Blumen blühen an einem Gartenzaun in Berlin. (Quelle: dpa/Maurizio Gambarini)
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"Gartennachbarn" der IGA - Grüße über den Gartenzaun

Während der IGA stellen sich auch die Nachbargemeinden der Gartenausstellung vor - von Altlandsberg bis Hoppegarten. Unter anderem kann man dabei bedeutende Denkmäler des Gartenbaus entdecken. "Gartennachbarn" heißt das IGA-Kooperationsprojekt. Von Anne Schmidt

Vom neu geschaffenen Aussichtspunkt der IGA, dem Wolkenhain, kann man alle "Gartennachbar-Gemeinden" erkennen: Rüdersdorf mit seinem Kalksteintagebau und dem Zementwerk, Altlandsberg mit seinen historischen Stadttürmen oder Neuenhagen mit seinem ungewöhnlichen Rathausbau. Weit ist es also nicht von der IGA aus ins Brandenburger Umland. Deshalb lässt sich eine "Tour de Garten" auch wunderbar mit dem Rad unternehmen.

Das Brennhaus in Altlandsberg

Nach Altlandsberg locken die gut erhaltene Altstadt der ehemaligen Ackerbürgergemeinde vor den Toren Berlins und das barocke Schlossgut. Der ehemalige Gutshof dort wird seit mehreren Jahren Schritt für Schritt restauriert. Letztes Jahr wurde die Barock-Kirche als Konzert- und Festhalle wiedereröffnet. Besucher können sich vom ehrenamtlichen Nachwächter der Stadt, Horst Hildebrand, über das Gut führen lassen.

Seine Tour beginnt Hildebrand meist in einem zweistöckigen, länglichen Ziegelbau: dem ehemaligen Brau- und Brennhaus: "Wir brennen unseren Schnaps selbst und wir brauen unser Bier selbst, vier Sorten – und deswegen duftet es hier so angenehm." Dazu kommen noch die Wohlgerüche aus der Küche: Seit seinem Wiederaufbau ist das Brau- und Brennhaus ein Restaurant, in dem nicht nur die Altlandsberger Hochzeiten und andere Feste gefeiert werden.

Schlossgut Altandsberg im Landkreis Märkisch-Oderland (Quelle: rbb/Anne Schmidt)
Schlossgut AltlandsbergBild: rbb

Neben dem Brau- und Brennhaus liegt der ehemalige Lustgarten. Allerdings ist dieser über 300 Jahre alte Garten bisher nicht wiederzuerkennen: Der Fund eines umfangreichen Münzschatzes auf dem Hof des Schlossguts hat sämtliche Bau- und Rekonstruktionsarbeiten stark verzögert. "Da kann man nichtts machen", schmunzelt Rene Koth, technischer Geschäftsführer der Schlossgut GmbH . "Aber wir haben aus der Not eine Tugend gemacht und die Archäologen gebeten, alles für uns aufzuschreiben. Daraus sind Tafeln entstanden, auf denen beschrieben ist, was man wo sieht. Welche Mauerreste wohin gehören oder welche Bedeutung die Mauer früher hatte, all das ist jetzt also in einem Parcours 'zum Selbsterlaufen' dargestellt."

Zusätzlich informiert ein Faltblatt darüber, wo der Baggerfahrer Sven Hagen im November 2016 den Münzschatz gefunden hat, und warum der so bedeutsam für die Forscher ist. Bis zum Sommer laufen die Bauarbeiten noch.

Rüdersdorf mit seinem ehemaligen Tagebaugelände

In der Bergbaugemeinde Rüdersdorf ist vor allem der Museumspark für IGA-Besucher interessant. Auf dem ehemaligen Tagebaugelände werden verschiedene Ausstellungen zur Geologie, zur Geschichte des Kalksteinabbaus oder des Bergbaus präsentiert. Mit einer geführten Jeep-Safari können Besucher auch den aktiven Teil des Tagebaus besichtigen oder Fossilienwanderungen unternehmen.

Christian Schulz ist einer der Guides, die Besucher im Museumspark herumführen. Er weist auf eine biologische Besonderheit hin: "Die Kalksteinformationen und die alten Industriegebäude hier im Park sind wichtige Winterquartiere für verschiedene Fledermausarten." Die Fledermausforschung hat seit rund 80 Jahren in Rüdersdorf Tradition. Solange werden die Bestände beobachtet und regelmäßig gezählt: "Jetzt im April sind die Fledermäuse wieder aktiv. Sobald Insekten unterwegs sind, fliegen sie aus und suchen sich Nisthöhlen für den Sommer, um ihre Jungen aufzuziehen."

Beliebter Drehort für internationale Filme

Im hinteren Teil des Museumsparks steht ein ganz besonderes technisches Denkmal: die sogenannte Schachtofen-Batterie. Ein Anlage aus dem 19. Jahrhundert, in der – baulich mehrfach verändert – bis in die 1960er-Jahre Brandkalk zur Zementherstellung weiterverarbeitet wurde.

Die Schachtofen-Batterie wurde und wird immer wieder als Filmkulisse genutzt, oft in Kombination mit den Hallen der ehemaligen Chemiefabrik, die sich außerhalb des Museumsparks hinter den Schachtöfen erstreckt, erzählt Christian Schulz. Zuletzt waren die Schachtöfen in George Clooneys "Monuments Men" zu sehen und in "Enemy at the Gates": In dem Film über die Schlacht um Stalingrad waren die Brennöfen Teil des umkämpften Güterbahnhofs der Stadt.

Gutshof in Fredersdorf (Quelle: rbb/Anne Schmidt)Gutshof in Fredersdorf mit Taubenturm

Der Gutshof und der Taubenturm von Fredersdorf-Vogelsdorf

In der Doppelgemeinde ist vor allem der ehemalige Gutshof im Dorfkern von Fredersdorf einen Besuch wert. Direkt neben dem Friedhof mit der Barockkapelle und dem Barockmausoleum der Industriellen-Familie von Bollensdorf gelegen, vermittelt die Anlage einen Eindruck von dem Dorfleben, wie es über Jahrhunderte vor den Toren Berlin üblich war. Von dem großzügigen Vier-Seiten-Hof stehen heute noch drei Gebäude: der ehemalige Viehstall, das Brau- und Brennhaus und – typisch für die Gutshöfe der Gegend – der gemauerte Taubenturm in der Hofmitte.

Der Taubenturm sei heute eines der kleinsten Museen Brandenburgs, erzählt Hannelore Cordt, die Vorsitzende des Heimatvereins Fredersdorf-Vogelsdorf. Im Obergeschoss sind landwirtschaftliche Geräte ausgestellt, unten gibt es wechselnde Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen. Auch wenn die übrigen Gebäude noch nicht rekonstruiert sind, ist aus den Wiesen um den Taubenturm ein kleiner, aber Ruhe ausstrahlender Park geworden: mit Bänken und kleinen Beeten, in denen im Sommer Bauerngartenblumen blühen sollen. Für die Zeit der IGA haben Hannelore Cordt und ihre Mitstreiter ein Konzertprogamm organisiert, mit Ensembles aus dem Ort bzw. aus der Umgebung.

Blick auf Schloss Treskow im Lenné-Park Dahlwitz (Quelle: rbb/Anne Schmidt)Blick auf Schloss Treskow

Der Lenné-Park in Dahlwitz

Natürlich haben Hoppegarten und Neuenhagen allein schon mit ihren Galopp-Rennbahnen und der Trainierbahn aus der Kaiserzeit wunderschöne Grünanlagen zu bieten. Allerdings sind sie in der Saison wegen des Rennbetriebs – und der hat gerade begonnen – nicht zu jeder Tageszeit zugänglich. Für solche Fälle wartet etwas abseits gelegen ein kleiner Geheimtipp auf Besucher: der Lenné-Park in Dahlwitz, einem Ortsteil von Hoppegarten. Rund um das Herrenhaus, das pünktlich zum IGA-Jahr eine neue Fassade bekommen hat, erstreckt sich ein schmaler aber abwechslungsreicher Landschaftspark, Ende des 18. Jahrhunderts gestaltet von Peter Josef Lenné.

Der Park erstreckt sich entlang der Erpe, einem kleinen Bach, der das Neuenhagener Mühlenfließ speist und in die Spree mündet. Im April zeigen sich an den Bäumen die ersten zarten Blätter und aus dem Boden sprießen Grasbüschel, Veilchen und Anemonen. Nachmittags sind hier vor allem die Anwohner unterwegs. Doch auch bei Wanderern und Tagesausflüglern ist der Lenné-Park beliebt: Folgt man den Wegen entlang der Erpe, geht er übergangslos in das Naturschutzgebiet Neuenhagener Mühlenfließ über. Von dort aus kann man im Grünen bis nach Berlin wandern oder mit dem Rad fahren.

Beitrag von Anne Schmidt

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