Philipp Wodora vom IP Garten bei der Ernte (Quelle: IP Garten)
Audio: Radio Eins | 29.08.2017 | Nancy Fischer | Bild: IP Garten

"IPGarten" auf der IGA - Online-Garten - digital gesteuert und analog bewirtschaftet

In den Urlaub fahren und trotzdem vertrocknet das Gemüse nicht – ein Online-Garten macht es möglich. Auf der IGA in Berlin stellen die Macher ihr Projekt vor. Ihre Mission: Krummes Gemüse an die Macht!

Die Sonne geht langsam unter, ein Licht geht an und wie von Zauberhand schießt plötzlich ein Wasserstrahl im Zickzack über die Tomatenpflanzen. Der Gartenbesitzer sitzt bestenfalls zu Hause auf der Couch und gönnt sich ein Kaltgetränk zum Feierabend.

Sonnenuntergang, Sprenkleraufgang (Quelle: IP Garten)
Sonmnenuntergang in Warnau: 16 Quadratmeter Acker kosten einen Euro am Tag. | Bild: IP Garten

Beobachten und steuern, was da in seinem Garten von statten geht, kann er ganz bequem via Smartphone oder Tablet, denn im Beet steht ein Mast mit Kamera, der den Pflanzen sprichwörtlich beim Wachsen zuguckt. Der Mast kann aber noch mehr: Er beherbergt einen Mini-Computer, der einen Sprenkler im Beet steuert. Mittels Knopfdruck lassen sich die Magnetventile am Sprenkler öffnen – und zack: Die Pflanze wird gegossen.

Der IP Garten in Warnau, Sachsen-Anhalt mit Überwachungskameras (Quelle: IP Garten)
Das Feld in Warnau samt Kameramast | Bild: IP Garten

Gestuert wird von der Couch, gewachsen in Sachsen-Anhalt

So funktioniert Gärtnern heute, zumindest wenn es nach den Machern von "IPGarten" in Schöneberg in der alten Malzfabrik geht, die sich das System ausgedacht haben. Ein Stückchen "IPGarten" kostet den Sofagärtner zu Hause etwas mehr als einen Euro am Tag und ist 16 Quadratmeter groß. Dieses Jahr stehen auf der Hälfte des pachtbaren Ackers drei Kartoffelsorten, Knoblauch, Zwiebeln, Kohl, Blumen und diverse Kräuter. Auf den anderen acht Quadratmetern kann jeder Gärtner selbst bestimmen, was wächst.

Der Kameramast ist 24h im Einsatz (Quelle: IP Garten)
Der Sendemast mit Kameras hat alles 24 Stunden im Blick. | Bild: IP Garten

Das Onlinegärtnern soll für jeden sein: Privatpersonen, Bürogemeinschaften, Schulen. Geerntet wird dann – ganz analog – einmal wöchentlich immer mittwochs. Einen Tag später gibt es das Erntegut in der Gemüseausgabestation in der Malzfabrik. Jeder Hobbybauer kann dort sein digital bewässertes, quasi selbst Gezogenes abholen. Gegen einen Aufpreis wird nach Hause geliefert. Auf die Idee zum digitalen Gärtnern kam "IPGarten"-Geschäftsführer Martin Kruszka, denn er hatte ein Problem: Er besaß ein Stück Acker, 90 Kilometer von Berlin entfernt in Warnau (Sachsen-Anhalt) und hatte  nicht genug Zeit, immer gießen zu fahren.

Krummes Gemüse kriegt hier eine Chance (Quelle: IP Garten)
Ein Zuhause für krumme Möhrchen und schiefe Gurken | Bild: IP Garten

Für krummes Gemüse und regionalen Austausch

Nach langer Recherche im Netz, was Bewässerungssysteme angeht, inspirierte ihn das Onlinegame "Farmville", bei dem der Spieler per Mausklick zum Bauer wird – nur eben in einer digitalen Welt. Mit seiner Idee steckte er seinen künftigen Mitgärtner Philipp Wodara an, der gelangweilt von seiner Fünf-Tage-Bürowoche war und gerade das Arbeiten mit den eigenen Händen als Tischler für sich entdeckte. "Es ist großartig zu sehen, wie es in der heutigen Zeit möglich ist in die Landwirtschaft völlig quer einzusteigen", schwärmt er. Nun beackert Gründer Kruszka und sein Team das Stückchen Land in Warnau für Sofagärtner als "IPGarten".

"Spielend gärtnern und wirklich satt werden" ist das Motto der digital-analogen Gärtner des "IPGarten". Sie wollen der allgemeinen Entfremdung im Lebensmittelsektor etwas aktiv entgegensetzen, transparent und ökologisch produzieren und so künftig regionalen Kleinbauern eine zusätzliche Existenzsicherung liefern. Damit wollen sie auch dafür sorgen, dass "krummes und schiefes Gemüse mit Freude gegessen wird", erzählt der 33-jährige Philipp Wodara. Das Gute sei, dass die Leute über den IP Garten auch in einer Großstadt wie Berlin längst verlorenes Wissen und Fähigkeiten wieder erlangen können – trotz wenig Zeit und wenig Fläche. Auf einen Schrebergarten warte man in Berlin wohl fünf bis sieben Jahre, erzählt er. Auch das Gespräch über den Gartenzaun komme nicht zu kurz: Online und bei der Gemüeabholung kämen die Sofagärtner ins Gerspräch und letztlich finde auch der ein oder andere Gemüseaustausch statt. In den nächsten Jahren soll es bei "IPGarten" auch einen Tutor geben, der gezielt Garten- und Lebensmittelwissen weitergibt.

mit Informationen von Nancy Fischer

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