Geburtsstunde der Kirche - Was feiern wir eigentlich an Pfingsten?

So. 08.06.25 | 11:23 Uhr | Von Ulrike Bieritz
  32
Ausschnitt eines Mosaiks im Portal des Berliner Doms mit Darstellung einer Taube als Symol des Heiligen Geistes. (Quelle: imago images/Norbert Neetz)
Bild: imago images/Norbert Neetz

Pfingsten ist für viele vor allem ein langes Wochenende, willkommene Gelegenheit für Ausflüge oder den traditionellen Besuch beim Karneval der Kulturen. Doch für gläubige Christen hat das Fest eine sehr große Bedeutung. Von Ulrike Bieritz

Haben Sie sich auch schon mal gefragt, warum in vielen Kirchen über dem Altar oder in der Kuppel Taubenmotive auftauchen?

Das hat mit Pfingsten zu tun - und mit dem Heiligen Geist, um den es nämlich an diesem christlichen Feiertag geht. Dem christlichen Glaube zufolge erfüllt und verbindet der Heilige Geist alle Gläubigen – weswegen Pfingsten auch als Geburtsstundeder Kirche gilt.

Aber der Reihe nach. Am Pfingstsonntag endet der am Aschermittwoch beginnende Osterfestkreis. 50 Tage ist die Osterzeit nun vorbei. Diese Zeitspanne findet sich am im Begriff "Pfingsten" wieder. Der leitet sich nämlich von dem griechischen Wort "pentekosté", der Fünfzigste, ab.

Pfingsten ist ein schwer fassbares Fest

Ursprünglich wurde Pfingsten eine ganze Woche gefeiert – übrig blieben zwei Feiertage, über die sich alle freuen, auch wenn sie nicht mehr wissen, was der eigentliche Grund ist.

Pfingsten ist wirklich ein schwer fassbares Fest. Genauso wie der Geist, also der Heilige Geist, um den es hier geht. Der soll nämlich an eben jenem Tag über die Anhänger von Jesus gekommen sein.

Was aber ist dieser ominöse Heilige Geist, von dem nicht nur in der Bibel, sondern auch in den Kirchen so oft die Rede ist. Die Bibel versteht ihn als schöpferische Macht allen Lebens.

Gottesdienste werden im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes begonnen und ein Kreuzzeichen gemacht – Gott der Vater, Jesus der Sohn und eben der Geist, der in die Welt gesandt wurde, um Person, Wort und Taten von Jesus lebendig zu halten.

Das Pfingstwunder

Immer noch ziemlich schwer verständlich, oder?

Schauen wir also direkt in die Bibel, in der es natürlich auch dazu eine Geschichte gibt.

Ostern, und damit die Auferstehung von Jesus, ist lange her. Bis Himmelfahrt war Jesus seinen Anhängern immer mal wieder erschienen. Doch dann war er endgültig weg - und sie standen ziemlich verlassen da. Was soll aus ihnen werden, ohne Anführer und unter strenger Beobachtung der Römer, denen diese Jesus-Truppe schon lange ein Dorn im Auge ist?

Plötzlich teilt sich das Feuer und die Flammen tanzen

Da plötzlich zieht ein Sturm auf und pfeift durch das Haus, in dem die Jünger so ratlos zusammenhocken. Das Feuer teilt sich, Flämmchen tanzen durch die Bude und über ihre Köpfe. In der Apostelgeschichte steht, dass sie plötzlich vom Heiligen Geist erfüllt werden und mit anderen Zungen zu reden begannen.

Das meint: Sie können alle möglichen Sprachen, wundern sich darüber und laufen auf die Straße, um von Gott, Jesus und alldem zu erzählen. Das ist das sogenannte Pfingstwunder. Der Heilige Geist hat sie quasi begeistert, und sie haben diese Begeisterung an andere weitergegeben. Weil sie überall von Jesus erzählen, kennen wir diese Geschichten noch heute.

Manche meinen, dass die Redewendung "Feuer und Flamme für etwas sein" - also von etwas begeistert sein - ihren Ursprung in diesem Ereignis hat. Und weil der Heilige Geist nicht nur weht, wo er will, sondern eben auch schwer zu fassen ist, wurde im Mittelalter die Taube zu seinem Symbol. Deshalb sieht man weiße Tauben oft ganz vorne in Kirchen, über dem Altar oder in der Kuppel.

Von Pfingstochsen und Langschläfern

Auch Pfingsten ist ein Frühlingsfest und deshalb werden Gottesdienste traditionell im Freien gefeiert, Kirchen mit grünen Birkenzweigen geschmückt. In ländlichen Gegenden Deutschlands gehörten früher Pfingstfeuer, Tänze oder Reiterspiele dazu, von denen heute nur noch wenige übrig sind. Feierliche Umzüge finden statt und mancherorts wird das Vieh das erste Mal nach dem Winter auf die Weide getrieben. Davor gibt es eine Prozession durch den Ort, die vom Pfingstochsen angeführt wird, geschmückt mit Blumen, Stroh und Bändern.

Ein Pfingstochse wird aber auch der genannt, der den ganzen Feiertag verschläft …

Pfingsten - alles andere als bedeutungslos

Pfingsten ist zwar ein ausschließlich christliches Fest, doch die Idee, dass eine göttliche Kraft die Menschen inspiriert und sie mit anderen verbindet, kennt man auch in anderen Religionen. Im Judentum etwa erinnert das Wochenfest Schawuot, das rund sieben Wochen nach Pessach gefeiert wird, an die Übergabe der Zehn Gebote an Moses – ebenfalls ein zentrales Offenbarungsereignis. Im Islam spielt die Herabsendung des Korans auf den Propheten Mohammed eine vergleichbare Rolle, gefeiert etwa in der "Lailat al-Qadr", der Nacht der Bestimmung, während des Ramadan.

So unterschiedlich die Rituale auch sind – das Motiv der göttlichen Inspiration, der Verbindung zwischen Mensch und Gott und der Gemeinschaft unter den Gläubigen findet sich überall.
Pfingsten ist also vielleicht schwer zu greifen – aber alles andere als bedeutungslos.

"Von Bach bis Bratwurst" - Nacht der offenen Kirchen

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde in ähnlicher Form bereits im vergangenen Jahr zu Pfingsten veröffentlicht.

Sendung: Antenne Brandenburg, 08.06.2025, 06:12 Uhr

Beitrag von Ulrike Bieritz

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Aus datenschutzrechtlichen Gründen werden Kommentare, bei denen die E-Mail-Adresse in den Feldern Name, Wohnort oder Text geschrieben wurde, nicht freigegeben. Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Wir behalten uns vor, Kommentare, die nicht zu einer konstruktiven Diskussion beitragen, nicht freizugeben oder zu löschen. Wir geben keine Auskunft über gelöschte oder nicht freigegebene Kommentare. Mit der Abgabe eines Kommentars erklären Sie sich mit diesen Regeln und den Kommentarrichtlinien des rbb einverstanden.

32 Kommentare

  1. 32.

    @Suse: ja, Sie haben recht, dass zumindest für manche Wirtschaftsbereich Feiertage eher ein Fest sind. Für andere (eher) nicht (mich z.B.).
    In so einer Kommentaspalte ist leider nicht Platz für große Ausführungen. Aber ich denke da an Reformen und hielte es für sinnvoller, feste Feiertage durch flexible Urlaubs- oder nennen Sie es Feiertagsfrei-Tage zu ersetzen.
    Das würde allen gerecht werden. Also auch Anhängern anderer Religionen oder auch Nicht-Religiösen.
    Ja, der Haken, dass das Land "endlich mal zur Ruhe" kommt, entfiele, allerdings auch die unfassbare Hektik vor den Feiertagen und die Staus auf den Reisewegen.

  2. 31.

    Wir alle sollten dem Christentum und insbesondere Jesus danken, bicht nur wegen der Feiertage für uns, sondern auch wegen der Botschaft, die auch für den Karneval der Kulturen steht, gegen Hass und Rassismus, Diskriminierung und für Freiheit, Menschlichkeit, wird grad von extrem rechts angegriffen!

  3. 29.

    Für ein paar Tage frei sind Feiertage nicht nötig. Das ginge auch mit Karenztagen, die man sogar unabhängig vom Kirchenjahr nehmen könnte.

  4. 28.

    Lesen Sie doch mal in der Apostelgeschichte das Sprachwunder des Pfingstfestes nach. Hier wird (vereinfacht ausgedrückt) die Gemeinschaft und das friedliche Zusammenleben aller Völker gefeiert. Somit wurde für den Karneval der Kulturen das richtige christliche Fest gewählt.

  5. 27.

    Pfingsten sind die Geschenke am geringsten!:-) Deshalb mein Lieblingsfest. Keine 5 Wochen Terror, kein Stress, erheblich mehr Tageslicht und besseres Wetter als an diesem drecks Weihnachten.

  6. 26.

    Sind nicht ohnehin bereits nur noch Wenige empfänglich für einen vertrauensvollen, geistigen Austausch? Treten nicht ohnehin immer mehr Menschen aus der Kirche aus? Sind das nicht Resultate sich wandelnder Einstellungen? Sind da nicht bereits kritische Punkte überschritten oder sind wir kurz davor? Sollen in dieser Situation Feiertage gestrichen werden, um den Trend weiter zu verstärken und die Kirche noch weiter in die Krise zu stürzen?

  7. 25.

    Für die Wirtschaft sind Feiertage viel wichtiger als die Fraktion der Feiertagsgegner glaubt. Freie Tage sorgen dafür, dass Arbeitende auch mal entspannen können, ein langes Wochenende haben, Zeit für sich und Familie.
    Für die Wirtschaft muss keiner, der im Arbeitsleben steht und selbst für seinen Unterhalt sorgt, einen freien Tag opfern, denn er bringt doch wohl mit Steuern und Abgaben genug Opfer, damit der Laden hier läuft und davon Profitierende jeden Tag Feiertag haben. Wird der Arbeitende weiter geschöpft, hat das Folgen für seine Gesundheit. Der Krug geht solange zum Wasser bis er bricht. Die weitere Streichung von einem Feiertag wird der Wirtschaft zwei Krankentage bescheren und wenn Sie es genau wissen wollen: Ich gönne mir dann 3 Tage!

  8. 24.

    Aus dem Artikel: "Pfingsten ist also vielleicht schwer zu greifen – aber alles andere als bedeutungslos."

    In Berlin ist Pfingsten leicht zu begreifen - als Feiertage für den "Karneval der Kulturen". Und alle anderen können Pfingsten begreifen als extralanges Wochenende zum Genießen des Frühlings. Und damit ist Pfingsten auch für Nichtchristen nicht bedeutungslos.

  9. 20.

    Pfingsten ist m.A.n. der höchste christliche Feiertag, weil es keinen Menschen ohne heiligen Geist geben würde.

    Mit Pfingsten feiern wir die Größe des hl. Geists und deshalb darf dieser Feiertag letztendlich nur gestrichen werden, wenn es einmal egal ist, wenn die Orientierung vollkommen verloren geht.

  10. 18.

    Das mag für eine Minderheit in Brandenburg so sein, aber viele Millionen Christen in Deutschland feiern besinnlich diese Tage!

  11. 13.

    Vielen Dank Ulrike Bieritz !

    Die Sehnsucht von Menschen nach etwas, was nicht nur rein rational oder rein nach wirtschaftlichen Paradigmen läuft, gab es immer und m. E. ist das auch Menschen eigen. Dem liegt zugrunde, dass die bloße abstrakte Zahl, was das Maß des Wirtschaftens ist, im Grunde genommen nichts, der emotional berührende Inhalt aber wirklich tragfähig ist. Wer Letzteres auf der Strecke lässt, kann über kurz oder lang einpacken.

    Menschen hatten gewiss immer auch großartige Ideen; soweit sie erfolgsberauscht zu eingeschliffen wurden, das Verhältnis von Inspiration und Werk nicht mehr bestimmbar war, verlief es sich dann.

    Vielleicht ein Appell, das Feuer der wirklicher Inspiration nicht verglimmen und verlöschen zu lassen. Sonst wird es zäh, grobschlächtig und kampfbetont, versuchend, alles aus dem Wege zu räumen, wie bei Musk, Thiel, Trump und Zuckerberg.

Nächster Artikel