Symbolbild: Ein Mann fährt mit drei Pudeln in einem Cabriolet durch Berlin. (Quelle: imago images/R. Kremming)
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Der Absacker - Einfach nur raus!

Alle wollen raus: aus der kleinen Wohnung, aus der engen Stadt. Und jetzt dürfen wir es auch wieder, ganz offziell. Laura Kingston darüber, was es für die einen bedeutet, wieder raus zu können - und für andere, sich rausgedrängt zu fühlen.

Raus. Alle wollen einfach nur noch raus. Den Eindruck habe ich zum Beispiel, wenn ich mit meinen Freunden über Wochenendpläne spreche. Und auch ich kann zur Zeit an nichts anderes denken als: Raus hier!

Bei mir geht es vornehmlich nicht um Wochenendausflüge, sondern darum, dass ich raus aus meiner WG will. Die Quarantäne-Zeit hat eines deutlich gemacht: Das Zusammenleben funktioniert nicht mehr. Und während ich jede freie Stunde drinnen verbringe, um nach Wohnungen zu suchen, wird mir bewusst: Die eigenen vier Wände, ein Zuhause, haben durch Corona an Bedeutung gewonnen.

Was vom Tag bleibt

Raus wollen an diesem Wochenende vermutlich viele, weil es ein langes ist. Raus ans Meer, raus nach Brandenburg. Das ist endlich wieder erlaubt. Aber bevor die Ausflügler auch endlich rausgekommen sein werden, steht ihnen vor allem eines bevor: Stau. Der ADAC erwartet Staus und volle Autobahnen. Aber vielleicht gehört das auch einfach zu der lang ersehnte Normalität dazu, im Stau zu stehen. Was man nicht alles auf sich nimmt, um rauszukommen.

Wer es am Wochenende nicht aufs Land oder ans Meer schafft, kann sich einer der mehr als 60 angemeldeten Demos in Berlin anschließen. Denn ab Samstag gelten keine Teilnehmerbeschränkungen mehr für Demos. Raus, um die wieder das Grundrecht zu demonstrieren wahrzunehmen.

Abschalten

So langsam nimmt Corona einen geringeren Stellenwert in der Berichterstattung ein und es schleichen sich "andere" Nachrichten in die Zeitungen. Nachrichten, die weit draußen, außerhalb unserer vier Wände und auch unserer Grenzen stattfinden. Eine beschäftigt mich ganz besonders: der Fall George Floyd. Er ist am Montag im Alter von 46 Jahren gestorben. Zuvor hatte ein Polizist fast acht Minuten lang sein Knie auf Floyds Hals drückt. Der Polizist ist weiß, George Floyd war schwarz. Und das ist nur ein Beispiel von Polizeigewalt gegen Afro-Amerikaner. Seitdem kommt es zu Protesten, eine Polizeiwache in Minneapolis wurde in Brand gesetzt. 

Sie fragen sich jetzt vielleicht: 

Was hat das mit Berlin, Brandenburg oder Corona zu tun? Was hat das mit mir zu tun? Ich sage Ihnen: Der Fall geht jeden und jede einzelne von uns etwas an. Denn er zeigt: Wir sind weit entfernt von einer Rassismus-freien Gesellschaft. Und jede und jeder von uns sollte ihren bzw. seinen Teil tun, um dahin zu kommen. 

Ein guter Anfang ist das Hörbuch von der Tupoka Ogette mit dem Namen "Exit Racism", was die Autorin umsonst zur Verfügung stellt.

 

Und, wie geht's?

Der Berlinerin Edeltraud Schröder geht es schlecht. Sie hat 30 Jahre lang für die Steakhaus-Kette Maredo in Berlin-Mitte gearbeitet. Im März musste sie in Kurzarbeit, am 28. April wurde ihr mitgeteilt, dass sie zum 30. April gekündigt wird. Sie steht mit ihren 64 Jahren kurz vor der Rente und wollte diese eigentlich durch ihre Arbeit bei Maredo noch ein bisschen aufbessern. Wie sieht ihr Alltag jetzt aus?

"Ich mache kaum noch etwas. Manchmal komme ich raus, manchmal gieße ich die Blumen bei uns im Hof, aber die meiste Zeit bin ich ziemlich niedergeschlagen", sagt sie.

Wie hat sich Ihre Jobsituation durch Corona verändert und wie geht es Ihnen damit? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

Ein weites Feld

Während immer mehr Leute raus gehen und in vielen Bereichen des Lebens schon wieder so etwas wie Normalität scherrscht, erscheint die komplette Corona-Pandemie wie eine Art Albtraum, an denen man sich nach dem Aufwachen nur noch ganz vage erinnert. Unweigerlich stellt sich mir die Frage: Wie werden wir in einigen Jahren auf diese Zeit zurückblicken? Und was wird sie mit unserer Gesellschaft, und den Individuen in ihr, machen?

Ich lade Sie ein, auch einmal über diese Fragen nachzudenken und uns zu schreiben, wenn Sie mögen. 

Passen Sie auf dich auf und bewahren sie ein Lächeln (unter dem Mundschutz).

Ihre

Laura Kingston

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3 Kommentare

  1. 3.

    Da geht ja einiges durcheinander.
    Die Protestierenden (um es Mal nicht diffamierend und diskriminierend zu sagen), wenden sich ja gegen die z.T. willkürlichen Maßnahmen, durch die wie Frau Schröder viele andere jetzt vor dem Nichts stehen, was insgesamt schlimmere Folgen hat, wahrscheinlich sogar schlimmer ist, als die direkten Erkrankungen durch Covid.
    Egal, wer da nun letztendlich Recht behält, Proteste müssen erlaubt sein und nicht als Spinnerei deklassiert werden. Denn das wäre das Ende von Demokratie.

  2. 2.

    Wow, endlich mal ein toller absacker, stimme hier fast komplett überein und vor allem endlich mal andere Themen die genauso oder wenn nicht sogar noch viel wichtiger sind, wie z.b. diese Rassisten Polizei in den USA, schlimm sowas, ich hoffe der wird richtig lange verknackt.

  3. 1.

    So wie Edeltraut Schröder geht es doch ganz vielen - vor allem älteren - Menschen, das ist schlimm! Erst ist es nur Niedergeschlagenheit, die Einsamkeit mit der stets (geschürten) Angst, sich etwas wegzuholen, ist bei älteren Menschen übermächtig. Die Umständlichkeiten des Alltages, die uns Jüngere schon entsetzlich strapazieren, werden bei Menschen mit Brille, Hörgerät, Gehbehinderung und Vorerkrankungen schlicht zur Katastrophe.

    Und dann kommen noch Aluhütchen und Leugner, und gefährden genau diese Gruppe, die sich bemüht, durch Gesundbleiben niemanden zur Last zu fallen!

    Edeltraut, ich wünsche Ihnen alles Gute, ich hoffe, dass Sie noch einmal eine Tätigkeit finden, in der Sie auch nach Renteneintritt noch dazuverdienen können und vor allem "raus kommen", einfach nur raus, so, wie es der Absacker so deutlich macht, vor die Tür, Kontakt (!) ohne Verbot mit anderen Menschen, deren Lächeln man sehen kann...

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