Franz Beckenbauer (BR Deutschland, Mitte) setzt sich am 22.06.1974 gegen Konrad Weise (DDR, re.) durch, daneben Gerd Müller (BR Deutschland). (Quelle: imago images)
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Der Absacker - Wenn Philosophen Fußball spielen

Das Karussell der Gesellschaftsdebatten dreht sich in Zeiten von Corona immer schneller und Lisa Schwesig hat große Probleme, noch mitzukommen. Vielleicht hilft also ein Blick zurück zum Altbewährten: zur Kantischen - und Beckenbauerschen Philosophie.

In keiner Zeit, an die ich mich erinnern kann (also die Zeit nach der Wende), wurden gesellschaftliche Debatten mit einer solchen Heftigkeit und mit einem derartigen Durchsetzungsvermögen geführt wie aktuell. Und ich stelle mir die Frage: Passiert das alles wegen Corona oder trotz Corona?

Egal, ob es um Rassismus, Diskriminierung oder Geschlechterrollen in vielerlei Kontexten geht, alles wird derzeit aufs Tableau gebracht. Wenn Sie keine Ahnung haben, wovon ich rede, sind Sie vermutlich nicht sehr aktiv auf Twitter. Es geht um Rassismus im Zusammenhang mit dem Tod von George Floyd, der wiederum eine Debatte über Polizeigewalt ausgelöst hat, die wiederum Gegenstand einer "taz"-Kolumne ist, die wiederum zu einer Debatte über Binärität und Geschlecht geführt hat, die wiederum zu der Frage führt, warum Frauen und insbesondere Mütter eigentlich immer noch schlechter bezahlt werden und warum Care-Arbeit (Haushalt, Kinder, Erziehung etc.) so wenig Wert hat in unserer Gesellschaft. Überfordert Sie dieses Gedankenkarussell? Mir geht es auch so.

1. Was vom Tag bleibt?

Passend zum Thema Gleichberechtigung hat die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung heute eine Studie zur Geschlechterverteilung in deutschen Parlamenten veröffentlicht, über die meine Kollegin Nina Amin berichtet. Das Ergebnis können Sie sich schon denken, oder? In Berlin beispielsweise sind nur 33 Prozent der Abgeordneten weiblich - Tendenz fallend. In Brandenburg gibt es dagegen bereits ein Paritätsgesetz. Es stellt sich mir aber die Frage: Wie wichtig ist das? Was heißt eigentlich "weiblich"? Und können Frauen die Interessen von Frauen besser vertreten?

Mehr Interessenvertreter hätte wohl auch der Brandenburger AfD-Poltiker Andreas Kalbitz benötigt. Nach einem Hin und Her bezüglich seiner Parteizugehörigkeit hat das Bundesschiedsgericht der Partei nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios [tagesschau.de] in einem Eilverfahren den Ausschluss des 47-Jährigen beschlossen. Kommt es zum Knall oder zur Versöhnung?

Einen großen Knall könnte es am Freitag in der Potsdamer Innenstadt geben: Am Mittwoch wurde bekannt, dass in der Havel nahe der Freundschaftsinsel eine 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbombe britischen Fabrikats liegt. Brandenburgs Sprengmeister Mike Schwitzke wird sie morgen mit seinem Team entweder entschärfen oder sprengen. 13.000 Menschen müssen evakuiert werden, die Aktion beginnt um 8 Uhr.

2. Abschalten

In einer Philosophievorlesung schrieb ich einmal die vier zentralen Fragen des Lebens nach Immanuel Kant von der Tafel ab:

1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?
4. Was ist der Mensch?

Ich weiß noch, wie ich damals dachte, dass dieser Kant ganz schön schlau war, diese Fragen zu stellen, denn sie sind heute ebenso aktuell wie im 18. Jahrhundert oder zu Zeiten Platons. Ihre Beantwortung kann ein Leben lang dauern, vielleicht ist sie auch unmöglich. Die Debatten in Zeiten von Corona erinnern mich jedenfalls sehr an diese Grundsatzfragen und Kants Theorien. Sie fordern einen ständig dazu auf, das eigene Verhalten zu prüfen und an den gesetzten Maßstäben zu messen. Aber bevor ich Ihnen an dieser Stelle noch mit Kants Kategorischem Imperativ (Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.) komme, lasse ich Sie an einer anderen Philosophie teilhaben - an der von Monty Phyton.

3. Und, wie geht's?

Mein Kollege Tim Schwiesau hat in seinem gestrigen Absacker über Urlaub, Ferien, das Fliegen und die Plattform Tiktok philosophiert. Darunter hat "rbb-guckerin" Folgendes kommentiert:

"Endlich Ferien für die Kinder - keine gemailten Arbeitsbögen mehr und die Spielplätze sind auf. Für die Lehrer/innen endlich erst einmal Urlaub. Da Ferien nicht gleich Urlaub sind, werden diese nach der Pause das neue Schuljahr unter unklaren Bedingungen vorbereiten. Eltern haben Glück, wenn sie ihren Jahresurlaub nicht im Frühjahr aufgebraucht haben - denn sonst wohin mit den Kindern?

Sommer in Berlin ist schön und das Umland ist auch da. Deshalb wird - seit der Nachwuchs aus dem Haus ist- sowieso hiergeblieben, durch die Wälder gewandert und die Eiscafés besucht. Man glaubt es vielleicht nicht, doch auch die über 60-Jährigen wissen seit Jahren, dass Fliegen klimaschädlich ist und somit wird nur alle paar Jahre für Verwandtenbesuch geflogen. Wenn man wieder nach UK kann (hoffentlich im Herbst), dann wie immer mit dem Zug durch den Tunnel."

Und dann schreibt - um zum Anfang dieses Abackers zurückzukommen - sie oder er oder beides bzw. keines von beiden: "Interessant der Hinweis auf die Bombenbeseitiger, die haben Respekt verdient. Ein gelungener Absacker."

Welches Gedankenkarussel fährt bei Ihnen derzeit? Geht es um Urlaub? Um Gesellschaftsdebatten? Oder um Spreewaldgurken? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld

Und was hat Franz Beckenbauer, der quasi das Cover dieser Absacker-Ausgabe ziert, nun mit all dem zu tun? Außer dass er der einzige Monty-Phyton-Spieler ohne philosophische Grundausbildung (Annahme der Autorin) ist? Eigentlich gar nichts. Laut dem Journalisten Christoph Marx ist Beckenbauer sogar nicht nur der Fußball-, sondern vor allem der Floskelkönig, wie er 2018 in seinem Buch "Der springende Punkt ist der Ball" geschrieben hat. Mit Aussagen wie "Der Grund war nicht die Ursache, sondern der Auslöser" hätte er Kant sicherlich nicht ins Debattierabseits befördert.

Beckenbauer dient aber vielleicht insofern als Vorbild, dass man sich manchmal einfach nicht allzu viele Gedanken über alles machen, sondern einfach loslegen sollte. Oder auch: "Gehts raus und spielts Fußball."

Prost,

Lisa Schwesig

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Beitrag von Lisa Schwesig

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4 Kommentare

  1. 4.

    So sehr ich Ihnen darin zustimme, dass ungleicher Lohn bei gleicher Arbeit sich inzwischen weitgehend erledigt hat, so sehr bin ich der Auffassung, dass die soziale Bewertung von Berufen nicht einfach vom Himmel fällt. Vielmehr ist diese Bewertung, die ein einschlägiges Entgeltgefüge nach sich zieht, das Spiegelbild vorherrschender gesellschaftlicher Vorstellungen. Von der Tendenz her: Der Vorrang rein technischer Berufe gegenüber den sozialen Berufen und erst recht, wenn sich die sozialen Berufe nicht mit der Metaebene beschäftigen, sondern in unmittelbarer Weise wirken.

    Fast schon im diametralen Gegensatz zu dieser recht einseitigen Hochschätzung alles Technischen und der tendenziellen Geringschätzung sozialer Berufe befinden sich die tendenziellen Vorlieben von Frauen. Darin sehe ich das Grundproblem. Nicht der Frauen, sondern der Gesellschaft.

  2. 3.

    Frauen werden nicht schlechter bezahlt, sie haben einfach die schlechter bezahlten Jobs.
    Und Frauen sind generell schon stark in der Gesellschaft anerkannt, nur wenn sie jetzt den finanziellen Aspekt meinen, wie soll denn das funktionieren für eine haushaltsführung?
    Jede Frau kriegt 1000 € pro Kind und Haushalt?
    Haben wir dann ein wunderland wo das ganze Geld denn gedruckt wird?

  3. 2.

    Heute kein Absacker direkt für mich :-) habe ich doch fußballerisch die Doppelnull aufm Tricko´ ;-)
    Ich weiss aber noch, wie meine Oma mir auf die Frage, wer der Beckenbauer ist, der da immer im s/w-Fernsehen erwähnt wird, geantwortet hat, dass es eine JUNGER Spieler wäre, der unheimlich gut spielt. Also das muss WM 70 gewesen sein... wirklich schöner Film um das Griechenlandspiel!

    Ich bin übrigens wirklich nicht bei Twitter, ist mir zu nervenaufreibend. Frei nach dem 80er Hit der Pointer Sisters "I´m so excited". Ne ne, mir reicht das hier schon völlig aus....

  4. 1.

    Der Ball ist rund und das Spiel dauert 90 Minuten.

    Spielverlängerungen wegen Verletzungen waren seinerzeit schon Sepp Herberger nicht entgangen; dass mit zunehmender Tendenz alle fünf Minuten das Spiel unterbrochen werden muss, weil sich eine der beiden Mannschaften durch irgendeine Aktion benachteiligt fühlt und daher erst einmal der Videobeweis ran muss, das konnte er allerdings nicht ahnen.

    Der Beckenbauer schon. Der ist ja jünger. Doch wissender nicht unbedingt. Außer, welche Wirkung Geld hat.

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