Buchillustration, Lehrer Lämpel mit einer Atemschutzmaske (Quelle: dpa/imageBROKER)
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Der Absacker - Denn wer ohne Maske lacht, gibt nicht auf die Lehrer acht

In den Berliner Schulen wird sich im neuen Schuljahr maskiert, Attila Hildmann hat am Samstag frei und George R.R. Martin wird mit internationalen Nerd-Haftbefehl gesucht. Der Absacker denkt derweil über Nazis im Polizeiverhör nach. Von Sebastian Schöbel

Suchen Sie Ihre Klamotten für den Tag eigentlich auch nach der Farbe ihrer Atemschutzmaske aus? Ich trage heute zum Beispiel ein neutrales Grau mit blauer Hose und blau-violettem Hemd. Morgen will ich mal etwas mutiger sein: Frisch gewaschen ist die bunte Maske mit dem grün-gelb-roten Märchenmotiv. Hose und Hemd dann eher unifarben, oder? Und die Schuhe?

Gut, diese Fragen langweilen Sie vielleicht... aber die Masken bleiben uns erhalten, also gehen Sie mit der Zeit, bevor die Jugend wieder alle Trends selber setzt.

1. Was vom Tag bleibt

Denn nun wissen wir, wie die Berliner Schulen aus der Corona-Sommerpause zum Regelunterricht zurückkehren wollen: mit einer Maskenpflicht. Auf dem Flur, auf der Toilette und in Gemeinschaftsräumen sollen Mund und Nase verdeckt werden. Im Unterricht hingegen nicht: Eine schlecht durchdachte Antwort unverständlich in ein Stück Baumwollstoff zu nuscheln, um sich unbequemen Lehrerfragen zu entziehen, wird also keine Option sein.

Anders als es zunächst aus den Reihen der Opposition hieß, wird die Maskenpflicht allerdings NICHT auf den Schulhöfen gelten.

Derweil kann Verschwörungsideologe Attila Hildmann die Gasmaske, die er martialischerweise auf Anti-Corona-Demos (in der Hand) trägt, wieder wegpacken: Sein für kommenden Samstag geplanter Protest in Berlin wurde untersagt – mal wieder. Der Grund: Auf Hildmanns Demos wurden zuletzt immer wieder die Corona-Regeln missachtet, außerdem wird gegen den Kochbuchautor wegen des Verdachts auf Volksverhetzung ermittelt.

Die Wut des Berliner Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) ist hingegen auch durch dessen Maske gut zu vernehmen: Müller ist gerade ziemlich sauer auf Bundesinnenminister Horst Seehofer. Denn der CSU-Mann verhindert weiterhin, dass Berlin Flüchtlinge aus griechischen Lagern aufnehmen kann. Müller spricht im rbb-Interview von einem "politischen Skandal": Die Menschen, darunter viele Kinder, hausen in Griechenland unter katastrophalen Bedingungen. "Das macht uns im Senat alle sehr wütend", so Müller.

2. Abschalten

Heute ist der erste Tag von George R. R. Martins Gefängnishaft auf der Vulkaninsel White Island in Neuseeland.

Oder WÄRE es, wenn man den Schöpfer der berühmten Saga "Das Lied von Eis und Feuer" endlich mal an seinen Ankündigungen messen würde. Denn während die auf den Büchern basierende Fernsehserie "Game of Thrones" längst beendet ist, schuldet Martin seiner Fangemeinde noch immer zwei ganze Bücher: "Winds of Winter" und "A Dream of Spring". Im Mai 2019 hatte Martin angekündigt, dass man ihn hinter Gittern werfen dürfe, falls er "Winds of Winter" nicht zum 29. Juli 2020, pünktlich zu seinem Auftritt bei einer Fantasy-Messe in Neuseeland, fertig haben würde.

Das war gestern - und das Internet vergisst bekanntlich nichts.

Aber wieder einmal kann Martin seinen Kopf samt Fischermütze aus der Schlinge ziehen: Denn die Messe in Neuseeland wird dieses Jahr wegen der Corona-Krise rein digital stattfinden. Auf Bilder des von wütenden GoT-Nerds abgeführten Martin muss man also weiter warten...

3. Und, wie geht's?

Gestern habe ich Ihnen im Absacker erzählt, wie sehr es mich wurmt, nie ein Handwerk erlernt zu haben. Vielleicht war es die Erkenntnis, dass meine selbstgebaute Gartenhütte eben doch nicht wegen des schwierigen Gefälles und der natürlichen Erosion des märkischen Sandes schief geworden ist. Sondern weil ich als Akademiker besser jemanden beauftragt hätte, der sowas kann. Kenner nennen das den "Tim-Taylor-Effekt" (siehe Video).

Daraufhin meldete sich Lothar aus Charlottenburg, um mir ein wenig Realität einzuimpfen:

In meiner Jugend hörte ich immer wieder, wie Erwachsene meinten: Erlerne erst einmal einen anständigen Handwerksberuf. Danach kannste dich ja immernoch für ein Studium entscheiden. Gute Handwerker werden ja immer gebraucht.

Das habe ich auch geglaubt - bis ich merkte, dass selbst mein erlernter schöner Beruf Maler/Lackierer plötzlich immer weniger die Beachtung erhielt, die er verdient. Es tauchten plötzlich überall diese Subunternehmen auf, und kleine, gute Handwerksbetriebe konnten dicht machen.

Ich entschied mich dann für einen sehr drastischen Schritt: Ich wechselte die Seiten und fing im Öffentlichen Dienst an. Bei der Post. Diesen Schritt habe ich nie bereut, denn mir blieb all der Stress mit den oftmals kriminellen Subunternehmen erspart. Siehe auch jetzt die Fleischindustrie, Pflegedienste etc.pp.

Hat Lothar Recht? Haben wir das Handwerk durch Missachtung, Geiz und zu viel Kapitalismus unattraktiv gemacht? Schreiben Sie uns an absacker@rbb-online.de.

4. Ein weites Feld...

Nicht nur Boulevard- sondern auch Qualitätsjournalismus testet gelegentlich die Grenzen unseres Rechtsstaates aus - oder stößt zumindest eine Debatte darüber an, wieviel die Öffentlichkeit wirklich wissen muss und darf.

Die Kollegen des öffentlich-rechtlichen Jugendprogramms "Funk" haben nun exklusiv über die Motivation des mutmaßlichen Mörders von CDU-Politiker Walter Lübcke, Stephan Ernst, berichtet [funk.net]. Dafür haben sie auch Videoaufnahmen von dessen Polizeiverhör veröffentlicht - ein Novum. Die exklusive Recherche ist einerseits ein toller Erfolg, die "Funk"-Journalisten selbst werden das Verhörvideo als Dokument der Zeitgeschichte. Doch es gibt auch Kritik: Bietet man dem Rechtsextremisten Ernst damit eine Propaganda-Bühne [spiegel.de]? Und beeinflusst man damit am Ende die Zeugen, die im Prozess noch gehört werden [hessenschau.de]?

Eine sehr schwierige Diskussion, die den Journalismus in all seiner Komplexität zeigt. Was denken Sie? Hätte das Verhörvideos des Rechtsextremisten Ernst veröffentlicht werden dürfen oder nicht? Schreiben Sie uns gerne einen Kommentar unter diesem Absacker.

Sebastian Schöbel

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Beitrag von Sebastian Schöbel

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zum Thema Studium vs. Handwerk hatte ich gestern eine E-Mail an angegebenes Postfach geschickt. Vor einiger Zeit zu einem anderen Thema. Beide blieben unbeantwortet, allerdings habe ich keine Meldung bekommen, dass das Versenden fehlgeschlagen ist.
    Ich erwarte nicht dass meine Mails zwingend Beachtung finden, ich würde nur gern wissen, ob sie überhaupt angekommen sind.
    Ich habe leider nicht an die Lesebestätigung gedacht. :)

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