Besucher schauen sich im Freiluftkino einen Film an. (Quelle: dpa/Britta Pedersen)
Bild: dpa/Britta Pedersen

Der Absacker - Brandenburg, du Ort der Sehnsucht!

Ping, Ping, Ping. Eine Nachricht nach der anderen ploppte als Push-Nachricht auf dem Smartphone unseres Autoren Johannes Mohren auf. Er schreibt, was jeder nach diesem Tag wissen sollte - und warum er als Berliner ein bisschen Neid auf Brandenburg verspürt.

Ping, Ping, Ping, Ping.

Was für ein Tag. Mein Smartphone hat sich gar nicht mehr einbekommen und das nicht, weil - wie sonst so oft - eine meiner zahlreichen Whatsapp-Gruppen explodiert wäre. An dieser Stelle sei einmal gesagt: Liebe Sport-Onliner, liebe Fußball-Runde, liebe Mama, lieber Papa! Ich mag Euch alle sehr, sehr gerne - das kann dennoch manchmal ganz schön nerven.

Ping, Ping, Ping, Ping.

Aber nein. Dieses Mal waren es gerade am frühen Nachmittag Nachrichten en masse, die via Push auf mein Handy gespült wurden. Kann man doch ausschalten, mögen viele von Ihnen denken. Und ja, da haben Sie völlig recht. Es ist ein selbstgewählter (Leidens-)Weg in dieses Ping-Konzert. Aber ich habe sonst schlichtweg Angst, irgendetwas zu verpassen.

Ping, Ping, Ping, Ping.

1. Was vom Tag bleibt

Brandenburg, du Ort der Sehnsucht! Das gilt - zumindest vorerst - für die Berliner Kulturfreunde. Theater, Kinos und Konzerthäuser können dort ab 6. Juni unter Auflagen wieder öffnen. Erlaubt sind 75 Menschen drinnen, bis zu 150 Menschen draußen. Auch sonst gibt es weitere Lockerungen - die meisten gelten sogar schon ab Ende der Woche. Unsere aktualisierte Übersicht finden Sie hier.

In Berlin sind nach einem Gerichtsentscheid einige Bußgelder außer Kraft gesetzt. Die Begründung: Die Formulierungen seien zu unbestimmt. Weitere Lockerungen wurden derweil noch nicht verkündet. So heißt es auch für Film- und Theater-Fans: weiter warten. Mindestens bis Donnerstag, wenn der Senat dieses Thema wohl in Angriff nehmen wird. "The same procedure ... Kommt ja auf zwei Tage auch nicht an ...", schrieb mir ein Freund etwas entnervt bei Whatsapp. Vertagt und vertröstet - während die Nachbarn überholen. Das kann durchaus frustrierend sein. Und vorsichtigen Neid wecken - auch bei Berlinern, die sonst selten das Gefühl haben, in Brandenburg gebe es irgendetwas, auf das man neidisch sein könnte.

Bei der Pressekonferenz des Senats saß Matthias Kollatz (SPD) auf dem Podium. Ein sicheres Indiz dafür, dass es um Finanzen geht. Klar ist: Die Corona-Krise kommt Berlin teuer zu stehen. Unklar ist: Wie viel wird für ihre Bekämpfung ausgegeben? Es knirscht gewaltig zwischen dem Finanzsenator und den Regierungsfraktionen. Woran das genau liegt, lesen Sie hier.

2. Abschalten

Das Schöne ist: Die Möglichkeiten zum Abschalten werden mit den Lockerungen der vergangenen und kommenden Wochen wieder größer. Das ist gut - denn so langsam schwinden mir doch die Ideen für diese Kategorie des Absackers. Wenn Sie also Ideen haben, was wir hier vorstellen und -schlagen könnten: Einfach immer her damit!

Eine Sache muss ich aber jetzt in die große Runde fragen. Machen Sie auch Fitness mit Pamela Reif? Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, scheint sie die größte Fitness-Freundin der Corona-Zeit zu sein. Die einen haben ihre Workouts probiert und erzählen, sie seien schweißgebadet gescheitert. Der Rest hält noch eisern durch.

Ich selbst habe es - um der Wahrheit genüge zu tun - nie getestet, ja: Ich habe Corona als Ausrede für maximale Fitness-Faulheit benutzt. Während ich diese Zeilen tippe, bin ich das erste Mal auf ihrem Youtube-Kanal mit fast 3,5 Millionen Abonnenten. Ich schalte aber, zugegeben, lieber schnell wieder ab, als mithilfe des Angebots abzuschalten.

Eine (deutlich bessere) Alternative? Ein Abend mit "Solo Sunny" - dem legendären Film, der als ein großer Triumph des DDR-Kinos im Westen galt und für dessen Hauptrolle Renate Krößner gefeiert - und ausgezeichnet - wurde. Für ihre Darstellung der eigenwilligen und souveränen Sängerin Ingrid "Sunny" Sommer bekam sie 1980 auf der 30. Berlinale den Silbernen Bären. Wie an diesen Dienstag nun bekannt wurde, starb Renate Krößner am 25. Mai nur wenige Tage nach ihrem 75. Geburtstag in Mahlow (Teltow-Fläming).

3. Und, wie geht's?

In meinem letzten Absacker am Sonntag habe ich über Heimat geschrieben, genauer gesagt: Über mein kölsches Hätz, in dem - fernab von Rhein und Dom - Berlin Stück für Stück seinen Platz erobert. Ich habe mich sehr über Ihre Kommentare unter dem Beitrag gefreut.

Und zwar über alle. Auch diejenigen der - nun ja, sagen wir einmal - Skeptiker. Denn natürlich haben nicht jeden meine rheinländischen Bier- und Musik-Vorlieben überzeugt. Wie auch. Geschmäcker sind bekanntlich und zum Glück verschieden. Ein Leser mit dem vielsagenden Namen KölnNeinDanke schrieb etwa. 

"Also wer sowas für hörbare Musik und Kölsch für eine trinkbare Flüssigkeit hält, der sollte echt keine Vergleiche mit irgendwas ziehen."

Da waren jedoch auch andere Stimmen. Zur KölnJaBitte-Fraktion zählt Geli zwar auch nicht, aber:

"Nichts gegen Köln, echt nicht - habe ein halbes Jahr in einer kleinen Dachwohnung direkt am Heumarkt gewohnt, auf "Montage" sozusagen, war richtig nett.... bevor ich eeendlich wieder nachhause nach Berlin durfte. Sorry Köln, ich mag dich ja, aber mit Berlin kann halt keine Stadt im Universum mithalten :)"

Und das ist auch gut so. Es ist schließlich schön, einen Platz zu haben, an dem man es sich auf die Frage "Und, wie geht's?" nicht immer, aber doch öfter mit einem Lächeln und "Gut!" beantworten lässt. Wo genau der ist und ob es überhaupt ein bestimmter Ort ist? Ganz egal. Er kann sich mit der Zeit natürlich auch ändern. Wie bei unserem Leser Exilant, für den sein Exil sich nicht mehr wie ein solches anfühlt.

"Ja, so ein Früh (Anm. d. Red.: Kölner Brauerei) hätte jetzt was... Stattdessen Limo zu Hause. Huch, zu Hause? Ja, isso. Fühlt sich so an. Obwohl das lange WE in NRW jetzt wieder viel zu kurz war. Monatelang haben wir nicht dürfen, jetzt haben wir uns hin getraut und genossen: Wetter, Grün und ein frisches.... ;-)"

Wo fühlen Sie sich Zuhause? Ist es für Sie an einen Ort gebunden? Und: Waren oder sind Sie durch Corona womöglich davon getrennt? Erzählen Sie uns doch bitte Ihre Geschichten als Mail an absacker@rbb-online.de.  

4. Ein weites Feld ...

... fällt dieses Mal etwas kürzer aus. Denn um ehrlich zu sein, bin ich ein bisschen in Eile. In dem Moment, in dem ich diese letzten Zeilen schreibe, beginnt das Duell zweier nicht ganz unbedeutender Mannschaften im deutschen Fußball. Und danach spielt meine große Liebe. 

"Hallo Herr Mohren, ich stimme zu 100 % Ihrem Beitrag zu. Ich bin jetzt seit 1999 in Berlin. Aber Sie haben einen Punkt vergessen. Den Effzeeh!!! (1.FC)."

Das hatte Helga Rodenkirchen auf meinen letzten Absacker geantwortet. Recht hat sie. Der 1. FC Köln, er gehört zum kölschen Jeföhl. Eigentlich. Nur habe ich diesen Punkt nicht vergessen, sondern - in der Hoffnung, niemand würde es merken (Danke, Frau Rodenkirchen!) - unter den Tisch fallen lassen. Denn so sehr ich Köln liebe, im Fußball schlägt mein Herz schwarz-weiß-grün. Für den großen rheinischen Rivalen Borussia Mönchengladbach.

Also: Machen Sie sich - mit oder ohne Fußball - einen schönen Abend. Wir lesen uns morgen wieder. Und weil's inzwischen wieder seltener gesagt wird, aber natürlich nicht weniger wichtig geworden ist: Bleiben Sie gesund!

Johannes Mohren

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2 Kommentare

  1. 2.

    Vielleicht kann „der Absacker“ auch nach Corona weiterhin bestehen...inzwischen ist er ein zum Abend-Programm zugehöriges Teil des Ganzen geworden.

    Diese Mischung aus persönlichen Anekdoten (verschiedener Journalisten) und Zusammenfassung des Tages...ich finde, das darf/ soll/ muss gern bleiben. :)

    Nur mit dem „Bleiben Sie gesund!“ „müssen“ Sie nochmal bei einer Ihrer Kolleginnen Rat suchen - diese hatte bei selbigem Abschiedsgruß schon den Hinweis von chronisch Kranken erhalten, dass dies dann doch kein allgemein gültiger Gruß sei.

    Vielleicht fällt Ihnen ja eine andere „pfiffige Idee“ ein.

    Denn so zerbröselt der Keks nunmal. :D

  2. 1.

    58. Minute - kein Tor für beide - und kein Früh für mich...
    Ja, Brandenburg - erstmal übersteuert (Betretungsverbot, sag ich nur... 1,5 Monate musste man durch Brandenburg fahren oder fliegen...), nun nicht nur locker sondern fast verloddert... Man muss halt im Auge behalten, dass in meinem Exil-Bundesland im Gegensatz zu Köln eben kaum einer wohnt, fast wie in Thüringen. Nur weniger Dialekt.
    Womit wir wieder bei Köln wären :-)

    Ich bevorzuge übrigens einen der zwei Spitzenvereine der 2. Liga, die neulich ein ebenso tolles nullnull gespielt haben. Also den Verein mit der besseren Tor-Differenz natürlich...

    So, und morgen hol ich mir ein Früh, selbst, wenn ich dafür einen Schlüppi vorm Gesicht tragen muss! Zeiten sind das....

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