Der Absacker - Bewölkt und recht explosiv, mit schlecht terminierten Fluten

Archivbild: Blick auf die City Ost mit Nikolaiviertel, dem Roten Rathaus und dem Fernsehturm während des Gewitters. (Quelle: dpa/D. Heerde)
Bild: dpa/D. Heerde

Alle reden über das Wetter – auch wir. Aber die Frage nach Sonne und Wolken ist noch das kleinste Problem, wenn man sich anschaut, wie sich die (politische) Großwetterlage entwickelt. Von Haluka Maier-Borst

Wie lang dauert ein deutscher Sommer? Ich habe inzwischen die Theorie: So lange bis es jeden und jede im Schnitt einmal draußen nasskalt erwischt hat. So haben inzwischen gleich mehrere Freunde die fast gleiche Geschichte von unterschiedlichen Fahrradtouren erzählt. Jedes Mal sobald sie die Grenze zwischen Berlin und Brandenburg querten, fuhren sie in einen Regenschauer. Und der Regen entschied sich dann meist auch, den Rest der Radtour nassforsch die Leute zu begleiten. Nahmen meine Freunde dann entnervt den Zug zurück nach Berlin, war dort was? Genau, Sonnenschein.

Mein persönliches Konto der hautnah erlebten Regengüsse steht jedenfalls für diesen Sommer bei zwei. Gerade so habe ich es heute geschafft, nicht in einer kurzen Pause vom heutigen Gewitter erwischt zu werden. Heißt aber trotzdem, irgendwer in Berlin und Brandenburg muss entweder dauerhaft drinnen bleiben, um den Schnitt zu halten. Oder er oder sie darf sich sicher fühlen, dass er trocken durch den Sommer kommt, weil ich ja mein Soll übererfüllt habe. Allerdings bin ich in diesem Fall ein wenig wählerisch, was die Kandidaten für meinen Sonnenschein-Bonus angeht.

1. Was vom Tag bleibt

Wer vielleicht mehr als nur eine Abkühlung für sein Mütchen bräuchte, wären nämlich gewisse Männer mit einem Überschuss an Schaum vor dem Mund. Einer wäre da zum Beispiel Attila Hildmann, dessen Demo mir regelmäßig am Wochenende beim Radeln durch Berlin begegnet. Dieses Mal hat er dem Grünen-Politiker Volker Beck mit dem Tod gedroht unter Jubelrufen von seinen Anhängern. Irgendwie ist es schon auf eine bizarre Art bemerkenswert, wenn die verbalen Ausstöße einer Person lauter und dreckiger sind, als das, was aus dem Auspuff seines Porsches kommt.

Ein anderer, der nun mit zwei Jahren Verspätung eine juristische kalte Dusche bekam, war ein Bundespolizist vor dem Cottbuser Amtsgericht. Er hatte damals in zwei Mails den SPD-Mann Ulrich Freese als Parasiten und Schmarotzer bezeichnet und dazu aufgerufen, sich notfalls mit Waffengewalt gegen die Regierung zu verteidigen. Allerdings hat der Polizist sich inzwischen wohl für sein Verhalten entschuldigt. Auf so etwas darf man bei Hildmann wohl noch lange warten.

So oder so sind beide Vorfälle leider nur zu gute Belege dafür, dass die Stimmung inzwischen in manchen Kreisen kaum heiter, aber explosiv und staatsgefährdend ist. Dass davon auch die Polizei betroffen sein soll, wie im Kontext des "NSU 2.0", sorgt bei mir für ein ehrlich gesagt bedrückendes Gefühl.

2. Abschalten.

Eine andere Form von Abkühlung sind in Berlin und Brandenburg natürlich die Seen. Jeder stabile Berliner und jede waschechte Brandenburgerin braucht natürlich von einem zugezogenen Piefke wie mir keine Tipps. Sie haben wahrscheinlich eh ihre Geheimplätze. Für alle anderen möchte ich aber auf zwei nette Seiten verweisen. Da wäre einmal die Übersicht der Kollegen von der "Berliner Morgenpost" [morgenpost.de]. Und zum anderen die analoge und digitale Sammlung der Macher von "Take Me To The Lakes" [takemetothelakes.com]. Insbesondere das Buch von Take Me To The Lakes kann ich aus persönlicher Erfahrung empfehlen.

3. Und, wie geht's Ihnen?

Eigenlob stinkt natürlich. Aber was gilt für Lob von Fremden, das man sich aber ganz parteiisch an dieser Stelle legt? Jedenfalls habe ich mich sehr gefreut, dass Christel uns nach meinem letzten Absacker schrieb:

Eure "Absacker" lese ich wirklich sehr gerne. Aber der gestern geschriebene von Haluka Maier-Borst ist mir so was von aus der Seele gesprochen. Danke!

Derweil schrieb uns unter den Absacker vom Freitag ein/e User/in:

Zwei Sommer lang tigerte man durch die Stadt auf der Suche nach einer Bank im Schatten, einem Cafeplatz unterm Schirm und der Balkon war unerträglich außer morgens zwischen 5 und 7 Uhr. Jetzt der mehrfache Genuss: in der Sonne sitzen ist nicht zu heiß, aber Platz im Schatten wäre auch da. Der Balkon hat die richtige Temperatur und abends feiern keine jugendlichen Touristen lautstark auf dem Spielplatz gegenüber vom Balkon...herrlich.

Schreiben Sie uns doch auch, wie Ihr Sommer verläuft. Mussten Sie sich heute mit der Bombe in Britz herumschlagen? Oder an einem der Wochenenden ebenfalls mit Attila Hildmanns hupendem Autokorso? Was beschäftigt Sie? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld...

Kollegin Sarah schrieb am Freitag davon, dass der Sommer schon in der Halbzeit angekommen sei. Objektiv betrachtet mag das stimmen. Angesichts der Tatsache, wie das Jahr begonnen hat, würden sich wohl alle aber auf eine besonders lange Verlängerung mit gutem Wetter freuen. Verdient hätten wir es uns.

Genießen Sie die Sonne und hoffentlich erwischt Sie kein Schauer, sagt:

Haluka Maier-Borst

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  • Haluka Maier-Borst
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    Der Absacker 

    Solidarität kannste nicht erzwingen, Genosse. Oder doch?

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  • Haluka Maier-Borst
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    Der Absacker 

    Grüße von der anderen Seite der Klischeemauer

    Erst stiegen die Neuinfektionen in der Nachbarschaft, jetzt steht ein anstrengender Demo-Marathon vor der Haustür. Und irgendwie hat Haluka Maier-Borst das Gefühl gerade von Vorurteilen eingemauert zu werden.

  • Illustration. (Quelle: privat/Leo Matthey)
    Leo Matthey

    Der Absacker 

    Hauptsache, dein Tiger lacht

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  • Haluka Maier-Borst
    rbb|24/Mitya

    Der Absacker 

    Hauptsache irgendwas tun – ist das der Berliner Weg?

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  • Laura Kingston
    rbb|24

    Absacker 

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    Der Absacker 

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  • Lisa Schwesig (Quelle: rbb)
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    Der Absacker 

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  • Haluka Maier-Borst
    rbb|24/Mitya

    Der Absacker 

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  • Haluka Maier-Borst
    rbb|24/Mitya

    Der Absacker 

    Darf es noch ein Schuss Skepsis sein?

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  • Efthymis Angeloudis
    rbb|24/Mitya

    Der Absacker 

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    Anfang des 20. Jahrhunderts kämpften strenggläubige Christen in den USA gegen das "Teufelszeug" Alkohol. Nun wird auch in Berlin über ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen gesprochen. Geht das an der Realität vorbei, fragt sich Efthymis Angeloudis.

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Die meiste unnötige Datenusage verursachen Kommentare wie Ihre :-)

  2. 2.

    Die Überschrift erinnert mich an einen Campingurlaub 1988 in Schweden. 5 Wochen täglich der gleiche Wetterbericht: växlande molnighet med risk af regnskur...wechselnd bewölkt mit Risiko von Regenschauern.
    Die gesellschaftliche Unwetterlage ist verstörend. Jeder Fanatiker darf offen oder anonym andere bedrohen. Das ist schlimm genug, aber dass es keine Handhabe dagegen gibt bzw. nicht genutzt wird, ist noch schlimmer. Soll das so weitergehen? Demokratie kann und muss viel aushalten, aber andauernde Beleidigung und Bedrohung bis hin zu Mord muss eine Reaktion erleben. Dafür haben wir doch ein GG. Wenn die Würde unantastbar ist, dann ist deren Verletzung nicht einfach hinnehmbar.

  3. 1.

    Peinlichste Selbstbeweihräucherung, schade um die datenusage.

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