Gondeln der Seilbahn schweben in Berlin während einer Probefahrt über die Baustelle der Internationalen Gartenausstellung (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
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Video: rbb|24 | 07.04.2017 | Zeitraffer-Fahrt über das IGA-Gelände | Bild: dpa/Britta Pedersen

Interview | Michael Tanzer Leitner Seilbahn GmbH - Seilbahn-Expertise aus den Alpen importiert

Die Stadtteile Hellersdorf und Marzahn gehören zwar als Bezirk zusammen, aber die Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln beschränkt sich auf Bus- und Tramlinien. Mit dem Start der IGA wird das anders. Dann verbindet sie eine Seilbahn - mindestens bis 2033.

Michael Tanzer ist Geschäftsführer der Leitner Seilbahn Berlin GmbH. Diese Gesellschaft wurde eigens für die Seilbahn auf der IGA gegründet. Am Freitag ist die Seilbahn zur Probe bereits gefahren. Im Gespräch mit rbb|24 berichtet Tanzer, warum Experten extra aus Südtirol nach Berlin kommen mussten, um Seilbahn-Know-how an die Spree zu bringen.  

Man hört Ihnen an, dass Sie nicht aus Berlin stammen. Wo kommen Sie her? Und von wo bringen Sie ihre Seilbahn-Kenntnisse mit?

Die Firma Leitner ist beheimatet in Südtirol, und ich bin in einer anderen Tochtergesellschaft in Tirol beheimatet, jetzt auch verantwortlich für den Standort in Berlin.

Sind sie während der gesamten IGA-Zeit in Berlin?

Nein, ich bin nur regelmäßiger Besucher hier, vor allem war ich das auch in der Bauphase. Ich werde jetzt natürlich drei bis vier Mal im Monat hier am IGA-Gelände sein. Wir haben Mitarbeiter eigens engagiert für dieses Seilbahnprojekt und haben das große Glück gehabt, dass wir den Großteil der Mitarbeiter aus Berliner Arbeitskräften rekrutieren konnten. Wir haben 20 Mitarbeiter, der Großteil aus Berlin. Wir haben nur drei Betriebsleiter und einen Seilbahn-Experten, die wir von den Alpen mitgebracht haben.

Michael Tanzer ist Geschäftsführer Leitner Seilbahn Berlin GmbH, die die Seilbahn auf der IGA betreibt (Quelle: rbb|24)
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Haben die Alpenmitarbeiter die Berliner geschult?

Richtig. Das war ein Technologietransfer von den Alpen nach Berlin. Unsere Betriebsleiter und Techniker haben die Berliner Mitarbeiter, die zukünftig die Seilbahn betreiben werden, eingeschult mit den ganzen Sicherheiten, Technik und alles, was dazu nötig ist, eine Seilbahn zu betreiben.

Und was muss man ganz praktisch machen, um eine Seilbahn fahren zu lassen? Knöpfe drücken, ein Lenkrad bedienen?

Man hat einfach nur darauf zu achten, dass die Fahrgäste an den Ein-und Ausstiegen entsprechend ein- und aussteigen, dass es sicher vonstatten geht und dass es kein Gedränge gibt. Auch Kindergruppen sollten nicht alleine unterwegs sein, sondern nur in Begleitung von Erwachsenen. Das muss man überprüfen. Wenn Rollstuhlfahrer zur Seilbahn kommen, muss die Seilbahn ein bisschen verzögert werden, damit das Ein- und Austreten aus der Kabine erleichtert wird. Aber das Große steckt in der Technik und da müssen die Mitarbeiter natürlich geschult werden, damit keine Fehlermeldung von der Seilbahn angezeigt wird. Sie müssen, wenn es eine Fehlermeldung gibt, diese richtig interpretieren und dann die richtigen Schlüsse daraus ziehen, um die Störung zu beheben.

Wie lange geht eine Schicht eines Seilbahn-Mitarbeiters?

Wir arbeiten in zwei Schichten. Die IGA öffnet um 9 Uhr und hat offen so lange Tageslicht herrscht. Von 9 Uhr morgens bis mitunter 10 Uhr abends wird die Seilbahn geöffnet haben. Wir arbeiten im Zwei-Schicht-Betrieb. Das heißt, wir werden um 15 Uhr die Mannschaft tauschen.

Wo haben Sie noch Seilbahnen in der Welt errichtet, außer in Berlin?

Wir haben rund um den Globus Seilbahnen, von Hongkong über China, Russland, Südamerika, Sao Paulo, in New York haben wir eine errichtet, und dann haben wir natürlich die ganzen Gebirge, die mit Skigebieten übersät sind, Nordamerika und der Alpenraum. Wir haben 3.200 Mitarbeiter, die jedes Jahr damit beschäftigt sind 70 bis 80 neue Seilbahnen zu installieren.

Bleiben die drei Experten, die Sie aus den Alpen mitgebracht haben in Berlin?

Wir haben einen Mitarbeiter temporär hier als Unterstützung und zwei werden hierbleiben und für die Führung der Seilbahn verantwortlich sein.

Wird die Seilbahn auch nach der IGA in Berlin weiter betrieben?

Wenn Sie sehen, was für Geld wir in die Hand genommen haben, um die Stationen auch architektonisch aufzustellen, dann können Sie davon ausgehen, dass unser Ziel ist, auch nach der IGA hier in Berlin die Seilbahn zu betreiben. Wir haben eine Konzession bis 2033, d.h., wir haben den Grund von der Stadt Berlin bis 2033 gemietet und können so lange unsere Seilbahn betreiben. Es gibt eine Ausstiegsklausel, sollte der wirtschaftliche Erfolg - von dem wir nicht ausgehen – nicht eintreffen, dann hätten wir die Möglichkeit nach drei Jahren aus diesem Vertrag auszusteigen.

Als Sie gehört haben, dass Berlin jetzt auch eine Seilbahn haben will, haben Sie am Verstand der Berliner gezweifelt?

Gar nicht. Es war eine kleine Verwunderung, aber wir haben schon sehr viele Seilbahnen in Städten gebaut, wie in Südamerika oder auch Ankara. Das war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich die erste mitteleuropäische Metropole dazu entschließt. Umso schöner ist es für uns, dass wir auch in Berlin die Kompetenz einer Seilbahn im privaten Personenverkehr präsentieren können.

Das Gespräch führten Anke Fink und Tim Schwiesau (rbb|24)

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