Menschen sitzen am 8. Mai im Volkspark am Weinberg in Berlin-Mitte. (Quelle: imago/
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Der Absacker - Eine Frage des Glaubens

In den letzten Tagen ging es fast nur um Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Manche atmen unter ihrer Schutzmaske auf, andere bemängeln, dass die neuen Bestimmungen zu locker sind. Vieles scheint im Moment eine Frage des Glaubens zu sein. Von Laura Kingston

Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit dem Thema "Glauben" beschäftigt. Und das nicht nur, weil ich eine junge Muslimin im Ramadan interviewt habe.


Glaube und Vertrauen scheint für viele auch in Sachen Corona eine immer größere Rolle zu spielen. Vertraue ich auf das Wissen der Virologen und auf die Schlussfolgerungen, die die Politiker daraus ziehen? Glaube ich an die Wirkung von Gesichtsmasken? Manche scheinen überzeugt, dass die Gefahren durch das Corona-Virus ausgedacht oder übertrieben sind. Sie unterstellen den Leuten, die Gesichtsmasken tragen und Hygienestandards einhalten, einen falschen Obrigkeits-Glauben. Sie sind – manche radikal, manche weniger radikal - "Corona-Skeptiker". Und sie treffen sich nicht nur zu Hygienedemos, sondern vor allem im Netz. Und genau dort, auf Twitter, trendete heute sogar ein Artikel der "Bild" über "Deutschlands klügste Corona-Skeptiker". Na, war denn alles für die Katz – oder ist das der richtige Umgang mit Glaube: Zu kucken, was steckt dahinter?

1. Was vom Tag bleibt

In den letzten Tagen hat es endlich mal wieder Spaß gemacht, Nachrichten zu schauen, denn es ging viel um Lockerungen. Und was kommt nach den Lockerungen? - Die Diskussion darüber, ob die Politik die Zügel jetzt vielleicht ein bisschen zu locker lässt. Bund und Länder haben sich nämlich auf eine Obergrenze geeinigt: Wenn sich in einem Landkreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 50 Menschen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen neu infizieren, dann soll die Notbremse in Sachen Lockerungen gezogen werden. Viele halten diesen Wert für zu hoch, unter ihnen auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci, die dem rbb am Freitag sagte: "Die Zahl 50 ist viel zu hoch".

Während ich diese Zeilen schreibe, gibt Dietmar Woidke eine Pressekonferenz zu: Lockerungen in Brandenburg. Das Ergebnis? Kinder dürfen wieder auf Spielplätze, Menschen aus zwei unterschiedlichen Haushalten dürfen sich wieder treffen, alle Geschäfte machen wieder auf. Alle Lockerungen in der Übersicht, finden Sie hier

2. Abschalten

Dass das Gedenken vom Kriegsende "Abschalten" bedeutet, scheint erst einmal absurd. Aber tatsächlich ist der 75. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkrieges für mich ein Anlass, ein bisschen zu reflektieren. Und nicht nur, weil heute Feiertag in Berlin ist und die Straßen und der Kopf ein bisschen freier sind. Sondern auch, weil es ein gutes (Online-)Angebot gibt, sich über diesen schicksalshaften Tag zu informieren und noch ein bisschen demütiger auf die deutsche Geschichte zu blicken. Die "Kulturprojekte Berlin" haben etwa einen virtuellen Gang durch das Berlin vor 75 Jahren kreiert. Den kann man entweder auf der Website "gehen" oder wirklich die wichtigsten Orte besuchen und durch eine Augmented-Reality-App in der Zeit reisen. 

3. Und, wie geht's?

"Ich mache das Beste draus." Diesen Satz sagt Nassim Ammari aus Berlin-Moabit oft, wenn man sie auf ihre Probleme anspricht. Etwa, dass sie ihren Wunsch-Studentenjob bei JUMA e.V. (Jung Muslimisch Aktiv) - durch fehlende Finanzierung in Zeiten von Corona - verloren hat. Oder dass sie und ihre Mutter gerade von 430 Euro Hartz 4 leben müssen. Dass sie den Ramadan nicht, wie sonst, mit ihren Freunden feiern kann. Nassim ist trotz allem positiv gestimmt. Sie sagt: "Ramadan ist für viele Muslime auch ein Monat der Hoffnung - man lernt die Wertschätzung kennen, für das, was man hat. Und auf der anderen Seite betet man ja zu Gott, dass alles wieder gut wird in der aktuellen Lage."

 

Wie erleben Sie denn die aktuelle Lage? Was hilft Ihnen, Hoffnung zu bewahren? Schreiben Sie uns an: absacker@rbb-online.de

4. Ein weites Feld

"Bleiben Sie gesund!", habe ich unter meine letzte Kolumne geschrieben und eine ehrliche und - mir neue - Rückmeldung von einem Leser bekommen. Diese Floskel diskriminiere alle chronisch kranken oder erkrankten Menschen. Das habe ich kurz einsacken lassen und habe mich dann über mich selbst geärgert. Eine abgegriffene Floskel, die wirklich nicht alle Menschen einschließt.

Deswegen sage ich Ihnen heute am Ende dieses Absackers: Passen Sie auf sich auf, bewahren Sie Geduld - und ab und zu ein Lächeln unter der Schutzmaske!  

Laura Kingston

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Beitrag von Laura Kingston

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2 Kommentare

  1. 2.

    " und ab und zu ein Lächeln unter der Schutzmaske! " was nicht sichtbar ist

    Wer nur mit dem Mund lächelt, lächelt falsch.

  2. 1.

    " und ab und zu ein Lächeln unter der Schutzmaske! " was nicht sichtbar ist

    " Glaube ich an die Wirkung von Gesichtsmasken? " der Schutz von Mundmasken wurde zuerst lächerlich gemacht weil ja keine Masken verfügbar waren. Inzwischen sind sie vorgeschrieben, soviel zur Glaubhaftigkeit . Über deren Wirksamkeit mag jeder für sich nachdenken.

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