Loriot auf einer Parkbank in Bremen. /imago images/Winfried Rothermel
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Der Absacker - Wo laufen sie denn hin? Wenn die sich nur nicht verlaufen!

Es schien ein ruhiger Tag zu sein. Einer zum Durchschnaufen, ehe die neue Woche beginnt. Doch dann stieg über Tegel eine Rauchwolke auf, Hertha BSC zeigte Johannes Mohren einmal mehr, dass Showbiz nun Programm ist - und nicht zuletzt war da noch Loriot.

Im Absacker mache ich mal was anderes, hatte ich - im ersten Leben Sportjournalist - mir vorgenommen. Und ich hätte das auch geschafft. Wäre da nicht Hertha BSC dazwischengegrätscht. Jens Lehmann sitzt nun also im Aufsichtsrat - als Nachfolger von Jürgen Klinsmann. Schlagzeilen können die Berliner in dieser Spielzeit.

"Egal, wie die Bundesligasaison 2019/20 endet, die Alte Dame ist einer ihrer Gewinner. Denn wenn Fußball Unterhaltung ist, und darauf verweisen Politik und DFL ja derzeit mit viel Verve, dann macht den Berliner so schnell keiner etwas vor."

Das hat mein Kollege Ilja Behnisch am Samstag erst in einer satirischen Rückschau auf die bisherige Saison geschrieben, die schon ohne diese weitere Wendung Stoff für mehrere Jahre geboten hätte. Aber gut, nehmen wir es mal mit Oliver Kahn - dem Mann, mit dem sich Lehmann einst einen erbitterten Kampf ums DFB-Tor lieferte: Weiter, immer weiter! 

"Oder um es mit Wahl-Amerikaner Jürgen Klinsmann zu sagen: 'That's Showbiz!'"

1. Was vom Tag bleibt

Es waren dann doch noch Big News vom Big City Club - und das an einem Tag, der so ruhig begann, dass ich gar nicht so richtig wusste, was ich Ihnen hier mit hätten auf den Weg geben sollen. Außer dass es in diesen aufgeregten Wochen ja auch mal schön sein kann, wenn in der (Nachrichten-)Welt nicht so viel passiert. Einmal runterkommen. Vielleicht in Ruhe gute Texte lesen. Wie diesen aus unserer Serie #Wiegehtesuns, in dem meine Kollegin Jenny Barke den Corona-Alltag der Sexarbeiterin Ruby protokolliert.

Doch Lehmann - der nächste Coup made im Investoren-Hause Windhorst - ist nicht die einzige Nachricht des Abends, die wir Ihnen per Push aufs Smartphone geliefert haben. In Berlin-Tegel ist ein Großbrand ausgebrochen. Lagerhallen stehen in Flammen. Die Feuerwehr kämpft mit den Flammen, der Verkehr ist eingeschränkt - und die Behörden haben eine Gefahrenmitteilung herausgegeben. Meine Kollegen halten Sie hier auf dem aktuellen Stand.

2. Abschalten

Jetzt ist es ohnehin zu spät. Ich habe mit meinem Vorsatz des sportfreien Absackers gebrochen (nochmal: Es war Zwang!) - und mache nun einfach weiter. Vor ein paar Stunden habe ich Galopprennen im Internetstream geschaut. Zum ersten Mal. Denn während die Sportwelt weiter stillsteht, rasten in Hoppegarten die Pferde. Ohne Zuschauer natürlich.

Denken musste ich dabei unweigerlich an Loriot. Sie wissen schon.

"Wo laufen sie denn? Wo laufen sie denn hin? Mein Gott, wo laufen sie denn?"

Ach ja, manche Fragen sind natürlich nicht nur auf der Rennbahn ein (kleines) Rätsel. "Wo laufen sie denn hin? Wenn die sich nur nicht verlaufen!"  Es sind Gedanken, mit denen an diesem Abend wohl auch der ein oder andere einschlafen wird, der es mit Hertha hält.

3. Und, wie geht's?

Das schreibt heute jemand auf, der sonst vor allem im Radio spricht - und Sie mit den neuesten Nachrichten versorgt. Mein Kollege Linus von Fritz vom rbb. 

Während Berlin und Brandenburg an diesem Wochenende draußen die Sonne und etwas zurückgewonnene Freiheit genießen, muss ich arbeiten. Doch was mich normalerweise eher stören würde, freut mich diesmal. Denn nach Wochen im Home Office darf ich zum ersten Mal wieder ins Büro.

Ich bin dieses Wochenende für die Nachrichten zuständig - und die müssen im Studio gelesen werden. Auch wenn ich hier ganz allein sitze und es Schöneres gibt als eine S-Bahn-Fahrt mit Mund-Nasen-Schutz (Liebe Brillenträger*innen: Falls ihr Tipps habt, wie die Brille nicht beschlägt, meldet euch gerne bei mir!), ist das zumindest ein kleines bisschen Normalität und Abwechslung für mich.

Und natürlich weiß ich auch, dass unser Job gerade wichtiger denn je ist - erst recht, weil wir bei Fritz für junge Menschen senden. Denn während die Politik noch über Möbelhäuser und Bundesligaspiele diskutiert, sind wir für Schüler*innen, Azubis, Studierende oder junge Eltern da. Indem wir sie mit Informationen versorgen und sie zum Beispiel in unseren Call-In-Sendungen zu Wort kommen lassen.

Dafür arbeite ich gerne auch mal bei Sonnenschein. Und das Wetter schlägt jetzt sowieso um - das habe ich zumindest gerade im Radio erzählt.

Wie erleben Sie denn die aktuelle Lage? Was hilft Ihnen, Hoffnung zu bewahren? Schreiben Sie uns an: absacker@rbb-online.de. Ach ja: Brillentipps für Linus leiten wir natürlich auch gerne weiter!

4. Ein weites Feld ...

Es war nicht mit Linus abgesprochen, aber er hat mir die perfekte Brücke gebaut. Zu - ja, genau - dem weiten Feld des Wetters. Ich musste in diesen Tagen gleich mehrfach an meinen Ex-Nachrichtenchef bei einer Zeitung im Ruhrpott denken. Das passiert ganz automatisch, wenn sich metereologische Umschwünge ankündigen. Zum Glück mag ich ihn.

Was er mit dem Wetter zu tun hat? Nun ja. Einmal am Tag gab es eine Steh-Konferenz, in der unter anderem über das Titelbild geredet wurde. Und sobald sich etwas einigermaßen Außergewöhnliches am Himmel tat - was genau, war eigentlich egal - sagte eben dieser Chef: "Wetter geht immer!" Die Foto-Frage war damit im Eiltempo geklärt.

Ich - hundsmiserabel bei Tipp-Spielen - wage also eine Prognose: Wenn ich am Montag auf das Cover des e-Papers schauen, sehe ich zu 99 Prozent ein Schlecht-Wetter-Bild. "Wetter geht immer!", klare Sache eben. Aber mal ehrlich - und abgesehen von der Titelseite: Zwei Grad und Graupel im Mai? Sorry, aber das geht eigentlich überhaupt gar nicht!

Bleiben Sie gesund - und trocken! Das wünscht Ihnen auf der Suche nach seinem (wie immer verschollenen) Regenschirm,

Johannes Mohren

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Beitrag von Johannes Mohren

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4 Kommentare

  1. 4.

    Seltsam, ich muss bei dem Sketch an Wilhelm Bendow und Franz-Otto Krüger denken,

  2. 3.

    Graupelschauer im Mai?!
    Schon mal was von den "Eisheiligen" gehört? Deren Tage liegen nicht im Dezember!

  3. 2.

    Mist jetzt haben sie mich doch tatsächlich mit dem reizwort Hertha getriggert, aber dann kommen doch nur die ewig gleichen plattitüden wie big city Club.
    Das ist mittlerweile genauso Lame und langweilig, wie alte zoten Witze über den BER.

  4. 1.

    Schirm suchen? Das ist doch ein Witz für einen, der wie ich in Würselen (Frauenklinik) geboren und ebenso wie ich über Aachen (es regnet oder die Glocken läuten, einst große Schirmindustrie) innen Pott umgesiedelt ist (hier Gelsenkirchen), Schirm verschollen is nich. Also klar, in Berlin braucht man FAST keinen, aber wir sind doch geübt - und misstrauisch.. zuallerletzt täten wir den Schirm wech :-)

    Danke für den sportlichen Absacker, und: Wetter geht (tatsächlich) immer!

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