Illustration Ältestes Kino. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
Bild: rbb/Marcus Behrendt

Adventskalender - 16. Tür: Alles digital und oben richtig mit Stuck

Ein Kino mit einer Fassade und einem Saal, der so schön ist, dass man es hier auch genießt, wenn der Film grottig ist - der Weltspiegel in Cottbus ist ein Schmuckstück, voll historisch und voll modern.

24 spannende Geschichten über das Älteste, was Berlin und Brandenburg zu bieten hat. Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Weihnachten ist gut für die Kinokassen. Es wird früh dunkel, draußen ist es kalt und alle freuen sich auf den großen Gong: Eltern sind bereit, sich die seltsamsten Schinken zusammen mit ihren Kindern anzusehen ("Ja, ich musste wirklich lachen!"), Altstars oder Fast-schon-Stars spielen in tüdeligen Weihnachtsfilmen mit, für die sich selbst Oma und Opa noch nach drei Glühwein auf dem Markt erwärmen können. Und dann sitzen im Parkett auch immer einige Paare, die "ja im Sommer einfach nicht dazu kommen, ins Kino zu gehen".

Der Cottbuser Weltspiegel ist wie geschaffen für Weihnachten im Kino. Das Programm hat all das drauf, was die Leute jetzt brauchen: die aktuellen Mainstream-Hits, Kinderfilme und gleichzeitig auch noch ein bisschen etwas abseits der Blockbuster-Chose. Alle haben Zeit, dieses wunderschöne Haus zu bewundern.

Ein kleines Wunder mit einer wunderschönen Fassade

Das schönste ist seine Geschichte. Es ist ein kleines Wunder, dass es noch steht, dass es draußen fast haargenau so aussieht wie früher und dass es überhaupt noch ein Kino ist. Das alles ist auch noch in der Lausitz passiert, wo es so lange so viel wichtigere Dinge gab, als das abendliche Kinovergnügen.

Der Weltspiegel ist ein Eckhaus mit einer runden, konvexen Fassade, einer restaurierten Jugendstil-Treppe zum Rang und im großen Saal mit einer Kassettendecke, die jeden Rathauschef neidisch macht. Ein Schmuckstück, entstanden 1911 und als Kino eröffnet am 4. Oktober im selben Jahr. Seit diesen frühen Tagen ist das Haus mit kleinen und großen Unterbrechungen auch ein Kino, und immer auch mit diesem Namen: Weltspiegel.

Großes Kino statt großer Markt

Der Glücksfall dieses Kinos ist all das, was hier nicht passierte: Den 2. Weltkrieg hat das Haus weitgehend unbeschadet überstanden, im Osten ist das Haus nicht völlig verfallen und in der Nachwendezeit ist der Weltspiegel nicht abgerissen worden und wurde auch nicht durch einen NKD-Markt ersetzt.

Zwar wechselten die Betreiber und für einige Jahre öffnete das Kino in den 2000er Jahre auch immer nur zum Filmfest im November, aber es blieb ein Kino und 2010 begann die Sanierung und die Erweiterung mit zwei weiteren Sälen und einem neuen kleinen Cafe.

Knapp 800 Besucher fasste der große Saal vor rund 100 Jahren bei seiner Eröffnung, knapp 200 davon im Rang. Jetzt sind es ein paar Dutzend weniger. Zwar wurden im Laufe der Jahre die Inneneinrichtung, also Stühle, Teppiche und Lampen verändert, doch mit der Sanierung versuchte man dem Saal wieder sein historisches Aussehen zu verschaffen: Parkett, Kassettendecke und Stuck und eine wunderschön geschwungene Ballustrade rund um den Rang. Die Projektion ist digital und der Ton noch digitaler. Ein Schmuckstück.

Der Weltspiegel ist für die Filmfans in der Stadt genau das, was für die Bummler und Einkäufer in Cottbus die Sprem ist, die Spremberger Straße: Man muss schon öfter mal nachsehen, ob alles noch beim Alten ist, denn nur dann ist klar, dass es auch läuft.

Blick auf den sanierten Hauptsaal des Kinos Weltspiegel in Cottbus
Sehr historisch und sehr modern: Die Fassade und der Hauptsaal saniert, im Kino aber gibt es mehrere neue, digital aufgerüstete Säle.Bild: Imago / Rainer Weisflog

Der Adventskalender

Adventskalendergrafik zum 1. Dezember mit einer Illustration zum Berliner Stadtbad in Charlottenburg (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 1. Tür: Schicke Wanne, schicke Wanne!

Baden war im 19. Jahrhundert ein Luxus. Doch im Zuge der Siedlungsverdichtung wurde klar: Hygiene ist die Grundlage für die Volksgesundheit. Um 1900 begann dann ein Bauboom öffentlicher Bäder in Berlin. Das erste Türchen führt nach Charlottenburg.

Adventskalendergrafik zum 4. Dezember mit einer Illustration zur Eiche "Dicke Marie" in Tegel (Bild: Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 4. Tür: Berlins Freund, der Baum

Er hat ziemlich viele tote Äste, sieht auch nicht mehr besonders stabil aus und würde das Casting für jede Verfilmung des Andersen-Märchens "Das Feuerzeug" gewinnen: Berlins ätester Baum, eine Stieleiche nahe dem Tegeler See.

Adventskalendergrafik zum 5. Dezember mit einer Illustration zur letzten Instanz (Bild: Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 5. Tür: Ein Prost auf das Urteil

Das Restaurant "Zur letzten Instanz" muss viele Bedürfnisse erfüllen: essen und trinken natürlich. Aber noch wichtiger ist hier die Kundenansprache, denn wenige Meter weiter am Gericht fällen Richter Urteile, nach denen manch einer Trost am Tresen sucht.

Adventskalendergrafik zum 5. Dezember mit einer Illustration des Prater Garten (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 8. Tür: Berlins Ur-Ort der Lustbarkeiten

Erstes Rathaus, erster Fernsehturm, erstes Messegelände - das rauszustellen ist leicht. Schwieriger ist, den Platz zu identifizieren, wo Heu geerntet wurde, heute aber die Hipster kreisen. Beide allerdings verbindet: Bierseeligkeit auf Holzstühlen im Garten.  

Erste Ampel Berlin (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 9. Tür: Ein eiserner Turm für Rot-Gelb-Grün

Es gab Zeiten, da war eine Ampel noch ein Ereignis. Allerdings ist das nun bereits rund 100 Jahre her. Am Potsdamer Platz entstand 1924 Berlins erste Ampel mit den drei Farben Rot, Gelb und Grün - montiert auf einem sogenannten Verkehrsturm.

Wasserturm (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 11. Tür: Am Wasser, und dann auch noch ganz oben

In Sachen Hochhäuser rangiert Berlin eher im gemütlichen Mittelfeld. Allerdings fing die Stadt schon in den 1870ern an, hoch zu bauen. Damals entstand auch der Wasserturm auf dem Prenzlauer Berg: 44 Meter hoch und damit ältestes Hochhaus der Stadt.

Adventskalendergrafik zum 14. Dezember mit einem Ziehbrunnen aus dem 14. Jahrhundert (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 14. Tür: Hoch das Wasser

Nur der Experte erkennt, wenn ein Brunnen richtig alt ist. Alle anderen sehen nur: Hier gabs wohl mal Wasser. In Spandau steht Berlins ältester Ziehbrunnen. Berechtigt ist hier allerdings die Frage: aha, und nun?

Grafik: Adventskalender 18. Dezember 2018 <<Klosterbäckerei Lehnin>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 18. Tür: Knackig frisch und richtisch alt

Verreisen macht hungrig. Und beten wahrscheinlich auch. Seit 250 Jahren prosperiert am Kloster Lehnin die Klosterbäckerei. Geistliche Geschichte trifft hier auf weltlichen Appetit. So viele Jahre? - Da wird’s einem ganz blümerant.

Grafik: Adventskalender 21. Dezember 2018 <<Flughafen in Stölln>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 21. Tür: Wo dem Otto Flügel wuchsen

Die rund 840 Meter lange Graspiste in Stölln ist ein Stück Verkehrsgeschichte. Hier übte Flugpionier Lilienthal das Abheben und hier landete in den letzten Wochen der DDR eine russische IL 62, die eigentlich mehr braucht als nur einen Rasen.

Die Adventskalendergrafik zum 23. Dezember zeigt das Gartenlokal "Zur Linde" in Baumschulenweg (Bild: Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 23. Tür: Ein Hochbeet noch vor Dr. Schreber

Im April wird das Wasser angestellt und im November abgestellt - das sind die Regeln. Berlins Kleingärtner sind in Vereinen organisiert, tauschen untereinander Saatgut und Kombizange und schwören auf die Gemeinschaft. Ein Türchen zu Ehren der ältesten Berliner Parzelle.

Grafik: Adventskalender 24. Dezember 2018 <<Ältestes Wasserfahrzeug>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Hohohoho - 24. Tür: Mitbringsel gibt es auf dem kleinsten Kutter

Im letzten Türchen geht um die Beschwerlichkeiten des Winters in den wasserreichen Ecken Brandenburgs. Es geht um den Rumpodich und natürlich um die heutige Hauptperson: das Bescherkind. Beide nutzen ganz eigene Verkehrsmittel. Und zwar schon lange.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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