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Wohnungsbau in Neukölln Emmauswald könnte in Teilen stehen bleiben - Bauplan wird geändert
Archivbild:An einem Zaun am Emmauswald in Berlin-Neukölln ist ein Schild mit der Aufschrift "Privatgrundstück Unbefugten ist das Betreten und Befahren verboten" angebracht.(Quelle:imago images/M.Gambarini)
imago images/M.Gambarini
  • Baugenehmigung für Buwog-Bauvorhaben am Emmauswald in Neukölln bisher nicht erteilt
  • Baupläne werden derzeit überarbeitet
  • Gründe sind Schutz des Waldes und möglicherweise Abstand zu einem Autobahntunnel

Im Emmauswald in Berlin-Neukölln färben sich auch in diesem Herbst wieder die Blätter der Laubbäume und werden schließlich fallen. Aber nur die Blätter und nicht die Bäume - auch wenn die Rodung des Baumbestands von Neuköllns größtem Wald schon seit mehreren Jahren debattiert wird. Rund 600 Wohnungen will das Immobilienunternehmen Buwog auf der Waldfläche und auf der benachbarten Brachfläche untweit der Hermannstraße bauen. Vor zwei Jahren entzog der Senat dem Bezirk die Zuständigkeit für das Bauvorhaben.

Eine Baugenehmigung ist allerdings bisher nicht erteilt. Mehr noch: Die Baupläne werden derzeit sogar abgeändert, wie es von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt.

Senat: Teilfläche des Waldes soll erhalten bleiben

Und dabei spielen offenbar vor allem zwei Dinge eine Rolle: der Wald selbst und die Nähe zu einem Autobahntunnel. Diskussionen im Umweltausschuss haben laut Senatsverwaltung dazu geführt, dass mittlerweile eine "kompaktere und höhere Bebauung" angestrebt werde, um eine Teilfläche des Waldes zu erhalten. An einem Umweltbericht werde demnach derzeit gearbeitet, er ist daher noch nicht einsehbar.

In der Antwort auf eine kleine Anfrage der Linken von Anfang des Jahres listet die Senatskanzlei bereits zahlreiche Tiere auf, die in dem Wald heimisch sind: mehrere Greifvogel- und Singvogel-Arten, wie der Sperber oder der Kernbeißer, fünf Fledermaus-Arten und zwei Heuschrecken-Arten, eine von ihnen die blauflügelige Ödlandschrecke.

Womöglich soll die Hälfte des Waldes abgeholzt werden

Bereits als der Bezirk in dieser Sache noch federführend gewesen ist, wurde der Wald als schützenswert eingestuft, weshalb es im Bezirk Streit um die Baugenehmigung gegeben hatte. Der Senat zog damals das Projekt an sich - wohl in der Hoffnung schneller zu einer Einigung zu kommen. Mittlerweile lenkt nicht nur der Senat, sondern auch das Immobilienunternehmen Buwog ein: "Die aktuelle Überarbeitung unseres Neubauprojekts erfolgt, um in enger Abstimmung mit dem Senat einen möglichst großen Teil der Grünfläche zu erhalten", heißt es von Seiten eines Sprechers.

Nach rbb-Informationen soll nun etwa die Hälfte des Waldes abgeholzt werden. Zuvor war geplant, die Bäume auf der gesamten, etwa 3,8 Hektar großen Fläche zu fällen. Ursprünglich sollte der gesamte Wald bebaut werden, allerdings war geplant, sehr alte Bäume in die Bauplanung zu erhalten und zu integrieren.

Dieses Vorhaben, alte Bäume in die Bebauung zu integrieren, hält Jochen Biedermann, Baustadtrat von Neukölln, mit der neuen Planung aber nicht mehr für machbar. "Wenn man genauso viele Wohnungen auf weniger Raum bauen möchte, bin ich mir nicht sicher, ob es funktioniert, den wertvollen Baumbestand zu erhalten", sagte er. Um den Erhalt der alten Bäume zu gewährleisten, fordert er, dass weniger als die rund 600 geplanten Wohnungen gebaut werden.

Nähe zu Autobahntunnel weiterer Änderungsgrund?

Ein weiterer Grund für die veränderte Bauplanung soll nach rbb-Informationen die Nähe zum A100-Autobahntunnel "Britzer Tunnel" sein. Dieser Aspekt soll erst verspätet berücksicht worden sein und eine veränderte Planung erfordern. Die Senatsverwaltung bestätigte lediglich auf Nachfrage, dass in die neuen Baupläne "die Belange der Autobahn GmbH" miteingehen. Die Buwog hingegen bestreitet, dass die Nähe zum Tunnel erst in den neuen Plänen eine Rolle spielt. Die Belange der Autobahn seien bereits in die ursprünglichen Pläne eingeflossen, heißt es.

Zeitpunkt der Öffentlichkeitsbeteiligung noch ungewiss

Wohnungsbauten müssen aus Sicherheitsgründen einen gewissen Abstand zu Tunnelanlagen haben. 40 Meter anbaufreie Fläche sei da in etwa ein Richtwert, so ein Sprecher der Autobahn GmbH. Begründete Ausnahmen seien aber möglich. Um wie viele Meter es im Fall des Emmauswaldes geht, teilten bislang weder der Grundstückeigentümer Buwog noch die Autobahn GmbH mit. Baupläne für das Schumacher-Quartier in Berlin-Tegel mussten ebenfalls vor einem Jahr wegen der Nähe zu einem Autobahntunnel verändert werden. Zwischen den Häusern und dem Tunnel sollten damals mindestens 40 Meter liegen.

In Sachen Emmauswald soll auch noch die Öffentlichkeit einbezogen werden. Ursprünglich war geplant, die Öffentlichkeit in der zweiten Jahreshälfte 2025 über das Vorhaben zu informieren und zu befragen, wie die Senatskanzlei noch im Frühjahr dieses Jahres bekannt gab. Derzeit sei die Beteiligung weiter in Planung, heißt es, wann es nun dazu kommt, bleibt vorerst offen.

Pet Shop Boys widmen Wald einen Song

Die Bürgerinitiative "Emmauswald bleibt", die sich seit Jahren gegen die Bebauung des Emmauswalds einsetzt, begrüßt die Verzögerung. Mit jedem Monat der vergeht, ohne dass Bäume gefällt wurden, verkürzt sich auch die diesjährige Rodungssaison, so eine Sprecherin der Initiative. Nach den Naturschutzgesetzen dürfen bis Ende Februar Bäume gefällt werden.

Und der Unterstützer:innen-Kreis der Initiative weitet sich währenddessen aus. Nicht nur Menschen aus der direkten Nachbarschaft seien involviert, sagt die Sprecherin. Vor einigen Tagen hätten mehrere Bands wie die Pet Shop Boys bislang unbekannte Songs veröffentlicht und dem Emmauswald gewidmet. Das Ausmaß überrasche selbst Teile der Initiative. Der Widerstand gegen die Bebauung des Emmauswalds sei mittlerweile eine Art Symbol im Kampf gegen die von Investoren gesteuerte Wohnungspolitik geworden, so die Sprecherin.

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