Jeppe Hein in den "Reflecting Gardens" der IGA 2017 (Quelle: rbb/Silke Mehring)
Silke Mehring
Audio: radioBerlin 88,8 | 11.04.2017 | Silke Mehring | Bild: Silke Mehring

Kunst auf der IGA 2017 - Ein Stück Hollywood in Marzahn eingepflanzt

Die IGA zeigt nicht nur blühende Gartenwelten, sondern überrascht auch mit Kunst im Grünen. Neun Künstler zeigen ihre Arbeiten auf dem Areal und eröffnen dabei überraschende Perspektiven. Silke Mehring stellt drei von ihnen vor.

Es riecht nach frisch gemähtem Gras und blühenden Frühlingsblumen. Gärtner und ihre Helfer jäten Beete, pflanzen kistenweise Blumen, streichen Holzpagoden. Überall wird noch gewerkelt. Doch auf den weiten Wegen über das IGA-Gelände werden die Besucher nicht nur auf Beete und Blumen, sondern immer wieder auf kleine Kunst-Inseln stoßen: Neun Künstler haben ihre Arbeiten über das Areal der Internationalen Gartenausstellung verteilt.

Drei der Kunstwerke verbleiben dauerhaft auf dem Gelände. Dazu gehört auch die Installation von Jeppe Hein. Vor der Skyline der Plattenbauten von Marzahn-Hellersdorf hat er ein Spiegellabyrinth aufgebaut. Durch unterschiedlich hohe Lamellen aus Edelstahl können die Besucher wie durch einen Irrgarten laufen.  

Sinneswahrnehmung in den "Reflecting Gardens"

Das Kunstwerk heißt "Reflecting Gardens". Genau darum geht es dem dänischen Künstler – um Sinneswahrnehmung und Reflexion: "Wie oft reflektieren wir uns eigentlich persönlich? Wir sehen uns jeden Morgen im Spiegel, aber eigentlich fragen wir uns ganz selten: Wie geht es mir eigentlich. Und ich glaube, das ist eine ganz wichtige Frage für unser Leben. Denn vielen von uns geht es gar nicht gut. Wir kaufen eine neue Uhr und glauben, wir finden da Glück. Aber wir finden darin kein Glück. Der einzige Ort, in dem man Glück findet, ist in Eurem eigenen Herzen."

Dieses Verständnis für die eigene Person und die Umgebung möchte Jeppe Hein mit den verwirrenden Spiegeln seines Labyrinths spielerisch erzeugen: Die Besucher sollen eigene und fremde Bilder, die Kulisse der Hochhäuser im Hintergrund, das sich spiegelnde Gras und die frischen Blumendüfte aufnehmen und spüren.

Künstler Martin Kaltwasser mit seinem Projekt "Los Angeles Garden", Quelle: Silke Möhring, rbb
Künstler Martin Kaltwasser bringt L.A.-Feeling nach Marzahn-HellersdorfBild: rbb

Los Angeles in Marzahn-Hellersdorf

Eine neue Sicht auf Marzahn eröffnet auch das IGA-Kunstwerk von Martin Kaltwasser. Der Wahlberliner hat einen "Garten im Garten" geschaffen: Eine Drei-mal-neun-Meter große, umzäunte Rasenfläche mit sechs hohen, künstlichen Palmen und zwei Sitzbänken, umschlossen von Stacheldrahtzaun und einem eigenen kleinen Parkplatz für Autos. Der Künstlergarten ist ein originalgetreuer Nachbau einer Mini-Garteninsel bei Los Angeles.

Mit dem Entwurf des "Los Angeles Garden" kommt ein bisschen Hollywood nach Marzahn: "Einerseits stellen sich natürlich auch mit der IGA Sehnsüchte ein – was braucht so ein Bezirk? Die Gartenausstellung erfüllt Sehnsüchte, es werden zwischenmenschliche Sehnsüchte generiert, aber auch ganz hochtrabende Visionen - und Los Angeles, als Partnerstadt von Berlin, ist der klassische Sehnsuchtsort."

Anna Rispoli mit einer begehbaren Klanginstallation

Einen ganz anderen Zugang zur Umgebung hat die italienische Künstlerin Anna Rispoli gewählt: Ihr Werk "Nicht alle Geschichten sind erzählt" ist eine begehbare Skulptur- und Klanginstallation in einem kleinen, romantischen Märchenwald. Hier stehen Märchenskulpturen – Schneewittchen, der Kleine Muck, der Froschkönig – inmitten von wild-wucherndem Efeu unter schattigen Bäumen.

Anna Rispoli auf der IGA 2017 (Quelle: rbb/Silke Mehring)Anna Rispoli mit dem Märchenfiguren des Berliner Bildhauers Gorch Wenske

Anna Rispoli hat ihre Arbeit auf etwas bereits Vorhandenem aufgebaut: Sie hat die Märchenfiguren des Berliner Bildhauers Gorch Wenske im Vorfeld der IGA abbauen – und in privaten Quartieren in Marzahn-Hellersdorf überwintern lassen. Dort, bei den Menschen aus dem Bezirk, hat die Künstlerin neue Geschichten eingefangen, gesammelt und in einen Kontext zu den Märchen gesetzt. Aus den Erzählungen schließlich sind Songs geworden. Da heißt es zum Beispiel: "Wer hier duscht, muss ein hohes Tier sein. Warm oder kalt, alles fließt rein. Das Wasser kommt flux aus der Wand. Im Bad mit Sicht übers ganze Land."

Anna Rispoli erklärt: "Mündlich überlieferte Geschichten entwickeln sich immer weiter. Erinnerung, Tatsachen und Imagination fließen ineinander. Außerdem sind Lieder ein guter Weg, Geschichten in den Köpfen der Menschen wach zu halten. Aus den Geschichten haben wir sechs verschiedene Songs gemacht."

Aus 14 Lautsprechern am Boden tönen unterschiedliche Klänge. Sie legen sich über den kleinen Märchenwald und vermischen sich mit Vogelgezwitscher. Während im Hintergrund die neue Seilbahn schon ihren Probebetrieb in luftiger Höhe aufgenommen hat, wollen mit Beginn der IGA auch die Kunst-Projekte überraschende neue Perspektiven vermitteln.

"Froschkönig" auf der IGA 2017 (Quelle: rbb/Silke Mehring)"Der Froschkönig" von Gorch Wenske auf der IGA 2017

Beitrag von Silke Mehring, radioBerlin 88,8

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