Lieber Quark im Teig statt Topfen im Haar (Quelle: Marcus Behrendt)
Bild: Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 1. Tür: Lieber Quark im Teig statt Topfen im Haar

Natürlich kann man in Berlin zur Adventszeit ganz hervorragend essen. Und trinken. Doch ein bisschen Mühe geben muss man sich schon, dabei auch das richtige Vokabular zu nutzen.

24 kleine Geschichten über die großen Errungenschaften und kleinen Niederlagen der Brandenburger und Berliner in Sachen "Essen und Trinken". Alle Türchen auf einen Blick finden Sie hier.

Essen ist eine Art hoheitliche Veranstaltung, die Weihnachten ihren Höhepunkt erreicht. Immer und überall ist das Essen natürlich mit Ritualen oder zumindest mit Gewohnheiten verbunden. Da muss etwa die selbsternannte Hausherrin unbedingt und immer an der Stirnseite sitzen, der Vati will seine Kartoffeln schon vorgequetscht haben, bevor die Soße drüber gegossen wird, und das Söhnchen mag den Grünkohl nicht und isst am liebsten aus einem tiefen Teller.

Neben diesen Ritualen, die schon in der Familie ganz unterschiedlich ausfallen, haben große Feiergesellschaften natürlich umso größere Probleme. Da streitet etwa der Kirchenchor über die Menü-Reihenfolge bei der Weihnachtsfeier. Oder der Schützenverein ist sich für den Jahresabschlussumtrunk uneins über den richtigen Schnaps.

Am meisten Wert auf das Essen aber legen die Touristen. Sie wollen bei ihren Trips nach Berlin natürlich wissen, wie und was der Berliner verspeist. Und sie wollen genau das auch probieren. Extra für diesen Erkenntnisgewinn werfen sie sich mit Vorliebe ins Geschiebe der Berliner Weihnachtszeit. Hier aber wartet das große Scheitern.

Kein Reibekuchen, keine Weggli und schon gar keinen Tropfenstrudel

Wenn sich der Tourist regional gefärbt verköstigen will, muss er auch die Mundart beherrschen. Satt wird in Berlin nur, wer sich bei der Bestellung auch regional korrekt ausdrücken kann. Das fängt schon bei der Schrippenbestellung an, bei der die Worte "Semmel" oder "Brötchen" bei den meisten Bäckern ins Leere laufen. Wer es in Berlin gar mit dem Wort "Weggli" versucht, geht hungrig in den Tag.

Geteert wird der Tourist sofort, wenn er zur Kaffeezeit beim Bäcker ein "Kräppel" bestellt, aber eigentlich einen Pfannkuchen will. Und auch das Nachspülen mit einem guten Tropfen wird wahrscheinlich scheitern, denn die Kneipe ist kein "Wirtshaus" und unterm Bierglas liegt auch kein "Bierfilz". Wer dann noch versucht, einen "Reibekuchen" zu ordern, aber Kartoffelpuffer meint, bekommt nie seinen Teller. Die Krönung wäre nur, einen "Topfenstrudel" zu bestellen: Da darf sich der Tourist nicht wundern, wenn ihm der Quark auf der Hose landet.

Karpfen zu Weihnachten (Quelle: dpa/ Jiri Hubatka)
...Bild: dpa/Jiri Hubatka

Mit dem Karpfen versöhnt

Zum Glück aber gibt es eine Art überregionale Menüeinigung für den Heiligen Abend: den "Karpfen blau", der überall auch noch genau so heißt. Katholiken und Evangelen, Bayern, Sachsen und Nordlichter und alle daneben und dazwischen beenden die Fastenzeit und starten die Weihnachtsvöllerei, die bis Silvester geht, mit dem Karpfen. Der Karpfen vereint über Mundarten und Regionaleigenheiten hinweg. Wenn der Karpfen kommt, hat keiner mehr den Nerv für regionale Eigennamen. Alle achten nur noch auf die Gräten.

Außer natürlich sie kommen aus Thüringen und essen Würstchen mit Karfoffelsalat. Aber das ist ein anderes Thema.


Der Adventskalender

Lustig macht sauer (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 2. Tür: Lustig macht sauer

Die Gurke muss knackig sein. Und saftig sowieso. Und natürlich muss der Biss stimmen. Gurkenliebhabern läuft allein bei der Erwähnung des Spreewalds das Wasser im Mund zusammen: Sie denken nur noch an die Gurke. Doch ihr Name kann auch missbraucht werden.

Alte Sorte, neue Frische (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 4. Tür: Alte Sorte, neue Frische 

Jeder kennt den alten Spruch von der so umfassenden Gesundmachung durch täglich mindestens einen Apfel. Doch täglich einen "Jonagold" - wer will das schon. In Müncheberg pflegt eine kleine Anstalt ein großes Apfelerbe.

Der Auskenner sammelt lokal (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 7. Tür: Der Auskenner sammelt lokal

Berlin ist kein Naturparadies - und ein Pilzparadies schon gar nicht. Aber es gibt ein paar Eckchen, wo der Pfifferling oder die Marone zu finden sind. Allerdings muss man sich beeilen - und vor den Hunden im Unterholz sein.

Flecken auf dem Chemisett (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 8. Tür: Flecken auf dem Chemisett

Wenn das Ragout fin auf der gestärkten Hemdbrust landet, wird klar, was die Berliner den Hugenotten alles zu verdanken haben. Und das gilt nicht nur kulinarisch - merken die Lebemänner spätestens beim abendlichen Amüsement.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 9. Tür: Pelmeni auf der Karl-Marx-Allee

Knapp 50 Jahre waren in und um Berlin sowjetische Truppen stationiert. Doch anders als bei den West-Alliierten war der kulinarische Einfluss der Russen auf die Berliner Küche ein wenig reduziert. Wer aber aufmerksam an den Berliner Töpfen schnuppert, kann ihn schmecken.

Adventskalender (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 10. Tür: Abgekocht in den Tank

Nach dem Braten ist vor der Entsorgung: Das ungenutzte Fett gehört nicht einfach so in den Abfluss. Für die Fettbeseitigung und -aufbereitung gibt es ein aufwändiges System. Und am Ende sorgt das überschüssige Gänsefett für umweltfreundliche PS.

Berliner Schaum zum Fest (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 11. Tür: Berliner Schaum zum Fest

Mit "Oh - es riecht gut, oh - es riecht fein" startet ein Kinderlied übers Weihnachtsbacken. Auch wer nicht backt, hat in Berlin viele Gelegenheiten, lokales Zuckerzeug zu erstehen. In Reinickendorf zum Beispiel kommt die Süßigkeit aus dem Kupferkessel und hat handgetupfte Augen.

Aufbrühen und Warmhalten (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 12. Tür: Aufbrühen und Warmhalten

Wir tragen Levis-Jeans und fahren Daimler, und immer wenn die Knochen knacken, gehen wir zum Röntgen. Ginge es nach dieser Logik, müssten wir unterwegs beim Trinken eines heißen Kaffees sagen: Hm, ein echt heißer Burger. Reinhold Burger kam aus Brandenburg.

Hier suppt nichts durch (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 14. Tür: Hier suppt nichts durch

Diese Brandenburger Erfindung gehört derzeit zu den wohl am meisten gehassten Umweltsünden. Schon allein bei seiner Erwähnung häuft man eine Tonne CO2 auf seinem persönlichen Umweltkonto an. Dabei war es so sauber gestartet.

Draußen nur Kännchen (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 15. Tür: Draußen nur Kännchen

1721 soll es das erste Kaffeehaus in Berlin gegeben haben, also vor fast 300 Jahren. Seitdem hat sich in Berlin eine ordentliche Kaffeehauskultur entwickelt. Geblieben aber ist aus dieser Zeit, dass das doppelte "E" am Ende keine Pflicht ist.

Ein Kuchen für die Ewigkeit (Quelle: Marcus Behrendt)
Marcus Behrendt

Adventskalender 2019 - 16. Tür: Ein Kuchen für die Ewigkeit

Eberswalde hat eine süße Tradition und pflegt sie auch. Ein Kuchen trat von hier aus seinen Eroberungszug in die weite Welt an: der Spritzkuchen. Sein Schöpfer gehört zu den großen "Köpfen" des Landes. Ein Botschafter der Süße.

Beitrag von Stefan Ruwoldt

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7 Kommentare

  1. 7.

    An den Weihnachtsfeiertagen gab's bei uns auch Ente oder Gans - mit Rotkohl, Grünkohl und Kartoffelklößen (halb&halb, mit Croutons gefüllt) - aber am Heiligabend nicht, der ist ja eben erst der Auftakt zu den Feiertagen ... und ein einfaches Gericht passt doch auch viel besser zur Geschichte von Maria und Josef mit dem neugeborenen Jesus im Stall ... geschlemmt wird in den nächsten Tagen noch genug. ;-)

  2. 6.

    Ich!
    Ich finde es eine Unart alles "gleich" machen zu müssen. Selbstverständlich halte ich mich auch daran, wenn ich mal woanders unterwegs bin. Dann bestelle ich z. B. einen Krapfen statt einen Pfannkuchen, ist das nun so schlimm?
    Furchtbar wäre es doch, wenn man in Berlin einen Berliner bestellt....

  3. 4.

    Das es nur Schrippen gibt ist nicht war. Vor 45 Jahren, als ich einwandererte aus Essen, hieß es noch, wir haben keine Brötchen, nur Schrippen. Heute gibt es generell erstmal nur Brötchen, Dinkel... Kümmel, Wo sind die Knüppel hin? Das Gegenteil ist doch richtig. Ausserdem bestelle ich in Essen oder Köln auch keine Pfannkuchen.
    Muss ich verhungern, wohl kaum. Ich kaufe immer noch Hefeteilchen, der Berliner sagte mal Schnecken, Puddingteilchen, und ich erhalte Hefeteilchen. Die Sprache ändert sich, das ist leider auch in Berlin so. Wer spricht noch echt b(ellininersch)

  4. 3.

    Zitat: "Natürlich kann man in Berlin zur Adventszeit ganz hervorragend essen. Und trinken." -
    Ich empfehle dies mit dem Regelbedarf der Grundsicherung zu versuchen. Und nicht vergessen, gleichzeitig staatlich vorgesehene, existenzrelevante Einsparungen zu tätigen.

  5. 2.

    Bei uns war ist immer Gänse- bzw. Putenbraten das Weihnachtsgericht gewesen. Karpfen hätte bei uns niemand gegessen und Würstchen mit Kartoffelsalat - jetzt mal im Ernst, so was Alltägliches, Unfeierliches an einem Feitertag??? Da wäre bei uns nie Feierstimmung aufgekommen.
    Und Silvetser gab's immer Fondue, eignet sich ja auch prima zur langen Zeitüberbrückung ;-)

  6. 1.

    Und da gehen die Menümeinungen doch schon wieder auseinander: Ich kenne "Karpfen blau" nur als Silvesterspeise. Heiligabend gab's in Kindheitszeiten entweder Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat (väterlicherseits Tradition) oder Bratwürste, Sauerkraut und Salzkartoffeln (mütterlicherseits Tradition) - das lässt sich einfach prima vorbereiten (bestimmt auch ein Grund für die - mir bekannten - meist unaufwändig gehaltenen traditionellen Gerichte zu Heiligabend - die immerhin zu Zeiten entstanden, als die Hausfrau an den Weihnachtstagen mehr als genug zu tun hatte). In diesem Sinne: Jeder und jede nach seinem und ihrem Geschmack - Hauptsache mit Genuss! Einen schönen 1. Advent!