(Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
Bild: (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)

Advent, Advent - 21. Tür: Über den Wolken ...

Heute feiert Reinhard Mey seinen 75. Geburtstag. Seit einem halben Jahrhundert ist der gebürtige Berliner Balladen-Sänger in Deutschland und Frankreich erfolgreich. Von Ula Brunner

Er ist schon verdammt lange dabei. Seit Mey 1967 seine erste Single "Ich wollte wie Orpheus singen" herausbrachte, hat er mit seinen Alltagsballaden eine nachhaltige Karriere hingelegt. Die Lieder des gebürtigen Berliners gehören heute zum deutschen Kulturgut. "Der Mörder ist immer der Gärtner" oder "Über den Wolken" – wenigstens den Refrain dieser Ohrwürmer können die meisten mitsummen. Mal nachdenklich, mal ironisch, schlagen sie wohl den richtigen Ton an für die vorsichtigen Ausbruchsfantasien der Mittelschicht: meinungsstark, aber nicht subversiv, nicht gefällig, aber auch nicht wirklich gefährlich.   

Sänger Reinhard Mey, circa 1974 (Quelle: Imago/KPA)
1974: in Deutschland und Frankreich erfolgreichBild: imago/KPA

Reinhard Friedrich Michael Mey wird 1942 in ein bürgerlich-liberales Elternhaus in Berlin-Wilmersdorf hineingeboren. Der Vater ist Rechtsanwalt, die Mutter Lehrerin. "Ich muss es einfach sagen, von Herzen, dass ich nie einen Generationskonflikt mit meinen Eltern gehabt habe", meint Mey später einmal in einem Interview. Er besucht das Französische Gymnasium in Berlin, zu seinen Klassenkameraden gehören der spätere Weggenosse Ulrich Roski und die Politologin Gesine Schwan. Die Eltern unterstützen die musikalischen Ambitionen des Sohnes, der mit fünfzehn seine erste Band, die Rotten Radish Skiffle Guys gründet, nach dem Abitur aber auf Nummer sicher geht und eine solide Berufsausbildung als Industriekaufmann hinter sich bringt.

Reinhard Mey mit seiner Sportmaschine 1982 (Quelle: dpa/Ossinger)
1982: der passionierte Hobbyflieger mit seiner SportmaschineBild: dpa/Ossinger

Ankomme, Freitag den 13.

Doch die Kaufmannslehre wäre gar nicht nötig gewesen, denn mit seiner Liedermacher-Karriere geht es Schlag um Schlag: 1964 tritt er mit Gitarre und selbstgeschriebenen Chansons beim Folklore Festival auf Burg Waldeck im Hunsrück auf. Ein Jahr später veröffentlicht er seine erste Single, 1967 folgt der erste Plattenvertrag. Vor allem im Nachbarland Frankreich, wo er unter dem Pseudonym Frédéric Mey bekannt wird, ist Mey sehr beliebt. Dank des Berliner Gymnasiums akzentfrei französisch singend, wird der Brassens-Fan in der Pariser Olympia-Halle gefeiert. Doch spätestens seit der zweiten LP 1969 "Ankomme, Freitag, den 13." feiert man ihn auch in Deutschland.

Reinhard Mey mit seinem Sohn Max (Quelle: dpa/Ossinger)
1982: Reinhard Mey hält seinen Sohn Max im ArmBild: dpa/Ossinger

Lieder zwischen Weh- und Übermut

Seine Stoffe, seinen Sound hat er früh gefunden. All seine Lieder sind im besten Sinne poetische Allerweltsgeschichten. Zwischen Weh- und Übermut, voller Klarheit und Schmelz kreisen sie um Liebe, Freundschaft, Sehnsucht, Wut. Mey erzählt von dem, was er beobachtet, was ihm begegnet, was er kennt. Ohne Scheu lässt er Privates einfließen: "Mein Berlin" widmet er seiner Heimatstadt, in der er bis heute mit seiner zweiten Frau Hella lebt. Er singt über das Familienleben und verabschiedet sich in "Dann mach's gut" von seinem 2014 verstorbenen Sohn Maximilan.

Reinhard Mey in Siegen 2014, "Dann mach's gut"-Tournee (Quelle: Imago/Rene Traut)
2014 in Siegen bei seiner "Dann mach's gut"-TourBild: Imago/Rene Traut

Zwar bezieht der überzeugte Pazifist und aktive Tierschützer in Songs wie "Nein, meine Söhne geb' ich nicht"oder "Die Würde des Schweins ist unantastbar" durchaus auch politisch Position. Doch vielen ist der Liedermacher Mey im Vergleich zu seinem klassenkämpferischen Kollegen Wolf Biermann oder seinem Weggefährten Hannes Wader zu brav, zu wenig wandlungsfähig.  

Wir gratulieren zum Geburtstag

Aber allen Kritiken zum Trotz – langfristig hat sich das Beharren auf dem ganz eigenen Stil wohl für ihn ausgezahlt. Der "Klassensprecher der Rebellen", wie ihn Richard David Precht vor Jahren in der "Welt" bezeichnete, überlebt die Schlagerwelle der Siebzigerjahre, die Neue Deutsche Welle in den Achtzigern und zählt bis heute zu den erfolgreichsten deutschen Liedermachern.

Der Familienvater und Hobbyflieger ist in aller Ruhe mit seinen Fans alt geworden: keine Skandale, keine Extravaganzen, keine Durchhänger. Auch wenn er für viele nicht wild genug, zu wenig unangepasst, zu wenig wandelbar ist – er hat wohl alles, was man zum Überleben in der Branche braucht. Nicht zuletzt viel Talent und Stehvermögen. Heute wird Reinhard Mey 75 Jahre alt. Wir gratulieren!

Reinhard Mey im radioBERLIN Studio; Foto: Peter Rauh
2016: Reinhard Mey zu Besuch bei RadioBerlin Bild: Foto: Peter Rauh

Übersichtskarten

Montage: Karte von Berlin Brandenburg vor einem Foto des Weihnachtsmarkt auf dem Altmarkt in Cottbus (Quelle: dpa/Frank Molter, Grafik: rbb)
dpa/Frank Molter, Grafik: rbb

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Gebrannte Mandeln, Glühwein und Dean Martin aus dem Lautsprecher: In Berlin haben am Montag die meisten der über 80 Weihnachtsmärkte geöffnet, in Brandenburg gibt es unzählige große und kleine Märkte im Advent. Unsere Übersicht mit einer Auswahl.

Beitrag von Ula Brunner

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    DANKE... für die vielen wunderbaren Lieder !

  2. 1.

    weiter so Herr Mey