Maske in der Bahn (Quelle: imago-images)
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Der Absacker - Keine Macht der Maskenmüdigkeit!

Berlin ist der Mund-Nasen-Bedeckung offenbar überdrüssig. Deswegen diskutiert die Politik jetzt über eine Kontrolle im ÖPNV. Laura Kingston über den Ärger um ein kleines Stück Stoff, das sie bei ihrer jüngsten Bahnfahrt schmerzlich vermisst hat.

"Ich stinke!" Das ist der Gedanke, der mir am Mittwochabend nicht aus dem Kopf geht. Ich trotte mit einem 12 Kilo schweren, sandigen Trekkingrucksack auf das S-Bahn-Gleis des Hauptbahnhofs und muss noch nach Kreuzberg. Geduscht habe ich das letzte Mal Sonntagabend und ich bin die vergangenen Tage stundenlang durch die sächsische Schweiz gewandert...

Da kommt mir der rettende Gedanke: Mund-Nasen-Schutz! Mich kann also eh niemand riechen. Die S-Bahn fährt ein, ich betrete den Waggon und stelle mit Entsetzen fest: Kaum jemand hier trägt so ein Teil.

1. Was vom Tag bleibt

Und genau das beschäftigt gerade die Berliner Politik, wenn auch nicht aus dem Motiv, dass die Abgeordneten in den Öffis nicht gerochen werden werden wollen. Den ersten Vorstoß zu einer Kontrolle der Mund-Nasen-Bedeckung in den öffentlichen Verkehrsmitteln hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) gemacht. Kommenden Dienstag will der Berliner Senat über das Thema Bußgeld für Maskenmuffel im ÖPNV beraten. Bleibt nur die Frage: Wer soll der oder die Böse sein, der die freiliegenden Rotzlöffel ahndet und bestraft? Weder die BVG noch die Berliner Polizei haben sich bisher in der Frage aufgedrängt.

Wie stehen Sie zu Bußgeldern für ÖPNV-Nutzer*innen ohne Mund-Nasen-Schutz? Stimmen Sie hier ab!

2. Abschalten

"Die Kultur-Revolution". Diese Worte prangern auf der Titelseite der aktuellen Ausgabe der "Zeit". Es geht um den "überfälligen Emanzipationskampf für die Rechte der schwarzen Bevölkerung". Ja, schwarze Menschen sind jetzt hörbarer, sichtbarer, aber der Kampf, von dem die "Zeit" spricht, ist kein neuer. Und das, worauf es jetzt, glaube ich, ankommt, betrifft vor allem nicht-schwarze Menschen: Wir müssen uns in unserem Weißsein hinterfragen.

Der BR-Kollege Malcolm Ohanwe hat deshalb den Hashtag #KritischesWeißsein ins Leben gerufen. Bedeutet: Weiße Menschen müssen jetzt Verantwortung übernehmen. Institutionen, aber auch jede*r individuell: Wann habe ich das letzte Mal etwas Rassistisches gesagt? Wie viel weiß ich eigentlich über die deutsche Kolonialgeschichte? Welche Privilegien habe ich, weil ich weiß bin?

Das ist nicht angenehm, ich sage es aus eigener Erfahrung, aber es ist notwendig. Wenn Sie sich jetzt denken: Was zur Hölle hat das mit "Abschalten" zu tun? Meine Antwort: Gar nichts! Aber ein Umdenken findet eben nicht neben Alltagsstress zwischen Tür und Angel statt. Dafür müssen wir uns bewusst Zeit und Raum nehmen - und die Bereitschaft, sich Fehler einzugestehen.

3. Und, wie geht`s?

"Wirklich wirklich gut!" Wenn ich eine andere Sichtweise auf die letzten Monate in der Pandemie bekommen will oder einfach nur ein bisschen positive Energie tanken, dann rufe ich meine Freundin Anna an. Sie hat mir letztens - wenn auch mit einem geheimnistuerischen Unterton erzählt:

"Mir ging es in der Corona-Zeit echt richtig gut. Man muss sich nicht verpflichtet fühlen, jedes Wochenende große Pläne zu haben, ich konnte ein bisschen zur Ruhe kommen. Und die Angst, irgendwo etwas richtig Krasses zu verpassen, hatte ich auch nicht."

Trotzdem sei sie froh gewesen, als sie ihre Freundinnen und Freunde endlich mal wieder treffen konnte. Und ich war es auch. Ohne zynisch klingen zu wollen, dachte ich, diese Kategorie könnte auch mal mit einem positiven Statement bestückt sein.

Wie blicken Sie inzwischen auf die letzten Monate zurück? Was ziehen Sie Positives aus der Pandemie? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld

Die Corona-Pandemie hat viele neue Themen in die Schlagzeilen gebracht, mit denen man voriges Jahr nicht im Ansatz gerechnet hätte - so wie die Bestrafung von Menschen, die ohne Maske in der U-Bahn sitzen, oder Politiker, die einen Skandal durch eine Umarmung auslösen. Doch manch ein Thema, das viele lieber abhaken würden, bleibt ein Dauerbrenner: Zum Beispiel der Berliner Wohnungsmarkt und die Schwierigkeiten, die er mit sich bringt. Die sind auch durch den Mietendeckel nicht gerade erträglicher geworden. Denn mit dem Mietendeckel kommen teils horrende Schattenmieten. Was das mit Wohnungssuchenden macht, lesen Sie in dem Bericht von meinem Kollegen Oliver Noffke.

Und mit dieser Leseempfehlung verabschiede ich mich und widme mich meinem täglichen Mund-Nasenschutz-Waschritual!

Passen Sie auf sich auf und bewahren Sie ein Lächeln unter Ihrer Maske!

Ihre Laura Kingston

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Kommentar

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Antwort auf [Rudi] vom 18.06.2020 um 23:44
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30 Kommentare

  1. 30.

    Ich weiß zwar nicht, was Sie unter „Links“ verstehen, aber Ihrem unqualifizierten Kommentar nach zu urteilen, müssen Sie dann wohl auch ein Linker sein.

  2. 29.

    Bei folgenden Aussagen wie, "Wann habe ich das letzte Mal etwas Rassistisches gesagt?" usw, zeigt sich die ganze
    Selbstgerechtigkeit, Infantilität und der Sündenstolz solcher Bewegungen wie #KritischesWeißsein u.a..

    Alles wird in eine Tonne getreten und zusammen gerührt, weiße Kultur, Technik, Geschichte usw. usf.. Zu versuchen
    historisches Geschehen zeitbezogen zu verstehen und darüber zu einem fairen Urteil zu kommen, ist der heutigen Linken nicht möglich. Dazu ist sie zu satt, ungebildet, empathielos und hysterisch.

    Was an der Linken noch demokratisch sein soll, erschließt sich mir nicht. Wer politisch nicht in den Kram passt, wird diffamiert, ausgegrenzt und oft auch physisch angegangen. Die politische Diskussion wird vermieden, weil die Linke bewußt oder unbewußt weiß, dass sie bei klugen Kontrahenten nichts auf die Reihe bekommt, denn ihre Beiträge beschränken sich in der Regel auf Unterstellungen und Beleidigungen!

  3. 27.

    Da stimme ich Ihnen zu - aber viele scheinen Resistenz gegenüber Kritik und Hinweisen zu sein. Sich selbst reflektieren haben die wenigsten gelernt.

  4. 26.

    Ich sage: "Keine Macht der Denkmüdigkeit". Die Maskenpflicht wird für viele Angstwesen langsam aber sicher zum Fetisch.

  5. 23.

    Ich denke auch Bußgeld wird die Menschen nicht umstimmen. Die Akzeptanz der Maskenpflicht sinkt rapide von Tag zu Tag.
    Dann werden eben die Masken voraussichtlich kurzfristig aufgesetzt, sollten wirklich Kontrolleuere auftauchen in den Öffis. Was ich bezweifel, keiner will diesen Job machen. Schon allein, weil die Gewaltbereitschaft immer mehr steigt und der Respekt immer mehr sinkt.
    Sobald die Kontrolleuere weg sind, sind auch die Masken wieder ab.

    Jedenfalls hat der Senat in diesem Punkt das Machtspiel verloren! Bußgelder zu verhängen ist ein hoffnungsloses Unterfangen.

  6. 22.

    Ich bin weiß (oder kaukasisch, wie es auch genannt wird) und habe keinerlei Privilegien aufgrund meiner mangelnden Bräune bisher erlebt. Aber es sagt einem auch niemand „Hi, du bekommst diese Wohnung, weil du aussiehst wie ich“
    Ich bezweifle nicht, dass es Diskriminierungen in unserer Gesellschaft gibt und aufgrund von Vorurteilen Menschen mit bestimmtem Aussehen anders behandelt werden als andere.
    Ich sehe jedoch einen Unterschied zwischen Vorurteile haben und Vorurteile leben/nach außen tragen.
    Wir alle haben ein bestimmtes Bild über jemanden im Kopf, wenn wir ihn*sie sehen. Dieses Bild ist das Ergebnis von persönlichen Erfahrungen und Erziehung (das schließt Bildung und Medienkonsum mit ein).
    Also erziehen wir uns doch einfach mal gegenseitig zu sozialeren Verhalten, zu mehr Freundlichkeit. An ein bisschen Höflichkeit und Freundlichkeit ist noch niemand gestorben.

  7. 21.

    "Spaßgesellschaft"?? Die Kritiker dieser perfiden Symbolpolitik legen garantiert mehr Ernsthaftigkeit an den Tag als Ihre dumme Bemerkung.

  8. 20.

    An die Masken-Gegner:
    Es steht jedem frei darauf zu verzichten den ÖPNV mit seiner leidlichen Klimaregulierung zu nutzen und stattdessen auf Fahrrad, (Miet-)Auto o.ä. Umzusteigen. ÖPNV nach dem eigenen Willen ist kein Grundrecht.
    Auch Einkäufe können ohne den Gang zum Discounter erledigt werden. Liefern lassen wäre die Lösung.
    Im öffentlichen Raum gibt es keine Maskenpflicht und ich belächele regelmäßig Menschen, die unter freiem Himmel Maske tragen.

    Zum Thema Grundrecht und persönliche Entfaltung:
    „Dein recht dich zu entfalten hört da auf, wo ich anfange“ und in diesem Sinne: Reißt euch zusammen. In Berlin ist die Bevölkerungsdichte einfach mal höher als in Schweden. Hier pusten wesentlich mehr Menschen ihren Atem in die Luft und im Zweifel in die Nase des nächsten.
    Die Maske zu tragen ist ein geringer Einschnitt in die völlige Entfaltungsfreiheit dafür dass das Risiko einer möglichen Ansteckung etwas reduziert wird.
    Im Übrigen ist die geringere Infektionszahl mit anhaltender Masken“Pflicht“ kein Beweis oder gar Indiz für die Unwirksamkeit der Masken. Eher im Gegenteil.

    Meine Meinung.

  9. 19.

    Ob Masken schützen oder nicht, ist keine Frage des Glaubens sondern des Wissens in Gestalt von nachprüfbaren Fakten. Und genau den Beweis ist bislang jeder sog. Experte schuldig geblieben. Selbst das RKI zieht die Wirksamkeit in Zweifel, wenn es von einem bloßen Add-on spricht. Nach dem Motto: Ob's hilft, wissen wir nicht, wir machen's einfach mal. Die Gefährdung durch Masken muss ja wohl real sein, denn warum sonst hat mich mein Hausarzt, obwohl ich der Risikogruppe angehöre, vor dem zu langen Tragen gewarnt? Sauerstoffunterversorgung und erhöhte Verkeimung wegen nicht ausreichendem Austausch der eigenen Atemluft waren die Stichworte. Man kann wohl darauf warten, dass die Leuten bei heißen Temperaturen beginnen zu kollabieren. Vergessen wir nicht: Das Leben war schon immer lebensgefährlich und endet immer tödlich.

  10. 18.

    Die Spaßgesellschaft hat nicht nur die Demonstrationsplätze erobert, sondern auch die Kommentare bei rbb24. Auf deren Niveau lasse ich mich nicht herab. Tschüss

  11. 17.

    Es ist nicht erwiesen, das Masken ein absolutem Schutz bieten und auch ganze Familien leiden mittlerweile wenn Angehörige im Krankenhaus oder gar Pflegeheim sindaber das scheint alles egal zu sein trifft ja nicht viele

  12. 16.

    gehen Sie einkaufen...viel Spaß. Hört sich alles super schlau an. Nachzulesen im INTERNET: Und nun???

  13. 15.

    Rein statistisch ist es momentan nach menschlichem Ermessen so gut wie unmöglich Corona zu haben oder sogar noch jemanden anzustecken. Dazu sind die Zahlen der Coronaerkrankten in Berlin und vor allem Brandenburg viel zu niedrig.

    An Ihren panischen Worten sieht man mal wieder, wie unfähig wir geworden sind, eine Gefahr realistisch einzuschätzen. Wir sind auf dem besten Weg in eine kollektiv-gesellschaftliche Angstpsychose.

    Daher ist die Maskenpflicht und nun noch mit Bußgeld absurd.

  14. 14.

    Unter Spaß verstehe ich, uns sicher viele andere auch, etwas anderes.
    Allerdings wäre es für Angehörige/Hinterbliebene auch kein Spaß, wenn ich unbewußt und unbekannterweise den Virus übertrage habe, jemand schwer erkrankt oder im schlimmsten Fall verstirbt.
    Ich habe meine pflegebedürftige Mutter zu Hause, für die ich gesund bleiben muss, sonst wäre sie nicht mehr mit der Liebe und Hingabe versorgt wie jetzt.
    Und ich bin jedem dankbar, seine eigenen Bedürfnisse/eigene Befindlichkeiten hintenanzustellen, um die zu schützen, die am meisten gefährdet sind

  15. 13.

    @Martin. Würden Sie auch ungeschützten Geschlechtsverkehr praktizieren wenn Sie HIV positiv wären? Beschneidet ein Gummi Sie in Ihren Grundrechten? Corona kann bei Infizierten genauso zum Tod führen wie AIDS. Sie machen sich strafbar, wenn Sie andere mit HIV Viren anstecken, deswegen Gummipflicht. Der Übertragungsweg bei Corona sind halt die Aerosole, also Mundschutzpflicht. Soviel Verantwortungsbewustsein ist nicht zu viel verlangt.

  16. 12.

    Dass die Masken Corona eindämmen, glaube ich auch.
    Dass wir unser ganzes Leben nach Corona ausrichten, halte ich für extrem falsch.
    Und ob die Masken am Ende nicht sogar Schaden in den Atmungswegen anrichten, wissen wir 2021.
    Schon komisch, dass in den Sendern wenig hinterfragt wird.

  17. 11.

    Wenn es ihnen Spaß macht eine Maske bei 30°C und mehr in den Zügen zu tragen (ohne Klimaanlage) dann nur zu, ich trage bei Hitze jedenfalls keine Maske wenn die Klimaanlagen nicht funktionieren.

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