Eine Postkarte der Berliner Gartenschau (Quelle: Stadtgartenamt/ Ulrich Reinheckel)
Bild: Stadtgartenamt/ Ulrich Reinheckel

Interview zur "Berliner Gartenschau" 1987 - "Zu Fuß mit Schubkarre und Hacke"

Auf dem Gelände der "Gärten der Welt" hat am Donnerstag die IGA eröffnet. Der Park wurde schon im Jahr 1985 für die "Berliner Gartenschau" der DDR angelegt. Von den eher widrigen Umständen erzählt der einstige Park-Leiter Ulrich Reinheckel im Interview.

rbb: Herr Reinheckel, am 9. Mai 1987 eröffnete die DDR im Marzahner Plattenbaugebiet nach sehr kurzer Bauzeit die "Berliner Gartenschau". Was war der Hintergrund?

Reinheckel: Regelmäßige Gartenschauen waren in der ehemaligen DDR keine gängige Praxis. Doch anlässlich des 750-Jahre-Jubiläums der Stadt Berlin wollte die politische Führung eine Attraktion schaffen und beschloss im Jahr 1985, kurzfristig eine Gartenschau in der Hauptstadt zu organisieren. Sicher spielte auch eine Rolle, dass im selben Jahr im Westteil der Stadt eine Gartenschau stattgefunden hatte – nämlich die Bundesgartenschau in Britz.

Der Park für die "Berliner Gartenschau" wurde innerhalb von nicht einmal zwei Jahren aus den Feldern vor Marzahn gestampft. Wie liefen diese Vorbereitungen?

Das Problem war, dass die Mittel für eine solche Gartenschau nirgendwo eingeplant waren. Es gab in der DDR ja immer 5-Jahres-Pläne, in denen Dinge wie Wohnungsbau, Versorgung der Bevölkerung und andere Ausgaben bilanziert waren – die "Berliner Gartenschau" war darin nicht vorgesehen. Es gab also erstmal kein Geld.

Der Stadtgartendirektor vom Magistrat, Gottfried Funeck, bekam den Auftrag, die Gartenschau mit den Kollegen vom Stadtgartenamt zu planen. Ich kam im Herbst 1986 zunächst als Bauleiter dazu. Innerhalb einer sehr kurze Bauzeit entstand dann der 21 Hektar große Park, der am 9. Mai 1987 eröffnet wurde. Er war jedoch nicht nur auf die einjährige Gartenschau angelegt, sondern sollte auch ein Erholungsgebiet für die drumherum entstandenen Großsiedlungen sein.

Wie sah es denn drumherum aus?

Die Bezirke Marzahn und Hellersdorf hatten sich in den 70er und 80er Jahren gerade erst entwickelt – aus den ehemaligen Dörfern vor Berlin.  Auf freier Landschaft waren die typischen Plattenbausiedlungen entstanden. Durch das spätere Gartenschau-Gelände verliefen jedoch zwei Hochspannungsmäste, die wohl verhindert haben, dass auch dort gebaut wurde. Der Kienberg, der heute auch zur IGA gehört, ist einer von drei Bergen, die durch Bauschutt aus der Stadt entstanden sind.

Wie wurde der Erholungspark für die Gartenschau angelegt?

Es gab im Park einen Rundweg, an dem die verschiedenen Attraktionen lagen: zum Beispiel ein Kräutergarten, ein Streichelzoo, der Dahliengarten oder auch eine Ausstellungshalle, in der eine Wasserorgel – die "Tanzenden Fontänen" -  halbstündig Wassershows zeigte. Viele dieser Attraktionen gibt es heute nicht mehr, aber die Gestaltung des Parks - der Wege und Flächen - funktioniert bis heute. In den 30 Jahren seit der Eröffnung ist, soweit ich weiß, nur ein einziger Weg zurückgebaut worden.

Wir hatten kein weiteres Personal, keine Technik und mussten nun irgendwie 21 Hektar bewirtschaften, in denen das Unkraut wuchs – das war zum Scheitern verurteilt."

Wie ging es nach der Eröffnung 1987 weiter mit der Marzahner Gartenschau?

Da diese Gartenschau quasi nirgendwo finanziell eingeplant war, waren wir zum Zeitpunkt der Eröffnung nur eine Handvoll Leute. Ich war zuständig für die wöchentlich wechselnden Blumenschauen in der Ausstellungshalle und der Veranstaltungen. Wir hatten kein weiteres Personal, keine Technik und mussten nun irgendwie 21 Hektar bewirtschaften, in denen das Unkraut wuchs – das war zum Scheitern verurteilt. Die Pflegearbeiten mussten wir zu Fuß mit Schubkarre, Hacke, Rechen und Wasserschläuchen erledigen.

Um die Schafe zu füttern, mussten wir frühmorgens mit der Sense frisches Gras mähen und es mit der Schubkarre 500 Meter zum Streichelzoo fahren. Das Eintrittsgeld (in der Regel Eine-Mark-Münzen) brachten wir in Wassereimern täglich zum Gärtnerstützpunkt. Es gab keine Beregnungsanlage, es fehlte an Büromaterialien oder schlicht an Stühlen und Tischen. Erst nach und nach kam neues Personal hinzu und ab 1988 hat dann das Kombinat Stadtwirtschaft die Pflege übernommen.

Dann kam die Wende. Was wurde aus der "Berliner Gartenschau"?

Ich habe noch bis 1991 im Park gearbeitet, dann wurde er an die damalige Bundesgartenschau GmbH übergeben, die auch den Park in Britz betreute und heute als Grün Berlin GmbH für verschiedene große Parkanlagen in Berlin zuständig ist. Die haben den Park in "Erholungspark Marzahn" umbenannt und Anfang 2000 dann in "Gärten der Welt", nachdem sich dieses Projekt etabliert hatte.

Am Donnerstag ist nun die IGA auf dem Gelände der "Gärten der Welt" und dem benachbarten Kienberg eröffnet worden.

Ja, und das Schöne ist, dass man dafür einen bereits gewachsenen Park mit schon vorhandenen Attraktionen wie die jetzt zehn internationalen "Gärten der Welt" nutzen kann.

Auch andere Dinge von damals sind noch da, wie der Sprudel- und Quellgarten und der Karl-Förster-Garten. Andererseits profitiert auch das Gelände von der IGA - zum Beispiel durch die Erweiterung der Fläche.

Als in Marzahn das erste Mal gegärtnert wurde

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 3.

    Von einer Gartenschau zu sprechen, fällt mir schwer. Man kann es schon auf der Webcam erkennen: Viel Rasen, Beton und Kunst aus Holz und Beton, die kein Mensch versteht, deshalb von dem Veranstalter in Interviews erklärt werden müssen. Blumen - wo denn? Nein danke

  2. 2.

    Zu Überschrift fällt mir ein..Ist die verschwundene Goldmünze aus dem Bodemuseum schon wieder aufgetaucht?

  3. 1.

    Ich war bei der Eröffnung dabei. Der Garten entstand in dieser Form - ein Park war eh geplant - etwas größer, weil in Westberlin die Bundesgartenschau stattfand. Das war ein Politikum ersten Ranges, denn Westberlin war laut Vertrag kein Gebiet der BRD und durfte nicht von dort regiert werden. Eiine Bundesgartenschau in Berlin war ein Affront. Dieser Zankapfel führte letztendlich dazu das Ost und West die 750 Jahrfeier Berlins getrennt im Zorn aufeinander begingen. Der Kienberg wurde eigentlich als Terassenberg geplant, ist dann aber verwildert. Erst jetzt wurden die Terrassen teilweise wieder frei geschnitten und Sichtachsen geschaffen. Ich hab als Bauarbeiter noch Bauschutt später dann auch Muttererde von den Baufeldern auf den Berg und auf die Ahrensfelder Berge gefahren. Ich hab den Berg noch auf Fotos, da waren die Bäume grad mal 150 cm hoch......

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