Orientalischer Garten auf der IGA Berlin-Marzahn (Quelle: imago / Shan Yuqi)
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Audio: Inforadio | 22.04.2017 | Carmen Gräf | Bild: imago stock&people

Kirche auf der IGA - Im Garten des Herrn

Vom Wassergarten bis zur Balkonbegrünung, vom Gemüsebeet bis zur urbanen Farm, vom Stadtwald zur Gartenstadt – die IGA in Berlin-Marzahn zeigt, was, wie und wo überall Garten sein kann. Zum Veranstaltungsprogramm tragen aber auch die Kirchen bei. Von Carmen Gräf

Trotz des wechselhaften Wetters sind am Ostermontag rund 2.000 Menschen zum Open-Air-Gottesdienst in die Arena der IGA in Berlin-Marzahn gekommen. Die evangelische Landeskirche hat mit Volkmar Hirth sogar einen eigenen Pfarrer für die Gartenausstellung beauftragt. Der sagt, er freue sich über seine neue Aufgabe: "Wir gehen in jeder Hinsicht da gerne hin, wo Menschen sind. Und da wollen wir auch sein – das ist unser Auftrag", sagt Hirth.

Außerdem gehe es auf der IGA um das, was Christen Schöpfung nennen – "und es ist unser ureigenstes Anliegen, dass man sich darüber freut, dass das gelobt wird, das man sich darum bemüht, es zu bewahren – und insofern passt Kirche und IGA aus meiner Sicht sehr gut zusammen."

Muslime loben Wasser, Christen das Wort

Die Kirche ist auf der IGA mit vielen Angeboten vertreten. Es gibt Mittagsandachten, Konzerte mit Posaunenchören am Samstag und religionskundliche Exkursionen. "Am orientalischen Garten kann man zum Beispiel Folgendes zeigen: Der Islam kommt ursprünglich aus einer Gegend, die nicht viel Wasser hat, und lobt das Wasser", erklärt Pfarrer Hirth. "Und man kann am christlichen Garten sehen, dass er nicht nur die Form eines Kreuzganges aufnimmt, sondern dass ein wesentlicher Gedanke, dass Gott nämlich im Wort sich offenbart, dass das Wort konkret wird in einer Person – das Wort ward Fleisch ist dort überall zu lesen – so was kann man zeigen."

Für alle, die gut zu Fuß sind, bieten sich die Pilgerwege auf der IGA an. Pfarrer Hirth gibt ein Beispiel: "Da gibt es einen brandenburgischen Forstwirt, der auch eine theologische Ausbildung hat – er pilgert mit Begeisterung. Er wird hier auf der IGA immer am letzten Dienstag im Monat mit den Menschen, die das wollen, über die IGA pilgern und ihnen geistliche und sinnliche Erfahrungen zu vermitteln versuchen."

"Kirche muss da sein, wo die Menschen sind"

Die kirchlichen Angebote kommen bei den Besuchern und Besucherinnen der IGA gut an. "Ich denke, dass Kirche da sein muss, wo die Menschen sind, weil man heutzutage nicht mehr erwarten kann, dass Menschen da hingehen, wo die Kirche ist", sagt eine Frau. Eine andere merkt an: "Andere Religionen tragen alles in den Alltag mit hinein. Dagegen hat man immer den Eindruck: Christsein, das macht man sonntags, und um 11 Uhr ist dann wieder Schluss. Aber ich finde, das darf gerne mehr sein – ich glaube, wir haben keine schlechte Botschaft, die muss man nicht verstecken."

Ein Besucher sagt: "Die IGA ist ein sehr schöner öffentlicher Bereich, der zum kulturellen Leben der Stadt beiträgt, auch wenn er natürlich für internationale Gäste gedacht ist – und ich finde, dass Kirche als Teil der Gesellschaft, wie sie oft nicht gesehen wird, aber doch immer noch da ist, sich auch in solchen Bereichen präsentieren sollte."

Ein anderer Besucher fragt: "Ob man damit die erreicht, die sowieso nichts für die Kirche übrig haben, ist die nächste Frage, ja. Aber für uns ist es schon was!"

Alle in Berlin vertretenen Religionsgemeinschaften dabei

Das religiöse Programm der IGA gestalten vor allem die beiden großen Kirchen, erklärt der IGA-Pfarrer Volkmar Hirth. Auch andere Religionen sind vertreten. "Wir tun das einerseits als Kirchen sozusagen für uns selbst. Zum Zweiten tun wir es in einer Gemeinschaft der Kirchen ökumenisch, aber in der Gemeinschaft mit anderen Glaubensgemeinschaften in Berlin. Die täglichen Mittagsandachten werden durchs Berliner Forum der Religionen moderiert – und da sind fast alle in Berlin vertretenen Religionsgemeinschaften dabei. Aber die Kirchen ganz stark."

Offen, lebendig und niedrigschwellig - so präsentieren sich die Kirchen auf der IGA. Sie hoffen damit möglichst viele von bis zu zwei Millionen Besuchern zu erreichen, die im Lauf des Jahres hier erwartet werden.

Beitrag von Carmen Gräf

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    ... das habe ich schon um 8.00 Uhr wohlwollend mitbekommen ;-)

  2. 4.

    Grammatikalisch ist zwar beides korrekt, aber Sie haben Recht: Besser klingt Ihre Variante. Wir haben es geändert.

  3. 3.

    "da sind fast alle in Berlin vertretenen Religionsgemeinschaften dabei"

    Zum Buddhismus gibt es genau einen Referenten, ausgerechnet einen Herren von der "Neuen Kadampa Tradition, Zentrum für modernen Buddhismus". Über die kann man lesen:

    "- Die NKT ist nicht Mitglied der Deutschen Buddhistischen Union.
    - Die NKT versteht sich nicht als Teil des tibetischen Buddhismus, sondern als eigene unabhängige buddhistische Tradition.
    - Es wird ein modifizierter Exklusivanspruch vertreten(...)
    - Es gibt keine offiziellen Kontakte zu anderen buddhistischen Richtungen."
    Quelle: http://www.confessio.de/cms/website.php?id=/religionheute/weltreligionen/buddhismus/fruehstueck_fuer_den_buddha.html

    "Der Sektenbeauftragte der Evangelischen Kirche von Berlin-Brandenburg, Thomas Gandow, sieht in der Kadampa-Tradition eine Sekte des tibetanischen Buddhismus, die innerhalb des Buddhismus völlig isoliert sei."
    Quelle: http://www.taz.de/1/archiv/?dig=2001/01/29/a0171

  4. 2.

    Liebe rbb|24-Redakteure, müsste es nicht - korrekterweise - "Im Garten des Herrn" heißen?

  5. 1.

    Zu mehr als Kirche ist diese Schau auch nicht geeignet

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