine Studie zum Zustand
    dann eine Machbarkeitsstudie für die ideen eines Stadtrats
    die Gegenstudie kommt von einer BI
    Dann erteilt ein Gericht den gesammten Plänen und Vergaben eine Abfuhr wegen Formfehlern.Zwischenzeitlich isT die nächste Kriese in vollen Gang und es werden keine weiteren SEZstätten gebraucht und finanziert aber es haben Planungsbüros Millionen abgeschöpft
    Satire ein.
    es lebe die deutsche Machbarkeitsstudienbürokratie
    Satire aus.

  16. 16.

    Vielleicht sollte man ein Investor holen der schon Erfahrung mit Wellness bzw. Spaßbädern hat. Davon gib es in Deutschland ja genug. Aber es wird bestimmt niemand mit den RRG zusammen arbeiten wollen. Was ich durchaus verstehen kann.

  17. 15.

    Wieso zurück an das Land Berlin? Eigentümer bei der Übergabe war doch der Bezirk Friedrichshain?

  18. 14.

    Und wie so immer ist diese Schlagzeile zu den Vertragspflichten von Herrn Löhnitz falsch. Im Vertrag war nie die Rede von der Wiederherstellung des Erlebnissbades, sondern von einer Planschfläche, ohne Angaben einer Größe. Das hat der Bezirk Friedrichshain schon damals nachweislich verschlampt in der Ausschreibung. Eine Schande ist das Gebäude allemal, aber durch die Rückabwicklung wird es garantiert nicht besser.

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