Die Adventskalendergrafik zum 23. Dezember zeigt das Gartenlokal "Zur Linde" in Baumschulenweg (Bild: Marcus Behrendt)
Bild: Marcus Behrendt

Adventskalender - 23. Tür: Ein Hochbeet noch vor Dr. Schreber

Im April wird das Wasser angestellt und im November abgestellt - das sind die Regeln. Berlins Kleingärtner sind in Vereinen organisiert, tauschen untereinander Saatgut und Kombizange und schwören auf die Gemeinschaft. Ein Türchen zu Ehren der ältesten Berliner Parzelle.

24 spannende Geschichten über das Älteste, was Berlin und Brandenburg zu bieten hat. Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Natürlich muss eine richtig alte Kleingartenanlage mit in den Weihnachtskalender. Schon allein, weil die Lagepläne, die an den Vereinsheimen oder den Eingängen hängen, wie Adventskalender aussehen: Jedes Türchen hat eine Nummer und jede Nummer gehört zu einer Parzelle - und in den Parzellen sind natürlich überall kleine Schätze und Schreine zu finden.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es wohl die ersten Weihnachtskalender. Und wann gab es die ersten Kleingartenanlagen? – Die Sehnsucht nach einem Stückchen Grün abseits der schmutzigen und lauten und engen Zivilisation wuchs mit der Industrialisierung und der damit immer kuscheligeren Sieglungslage in den Großstädten. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand dann in der damals schon sehr dicht bebauten und in den folgenden Jahrzehnten für viele Jahre wohl am dichtesten besiedelten Großstadt Europas, Leipzig, die erste Kleingartenanlage.

Ein Garten für die Stadtkartoffel

Die Idee zu solch einer Kleingartenanlage stammte zwar nicht direkt vom Orthopäden Dr. Moritz Schreber, doch gehörte er zusammen mit dem Akademiker Carl Ernst Bock und Ernst Innozenz Hauschild zu den Aktivisten, die dieser Idee zum Durchbruch verhalfen. 1865 entstand dann die erste Anlage am Leipziger Johannapark, aus der sich später dann die ersten Leipziger Schrebergärten entwickelten: ein kleines Stück Land mit der Möglichkeit für die geschundenen Industriearbeiterfamilien Licht, Luft und Sonne zu tanken und die Kartoffel und den Rettich zu kultivieren.

Erst "Little Popo" dann "Zur Linde"

Kommen aus Leipzig also die Kleingartenpioniere und waren die Berliner nur die ewigen Nachzügler? – Nein, sagen die Chronisten. In Berlin gab's den Schrebergarten schon bevor Dr. Schreber und seine Mitkämpfer in Leipzig damit anfingen. Die Geschichte der Kolonie "Zur Linde" in der Treptower Kiefholzstrasse reicht bis ins Jahr 1827 zurück (da war Schreber gerade einundzwanzig und noch nicht einmal Doktor).  

Mit ein bisschen Wühlerei in den Grundbüchern fanden die Chronisten der mittlerweile von einer Bebauung bedrohten Anlage heraus, dass damals der Gärtnermeister Wilhelm Mosisch sieben Familien ein Stück Land seines Gartenbaubetriebs überließ, das dann unter ihnen aufgeteilt, von ihnen bewirtschaftet und von ihnen mit dem reichlich merkwürdigen Namen "Little Popo" benannt wurde. "Klein Popo" oder "Little Popo" war damals der Name einer Siedlung in einem Kolonialgebiet der Deutschen auf dem Territorium des heutigen Togo und Ghana in Westafrika. Später wurde die Anlage "Zur Linde" umbenannt.

Gut für's Klima

Die Kleingärten verbesserten über Jahrzehnte das Stadtklima und die Laune der Leute: ein bisschen privates Grün und nicht weit weg von zuhause. Aber Berlin verändert sich. Immer mehr wollen hierher und alle wollen auch größere Wohnungen.

Die Schreberidee ist noch dazu nichts, womit man Geld verdienen kann: In Berlins Altbau-Wohnungen wirbt der Makler damit, dass das komplett nervtötende Knarren der Dielen doch total authentisch sei und erhöht während des Aussprechens dieser Lüge die Kaltmiete gleich noch mal um einen Euro pro Quadratmeter. Beim Schrebergarten funktioniert Wertsteigerung so nicht. Für das Außenklo hinterm Schuppen und für die lose Dachpappe auf der 80 Jahre alten Hütte gibt’s schwere Abzüge beim Verkauf an den nächsten Pächter. Die Ertragskraft der Beete kann nur erhöht werden durch aufreibende Frühjahrsschufterei auf Knien mit Hand und Hacke und ist keinesfalls davon abhängig, ob die KGA das totale Kiezfeeling hat.

Der Schrebergarten braucht Milieuschutz und ein bisschen Feintuning, was die Grill- und Heckenmentalität anbetrifft. Aber die Tomate aus dem Garten in Treptow ist mindestens siebzehnmal köstlicher als das politisch korrekte Früchtchen aus dem Biomarkt. Darum: Hinter dieser Adventskalendertür steckt ein motorisierter Schokospaten nicht einfach nur zum Naschen, sondern zur Verteidigung der Gartensparte. Und jeder sollte sich hier einen nehmen, ein bisschen daran rumschleckern, auf den Geschmack kommen, um dann in Treptow zu helfen beim Vorbereiten des Frühbeets und natürlich auch beim Umgang mit den Investoren. Frohe Weihnachten!

Historisches Foto zum 40. Jubiläum der Kleingartenkolonie "Zur Linde e.V." (Quelle: kgazl.de)
Jubiläum in den 20ern: Die "Kolonie Zur Linde", ehemals "Littel Popo" feiert seinen 40sten.Bild: kgazl.de

Übersichtskarten

Ein Stern ist auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Alexanderplatz am 03.12.2017 mit der Weltzeituhr im Hintergrund zu sehen. (Bild: imago/Ina Peek)
imago/Ina Peek

- Hier finden Sie die Weihnachtsmärkte in Berlin und Brandenburg

Glühwein, Zuckermandeln, Kunsthandwerk und Fahrgeschäfte: Es ist Weihnachtsmarktsaison. Doch wo hat ein Markt in Ihrer Nähe auf? rbb|24 zeigt die wichtigsten Weihnachtsmärkte in Berlin und Brandenburg auf interaktiven Karten.

Der Adventskalender

Adventskalendergrafik zum 1. Dezember mit einer Illustration zum Berliner Stadtbad in Charlottenburg (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 1. Tür: Schicke Wanne, schicke Wanne!

Baden war im 19. Jahrhundert ein Luxus. Doch im Zuge der Siedlungsverdichtung wurde klar: Hygiene ist die Grundlage für die Volksgesundheit. Um 1900 begann dann ein Bauboom öffentlicher Bäder in Berlin. Das erste Türchen führt nach Charlottenburg.

Adventskalendergrafik zum 4. Dezember mit einer Illustration zur Eiche "Dicke Marie" in Tegel (Bild: Marcus Behrendt)
rbb/ Marcus Behrendt

Adventskalender - 4. Tür: Berlins Freund, der Baum

Er hat ziemlich viele tote Äste, sieht auch nicht mehr besonders stabil aus und würde das Casting für jede Verfilmung des Andersen-Märchens "Das Feuerzeug" gewinnen: Berlins ätester Baum, eine Stieleiche nahe dem Tegeler See.

Adventskalendergrafik zum 5. Dezember mit einer Illustration zur letzten Instanz (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 5. Tür: Ein Prost auf das Urteil

Das Restaurant "Zur letzten Instanz" muss viele Bedürfnisse erfüllen: essen und trinken natürlich. Aber noch wichtiger ist hier die Kundenansprache, denn wenige Meter weiter am Gericht fällen Richter Urteile, nach denen manch einer Trost am Tresen sucht.

Adventskalendergrafik zum 5. Dezember mit einer Illustration des Prater Garten (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 8. Tür: Berlins Ur-Ort der Lustbarkeiten

Erstes Rathaus, erster Fernsehturm, erstes Messegelände - das rauszustellen ist leicht. Schwieriger ist, den Platz zu identifizieren, wo Heu geerntet wurde, heute aber die Hipster kreisen. Beide allerdings verbindet: Bierseeligkeit auf Holzstühlen im Garten.  

Erste Ampel Berlin (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 9. Tür: Ein eiserner Turm für Rot-Gelb-Grün

Es gab Zeiten, da war eine Ampel noch ein Ereignis. Allerdings ist das nun bereits rund 100 Jahre her. Am Potsdamer Platz entstand 1924 Berlins erste Ampel mit den drei Farben Rot, Gelb und Grün - montiert auf einem sogenannten Verkehrsturm.

Wasserturm (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 11. Tür: Am Wasser, und dann auch noch ganz oben

In Sachen Hochhäuser rangiert Berlin eher im gemütlichen Mittelfeld. Allerdings fing die Stadt schon in den 1870ern an, hoch zu bauen. Damals entstand auch der Wasserturm auf dem Prenzlauer Berg: 44 Meter hoch und damit ältestes Hochhaus der Stadt.

Adventskalendergrafik zum 14. Dezember mit einem Ziehbrunnen aus dem 14. Jahrhundert (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 14. Tür: Hoch das Wasser

Nur der Experte erkennt, wenn ein Brunnen richtig alt ist. Alle anderen sehen nur: Hier gabs wohl mal Wasser. In Spandau steht Berlins ältester Ziehbrunnen. Berechtigt ist hier allerdings die Frage: aha, und nun?

Grafik: Adventskalender 18. Dezember 2018 <<Klosterbäckerei Lehnin>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 18. Tür: Knackig frisch und richtisch alt

Verreisen macht hungrig. Und beten wahrscheinlich auch. Seit 250 Jahren prosperiert am Kloster Lehnin die Klosterbäckerei. Geistliche Geschichte trifft hier auf weltlichen Appetit. So viele Jahre? - Da wird’s einem ganz blümerant.

Grafik: Adventskalender 21. Dezember 2018 <<Flughafen in Stölln>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Adventskalender - 21. Tür: Wo dem Otto Flügel wuchsen

Die rund 840 Meter lange Graspiste in Stölln ist ein Stück Verkehrsgeschichte. Hier übte Flugpionier Lilienthal das Abheben und hier landete in den letzten Wochen der DDR eine russische IL 62, die eigentlich mehr braucht als nur einen Rasen.

Die Adventskalendergrafik zum 23. Dezember zeigt das Gartenlokal "Zur Linde" in Baumschulenweg (Bild: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender - 23. Tür: Ein Hochbeet noch vor Dr. Schreber

Im April wird das Wasser angestellt und im November abgestellt - das sind die Regeln. Berlins Kleingärtner sind in Vereinen organisiert, tauschen untereinander Saatgut und Kombizange und schwören auf die Gemeinschaft. Ein Türchen zu Ehren der ältesten Berliner Parzelle.

Grafik: Adventskalender 24. Dezember 2018 <<Ältestes Wasserfahrzeug>>. (Quelle: rbb/Marcus Behrendt)
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Hohohoho - 24. Tür: Mitbringsel gibt es auf dem kleinsten Kutter

Im letzten Türchen geht um die Beschwerlichkeiten des Winters in den wasserreichen Ecken Brandenburgs. Es geht um den Rumpodich und natürlich um die heutige Hauptperson: das Bescherkind. Beide nutzen ganz eigene Verkehrsmittel. Und zwar schon lange.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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