Schulanfänger in einer Schule (Quelle: dpa/Mascha Brichta)
Bild: dpa/Mascha Brichta

Der Absacker - Spätsommer-Melancholie, Corona-Edition

In der letzten Ferienwoche redet man dieses Jahr vor allem über eins: Schule. Schließlich muss über die Corona-Auflagen im neuen Schuljahr diskutiert werden. Das löst eine seltsame Wehmut bei Laura Kingston aus - obwohl sie selbst schon lange keine Schülerin mehr ist.

Ich habe keine Ferien. Und doch stellt sich bei mir in den vergangenen Tagen genau die Wehmut ein, die ich aus meinen 13 Schuljahren kenne. Das Gefühl, das ich als Schülerin immer in der letzten Ferienwoche hatte: Die Abende werden kürzer, das Gehirn muss so langsam wieder in die Gänge kommen und man weiß: Die nächsten heißen Spätsommertage wird man drinnen verbringen und lernen.

1. Was vom Tag bleibt

Das Gefühl könnte jetzt auch Hunderttausende Schülerinnen und Schüler in Berlin und Brandenburg ereilen - mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass sie sich auf ein (weiteres) besonderes Schuljahr einstellen müssen. Die Maskenpflicht gilt ab Montag nicht nur in Berlin, sondern, wie heute bekannt wurde, auch in den Brandenburger Schulen - wenn auch nur in Gängen, Treppenhäusern und Aulen. Und das wird heftig diskutiert in den sozialen Medien. Einige Eltern freuen sich, dass der kommende Montag das Ende des Home-Schoolings bedeutet. Andere sind empört darüber, dass selbst die jüngsten Kinder nur "maskiert" in die Schule dürfen. Wiederum andere fordern, die Maskenpflicht für Schüler*innen auch auf den Unterricht auszuweiten. Der Luftraumforscher Martin Kriegel erklärt im Interview mit rbb|24, warum der Unterricht aus seiner Sicht nur mit Maske oder mit 1,5 Metern Abstand stattfinden sollte.

2. Abschalten

Dass sich in den vergangenen Wochen die eine oder andere Aggression angestaut hat, merkt man nicht nur in den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten. Wenn Sie sauer sind auf Corona, den Mundschutz oder einfach nur, weil die Ferien bald vorbei sind, vermeiden Sie Social Media und bauen sich stattdessen einen Ziegelstein. Klingt absurd, macht aber tatsächlich Spaß - und man darf Matsch rumschmeißen. Genauer gesagt Ton. Den haut man in der alten Ziegelei in Zehdenick vor sich auf einen Tisch, in eine Form hinein. Je mehr Wucht, desto besser. Danach noch ein bisschen Dampflok fahren und der Tag sieht schon wieder anders aus. So ging es meiner Kollegin Clara Ehrmann und mir zumindest, als wir am Dienstag - rein beruflich natürlich - in der alten Ziegelfabrik in Zehdenick (Landkreis Oberhavel) waren.

3. Und, wie geht's?

Dort haben wir uns mit Roy Lepschies unterhalten, dem Leiter des Ziegleiparks, der in den vergangenen Monaten keine Corona-Flaute bemerkt hat: "Tatsächlich hat uns das alles gar nicht so stark getroffen, wie gedacht. Uns geht es ganz gut", sagte er, einen dicken Ziegelstein in der Hand. Als er meine Kollegin Clara über das Gelände führte, wurde mir bewusst, warum: Ein Platzproblem hat Lepschies auf seinen 40 Hektar nicht. Und dass viele Familien dieses Jahr in den Ferien nicht ins Ausland gefahren sind, sei "auch ein Plus gewesen".

Wie geht es Ihnen in dieser letzten Ferienwoche? Sind auch Sie wehmütig? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld

Passend zu meiner Spätsommermelancholie gab Shell heute eine neue Jugendstudie heraus [tagesschau.de], die mich an die "gute alte Zeit" zurückdenken ließ. Das Ergebnis: Jede*r dritte Jugendliche zwischen 20 und 25 Jahren lebt in Berlin bei den Eltern; in Brandenburg ist es jede*r zweite. Ich konnte nach meinem Abi nicht schnell genug weg aus dem Dorf, bin einige Wochen danach ausgezogen. Bereue ich es, nicht länger dageblieben zu sein? Nö. Aber das Flüggewerden hätte nicht ganz so drastisch verlaufen müssen: Jetzt brauche ich länger als sechs Stunden mit dem Zug, wenn ich in den Genuss von "Hotel Mama" kommen will.

Genießen Sie die letzte Ferienwoche, ob im Hotel Mama oder sonst wo, passen Sie auf sich auf und bewahren Sie ein Lächeln unter der Maske!

Ihre Laura Kingston

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Beitrag von Laura Kingston

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1 Kommentar

  1. 1.

    Ja, Wehmut! Heute fuhren wir aufs Land, abends. Da war eine milchige Schicht über dem Feld. Was war das? Schon der Bodennebel des nahenden Herbstes? Durch einen Lärmschutzwall verborgen mussten wir ein Stückchen weiter fahren, um es zu ergünden... zeitgleich mit meinem Kind brüllen wir durchs Auto: "es ist "Festival!" :-)
    Wie, was ist Festival?
    Nun, du kommst näher und näher... du hörst *utz-utz-utz* aus der Ferne. Es sind viele Lichter, die bewegen sich!
    Und viel Nebel...
    wenn du hoffst, es ist Festival - und feststellen musst, es ist Mähdrescher :-)
    dann weisst du, es ist Pandemiesommer...

    Ja, Wehmut... da war gar kein Festival dieses Jahr. Aber auch nicht Baden am See. Abends ist es selbst heute kühl. Jetzt wirds früher dunkel. Die Ferien sind um. Sie waren zu kurz, um das besch... Homeschooling auszugleichen, jedenfalls bei Homelehrermutter...

    *utz-utz-utz* tönt es - es wird Herbst - Festival ist unterwegs und erntet, was noch da ist...

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