Kaputter Dinosaurier im Spreepark im Plänterwald (Foto: dpa Bildfunk)
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Hintergrund - Kulti, Spreepark, Kokain

Der verlassene Spreepark am Plänterwald gehört zu den Stadtlegenden von Berlin. Gerüchteumwoben wie die Geschichte der Familie Witte, die den Park nach der Wende betrieb. Nach der Pleite an der Spree scheiterte auch ihr Neuanfang in Peru. Nach einer kurzen Rückkehr der Familie in den Park geht seine Geschichte heute ohne die Wittes weiter. Von Bettina Rehmann

In der ehemaligen DDR war der Vergnügungspark im Plänterwald als einziger seiner Art sehr populär – jährlich strömten mehr als eine Million Besucher in den "Kulti", den 1969 als VEB Kulturpark Berlin gegründeten Park. Nach der Wende übernahm die westdeutsche Schaustellerfamilie um Vater Norbert Witte den Park mit der Spreepark Berlin GmbH. Rechtlich verantwortlich: Norbert Wittes damalige Frau Pia Witte. An sie ging das Erbbaurecht, die Verfügung über die Fläche des 30 Hektar großen Areals, zunächst bis 2061.

Vom beliebten Vergnügungspark zur Pleite

In den 1990er Jahren wurden mit den Wittes als Betreiber wieder Besucherzahlen in Millionenhöhe erreicht. Die Familie investierte in neue Fahrgeschäfte, veränderte den Park landschaftlich, eine Wildwasserbahn kam hinzu, die Geschäfte liefen gut. Nach einigen Jahren kamen jedoch für den Betrieb des Parks Auflagen hinzu, der Landschaftsschutz wurde verschärft. Dadurch wurde die Zahl der Besucher beschränkt, es wurden weniger Parkplätze genehmigt.  Laut Familie Witte konnte so der Spreepark nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Es kam zu Streit mit dem Senat. Im Jahr 2001 wurde der Spreepark nach der Insolvenz geschlossen.

Scheitern in Lima – Rückkehr der Familie

2007 liefert die Geschichte von Vater und Sohn Stoff für die Berlinale-Doku "Achterbahn"Bild:

Familie Witte beschloss, Anfang 2002 mit einigen geleasten Fahrgeschäften auszuwandern, um in Perus Hauptstadt Lima einen Vergnügungspark aufzubauen. In den deutschen Medien ist von einer Flucht vor Schulden die Rede.

Der Aufbau des Luna Park in Lima verzögert sich, weil die Fahrgeschäfte vom peruanischen Zoll zunächst nicht freigegeben werden. Noch im selben Jahr zieht es Pia Witte zusammen mit ihren Töchtern zurück nach Berlin. Sohn Marcel und sein Vater bleiben in Peru. Der Betrieb des Luna Parks läuft nicht ohne Probleme. Norbert Witte leidet zudem an Herzproblemen.

Vater und Sohn in Haft

Ab diesem Zeitpunkt existieren viele Versionen der Geschichte. Sicher ist, Norbert Witte ließ sich mit den falschen Leuten ein, wohl, weil die Schulden in Peru drückten. Seinen damals 22jährigen Sohn Marcel bezog er ebenfalls mit ein. Der "Fliegende Teppich", eines der Fahrgeschäfte, sollte zur Reparatur zurück nach Deutschland geschifft werden. Die Hohlräume sollten dem Schmuggel einer großen Menge Kokain nach Europa dienen – für den Transport der Drogen sollte Geld fließen.

Noch bevor das Geschäft in Peru über die Bühne ging, reiste Norbert Witte für eine Herzoperation nach Deutschland, ließ Marcel in Lima zurück. Dort schlug dann das Schicksal zu. Am 5. November 2003 wurde Marcel zusammen mit weiteren Verdächtigen in Lima festgesetzt, einen Tag später verhaftete die deutsche Polizei Norbert Witte in Berlin. 167 Kilogramm Kokain waren sichergestellt worden. Das verhältnismäßig milde Urteil im Jahr 2004 lautet auf sieben Jahre Haft, die Norbert Witte nach drei Jahren bereits als Freigänger absitzt. Marcel wartete noch zwei Jahre auf sein Urteil, das schließlich 2006 auf 20 Jahre Haft lautete. Seine Haftstrafe wird im November 2023 enden, offiziell am 4.11.2023. Heute ist Marcel 33 Jahre alt und hat knapp ein Drittel seines Lebens hinter Gittern verbracht.

Rückkehr in den Spreepark 2011

Pia Witte arbeitete nach ihrer Rückkehr nach Berlin zunächst in der Gastronomie. Der Spreepark war seit 2002 geschlossen. Die Spreepark Berlin GmbH hatte Insolvenz angemeldet, Pia Witte ebenso, als Privatperson. 2011 kehrte sie zurück in den Spreepark oder was davon übrig geblieben war.

Sabrina und Pia Witte (Bild: rbb)
Sabrina und Pia Witte 2013 im Spreepark

Pia Witte belebte mit ihrer zweitältesten Tochter Sabrina den Spreepark wieder. Ihr neuer Lebensgefährte Gerd Emge, überwachte das Gelände mit seiner Sicherheitsfirma. Tochter Sabrina betrieb für eine Weile das Café Mythos im Park. Zudem fanden Führungen durch das Gelände statt, und für drei Euro konnte man mit einer kleinen Eisenbahn, die 2011 wiederbelebt wurde, eine Runde durch den Park drehen. Mit Norbert Witte - auch wenn dieser zur der Zeit in einem Wohnwagen im Park lebte - hatten die beiden schon damals nicht mehr viel zu tun.

Übernahme des Landes und geplanter Betrieb

Im Juli 2013 scheitert eine Zwangsversteigerung des Spreeparks. Das zuständige Finanzamt Treptow-Köpenick brach ab, nachdem die landeseigene Liegenschaftsfonds-Gesellschaft überboten worden war. Ziel war es offenbar, dass der Spreepark zurück an das Land Berlin geht - was vor rund anderthalb Jahren auch geschah: Der Park ging an den Liegenschaftsfonds, dessen Aufgaben seit dem 1. März 2015 das BIM übernimmt, und damit an das Land Berlin.

Richtig genutzt wurde das Gelände seit mehr als 14 Jahren nicht mehr. Von der BIM wird es im Rahmen der Zwischennutzung für Filmaufnahmen und Fotoshootings vermietet. Jahrelang gab es auch Führungen durch das Areal. Diese finden seit dem Eigentümerwechsel nicht mehr statt. Zum 1. Januar 2016 wird nun Grün Berlin GmbH den Park als Betreiber übernehmen. Dabei soll der Betrieb des Riesenrads gerettet werden, ein Vergnügungspark wie zu DDR-Zeiten soll hier aber nicht mehr entstehen. Die Wittes haben mit dem Spreepark nun nichts mehr zu tun.  

Beitrag von Bettina Rehmann