Plattenbauten von Marzahn hinter IGA-Palmen (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Video: Abendschau | 10.04.2017 | Heike Boldt-Schüler | Bild: dpa/Britta Pedersen

Gartenschau eröffnet Gründonnerstag - Die IGA bringt Marzahn auf die Palme

Blümchen im Häusermeer: Marzahn-Hellersdorf ist im nächsten Jahr die grüne Lunge an Berlins Stadtrand - und soll mit der IGA der Verdichtung der Stadt entgegen blühen. Zu sehen gibt es dabei allerhand: nicht nur unzählige Blumen und Pflanzen.

Lange wurde gebaut, gepflanzt und gebuddelt, jetzt geht es endlich los: Ab Gründonnerstag läuft im Stadtteil Marzahn die Internationale Gartenausstellung (IGA). Eine besondere Attraktion wird die Gondel sein, die über das Gelände surrt. Die Fahrten sind im Eintrittspreis in unbegrenzter Zahl enthalten. Das sich satt sehen an Palmen natürlich auch.

Die sechs künstlichen Strandgewächse stehen im "Los Angeles Garden" und wurden vom Berliner Künstler Martin Kaltwasser gestaltet. Doch das Strandfeeling muss vorerst bei eher sibirisch anmutendem Wetter genossen werden. Über zwölf Grad wird das Quecksilber des Thermometers vorerst nicht klettern. Für den Eröffnungstag sind außerdem Sturmböen und Regenschauer vorhergesagt.

Dem Aprilwetter trotzen wird auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Gartenausstellung eröffnet.

Vor 30 Jahren gab es hier die "Berliner Gartenschau"

Die Gärten der Welt, vor 30 Jahren noch zu Ost-Zeiten als "Berliner Gartenschau" angelegt, sind integriert, den angrenzenden Kienberg und einen Teil des Wuhletals haben die Veranstalter der landeseigenen Grün Berlin GmbH für die IGA im Laufe der vergangenen Monate in eine gigantische Parklandschaft verwandelt. Knapp 100 Millionen Euro hat das gekostet, das Land Berlin zahlt davon ein Zehntel.

Das Berliner IGA-Gelände befindet sich im Bezirk Marzahn-Hellersdorf und erstreckt sich, rund um den Kienberg, in den bereits bestehenden"Gärten der Welt". Wer das rund 100 Hektar große Areal nicht zu Fuß erkunden will, kann das unbegrenzt von der Seilbahn aus tun. Die Linie mit einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern führt von der U-Bahnstation Kienberg (ehemals Neue Grottkauer Straße) über den Kienberg, auch Hellerdorfer Berg genannt, bis zum Blumberger Damm. Die Bahn wird mit ihren 64 Gondeln 3.000 Menschen pro Stunde transportieren – in eine Richtung.

Land Berlin hofft auf 30 Millionen Euro Einnahmen

Wenn es nach dem Senat geht, sollen mehr als zwei Millionen Menschen die IGA bis zum 15. Oktober besuchen, das wären mehr als 10.000 pro Tag. Damit will das Land Berlin rund 30 Millionen Euro einnehmen. Doch ob das klappt, muss sich erst noch zeigen: Die vergangenen zwei großen Gartenschauen in Deutschland waren Flops. Nach Hamburg kamen 2013 viel weniger Besucher, als erwartet. Auch die BUGA in der Havelregion im vergangenen Jahr lief bescheiden. Am Ende blieb jeweils ein zweistelliger Millionenverlust.
Das IGA-Gelände soll aber auch Kontra-Punkt gegen die wachsende Verdichtung Berlins sein. Die Hauptstadt setzt auf Modellcharakter. Vor allen die Seilbahn soll als Modellprojekt auch für andere Großsiedlungen erhalten bleiben. "Berlin wird durch die IGA lebenswerter", so Umweltsenatorin Regine Günther.

Übersichtsplan des IGA -Geländes (Quelle: IGA Berlin)

Programm auf der IGA

Während der IGA gibt es zahlreiche Konzerte und andere Sonderveranstaltungen. Den Organisatoren zufolge wird schon gleich zur Eröffnung der IGA zwei Tage lang auch das traditionelle Kirschblütenfest in den "Gärten der Welt" gefeiert.

Im neu gebauten Amphitheater mit 5.000 Plätzen werden verschiedenste Konzerte und Shows stattfinden. So soll Eckart von Hirschhausen die Gala "Die Kunst des Lachens" moderieren, zudem werden 100 Jugendliche aus Marzahn-Hellersdorf zusammen mit dem Regisseur Christoph Hagel die "Carmina Burana" auf die Bühne bringen – mit Hip-Hop, Breakdance, Graffiti und Bodypainting.

Außerdem sind Tanz- und Yoga-Veranstaltungen geplant. Im Rahmen des Internationalen DeutschenTurnfestes werden Spitzenturner auftreten, hinzukommen zahlreiche Lesungen, Veranstaltungen und Kongresse. Auch eine Tagung des Verbandes Deutscher Seilbahnen soll auf dem Gelände stattfinden - schließlich hat die IGA ja auch eine eigene Seilbahn.

Schon jetzt gibt es Parkplatz-Probleme

Ob die IGA tatsächlich ein Besuchermagnet wird, muss sich jetzt herausstellen, doch bereits im vergangenen Oktober war der Andrang groß: Rund 15.000 Menschen besichtigten damals die Baustelle und feierten ein Herbstfest.

Jetzt kann es also losgehen - doch nicht nur das Wette rist nicht eitel Sonnenschein. Denn im dicht besiedelten Marzahn-Hellerdorf fehlen schon jetzt jede Menge Parkplätze. Die vorhandene Parkzone erlaubt lediglich zweistündiges Parken, und der offizielle IGA-Parkplatz liegt jenseits der Stadtgrenze in Brandenburg. Weil es keine anderen Flächen gab, befindet er sich anderthalb Kilometer von der IGA entfernt. Parken plus Bus-Shuttle wird hier 7 Euro kosten. Wer es weniger aufwendig und ohne Auto mag, fährt mit der U5 bis zur Station Kienberg. Vom U-Bahnhof Alexanderplatz braucht man etwa 30 Minuten.

Das Tagesticket kostet 20 Euro. Eine normale Dauerkarte, die 186 Tage gültig ist, gibt es für 90 Euro. Der Verkauf läuft.

Im Zeitraffer über die IGA

IGA Berlin 2017: Seilbahn; © Dominik Butzmann
IGA Berlin

   

Ein Projekt mit Zukunft

Ab Oktober sollen die Attraktionen der IGA, wie zum Beispiel das reetgedeckte Cottage mit Rosengarten, die Promenade mit Wasserspielen und das Restaurant auf dem Kienberg, den Bezirk Marzahn-Hellersdorf weiter aufwärten. Wer dann die "Gärten der Welt" besuchen will, muss Eintritt zahlen, wie schon vor der IGA. Dagegen werden der neu gestaltete "Kienbergpark", der Kienberg selbst und das Wuhletal nach dem IGA-Rückbau kostenlos zugänglich sein.

Oben auf dem Hügel steht in 140 Metern Höhe eine auf Pfählen schwebende Aussichtsplattform. Durch Pappel-Schneisen geht der Blick bis zum Fernsehturm, den Müggelbergen und dem Teufelsberg. Auch die Seilbahn soll mindestens bis 2021 über dem Gelände surren - mit Option auf weitere 20 Jahre.

Service-Informationen zur IGA 2017

  • Termin

  • Was es zu sehen gibt

  • Preise

  • Öffnungszeiten

  • Eingänge

  • Anfahrt

  • Rundfunk Berlin-Brandenburg

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ich bin der Meinung, dass die Attraktionen den Bezirk Marzahn-Hellersdorf weiter "aufwerten" sollen.
    Auch die deutsche Sprach- und Schreibkultur bleibt weiter ein Projekt mit Zukunft...

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