An der Fleischtheke (Quelle: rbb/Daehler)
Audio: Inforadio |10.04.2019 | Helena Daehler | Bild: rbb/Daehler

Nachhaltigkeitskonzept in Berlin - Wurst kaufen gehen und ohne Plastikmüll zurückkommen

Ein Supermarkt im Berliner Bezirk Wedding gehört zu den ersten in Berlin, bei denen Kunden ihren Einkauf an der Frischetheke in Mehrwegboxen packen lassen können. Die Möglichkeit wird anscheinend gut angenommen. Von Helena Daehler

Für meinen nächsten Einkauf im Supermarkt muss ich mich vorbereiten: In welchem Küchenschrank sind nochmal die vielen Frischhalteboxen und welche nehme ich denn jetzt für Käse und welche für Wurst? Regeln für die Gefäße, die der Kunde in den "Vorzeige-Markt für Nachhaltigkeit" - wie ihn die Edeka-Pressestelle anpreist - mitbringen kann, gibt es nur wenige: Sie müssen sauber und verschließbar sein.

Erstaunlicherweise liegt der Laden nicht in Prenzlauer Berg oder Mitte, sondern mitten im Wedding - neben Dönerbuden, Shisha-Bars und Handyshops. Dort, im Supermarkt Fromm, wurde vor wenigen Wochen das Mehrweg-Konzept an der Frischetheke eingeführt.

Berühren verboten

Ich stehe also an der Fleischtheke und präsentiere dem Verkäufer meine Frischhaltebox. Er begutachtet sie wohlwollend und bittet mich darum, den Deckel abzunehmen. Dann streckt er mir ein rotes Tablett entgegen, auf das ich meine offene Dose legen soll. Das Tablett dient dazu, dass der Verkäufer und der Hygieneraum hinter der Theke nicht mit meinem mitgebrachten Gefäß in Berührung kommen. Eine Vorgabe des Veterinäramtes.

Ich entscheide mich für 100 Gramm Salami. Abgewogen wird diese direkt in meiner mitgebrachten Dose, die auf dem Tablett auf der Waage steht. Wenn noch mehr dazu kommt, wird die Waage wieder auf Null gestellt, so dass immer wieder neu berechnet werden kann. Danach wird mir das rote Tablett wieder entgegengestreckt.

Ich schaue auf meine Frischhaltebox mit der Salami, verschließe sie und klebe das Etikett auf den Deckel, das mir der Verkäufer in die Hand drückt. Ich fühle mich ganz zufrieden. Vor allem, als ich bemerke, dass eine Kundin neben mir ihr Fleisch gerade in mehreren Schichten Plastikfolie gereicht bekommt.

Umweltbewusst einkaufen findet Anklang

Das Interesse der Kunden am Mehrweg-System sei riesig, sagt Björn Fromm. Er ist der Inhaber des kleinen nachhaltigen Supermarktes und hat sich stark gemacht für eine schnelle Einführung des Öko-Konzeptes: "Nach wenigen Wochen nehmen schon über zehn Prozent unserer Kunden das neue Angebot wahr".

Das Konzept nachhaltigen Einkaufens setzt die Supermarktkette auch mit Mehrwegnetzen für Obst und Gemüse sowie recyclebaren Tiefkühltaschen um - und mit Natural Branding. Dabei wird über einen Lichtstrahl die Oberflächenstruktur der äußersten Schalenschicht einer Frucht leicht verändert. Somit tragen die Früchte die gesetzlichen Kennzeichen auf der Oberfläche und ein zusätzliches Etikett ist nicht notwendig.

Mehrweg-Konzept an der Frischetheke bald bundesweit

Grundsätzlich haben alle Edeka-Märkte die Möglichkeit, das neue Mehrweg-Konzept an Frischetheken einzuführen. In einigen Fällen gibt es allerdings noch Abstimmungsschwierigkeiten mit den Veterinärämtern, die von Fall zu Fall teilweise anders über Hygienevorschriften entscheiden. Wären da die Hürden weniger hoch, stünde einer bundesweiten Einführung des Konzeptes nichts im Wege.

Wie viele Edeka-Märkte in Berlin das Mehrweg-Konzept eingeführt haben, kann mir die Pressestelle von Edeka auch auf mehrmaliges Nachfragen erstaunlicherweise nicht sagen. Fromm schätzt, dass rund ein Drittel der 180 Märkte in Berlin in Zukunft auf das Mehrweg-Konzept setzt.

Im Fall des Edeka-Marktes Fromm in Wedding hat es bisher keine Beanstandungen gegeben. Im Gegenteil. Und auch ich bin angetan von der neuen Möglichkeit frische Lebensmittel zu kaufen. Zuhause lege ich meine Frischhaltebox in den Kühlschrank neben die vielen anderen, in viel Plastik eingepackten Produkte. 

Beitrag von Helena Daehler

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Antwort auf [Stechbein] vom 11.04.2019 um 11:53
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15 Kommentare

  1. 15.

    Wer schleppt ständig Zeug mit sich herum? Ich nicht....Und ich latsche bestimmt nicht mit meiner Dose in den Laden. Irgendwann ist mal Schluss mit diesem Wahn. Pfand nervt schon genug. Kollegin lässt schon alles liefern, weil sie nicht schleppen will.

  2. 14.

    Das hatte ich noch gar nicht mitbekommen, obwohl dies mein "Stamm"laden ist.
    Finde ich gut, man schleppt ja sowwieso immer viel mit sich rum, da macht eine Plastikdose auch nichts mehr aus...
    Kritik: Käse gibt es bei dem Edeka nur abgepackt, und das auch nicht immer sehr appetitlich.

  3. 13.

    Stimme zu. Einziger Unterschied ist, ich gehe zwischendurch einkaufen, wenn es gerade auf dem Weg liegt. Wurst ist eh nicht mein Ding. Käse kaufe ich teils wie Sie "ab Werk" oder das Verpackte an der Käsetheke. Fleisch je nach Sorte (Geflügel verpackt, Rind und Lamm an der Frischetheke). Eigene Behältnisse trage ich nicht mit mir herum. Von mir aus kann die Verpackungsindustrie sich was neues ausdenken. Mir ist nur Hygiene und Qualität wichtig.

  4. 11.

    Wenn ich Wurst oder Fleisch kaufe sollte es ne Weile halten und sauber ab Werk verpackt sein.
    Ich habe nicht jeden Tag Zeit einzukaufen, habe einen Beruf.
    Plastik wurde nicht umsonst erfunden, ich sehe darin nach wie vor eine keim- und schmutzresistente Notwendigkeit! Und wer weiss ob die "Frischetheke" überhaupt frisch ist, man hat viel über Tricks gelesen.
    Im Werk können sie sich sowas gar nicht erlauben.

  5. 9.

    Klingt so, als ob es Ihnen schon möglich wäre, Sie aber zu faul sind zu planen, oder die Umwelt, bzw der Verpackungsmüll darin, Ihnen egal ist.

  6. 8.

    Ist ja prinzipiell eine schöne Sache und wenn es mir möglich wäre, ich meine Einkaufszeiten entsprechend planen könnte, würde ich mich diesem System u.U. sogar anschließen.

    Aber ähnlich wie viele andere Menschen auch, plane ich meine Einkäufe nicht. Wenn es gerade ins Tageskonzept passt, gehe ich eben einkaufen. Und da ich normalerweise keine Tupperboxen mit mir herumschleppe, werde ich wohl weiterhin die Plastikfolien verbrauchen.

  7. 7.

    Grundsätzlich finde ich das sehr, sehr gut. Der Verpackungsmüll macht uns doch total krank.
    Ist es denn normal, daß man eine Verpackung in Größe eines A5 Blattes bekommt, wo schlussendlich nur 80 Gramm Aufschnitt drin sind? Meiner Meinung nach tragen die Hauptschuld doch die Werbeindustrie, das Marketing und die „dummen“ Konsumenten, die dich von ihr blenden lassen. Zusätzlich kommt die Angst von Lebensmittelkontrolle und Klagewahnsinn á là USA dazu.

    Wenn es geht versuchen wir selbst auf Ware in Gläsern zurückzugreifen. Bei Getränken achten wir auf Pfandflaschen.
    Wir( zwei Erwachsene und zwei Kinder - 8 und 10- ) produzieren innerhalb 14 Tagen mindestens zwei bis zweieinhalb gelbe Säcke voll mit Kunststoff und Verpackung.
    Meine Meinung. Und alle Zweifler: ich bin nicht „grün“, fahre weder E- Auto noch ÖPNV oder ernähre mich Bio- vegan. Und wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich sehr gern meine mitgebrachten Dosen über die Fleisch- oder Käsetheke reichen.

  8. 6.

    Total unpraktikabel, ich gehe nicht gezielt einkaufen, sonder wenn die Gelegenheit sich ergibt. Deswegen schleppe ich auch keine Dosen mit mir herum. Aber wer es so machen will, bitte sehr

  9. 5.

    Guten Tag, wir sagen auch nicht, dass es der erste ist, sonder einer der ersten. LG aus der Redaktion

  10. 4.

    Schön - stimmt aber so nicht. Fromm ist nicht der erste. Bei der Bio Company ist das schon seit letztem Jahr möglich - und zwar in allen Filialen.

  11. 3.

    Finde ich positiv. Mehr davon.

  12. 2.

    Sehr gut! Sollte überall Standard sein! Spart dem Supermarkt sogar Geld für Verpackungsmaterial...

  13. 1.

    Sehr gut! Ich hoffe. dass das Schule macht.

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