07.11.2018, Berlin: Ein Baugerüst steht an einem Rohbau neben bereits fertiggestellten Neubau-Wohnungen in Kreuzberg. (Quelle: dpa: Bernd von Jutrczenka)
Audio: Inforadio | 12.04.2019 | Jan Menzel | Bild: dpa/Bernd von Jutrczenka

Neubauten in Berlin - Klimaschutz beim Neubau in Berlin bleibt ausbaufähig

Klimaschutz fängt buchstäblich vor der eigenen Haustür an: Der Gebäudebereich war 2012 in Berlin für etwa die Hälfte aller CO2-Emmissinen verantwortlich - und die Stadt wächst weiter. Trotzdem steckt klimaneutrales Bauen in Berlin noch in den Kinderschuhen. Von Jan Menzel

Vor Dirk Seubert liegt ein dickes Hochglanz-Buch auf dem Tisch. Seubert blättert darin nicht ohne Stolz. Die Bilder zeigen alle Projekte der Degewo in den letzten Jahren. 60 Neubauvorhaben insgesamt - zum Teil fertig, zum Teil in der Mache. "Wir haben uns vom ersten Gebäude an die Aufgabe gestellt, dass wir über die energetischen Vorgaben hinausgehen", sagt der Degewo-Neubau-Chef.

Vier von fünf Neubauten der landeseigenen Degewo sind besser als es der Bundesgesetzgeber vorschreibt. Sie erfüllen den KfW-Standard 55. Das heißt sie sind um 45 Prozent sparsamer als die Energieeinsparverordnung verlangt. Jedes Baugrundstück werde genauer angeguckt, sagt Seubert. Es werde in Technik investiert oder vorhandene Fernwärme genutzt. Das gehe besonders gut in Innenstadtlagen, wenn in Fernwärmegebieten Baulücken geschlossen werden.

"Null-Energie-Neubaumietshaus noch Fiktion"

Der zweite Hebel, um Klimaschutzvorgaben umzusetzen, ist die Dämmung. Doch obwohl die Degewo besser ist als das Gesetz: Auch die neuesten Wohnhäuser verbrauchen Energie und produzieren so CO2. Das Null-Energie-Neubaumietshaus ist in Berlin noch Fiktion, sagt Jörg Lippert vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen BBU. Man würde so ein Projekt gerne umsetzen, "wenn das praktisch machbar wäre. Und wenn das auch finanzierbar wäre." Das sei es aber nicht, sagt  Lippert, den noch etwas stört: Die Vorschriften seien viel zu strikt, was optimale Lösungen für einzelne Gebäude verhindere. Insbesondere die Vorgaben zur Gebäudedämmung lehnt der BBU ab. Besser beispielsweise Fernwärme auf erneuerbare Energien umzustellen, lautet die Empfehlung des Vertreters der Wohnungswirtschaft.

Blick über die Stadtgrenzen könnte sich lohnen

Matthias Krümmel vom Bund für Umwelt- und Naturschutz, BUND, hält das wiederum für einen ganz typischen Reflex: Beim Klimaschutz werde gerne mit dem Finger auf die anderen gezeigt, sagt Krümmel. Und das funktioniere nicht, denn für die Häuser sei das nun einmal die Wohnungswirtschaft zuständig.

"Die Energieeffizienz im Gebäudebereich heißt natürlich Dämmung und heißt natürlich andere baustoffe zu verwenden", sagt Krümmel. Andere Städte wie Wien würden das im Neubaubereich schon lange vormachen. Beim Klimaschutz könnte der Blick über die Stadtgrenzen hinaus also durchaus lohnen.

Beitrag von Jan Menzel

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Antwort auf [Rollatorin] vom 16.04.2019 um 21:12
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2 Kommentare

  1. 2.

    Man könnte aber auch den Zuzug von Studierenden verhindern die die gesamten Familien-Wohnungen für Fck-WGs wegschnappen.

  2. 1.

    Was kosten denn die Mieten der tollen Neunbauten der Degewo und zwar ohne Zuschuss des Steuerzahlers? Zur Dämmung: Verdammt, es muss doch möglich sein, den Neubau noch teurer zu machen, damit noch weniger gebaut wird und noch mehr Menschen auf die Straße gehen.

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