Der AfD-Abgeordnete Frank Scholtysek hält während der Debatte im Abgeordnetenhaus ein Schild (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)
Audio: Inforadio | 29.08.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa/Monika Skolimowska

Aktivisten und AfD-Protest - Zwischenfälle stören Plenardebatte über Klima

Bei einer Debatte über Klimaschutz im Berliner Abgeordnetenhaus ist es am Donnerstag zu mehreren Zwischenfällen gekommen. Zunächst störte der AfD-Abgeordnete Frank Scholtysek die Rede von Georg Kössler (Bündnis90/Die Grünen), indem er ein Plakat hochhielt, das wie ein Ortseingangsschild gestaltet war. Darauf stand: "Umerziehungslager Berlin - entmotorisierte Zone". Über dem Satz war in Form eines roten Stempels zu lesen: "Abgelehnt".

Aktivisten fordern "Klimanotstand"

Anschließend wurde die Plenarsitzung von etwa einem halben Dutzend Klima-Aktivisten gestört. Sie entrollten auf der Besuchertribüne ein Transparent mit der Aufschrift "Klimanotstand Berlin". Sicherheitspersonal begleitete die Protestierer hinaus. Die Aktion blieb friedlich.

Ein Sprecher der Gruppe sagte, Berlin müsse wie andere Kommunen auch den Klimanotstand ausrufen und mehr gegen die Erderwärmung tun. Die Aktivisten gehören nach eigenen Angaben zu dem Bündnis "Klimanotstand", das innerhalb von drei Monaten 43.522 Unterschriften für sein Anliegen sammelte und diese vor kurzem dem Abgeordnetenhaus übergab.

Verbrennungsmotoren bis 2030 aus der Innenstadt verbannen

In seiner Rede hatte Kössler das Ziel der Grünen bekräftigt, Benzin- und Dieselautos bis 2030 aus der Innenstadt zu verbannen. "Der Klimanotstand ist Realität", sagte er. Die Politik müsse nun radikal umsteuern. Dazu zähle, in gut zehn Jahren keine Verbrennungsmotoren in der Innenstadt mehr zuzulassen. Noch sei genug Zeit, das auch sozialverträglich zu gestalten.

"Neben Emissionsreduktionen müssen wir uns heute schon um Klimaanpassung kümmern", so Kössler mit Blick auf die Zahl der Hitzetoten, die das Robert-Koch-Institut ermittelt hat. Demnach sind 490 Menschen in der Hauptstadt im vergangenen Jahr einen hitzebedingten Tod gestorben.

Daher fordert der Grünen-Abgeordnete nun: "Berlin braucht mehr Abkühlung. Wir brauchen endlich mehr Entsiegelung im Straßenland, mehr Bäume und mehr Gründächer. Das gehen wir mit dem kommenden Landeshaushalt an."

FDP moniert Versagen beim Klimaschutz

Auch der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz mahnte im Plenum ein entschlosseneres Handeln beim Klimaschutz an und nannte ein Beispiel: "Es ist doch peinlich, dass im Jahr 2019 noch Schulen gebaut werden ohne Solaranlagen auf dem Dach."

Der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Henner Schmidt, warf der Koalition und ihrer grünen Umweltsenatorin Regine Günther Versagen beim Klimaschutz vor. "Wir brauchen schnell konkrete Maßnahmen für die Gebäudesanierung und für mehr erneuerbare Wärme sowie mehr attraktive Angebote für den ÖPNV", forderte er.

AfD-Fraktionschef Georg Pazderski warf dem Senat und der rot-rot-grünen Koalition "Klimahysterie" vor. "Ja, es steht außer Frage, dass sich das Klima ändert. Vor 10.000 Jahren war das so, und es wird auch in Zukunft so bleiben." Es sei falsch, dafür "zwanghaft" die Schuld bei den Menschen zu suchen.

Klimaschützer protestieren am 29.08.2918 während der Sitzung im Abgeordnetenhaus auf der Besuchertribüne mit einem Transparent (Quelle: dpa/Monika Skolimowska)

Immer öfter überdurchschnittlich heiße Jahre

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Die folgende Karte zeigt Ihnen die Jahresmitteltemperaturen, im Stil der "Wärmestreifen" des britischen Klimawissenschaftlers Ed Hawkins. Sie sehen zunächst die Daten für die gesamte Region Berlin-Brandenburg. Wenn Sie die Daten für einen bestimmten Landkreis, eine kreisfreie Stadt, Berlin oder  Brandenburg gesamt abrufen wollen, können Sie den Bereich in der nachfolgenden Karte oder im Dropdown wählen. Bei Auswahl einer Region erhalten Sie regionalisierte Daten sowohl für diese Grafik, als auch für zwei weitere Grafiken unten im Text.

Die Fieberkurve der Erwärmung

Historische Messwerte des DWD dokumentieren die bisherige Erwärmung: Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881 ist die Jahresmitteltemperatur in der Region bereits um rund ein Grad gestiegen. Die folgende Grafik zeigt die Werte für die einzelnen Jahre.

Sendung: Inforadio, 29.08.2019, 15 Uhr

Kommentar

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12 Kommentare

  1. 12.

    Die anderen Parteien sind auch nicht rechtsradikal. Und wenn es so viel Mist über die AfD zu berichten gibt liegt das nicht am rbb24, sondern an der AfD. Und da es nichts Gutes zu erzählen gibt über die AfD, wirkt die Berichterstattung einseitig, negativ und manipulativ. Das liegt aber nicht am rbb24, sondern daran, dass die AfD, außer sich als Opfer darzustellen, rassistisch, ausgrenzend, populistisch und oft auch unehrlich zu agieren, aber permanent mit hocherhobenen Fingern auf andere zu zeigen, sich bisher in keinster Weise produktiv für die Gesellschaft oder eine positive Berichterstattung erwies. Schade eigentlich...^^

  2. 11.

    Mit andren Worten, Menschen denen es egal ist, ob man in der Zukunft noch Landwirtschaft in Europa betreiben kann oder nicht.

  3. 10.

    Wenn Sie ganz genau lesen werden Sie feststellen, dass die AfD sich hier einfach nur selber schlecht macht.

  4. 9.

    Aber bitte auch entsiegelung aller Radwege

  5. 8.

    Sehr geehrte rbb Redaktion,wir sehen tgl abends ihre a Berichte und sind maßlos entsetzt das jetzt vor der Wahl die Afd so angegriffen und schlecht gemacht wird.
    Einfach ätzend.Wir Wähler und die Abgeordneten sind gestandene Menschen.Mit den anderen Parteien machen sie das auch nicht

  6. 7.

    Menschen die Verstand haben wählen die Afd .
    Mal nachgesehen was das für Leute sind die wir wählen
    ?*Solltet ihr mal.

  7. 6.

    Wir brauchen keinen klimanotstand, sondern gescheite Politiker, die die verkehrswende wollen und zu allererst in den ÖPNV investieren, dann steigen auch mehr Leute vom Auto um, dann kann man auch Parkplätze zurückbauen und Flächen entsiegeln und grün Pflanzen, aber unter RRG regiert nur das dumm schwätzen und Verbote aussprechen, RRG hat noch kein Wahlversprechen umgesetzt....

  8. 4.

    Warum bis 2030 warten. 2020 sollten die Parkplätze für Radfahrer und Sitzgelegenheiten umgestaltet werden. In den Bezirken Friedrichshain Kreuzberg und Mitte kann damit begonnen werden. Nur grüne Punkte und ein paar Straßensperren reichen nicht mehr. Auch ein Umdenken bei Lebensmittel muss dort stattfinden. In den Läden sollten nur noch regionale Waren angeboten werden. So sieht ein Klimanotstand aus und kann die Menschen retten!

  9. 3.

    Die AFD ist standhaft faktenresistent und vollkommen schamlos ihre Ignoranz zur Schau zu stellen. Was für Leute bei denen wohl ihr Kreuzchen machen?

  10. 2.

    Über die FDP und deren durchsichtiges Spiel kann man nur noch lachen. Einerseits gegen alles sein was an klimafreundlichen Veränderungen diskutiert/geplant/umgesetzt wird und nun jammern, dass zu wenig getan werde. Ein Wunder dass diese Splitterpartei überhaupt noch ein paar Stimmen erhält.

  11. 1.

    Liebe Redaktion, warum muss darüber so exponiert berichtet werden? Damit geben Sie derartigem ungebührlichem Verhalten den richtigen Werbeplatz. Kann man nur sagen: Zweck der Aktion erfüllt.

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