Knut winkt den Zoobesuchern zu (Bild dpa)
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- Das Leben von Eisbär Knut

Er passt zu Berlin wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge: Ein Eisbär in der Bären-Stadt. Knut wird im 5. Dezember 2006 im Zoologischen Garten geboren und von Bewohnern der Stadt sofort ins Herz geschlossen -  leider jedoch nicht von Eisbärenmutter Tosca.

Sie ignoriert das 810 Gramm schwere Fellknäuel. Knut überlebt im Brutkasten und weil Tierpfleger Thomas Dörflein das Jungtier mit der Flasche aufzieht.

Auch die Politik erkennt sofort das Starpotential von Knut: Der damalige Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) übernimmt die Patenschaft für den Eisbären (ohne jemals dessen Beliebtheitswerte zu erreichen).

Der junge Knut döst vor Publikum (Bild dpa)

Herzen schlagen höher, Kassen klingeln lauter

Bereits 2007 kommen mehr als drei Millionen Menschen in den Berliner Zoo - so viele wie nie zuvor. Allein von März bis Juli strömen täglich bis zu 15.000 Menschen zur "Knut-Show" mit Ziehvater Dörflein.

Für den Zoo ist Knut so eine Art Ein-Eisbär-Konjunkturmotor: Aus den vielfältigen Souvenirs, TV- und Filmrechten, Buch- und Werbelizenzen sowie an deutlich erhöhten Besucherzahlen entsteht ein Zusatzgewinn von rund sieben Millionen Euro. Eine Briefmarke im Wert von 55 Cent plus 25 Cent Zuschlag mit einer Auflage von 5 Millionen Stück ist nach wenigen Monaten im Jahr 2008 ausverkauft. Ganz nebenbei wird er zur Symbolfigur für den Kampf gegen den Klimawandel.

Die bekommen ein paar Pinguine, und das war's.

Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz über die Forderungen vom Zoo Neumünster

Markenstreit und Frauengeschichten

Außerhalb seines Geheges jedoch wird um den Marken-Bär hart gekämpft. Nach einem Streit vor Gericht, der mit einem Vergleich endet, erhält der Tierpark Neumünster vom Zoo Berlin für die ursprünglichen Besitzrechte an Knut 430.000 Euro. Und zwei Millionen Euro muss der Zoo an das Land Berlin zurückzahlen, weil der Rechnungshof vor dem Hintergrund der Knut-Einnahmen die Zuschüsse aus Steuermitteln als überhöht bewertet.

Knut – ganz Star – blieb davon unbeeindruckt: Er legte sich zwischenzeitlich lieber eine Freundin zu. Die hieß Gianna und blieb ein knappes Jahr beim Berliner Star-Eisbär, bevor sie in ihren Heimatzoo in der Münchener Provinz zurückzog. Nur einmal erleidet die Karriere einen Knick: Der Kinofilm "Knut und seine Freunde" (2008) floppte, nur rund 100.000 Menschen wollten den Streifen sehen.

Thomas Dörflein, Ziehvater des Eisbärenjungen Knut, schaut Knut im Zoo Berlin lächelnd beim Spielen zu (Bild dpa)

Verlust des Ziehvaters

Viel tragischer war dagegen der viel zu frühe Tod von Pfleger Dörflein im September 2008. Mit nur 44 Jahren stirbt Knuts Ziehvater an einem Herzinfakt. Die Anteilnahme ist groß, nicht nur in Berlin.

Danke, dass Du so ein großartiger und warmherziger Mensch warst.

Trauerschreiben am Knut-Gehege für Thomas Dörflein

Betroffene Menschen stellen tagelang immer neue Sträuße und Briefe in das Blumenmeer vor dem Nebeneingang des Zoos und vor Knuts Gehege. Auf den zahlreichen an Gitter und Absperrung befestigten Zetteln und Fotos steht immer wieder "Danke".

"Dörflein hatte so etwas wie eine Stellvertreter-Position für alle, die gern selbst mit dem kleinen Eisbären geknuddelt hätten", sagt Medienpsychologin Katrin Döveling und spricht gar vom "Diana-Effekt".

Bis 19. März 2011 hatten ihn mehr als elf Millionen Menschen besucht. Doch dann das tragische Ende: Knut wird tot im Gehege aufgefunden, sein lebloser Körper treibt im Wassergraben. Kurz darauf steht fest: Er starb an einer Virusinfektion im Gehirn.

Die Gefühle sind gewaltig, es ist wirklich zum Heulen.

Knut-Fans 2013 im Naturkundemuseum

Comeback nach Kälteschlaf

Anfang 2013 ist Knut wieder da, als Präparat im Berliner Naturkundemuseum.

Einige Fans sind gegen die Ausstellung: Sie wollen nicht, dass Knuts Totenruhe gestört wird. Und sie befürchten, dass auch mit dem toten Knut einfach nur Geld verdient werden soll - so wie einst mit dem lebenden.

Im Februar 2013 wird der "neue" Knut erstmals der Öffentlichkeit präsentiert: Lässig über einen Stein gebeugt, den unaufgeregten Blick in die Ferne gerichtet. 2014 soll er dann Teil der Dauerausstellung im Naturkundemuseum werden.

Knut in Bildern