Elon Musk beim Besuch der geplanten Gigafactory in Grünheide. Quelle: dpa/Patrick Pleul
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Der Absacker - Der wichtigste Besucher Brandenburgs aller Zeiten

Tesla-Chef Elon Musk war auf der Baustelle des neuen Werks in Grünheide. Er macht die Gemeinde in der Mark zu Hollywood - und sucht nach einer Steigerungsform des Superlativs, vermutet Johannes Mohren. Gleichzeitig liefert er einen Ersatz-Tipp für Trash-TV.

Elon Musk. Punkt. Mit einem anderen Namen als dem des Mannes, der der Gemeinde Grünheide in diesen Tagen ein fast hollywoodeskes Flair verleiht, kann an diesem Abend der Absacker wohl kaum beginnen. Der Besuch des Tesla-Chefs beschwor bereits im Vorhinein in der Region ähnlich viele Spekulationen herauf wie die Wechselabsichten eines Lionel Messi in der Sportwelt - und sein Auftritt zeigte dann auch, dass der Mann hinter der Gigafabrik die Worte gerne groß wählt. "Deutschlands rocks", sagte er und schaute sich den Fortschritt der - Achtung, Steigerungsformen werden ausgereizt - "umweltfreundlichsten Fabrik der Welt" an.

1. Was vom Tag bleibt.

Sagen wir es so: Musk. Musk. Musk. Und sonst so? Hertha BSC zum Beispiel, das in der vergangenen Saison - immerhin für 76 Tage - einen Trainer an der Seitenlinie hatte, der Superlativen ähnlich zugeneigt war wie, genau: Musk. Dort blieb es bekanntlich bei den großen Worten, während die Kurzzeit-Ära von Jürgen Klinsmann sportlich ohne den - von ihm selbst doch so geforderten - Mehrwert verstrich.

Das ist aber bekanntlich abgehakt. Solider, ja mehr Hertha-like, klingt es inzwischen wieder rund um das Olympiastadion - trotz Windhorst'scher Millionen. "Wir wollen nach oben, das ist überhaupt keine Frage. Die Frage ist: Wie schnell kann das jetzt gehen?", sagte etwa jüngst der Trainer Bruno Labbadia. Fest steht nun: Erste Antworten auf diese Frage können 4.000 Fans live verfolgen. Sie werden beim ersten Bundesliga-Heimspiel des Klubs am 25. September gegen Eintracht Frankfurt zugelassen. Bereits am Mittwoch hatte der Stadtrivale 1. FC Union bekanntgegeben, dass man die Möglichkeiten der Infektionsschutzverordnung ausschöpfen und vor 5.000 Zuschauern in die Saison starten wolle.

Ansonsten ist aus der musk-freien Nachrichtenwelt zu berichten, dass im Berliner Abgeordnetenhaus über die Proteste von Kritikern der Corona-Maßnahmen und Rechtsextremisten am vergangenen Wochenende diskutiert wurde. Im Gedächtnis bleibt unter anderem ein Appell von Innensenator Andreas Geisel: "Wir dürfen uns nicht wegducken vor den Lautschreiern und die Meinungsfreiheit nur für sie gelten lassen", sagte der SPD-Politiker. Mehr über die Debatte lesen Sie hier.

2. Abschalten

Ich besitze seit Jahren keinen Fernseher mehr. Beim letzten Umzug funktionierte der Anschluss in meinem WG-Zimmer nicht und ich habe ihn so wenig vermisst, dass das Problem bis heute zwar nicht behoben - aber eben auch kein solches mehr ist. Was mir so völlig entgeht, ist Trash-TV. Wenn die Gespräche auf Sommerhaus der Stars, Bachelorette oder Love Island kommen, bin ich deshalb meist nur Zuhörer zwischen Faszination und Verzweiflung.

Einen kleinen Ausgleich habe ich nun aber gefunden. Allen, die Instagram haben, sei hiermit der Account des Union-Neuzugangs Max Kruse - den Medienberichten zufolge sein Ex-Klub Fenerbahce Istanbul gerade in Millionenhöhe verklagt - ans Herz gelegt. Was dort passiert, ist allerfeinste Unterhaltung. Sei es, wenn er im Trainingslager seine Mitspieler interviewt...

... oder es in den Storys um eine Themenpalette von Wohnungssuche (Tenor: 'Nur nicht Charlottenburg!') über seinen eigenen Rennwagen bis hin zum nächtlichen - durchaus erfolgreichen - Pokern geht. Da können RTL, ProSieben und Co. eh einpacken.

3. Und, wie geht's?

Noch ein bisschen Musk gefällig? Na klar, was soll's. Schließlich diskutieren Sie ja auch durchaus kontrovers über seinen Besuch und das entstehende Tesla-Werk. Und ganz abgesehen davon: Wer will ernsthaft behaupten, dass er nicht - Sie merken, der Glanz der großen Worte färbt auf mich ab - nicht der wichtigste Besucher Brandenburgs aller Zeiten ist. Mindestens.

Panke ist das in unseren Kommentaren alles ein bisschen zu viel des Guten.

"Ich habe den Eindruck, dass dieser Geschäftsmann mit Gott verglichen wird. Er kommt und alle müssen ihren Terminkalender nach seinen Wünschen anpassen. Er gibt vor, wann er mit wem sprechen will und alle kuschen. Zugegeben ist er sehr erfolgreich, aber müssen unsere Politiker ständig Hofknickse machen?"

toberg hingegen erwidert.

"Wenn Sie ein paar Milliarden in der Tasche hätten zum Investieren in Arbeitsplätze ihrer Region, würden viele Leute vor ihnen auch Hofnickse machen. Großinvestoren zu streicheln gehört zum politischen Tagesgeschäft."

Und Wolfgang ist sich im Letzten doch nicht ganz sicher, ob - um den Vergleich noch einmal zu bemühen - Klinsmann und Musk nicht nur die Liebe zu Superlativen teilen. Na gut, die Halbwertszeit von 76 Tagen ist schwer zu unterbieten. Aber:

"Wollen wir nicht erstmal warten, was wirklich draus wird. Wir hatten in Brandenburg schon einige euphorische Projekte in die viele Fördermittel flossen und dann nach ein paar Jahren Industrieruinen blieben bzw. teure Umnutzungen erfolgten. Ich nenne nur: Odersun, Shipfabrik, Cargolifter und Lausitzring. Hoffentlich ist das diesmal längerfristig."

Was denken Sie darüber? Schreiben Sie uns an: absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld ...

... ist für mich der Ort, um Abbitte zu leisten. Vorweg: Es ist wirklich nicht so, dass ich ein chronischer Aufschieber wäre. Na gut, wenn es um mein Masterstudium geht vielleicht (das neunte Fachsemester lässt grüßen). Aber: In dem nun folgenden Fall habe ich völlig unnötigerweise geschoben und geschoben und geschoben. Bis es zu spät war. Mein rbb|24-Kollege aus der Bild-Redaktion hat nämlich allen Absacker-Autorinnen und Autoren - Sie werden es gemerkt haben - die großartigen neuen Titelbilder entworfen. Das hätte er auch für mich getan. Ich habe es nur nicht geschafft, die einzige - und zugegeben sehr (!) niedrige - Hürde zu nehmen und ihm ein Foto von mir vor einer weißen Wand zu schicken. Mea culpa!

Es ärgert sich über sich selbst, googelt Tipps gegen Aufschieberitis, gelobt Besserung und wünscht einen schönen Abend,

Johannes Mohren

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Schließe mich den Segensgruß hier voll an.

  2. 1.

    Johannes, Sie haben meinen Segen. Weiter so!
    P.S.: Ich hatte 21 Semester (inklusive Urlaubssemester) auf der Uhr. Geht auch. Gute Schreibe, sehr unterhaltsam. LG DonPutte

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