Symbolbild: Ein Taijitu, Yin-Yang-Symbol, aus Sträuchern geformt, traditionelle chinesische Kultur. (Quelle: dpa/Lawrence Lu)
Bild: dpa/Lawrence Lu

Der Absacker - Heiliger Yinyang!

Ein beliebtes Tätowierermotiv könnte zum Logo des Corona-Jahres werden: Das chinesische Konzept von Yin und Yang beschreibt die aktuelle Krise nämlich ganz gut. Überall wo Licht ist, ist auch Schatten, alles Gute hat auch sein Schlechtes. Es philosophiert für Sie Sebastian Schöbel.

Steigende Infektionszahlen führen zu Einschränkungen der individuellen Freiheit, was die Infektionszahlen sinken lässt und wieder mehr individuelle Freiheit ermöglicht... bis die Infektionszahlen wieder steigen.

Zwei gegensätzliche Dinge, die sich doch gegenseitig beeinflussen: Die Chinesen haben dafür das Konzept von Yin und Yang. Falls Sie sich also für das Corona-Jahr 2020 noch ein Tattoo stechen lassen wollen, wäre das vielleicht eine Inspiration.

1. Was vom Tag bleibt

Polen hat es heute geschafft, das Prinzip von Yin und Yang nachrichtlich quasi im Alleingang darzustellen.

Da wird einerseits am Samstag die Grenze wieder geöffnet - nicht nur für Freunde des Schengen-Raums eine Freude, sondern vor allem für die vielen Pendler, die seit Wochen wegen der Reisebeschränkungen und Corona-Kontrollen in Staus wertvolle Lebenszeit verschwenden mussten - oder Schlimmeres erlebten.

Doch wo die eine Grenze aufgemacht wird, zieht man sie anderswo wieder hoch: In diesem Fall in den Köpfen. Denn inzwischen haben sich dort 100 Lokalregierungen zu sogenannten "LGBT-freien Zonen" erklärt. Darunter sind, wie mein Kollege Steven Meyer recherchiert hat, auch die Partnerstädte von Hohen Neuendorf, der Landkreis Oberhavel und Steglitz-Zehlendorf. Warum das unendlich traurig ist, sollte eigentlich jedem von uns klar sein.

2. Abschalten

Bei der Berliner Polizei sieht Yin und Yang folgendermaßen aus: Sie muss gleichzeitig Kuscheldecke und Boxsack für die ganze Stadt zugleich sein. Während sich die einen schon bei der kleinsten Krise mit überzogenen Erwartungen an sie schmiegen, reagieren sich die anderen regelmäßig aggressiv an ihr ab. So soll die Polizei einerseits die Corona-Eindämmungsverordnung durchsetzen, auch wenn sich zum Beispiel Tausende auf dem Alexanderplatz knubbeln. Andererseits zielt die Debatte um das Landesantidiskriminierungsgesetz vor allem auf die Polizei und ihre zuweilen recht... einseitige Einteilung der Stadtbevölkerung in verdächtige und unverdächtige Personen. Und dann fliegen schon mal die Fäuste...

Die Combo des Landespolizeiorchesters Polizei Brandenburg erinnert uns jetzt in einem neuen Musikvideo daran, wie das Yin der Berliner Polizei aussieht:

Wie das Yang aussieht, haben die Kolleginen und Kollegen der rbb-Jugendwelle Fritz 2017 vertont:

3. Und, wie geht's?

Der Absacker ist Ihr Platz, um mit uns ins Gespräch zu kommen über das Yin und das Yang in Ihrem Leben. Da ist mal Licht und mal Schatten. Gelegentlich gibt es aber auch einfach keine zwei Seiten - sondern nur eine, sehr gute.

In meinem Absacker vom Sonntag konnte ich über ein tolles Hilfsangebot von Holger K. für eine ältere Dame in Berlin berichten.

Nun hat sich Carola F. aus Oranienburg gemeldet. Sie hat bei uns am Montag den Artikel meiner Kollegin Jule Käppel über die schwierige Lage von Studierenden gelesen. Vor allem die Geschichte von Lena aus Oranienburg, die aktuell nicht ihrer Arbeit nachgehen kann, hatte es ihr angetan. Bei der 23-Jährigen ist das Geld jetzt gerade sehr knapp. Deswegen hat Carola via Absacker ein Angebot geschickt:

Ich könnte Lena einige Wochen einen Job anbieten, da ich mir den Knöchel gebrochen habe.

Danke, Carola! Ich habe das Angebot umgehend weitergeleitet und hoffe, dass Lena damit ein bisschen geholfen ist.

Hat Ihnen jemand in der Corona-Krise besonders geholfen? Wem würden Sie gern helfen? Und wem ist nicht mehr zu helfen? Schreiben Sie uns gerne an absacker@rbb-online.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

 

4. Ein weites Feld...

Zum Schluss nochmal ein Gedanke zu Yin und Yang: Kaum eine Senatorin erlebt das Konzept gerade so intensiv wie die für Bildung und Familie zuständige Sandra Scheeres.

Weil sie gerade die Rückkehr zum Regelbetrieb in Schulen und Kitas verkünden konnte, müssten ihr die Berliner Eltern eigentlich scharenweise um den Hals fallen.

Allerdings springen ihr gleichzeitig nun gleich auch die Gewerkschaften in den Rücken, weil sie Konzepte, Notfallpläne, Sicherheitszusagen und vieles andere fordern, die Scheeres oft nur indirekt liefern kann, weil Berlins Schulen auf ihre Eigenständigkeit pochen - während Elternvertreter sich beschweren, dass die Lockerungen viel zu schnell gingen.

Es ist bislang nicht bekannt, ob Sandra Scheeres ein Yin-Yang-Tattoo hat.

Gänzlich untätowiert grüßt,

Sebastian Schöbel

Was Sie jetzt wissen müssen

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

8 Kommentare

  1. 8.

    "Zählt Daoismus zu Aluhütchen??? "
    Nein.

  2. 7.

    wo wurde das Symbolbild aufgenommen?

  3. 6.

    Also ich finde das mehr als unendlich traurig was die Polen veranstalten und gehört eher aufs schärfste verurteilt.
    Schade dass sich die Partnerstädte nicht sofort von den polnischen Gebieten lösen.

  4. 5.

    Netter Absacker... wobei... also der singende Polizist... schon im The Voice hatte ich so meine Probleme ;-) aber det is ja glücklicherweise Geschmackssache und die Jungs haben ein vernünftiges Hobby jenseits von Aluhütchen und so. Zählt Daoismus zu Aluhütchen???

    Ich schaue bei den Kommentaren z. B. beim vorgestrigen Absacker ja immer erst mal auf den Namen des Verfassers :-) um mir sein Geburtsjahr auszumalen. Total interessant übrigens. Man könnte eine Quiz daraus machen. Man liest den Text und versucht, einen Vornamen zu finden. Oder umgekehrt - man liest einen Vornamen und versucht, die Meinungsäußerung zu erraten. Trefferquote ist hoch ;-)

  5. 4.

    Die Tatoo-Studios scheinen den Daoismus nicht so richtig zu vermitteln. Aber trotzdem schön, dass die rbb24-Redakteure anfangen sich für Religionen zu interessieren, anstatt sie immer nur als weltfremd zu beschimpfen. Weiter so....

  6. 3.

    So genau kenne ich mich mit Yin und Yang nicht aus, aber interessante Anmerkung.

    Für mein unzureichendes Verständnis von Yin und Yang war der Absacker sehr treffend und unterhaltsam - vielen Dank dafür.

    Im Speziellen die Polizei-Videos fand ich beide super - einerseits, weil es offenbar noch Polizisten mit Engagement gibt, die über einen stressigen, fordernden und oft undankbaren Beruf hinaus Lust drauf haben, so ein cooles Image-Video zu kreieren.

    Das andere Video, das als Yang gilt, hat mich auch gut zum Schmunzeln gebracht. Ich habe den genauen Skandal nicht mehr 100%ig im Kopf, meine aber, dass bis auf das eigene Image niemand geschädigt wurde...? :)

    Jedenfalls sind das auch zwei richtig gute Möglichkeiten, bezugnehmend auch auf den letzten Absacker, kreativ seine Meinung zu äußern.
    Für die Ohren auf jeden Fall viel schöner als Pöbelei und Getuttere.

  7. 2.

    Als Hobbyphilosoph muss ich Ihrer Interpretation leider widersprechen, Hr Schöbel: In der fernöstlichen Filosofie stehen Yin & Yang m.E. für Gegensatzpaare, die sich miteinander immer zu einem letztlich guten "Großen Ganzen" ergänzen: Tag & Nacht, Arbeit & Pause, Regen & Sonne, usw & sf. Wenn man so eine schwarz-weisse Yin-Yang-Scheibe schnell dreht, dann sieht man bunt. Die meisten der von Ihnen genannten Gegensatzpaare allerdings würden da gerade mal grau liefern, manche tendieren gar Richtung braun: Z.B. kann ich an den LGBT-freien Zonen nichts erkennen, das auch nur im Ansatz Teil von irgend etwas Gutem sein könnte. Und die genannten Probleme rund um Polizei und Bildung gehen allesamt in eine negative Richtung, scheinen sich in dieser Form also auch nicht zum Guten ergänzen zu können. "Zuckerbrot & Peitsche" etwa widerspräche klar modernen Gesellschaftsmodellen. - Offenbar haben also traditionelle Weltmodelle Vor- aber auch Nachteile. Ob das nun wieder unter "Yin & Yang" fällt?

  8. 1.

    Es ist immer wieder bezeichnend, wenn Menschen von außen an die Angelegenheit herangehen, anstatt sie "von innen heraus", aus sich selbst heraus zu verstehen. Damit ist das Vermögen zu einem Perspektivwechsel verbunden.

    Die uralte chinesische Auffassung, die mit dem aktuellen China so wenig zu tun hat, wie die Germanen, die in den Wäldern hausten, mit den gegenwärtig so bezeichneten Deutschen, sie beruht nicht auf Aufrechnung. Gänzlich anders: Sie ist fern jeglicher Aufrechnung.

    Es ist eine gänzlich andere Auffassung als diejenige, die die Welt hermetisch in Schwarz und Weiß, in Gut vs. Böse teilt und daraus zu schlussfolgert, dass das vermeintlich Gute den Sieg, das vermeintlich Böse aber gefälligst zur Niederlage geführt werden müsse.

    "So bin ich immer Teil von dem, über das ich die Rede führe." Ungefähr so könnte dieses Prinzip übersetzt werden. Keine Berliner Mauer wäre unter diesem Aspekt je gebaut worden, keinem so bez. Bösen jemals "aufs Haupt" geschlagen worden ...

Das könnte Sie auch interessieren

Corvus Corax bei ihrem Konzert auf einem Bauernhof in Alt-Lübars in Berlin. Quelle: Hendrik Schröder
Hendrik Schröder

Konzertkritik | Corvus Corax - Zurück ins Mittelalter

Konzerte zu machen ist schwer in Corona-Zeiten. Auf einem Bauernhof in Alt-Lübars hat man nun einen guten Weg gefunden, wieder Musik zu veranstalten. Am Wochenende spielte die Mittelalterband Corvus Corax. Von Hendrik Schröder