Kira Pieper
Bild: rbb|24/Mitya

Der Absacker - Sprite statt Lütt un Lütt

Urlaub ausgefallen. Umtrunk ausgefallen. Es war ja klar, dass der Corona-Herbst hart werden wird. Aber so hart? Kira Pieper versucht sich im positiven Denken und landet bei seltsamen norddeutschen Bräuchen.

Nordsee ist ausgefallen. Denn der Straßenabschnitt, in dem ich wohne, gehört zu Mitte. Läuft man von der Haustür aus 50 Meter Richtung Westen, befindet man sich im Prenzlauer Berg. Mein geplanter Urlaub fiel leider genau in die Zeit, in der Schleswig-Holstein einzelne Berliner Bezirke zu Corona-Risikogebieten erklärt hatte. Mitte gehörte dazu, Prenzlauer Berg nicht.

Das bedeutete: Auch beim Besuch der Familie sollte man sich als Reisender aus Berlin-Mitte beim ortsansässigen Gesundheitsamt melden, 14 Tage in Quarantäne und durfte währenddessen keinen Besuch empfangen. Auflagen, die bei einem geplanten Besuch von fünf Tagen keinen Sinn machten. Also abgesagt das Ganze.

Ist auch gar nicht so schlimm. In Norddeutschland ist es sowieso sehr schrecklich. Dort essen sie Dinge wie Labskaus oder Grünkohl mit Pinkel und trinken Klötenköm (Eierlikör) und Lütt un Lütt (kleines Bier und Kümmel gemischt). Es regnet viel, die Menschen geben sich meist wortkarg und die Landschaft ist so platt wie die Sprache.

Zeitgleich wurde Urlaub in anderen Bundesländern auch schwieriger, denn auch da griffen Beherbergungsverbote für Urlauber aus Risikogebieten. Doch auch das Leben in der Hauptstadt sollte nicht einfacher werden: Berlin setzte eine Sperrstunde in der Gastronomie durch.

1. Was vom Tag bleibt

Eben diese Sperrstunde gilt seit Freitag zumindest für elf Berliner Lokalitäten vorerst nicht mehr. Wer sich jetzt allerdings schon auf ein durchgezechtes Wochenende freut, wird bitter enttäuscht: Geöffnet sind die Kneipen zwar auch nach 23 Uhr noch. Doch statt Bier und Kurze dürfen dann nur noch Apfelschorle, Sprite und Milch über den Tresen gereicht werden.

Um beim Corona-Thema zu bleiben: Es ist Herbst, die Fallzahlen steigen unaufhaltsam. Laut den Bund-Länder-Beschlüssen soll ab einer 7-Tage-Inzidenz von 35 binnen sieben Tagen eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum gelten. Da in Berlin der Wert mehr als doppelt so hoch liegt, will Gesundheitssenatorin Kalayci die Maskenpflicht ausweiten.

Und wer soll die ganzen Corona-Regeln kontrollieren? Zum einen Parkraumkontrolleure, die sonst eigentlich Knöllchen hinter Scheibenwischer klemmen, aber auch die Bundespolizei soll bei Kontrollen unterstützen.

2. Abschalten

Weiter oben im Text schrieb ich vom norddeutschen Brauch des Lütt-un-Lütt-Trinkens (auch Lüttge-Lage-Trinkens). Da es so gut zur Sperrstunden-Thematik passt und eine kleine Wissenschaft ist, hier eine Anleitung, wie man ein kleines Bier und ein Kurzen kunstvoll zusammenbringen kann. Funktioniert sicherlich auch nach 23 Uhr mit Apfelsaft und Mineralwasser.

AHA-Regeln, eingeschränkter Urlaub, Umtrunk nach 23 maximal ohne Alkohol…Wozu machen wir das noch mal alles? Ach ja richtig:

3. Und wie geht's?

Unter dem Absacker meines Kollegen Efthymis Angeloudis vom Donnerstag schreibt Andreas:

Die Henne oder das Ei...ein sehr gutes Beispiel...genau so wird derzeit verfahren...man überlegt rückwärts, bestenfalls noch für übermorgen. Man hat ja ein paar Erfahrungen...man macht alles dicht...die Zahlen gehen runter...man macht wieder auf...und nun gehen die Zahlen wieder rauf...jetzt wird wieder alles mögliche verboten...gehen wir mal davon aus die Zahlen sinken wieder...und was macht man dann?Das wäre man schön nicht zu wissen was zuerst da war, sondern wie man sich vorstellt in 2 oder 3 Monaten mit der Henne und dem Ei zu leben.

Was beschäftigt Sie denn so? Trauern Sie auch um einen Urlaub, den Sie wieder nicht antreten konnten? Oder fragen Sie sich einfach generell, wo uns die Corona-Pandemie noch hinbringen wird? Schreiben Sie uns: absacker@rbb-online.de

4. Ein weites Feld

Mittlerweile ist ganz Berlin Corona-Risikogebiet. Dafür blickt man bei Beherbergungsrichtlinien der Bundesländer allmählich gar nicht mehr durch. Wo besteht es? Wo wurde es gekippt? Und was bedeutet das überhaupt?

Schleswig-Holstein entpuppte sich bei den Verhandlungen der Bundesländer als einer der härteren Knochen und hält an seiner Corona-Richtlinie fest. Immerhin: Familienbesuche sind seit wenigen Tagen von dem touristischen Beherbergungsverbot ausgenommen. Ergo: Ich darf wieder gen Norden fahren.

Nordsee im schmuddeligen Winter ist eh am schönsten. Dann, wenn die Natur dort besonders unbarmherzig ist, das Meer tost, der Wind einem die Luft zum Atmen nimmt und die Strände menschenleer sind. Wer plietsch ist, fährt im Winter an die Küste. Sommer kann jeder. Zumindest wenn nicht gerade Corona-Zeit ist. Bleiben Sie gesund,

Ihre Kira Pieper

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Beitrag von Kira Pieper

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10 Kommentare

  1. 9.

    warum willst du an der Nordsee Urlaub machen, wenn du mit den Sitten und Gebräuchen nicht klar kommst und die Landschaft nicht magst? Soll das witzig sein? Ausserdem kennst du uns gar nicht richtig: Labskaus essen fats nur die Touris und lütt un lütt kennst du wohl aus dem Fernsehrn 'Neues aus Büttenwarder' . Naja, Buxtehude liegt ja auch nicht am Meer...

  2. 8.

    Ich werde erst wieder in den Urlaub fahren, wenn die Situation so ist, dass man sich entspannen kann und nicht mit Maske im Hotel, Gaststätte oder sonst wo rumlaufen muss. Außerdem weiss man nicht, was man einschleppt oder mitbringt, denn bekanntermaßen hat man nicht immer Symptome. Das wäre mir alles viel zu unentspannt und unsozial. Ich sterbe nicht daran, mal ein Jahr mit dem Hintern zuhause zu bleiben.

  3. 7.

    Popelchen, ich kenn den aus Greetsiel :-) und wir wollten zu Omas Geburtstag im Juli hin.
    Ging nicht wegen Corona :-( aber vielleicht nächsten Sommer...
    Lothar, ich bin ja gerade im Doppelkornland ;-) und Dank Corona konnten wir nicht mal Wurstebrei mit rote Beete essen gehen :-( echter Verlust!

  4. 6.

    Hm ob nun Norden oder Süden..... Urlaub hat ist für mich, wenn mein größtes Problem die Frage ist, wo gibt es den leckersten Fisch oder Eis oder.... das Seele baumeln lassen wird erschwert weil man sonst gegen den nächsten Desinfektionsmittel-Spender läuft.... gefolgt von der Frage ...ist es eine Bitte den zu benutzen oder hier eine Pflicht... was gilt hier beim Frühstück oder auf dem Weg zum Klo..... achnö .... da bleibt einfach zu viel unbeschwertes Urlaubsgefühl auf der Strecke.

  5. 5.

    Darauf trinke ich einen Ost-Holsteiner Doppelkorn. Dieser steht immer bei Fuß im Gedenken an den Hohen Norden. Danke auch an @ popelchen für diesen herrlichen Kommentar.

  6. 4.

    Kutter Claudia aus Wremen, nördl. von Bremerhaven z.B.
    Bietet sich (hoffentlich) nächstes Pfingsten an - als "Absacker" vom "Fishtownrace" (Bremerhavener Fischereihafen Rennen).
    Cuxhafen, Greetsiel geht auch.

    Btw: DER Absacker zum WE in den letzten Wochen überhaupt.

  7. 3.

    Ach ja, der Norden. Da oben, an der Küste, ist jedes Wetter recht. Je rauer, desto besser. In den Bergen muss ich das nicht haben. Ein Corona-Virus hat da oben doch gar keine Chance. Oder?
    Jetzt hat eine Reise nicht geklappt, wegen Verbot. Vielleicht am Jahresende? Es muss sein, sonst endet das Jahr noch traurig. Auch wenn es "nur" Rügen ist.

  8. 2.

    Alder, ne Tüte Krabben zum selber pulen! Am besten vom Kutter. Gibt's das überhaupt noch? Ich schwelge in norddeutschen Erinnerungen. Ich mag den Kömm aber lieber pur. Wie das Land. Und das Wetter. Und das Meer. Am besten mit mieser Sicht - dann seh ich die Windräder im Meer nicht. War of the Worlds-Szenario ist nicht so meins..

    Mein bester Jahreswechsel war übrigens auf Juist. Pur. Alles. Ohne Feierei, nur mehr/Meer.

  9. 1.

    Verd.... Absacker! Wo bekomme in diesem Dorf hier bloß ein lekker Labskaus her? So mit Gurke, extra Spiegelei und 'n Matjes dabei. ' Tütchen Krabben - danach. Mit dem Mors am Kai sitzen pulen und futtern. Da haben jetzt was gemacht!
    Sprache - kurz knapp - dat geiht
    "Moin" - "Moin"
    "Moin, moin" - "Tötelmors"
    Hol di fuchtig, werte Kira.

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